Kathrin_Hartmann 28.11.2007, 12:32 Uhr 17 3
NEON täglich

Braune Bühne

Der Debattierclub in Oxford hat sich Holocaust-Leugner zur Podiumsdiskussion eingeladen. Ist das noch Meinungsfreiheit?

Der Debattierclub in Oxford ist bekannt für seine Streitgespräche über provokante Themen und seine illustren Gäste. Der Dalai Lama war schon zu Gast, Winston Churchill, Mutter Teresa und selbst Kermit der Frosch. Es wurde die Lage im Nahen Osten ebenso ernsthaft diskutiert wie die Frage, ob nun die Beatles oder Oasis die bessere Popmusik machen oder ob es Außerirdische gibt.

Am Montagabend diskutierten dort Holocaust-Leugner David Irving, der deswegen 2006 in Österreich zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, und Nick Griffin, Chef der britischen rechtsextremen Partei BNP, der schon einmal wegen Rassenhass verurteilt wurde. Irving debattierte mit dem Demokraten Evan Harris und der Journalistin Anne Atkins in einem, Griffin mit Studenten der Oxford Universität in einem anderen Raum.

Vor und nach der Veranstaltung gab es heftige Proteste. Hunderte Anti-Faschisten demonstrierten, einige drangen sogar in des Gebäude der Oxforder Universität ein, der Tory-Abgeordnete Julian Lewis war schon vor der Veranstaltung aus Protest aus dem Club ausgetreten, zahlreiche Organisationen äußerten ihren Unmut.

Der Debattierclub verteidigte die Einladung und betonte, es sei wichtig, Menschen mit verschiedener Meinung eine Plattform zu geben. Luke Tryl, Vorsitzender des Debattierclubs, begründete die Entscheidung damit, dass Studenten die Möglichkeit hätten, die Gesprächspartner öffentlich herauszufordern. Dem Faschismus müsse man "frontal die Stirn bieten, im Gespräch".

Darf man solchen Leuten eine Plattform bieten? Und ist Rechtsextremismus und Holocaust-Leugnen ernsthaft eine Meinung, deren Freiheit man schützen muss?

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17 Antworten

Kommentare

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    Den Holocaust zu leugnen, oder ihn in Zweifel zu ziehen ist keine Meinung, sondern Dummheit. Dumme Menschen sollte man nicht bestrafen, sondern bedauern. Angesichts der Tatsache, dass der Holocaust schlichtweg nicht zu diskutieren ist, wundern mich eher solche Debattierrunden wie jene in Oxford. Was wird denn dort debattiert? Und zu welchem Zweck? Wissen die dort denn nicht, dass man mit dummen Menschen nicht diskutieren kann? Was provoziert dann so ein Streitgespräch? Bei mir jedenfalls ein müdes Lächeln und ein leichtes Kopfschütteln.

    03.12.2007, 23:22 von magnus
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      @[Benutzer gelöscht] @avionic

      von den "grundsätzen unserer demokratie" in einem atemzug mit "unserem staat" zu reden, der "lieber verbietet statt sich auseinanderzusetzten" finde ich super :). *hihihi*
      soviel dann zu unserer demokratie.

      :)

      29.11.2007, 18:55 von derHerrMitDemPixel
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    ...demokratischen Möglichkeiten---auseinandersetzen --- auf jeden Fall

    29.11.2007, 01:05 von trooper
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    Guten Morgen,

    eine Plattform geben sollte man diesen Menschen nicht. Sich mit Ihnen aber auf dem Boden unserer demokratischen Möglichkeiten auf jeden Fall.

    Antifaschismus kann doch nicht nur auf "mainstreamigen", pauschalen Verurteilungen und halbherzigem Geschichtswissen beruhen. Die Stimmen des Antifaschismus in Deutschland haben doch sicherlich genügend sachliche, fachliche und auf faktischer Geschichte beruhende Argumente um in jeder "Diskussion" mit Holocaustleugnern" bestehen zu können.

    Das sich befassen mit Menschen wie Irving dient auch der eigenen Bildung und Aufarbeitung, warum sollten wir also nicht mit Ihnen diskutieren.

