janagold 10.08.2012, 14:09 Uhr 15 1

Bright Lights

Das ist Raveland, Baby.

Um mich herum nur grell funkelnde Lichter. Fremde Menschen, die sich merkwürdig zu schneller Technomusik bewegen. Oberflächliche Unterhaltungen und schnelle Bekanntschaften.
Ich bekomme nichts mit von all dem. Der Bass dröhnt laut in meinen Ohren. Ich lasse mich fallen. Lasse mich tragen von Klängen, die Manche wohl als disharmonisch bezeichnen würden. Aber in meinem Kopf ergibt das gerade alles Sinn.
Ich schaue mich um, versuche irgendetwas außerhalb der Tanzfläche zu erkennen. Meine Augen wandern konzentriert durch den von einem Rauchschleier durchzogenen kleinen Raum, als wären sie auf der Suche nach etwas Bestimmtem.
Sie sind auf der Suche nach etwas Bestimmtem. Nach jemand Bestimmtem. Sie wissen nur noch nicht, wie er aussieht. Zu viele Worte in meinem Kopf. Angefangene Gespräche, Dinge, die ich nie sagen konnte, Dinge, die einfach keinen Sinn ergeben, Kunst, Wahnsinn, Mitteilungsbedürfnis, das Alles scheint meinen Kopf schier zu sprengen ich will schreien ich schreie aber es kommt kein Ton und plötzlich- Stille. Alles um mich herum ist auf einmal ganz leise und langsam. Die Menschen tanzen und lachen in Zeitlupe, jemand redet mit mir aber er ist so weit weg, dass ich ihn nicht hören kann ich zünde mir eine Zigarette an und schließe die Augen und plötzlich scheine ich der Musik wieder näher zu kommen.
Ich habe keine Ahnung wo ich bin oder wer ich bin oder wie spät es ist aber das ist auch egal. Ab und an dringen von irgendwoher Sonnenstrahlen herein oder vielleicht sind es auch nur Scheinwerfer. Der Raum ist leerer geworden und nur noch Wenige bewegen sich mit mir zusammen auf der kleinen Tanzfläche. Da sitzen ein paar Jungs auf dem Boden und rauchen einen Joint, dort drüben schläft einer oder ist tot oder einfach nur im totalen Delirium. Die Musik ist unverändert: laut, schnell und treibend, harte Beats, luftabschnürende Bässe.
Ich bin immer noch auf der Suche. Mein ganzes Leben schon suche ich nach Irgendetwas oder Irgendjemandem, keine Ahnung, nach der großen Liebe oder der perfekten Party oder der perfekten Droge und nie ist es mir perfekt genug ich will immer mehr und mehr, lauter und schneller und heller ich tanze immer weiter so schnell bis ich nichts mehr fühle die Musik wird immer lauter bis ich nichts mehr höre und nichts mehr sehe ich lasse mich fangen von den Menschen die um mich herum sind – nicht.
Ich lasse mich fallen und falle.


Tags: Kurzgeschichte
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15 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Um den waghalsigen Versuch zu starten, dass dieser Kommentar nun nicht bold daherkommt, ein neuer Anfang. Erst einmal Glückwunsch, dass du das Fett-Dilemma lösen konntest! Habe den Text nun tatsächlich noch einmal viel angenehmer gelsen und falls dich meine Meinung interessiert.. :

    Mhh. Mir ist nicht ganz klar, was du mit dem Text transportieren möchtest. Eigentlich hätte ich vermutet, es geht um die Liebe zur Musik und die Erfahrung, sich in sie fallen zu lassen und alles andere dadurch zu vergessen, was du gut beschrieben hast. Auf der anderen Seite kommst du aber immer wieder darauf zurück, dass du nach etwas auf der Suche wärst, was mit dem vorher genannten für mich irgendwie so gar nicht zusammenpasst...?

    11.08.2012, 22:35 von Juliie
    • 0

      Ach menno.

      11.08.2012, 22:35 von Juliie
    • 0

      naja, im grunde geht es darum, einen bestimmten lebensabschnitt in einer szene zu beschreiben, die gleichzeitig auch dieses lebensgefühl vermittelt. die musik, der spaß - hedonismus; (falsche) freunde, der schöne schein und das, was sich dahinter verbirgt - oder eben auch nicht. wenn du auf einmal merkst, dass alles nur schall und rauch ist und so vieles den morgen nicht überlebt.

      11.08.2012, 22:46 von janagold
    • 0

      es gibt da dieses schöne gefühl des sich fallen lassens, die völlige hingabe zur musik. aber gleichzeitig ist es auch eine flucht vor der realität. die hoffnung, hier vielleicht etwas zu finden, was man vermisst. oft weiß man ja nur gar nicht was das eigentlich ist, das einem so fehlt zum glücklichsein...

      11.08.2012, 22:48 von janagold
    • 0

      Ok, danke für die Erklärung, auch wenn ich das alles, was du eben beschrieben hast, leider nicht spontan aus dem Text herauslesen konnte. Und der Konflikt zwischen "alles ausblenden" und der verzweifelten Suche bleibt irgendwie trotzdem.

      Ich habe es jetzt aber besser verstanden und deine Schreibweise empfinde ich als sehr angenehm. :)

      11.08.2012, 22:56 von Juliie
    • 1

      dankeschön :) nunja vielleicht sind es ja genau solche paradoxien und unverständlichkeiten, auf die es ankommt... man weiß es nicht ;)

      11.08.2012, 23:05 von janagold
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  • 0

    Aaah, es tut mir leid, aber das Fettgedruckte hat es mir wirklich unmöglich gemacht, den Text konzentriert (und zu Ende) zu lesen... Warum? Vielleicht schade drum.

    11.08.2012, 00:31 von Juliie
    • 1

      Ich bin gerade etwas verstört. Da mein Kommentar, der Ironie entbehrend, nicht fettgedruckt beabsichtigt war. Voll unheimlich.

      Liegt ein Fluch auf dir?

      11.08.2012, 01:09 von Juliie
    • 1

      Schon wieder!! Aaaaahh.

      11.08.2012, 01:09 von Juliie
    • 0

      das is son neon-ding. da heißt es dann ganz oder gar nicht, was die schriftarten angeht.

      11.08.2012, 01:49 von IceIceFriedhelm
    • 0

      Ich bleibe dabei.

      Voll unheimlich.

      11.08.2012, 01:51 von Juliie
    • 0

      hm, dass es fettgedruckt ist hatte ich gar nicht beabsichtigt... vielleicht lässt sich das ja ändern.

      11.08.2012, 22:21 von janagold
    • 0

      Ja, seltsam. Friedi hat aber recht, wenn ich hier bei deinem Artikel bin, erscheint selbst die Alert-Leiste fettgedruckt...?

      Wenn's nicht klappt, würde ich mich mal an die Redaktion wenden. ;)

      11.08.2012, 22:23 von Juliie
    • 0

      nun, es ist vollbracht. viel spaß beim lesen falls du nun noch einen versuch wagen möchtest. 

      11.08.2012, 22:23 von janagold
    • 0

      friedi hat immer recht!...oder so.

      12.08.2012, 02:33 von IceIceFriedhelm
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