init-admin 15.05.2008, 10:50 Uhr 0 2

Britneys Männer

Die private Misere von Britney Spears ist für Hollywoods PAPARAZZI das größte Glück. Und die sind ihr Tag und Nacht auf den Fersen.

Britney Spears hat auf mein Auto eingeprügelt, mit Glatze und allem«, erzählt mir Dano. Wir liegen am Mulholland Drive auf der Lauer – in jenem silbernen Ford Explorer, der berühmt wurde, als ein außer Kontrolle geratener Popstar ihn mit einem Regenschirm attackierte. Die Nacht ist dunkler als sonst, über ein Dutzend Brände wüten unweit von hier in Malibu und am Lake Arrowhead. Die Luft ist so schlecht, dass viele Paparazzi wegen Übelkeit nach Hause gegangen sind. Das Objekt, auf das wir warten, ist ein weißer Zweisitzer- Mercedes SL 65. Oder der schwarze Audi, den Britneys Freund Sam Lufti fährt. Zwischen dreißig und 45 Paparazzi bearbeiten Britney in jeder beliebigen Nacht. Die teuren Autos, die sie fahren, zeugen von der Tatsache, dass Britney Spears – mit ihren Ehen, Sorgerechtsstreits, Familienkrächen, neuen Partnern, Starbucks-Ausflügen, und Krankenhauseinlieferungen – eine größere und lukrativere Geschichte ist, als es einst Elizabeth Taylor und Richard Burton oder John Lennon und Yoko Ono waren.

Der bestpublizierte Star-Zusammenbruch aller Zeiten hat dazu beigetragen, Dutzende von Fernsehshows, Magazine und Webseiten am Leben zu halten, deren britneybezogene Produkte zusammengerechnet jährlich locker über 100 Millionen Dollar wert sind – nebenbei hat all das geholfen, »Britney Spears« 2007 wieder einmal zum beliebtesten Suchbegriff auf Yahoo zu machen, genau wie in sechs der vergangenen sieben Jahre zuvor. Dano, ein zynischer, mexikanischstämmiger Angeleno mit Unschuldsgesicht, macht schon seit drei Jahren bei der Britney-Show mit. Sein Auftraggeber X17 ist die größte Agentur in Hollywoods Paparazzigeschäft. Fast jedes berühmte Bild des bekanntesten implodierenden Popstars der Welt – Britney, die mit ihrem Sohn auf dem Schoß Auto fährt, Britney in der Entzugsklinik, Britney ohne Unterwäsche, Britney, die ihren Kopf rasiert – wurde von X17- »Schützen« oder »Paps« aufgenommen, die als Teams unter der Leitung des X17-Besitzers François Navarre arbeiten. Navarre, ein Absolvent der angesehenen École normale supérieure in Paris, kam 1992 nach Los Angeles, um über die Rodney-King-Krawalle zu berichten – dann machte er sich als Promifotograf selbst ständig. Von den traditionelleren Hollywoodpaparazzi wird Navarre, der im Business unter seinem zweiten Vornamen Régis bekannt ist, verachtet. Sie nehmen ihm übel, ihr individualisiertes Metier zerstört zu haben, indem er Banden von Immigrantenkindern mit auf Pump gekauften Digitalkameras anheuerte.

Sie machen jetzt die Arbeit der heroischen Einzelgänger, die einst Jackie O. mit Teleobjektiven verfolgten. Die meisten der X17-Paps – es sind sechzig bis siebzig, abhängig davon, wer gerade gekündigt hat oder gefeuert wurde, bekommen ein Gehalt zwischen 800 und 3000 Dollar pro Woche, zuzüglich eines gelegentlichen vier oder knapp fünfstelligen Bonus im Austausch für die globalen Rechte an ihren Bildern, die komplett an Régis gehen. X17 zahlt zudem wöchentliche Gehälter an ein Dutzend Informanten und versorgt 500 bis 600 Parkplatzwächter, Club-Kids und Verkäuferinnen in und um L.A. mit kleinen Honoraren. Die Abnehmer der Fotos sind amerikanische Celebrity- Zeitschriften wie »Us Weekly« und »People «, die großen US-Fernsehsender, sie gehen auch an Zeitungen und Magazine in Deutschland, England, Australien, Hongkong, China, Israel, Dubai – und jeden anderen im Mediengeschäft, der Bilder und Videos von Paris Hiltons Verhaftung, Brad und Angelinas Kindern oder Britneys letztem Gerichtsdrama braucht – also eigentlich: an jeden im Mediengeschäft dieses Planeten. »Wir sehen sie normalerweise, wenn sie hinunter in Richtung Beverly Hills fährt, am Haus von Jessica Simpson vorbei«, erklärt Dano und reibt seine Handflächen an seinem navyblauen Adidas-Trainingsanzug.

»Das ist heute wirklich Old School.« Das X17-Team, das dieser Tage hauptsächlich auf Britney angesetzt ist, heißt »MBF« – eine verschwiegene Gruppe von acht Brasilianern plus Aushilfen wie Dano. In dieser Nacht hat Teamleiter Felix Filho beschlossen, seine Leute von den üblichen Plätzen am Straßenrand ab - zuziehen, um Britney nach draußen zu locken. Sie wohnt im Summit, einer abgeschotteten Reichensiedlung am höchsten Punkt des Mulholland Drive, normalerweise lauern die Fotografen über und unter dem Summit. Die Praxis, genau an der Tür eines Stars zu warten, ist als »Hausieren« bekannt und fordert von den Paparazzi genauso ihren Tribut wie von den Stars. Wer die zwölf bis vierzehn Stunden Warte zeit an sechs oder sieben Wochentagen in Kauf nimmt, hat andererseits die Chance, dabei zu sein, wenn Britney einmal ihr Auto in den Straßengraben setzt oder auf einer Bahre weggetragen wird. »Man erzählt eine kleine Geschichte in einem 15- oder 20-Se kunden- Clip«, sagt Dano, die rechte Hand auf seiner Panasonic-Videokamera, die Bilder in Fernsehqualität liefert. »Du brauchst einen Schauplatz. Du brauchst Action und dann brauchst du eine Auflösung.«

DEN GANZEN ARTIKEL FINDEST DU IN DER AKTUELLEN AUSGABE VON NEON. WENN DU SIE GELESEN HAST, KANNST DU UNS HIER SCHREIBEN, WIE SIE DIR GEFALLEN HAT.

2

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
13. Februar 2012

Neueste Artikel-Kommentare