    Ich habe manchmal den Eindruck, daß das tatsächliche Wissen der Faschismus Gegner nicht fundiert ist, sondern auf dem Gefühl "dagegen muss man sein" fußt, ohne die Ursachen und Folgen zu hinterfragen.

    Somit könnte eine derartige Diskussion u. U. lehrreich für beide Seiten sein.

    Viele Grüße - trooper

    29.11.2007, 01:02 von trooper
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      @trooper Du hast m.E. recht.

      Aber die Antifa ist ein ziemlich absurder Haufen von gewalttätigen Freiheitsfeinden. Die Typen sind Polit-Hooligans. Antifaschismus verhält sich zu Faschismus wie Antipasti zu Pasti: Ein kleiner Vorgeschmack auf das totalitäre Hauptgericht.

      Daß die "Faschismusgegner" (typisch linker Kampfbegriff, interesant, wie unreflektiert der hier auch im Artikel gebraucht wird) tatsächlich nicht auf überlegenem Wissen aufbauen, merkt man ja schön an den sehr kurz gedachten Kommentaren hier im Thread. Hier wird völlig unreflektiert der übliche Schmonzes nachgeplappert, den man von wohlmeinenden Lehrern mal in der Schule gehört hat.

      Halbinformierte Ökotussis mit unreiner Haut werden von den rechten Intellektuellen an die Wand geredet. Man mußte sich ja auch nie mit der Ideologie auseinandersetzen.

      29.11.2007, 09:58 von Romeo_Flausch79
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      @Romeo_Flausch79 ... musste man nicht ? Ich glaube es gibt keinen Deutschen an den diese Zeit unbedacht vorrübergegangen ist ...

      29.11.2007, 10:26 von Composer
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      @Composer @composer
      Welche Zeit?

      29.11.2007, 10:30 von Philantrop
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      @Philantrop 1933-1945

      29.11.2007, 10:43 von Composer
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      @Composer Also an mir ist die Zeit gar nicht vorübergegangen - ich war da noch gar nicht geboren. Meine Eltern wurden da gerade erst geboren und meine Großeltern sind leider schon gestorben. Es geht also um die Generation 62 . Also um knapp 20%.

      29.11.2007, 10:47 von Philantrop
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      @Philantrop du musst mal zwischen den Zeilen lesen *g*

      ich wollte damit sagen das es keinen Deutschen gibt der sich nicht Gedanken über den Nationalsozialismus gemacht hat ....

      29.11.2007, 11:30 von Composer
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      @Composer Klar, man gibt sich an den Schulen viel Mühe, den Kindern die richtige Einstellung zu verpassen. Das geschieht aber derart plump und undifferenziert, daß man sich wie in einem Umerziehungslager vorkommt. Man wird im endeffekt wie ein potentieller Nazi behandelt, den man präventiv kurieren will.

      Man liest die üblichen Bücher (Als H. das rosa K. stahl, Des Teufels General, Damals war es Friederich, Tagebuch der Anne Frank, Das 7. Kreuz, Die Welle) und "diskutiert", um ein vorgegebenes Resultat zu erzielen. Das ganze mag zwar löblich sein, ist aber dennoch eine Beleidigung für jeden, der in der Lage ist, selbständig sein Hirn einzuschalten.

      Man kriegt das richtige Vokabular eingeiimpft: NS-Kunst ist "krude", rechtes Gedankengut ist "dumpf" und die Schläger sind "tumbe". Damit hat alles seine Richtigkeit und man wähnt die Schüler gewappnet. Wenn ich so nichtssagende Phrasen wie "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" lese, denke ich mir "Das habt ihr aber gut gelernt, Kinder" *kopftätschel*. Eure pawlowschen Reflexe werden in einer Diksussion aber niemanden beeindrucken.

      Die Realität sieht anders aus. Nazis kommen nicht stereotyp daher, wie das der eine oder andere anständige Gutmensch gerne hätte. Sie haben sich in den letzten 25 Jahren stark gewandelt, auch wenn das in den Lehrplänen unserer wehrhaften Schulen nicht vorgesehen war. Warum überrascht diese Entwicklung unsere aufständischen Anständigen? Weil sie sich lieber eine Schüssel über den Kopf ziehen und mit einem Holzlöffel darauf hauen und dabei "lalalalala" singen. Die mangelnde Transparenz ist selbstverschuldet und die Überraschung, daß die Rechten gar nicht so doof sind, kommt noch früh genug im Leben.

      Die größte Ironie kommt aber zum Schluß: Freiheit und Mündigkeit waren in der BRD der 50er Jahre etwas suspektes. Schließlich hatte Hitler große demokratische Erfolge vorzuweisen, schließlich sind die Deutschen seit Gottlieb Fichte in der Romantik hängen geblieben.

      Von der Meinungsfreiheit der Aufklärung ("Ich bin nicht ihrer Meinung, aber ich würde dafür sterben, daß Sie sie äußern dürfen") ist kaum noch was zu finden.

      Wie sollen Menschen, die der Idee der Freiheit systematisch entfremdet wurden, überzeugend gegen Feinde der Freiheit argumentieren? Da bleiben nur noch Wortkonserven, die ihnen in der Schule mit auf den Weg gegeben werden.

      Sie wissen ja nicht einmal, was sie verteidigen.

      29.11.2007, 13:36 von Romeo_Flausch79
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    das ist ein echt schwieriges thema ... erinnert mich ein wenig an den versuch, mit creationisten über die stichhaltigkeit ihrer argumente zu reden ... interessiert sie doch nicht ... dem irving gehts auch hauptsächlich darum, erstmal die tatsachen in frage zu stellen und eine andere möglichkeit (seine!) auf eine stufe damit zu stellen!
    Ob ich die Idee für gut finde, mit einem Holocaustleugner zu reden und zu debattieren? Generell finde ich es gut, mit jedem erstmal zu reden ... aber wenn er sich durch nichts überzeugen läßt, sondern immer wieder zu seinem standpunkt zurückkehrtm, dann ist bei mir auch die geduld zu ende .
    Man kann eine Meinung nicht ignorieren, so doof sie auch ist ... denn sie kann zündeln und sich verbreiten ... da finde ich die Idee gut, wenn sich der angesehene Debattierclub aus Oxford dabei versucht, dem Irving ein für alle Mal den Wind aus den Segeln zu nehmen, bevor er noch mehr Unruhe verbreitet ... zum Beispiel, indem er vor weniger im Diskutieren geübten Leuten redet ... Ich nehme mal an, daß der Club sich seiner Verantwortung bewußt war und sich gehörig drauf vorbereitet hatte.
    wenn sich allerdings herausstellt, daß der Irving nicht für ehrliche Argumentation offen ist (da weiß ich jetzt nicht bescheid), dann sollte man ihm diese Bühne nicht bieten und ihn bekämpfen, wo es nur geht.

    Aber eine Meinung ignorieren geht nun mal nicht, die Gedanken sind frei und die Meinung wird sich halten, bis man sie ausräumt, nicht durch Ignoranz oder Toleranz, sondern durch Widerspruch und Argumente.

    28.11.2007, 21:49 von jonnnes
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      @jonnnes und solange jemand noch mit anderen reden will, ist nichts verloren, schlimmer wird es bei dem pack, das zuschlägt, wenn es keine Argumente mehr hat oder ohne welche gehabt zu haben! Denen muß man den Nährboden entziehen, auf den sie sich berufen!

      28.11.2007, 21:52 von jonnnes
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      @jonnnes Meine Güte, ich bekomm hektischen Ausschlag.
      hallo? Die wollen nicht mit anderen reden, die suchen eine Bühne für ihre Hetzereien. Und wie kommst du auf die Idee, dass Worte weniger Schaden anrichten können, als Schläge?

      Im übrigen ist der von dir genannte Nährboden der Schläger doch wohl u.a. in faschistoiden Reden zu suchen?

      28.11.2007, 23:01 von sabbelwasser
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      @sabbelwasser ich sagte nur, daß noch etwas zu retten ist, wenn noch mit jemandem zu reden ist ... und wenn man solchen Leuten in einer Diskussion begegnen kann, und ja, der Nährboden sind die faschistoiden Reden, genauso hatte ichs gemeint.

      29.11.2007, 08:51 von jonnnes
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    Was das Thema Abnutzungserscheinung angeht: Ich sitze hier temporaer in den USA, einem Land, in dem die unbequeme Vergangenheit gerne unter den Teppich gekehrt wird. Atombombe? Interessiert hier niemanden, eine offizielle Gedenkfeier fuer die Opfer gibt es nicht. Ich hoffe doch, dass wir auch weiterhin die Vergangenheit offen angehen, und Themen wie dieses diskutieren, wenn sich ein Anlass bietet. Wenn mich hier jemand ueber die NS-Vergangenheit anspricht, kann ich wenigstens Antwort geben, weil ich in Deutschland gezwungen wurde, mich mit dem Thema zu befassen.

    28.11.2007, 19:22 von Kruemel2
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    Freiheit lässt sich nicht beliebig in Stückchen aufteilen und nach Gusto wohlwollend zugestehen. Gerade beim Thema Meinungsfreiheit . Wenn eine Gesellschaft meint sich selbst durch das Verbot von Meinungen schützen zu müssen, zeigt dies vor allem das eigene Unvermögen als solche ordentlich zu funktionieren.

    Wer unliebsame Stimmen, gleich aus welcher Ecke, mundtot zu machen sucht, versucht ein Buschfeuer mit Briketts auszuschmeissen.

    28.11.2007, 18:22 von derHerrMitDemPixel
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      @derHerrMitDemPixel @pixelherr:

      "unliebsame stimmen"?
      darum gehts doch gar nicht.

      es isn großer unterschied ob gesagt wird:
      "die tötung von 6 millionen menschen fand ich toll"/

      oder ob jmd meint:

      "die tötung von 6 mill menschen fand ich schlecht"

      DAS wäre meinungsfreiheit und legitim.

      aber die leugnung dieser tatsache ist einfach mal ne lüge und hat nix mit meinungsfreiheit, sondern was mit dummquatscherei zu tun.

      28.11.2007, 21:46 von Miss_Satansbraten
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      @Miss_Satansbraten trennen wir "meinungsfreiheit" von "plattform geben", wird´n schuh draus :).

      28.11.2007, 22:13 von derHerrMitDemPixel
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    Wenn man an die Quelle von Rassismus und Fremdenhass gelangen will, muss man sich von den ewigen Stellvertretergeschichten verabschieden und psychologisch mit der persönlichen Geschichte ihrer Redner argumentieren. Ich habe es satt, dass da oft so getan wird, als würde mit "Gründen" argumentiert , was letztlich jenseits rationaler Motive liegt. Es ist nur allzu menschlich, manche Dinge und Ansichten nicht zu mögen, aber dafür ein Dogma für alles und jedes einzelnen Individuum dessen zu konstruieren, ist nichts weiter als Vernichtungsabsicht aus Angst selbst vernichtet zu werden. DAS ist das schwache Tierhirn und nicht der Mensch.

    28.11.2007, 16:22 von schauby
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    Pff, wer gibt den Rechten denn eine Plattform? Der Debattierclub oder die Medien?

    Wer weiß, wie Debattierclubs funktionieren, dem dürfte auch die feine ironie nicht völlig entgangen sein. Da werden auch Sachen wie "sollte Deutschland zugunsten Englands auf seine WM-Platzierung verziochten?" ausdebattiert. Der Inhalt ist zweitrangig.

    Und generell: Ist Freiheit nicht die Freiheit der Andersdenkenden?

    28.11.2007, 15:21 von Romeo_Flausch79
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      @Romeo_Flausch79 Denken! Gutes Stichwort! Dann fang doch mal damit an!

      28.11.2007, 15:35 von Kathrin_Hartmann
    • 0

      @Kathrin_Hartmann Ich bin mir keiner Versäumnis bezüglich meiner Denkleistung bewußt. Ich wäre Dir daher dankbar, wenn Du Deine Kritik konkretisieren könntest.

      28.11.2007, 17:38 von Romeo_Flausch79
    • 0

      @Romeo_Flausch79 Das merkt man selbst meist auch nicht...dass es mit dem Denken hapert.

      28.11.2007, 21:10 von sabbelwasser
    • 0

      @sabbelwasser
      *pruuust*

      zz.

      29.11.2007, 08:44 von zzebra
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