theend 28.01.2007, 22:11 Uhr 6 3

Blood too hot

Man sitzt ganz ruhig zu Hause, aber es fühlt sich an, als wäre das einfach zu langsam. Als müsste man implodieren.

Ich komme vom Zivi nach Hause. Setze mich erst einmal ruhig hin. Dann geht der Horror langsam los, mein Arsch beginnt zu vibrieren, mein Blut erhitzt sich auf maximale Kesseltemperatur, meine Gedanken schmelzen, Blicke rollen hin und her und ich fühle mich, als müsste ich das Fenster aufreißen (nein, einschlagen eher) und einfach wegfliegen. Wie ein wildes Tier in einem kleinen Käfig sitze ich dann da, außer Stande, wieder zur Ruhe zu kommen, rastlos. Der Gedanke, zuviel zu wollen um es JETZT gerade zu tun, lähmt mich nicht, sondern brennt nur wie eine Scherbe in meinem Gehirn. Es ist, als würde ich von meinen 4 Wänden abprallen und zwischen ihnen herrasen wie eine Flipperkugel.
Muss mich jetzt schnell bewegen, wegfahren, rennen, feiern, ausflippen. Am liebsten zu lauter Musik mit Menschen, die ebenso gottverdammt scharf darauf sind, auszubrechen. Hätte Lust, nach Spanien zu fliegen, aber nicht erst im Sommer, sondern genau in diesem Moment.
Fühle meine rationalen Gedanken zugunsten von brennendem Fernweh und Gefängnisgefühl zerreißen.

Dieses Gefühl hab ich oft, aber was es auch verstärkt ist die Tatsache, dass kaum jemand in meinem näheren Umfeld diese Gefühle zu teilen fühlt und ich nur Absagen ernte
"Muss morgen arbeiten" -
"Nein tut mir Leid ich spare zu Zeit" -
"Ich habe Kopfweh" -
"Gerade keine Lust" -
"Schneide gleich meine Zehennägel, wollte das heut endlich mal machen" -
"Mein Schwippschwager hat Geburtstag" -
"Will den und den Film gucken" -
treiben den Nagel tiefer in mein Gehirn. Das Gefühl, in dieser Welt fremd zu sein verstärkt sich. Als hätte man ein Glas auf ein Teelicht gestellt.
Das ist eines der Probleme, wenn man auf dem Land wohnt - man kann nicht eben mal auf eine Veranstaltung oder ein xbeliebiges Fest fahren, denn hier ist Ebbe. Lieber zuhause verwelken.
Nach einiger Zeit finde ich mich meistens mit dem Schicksal ab, doch den Abend zu Hause verbringen zu müssen und falle in eine Art geistige Ohnmacht, mein Körper wird langsam taub und ich möchte direkt einschlafen oder vorspulen.

Ich lege mich ins Bett, trinke ein Bier, höre Dire Straits und hasse verbittert die Zeitlupe, in der ich leben muss.

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6 Antworten

Kommentare

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    das gefühl kenn ich nur zu gut..
    und wo bin ihc jetzt? in helsinki.. und noch immer muss ich auf das leben warten, dass einfach zu langsam hinter mir hertrottet.. aber es ist besser geworden

    04.02.2007, 15:18 von _Nuria_
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    lass uns uns bewegen!!!--ich muss raus. Genau Jetzt!
    Sehr beeindruckender Text....man hier helfen mir nicht einmal buchstaben zu beschreiben...was der text ist....der text ist ahhhh...ich muss hier raus!!!
    mmhh

    31.01.2007, 20:11 von mmhh
    • 0

      @mmhh genau so wie es dir zu gehen scheint fühle ich mich - kanns kaum ausdrücken, aber raus muss ich...

      31.01.2007, 20:56 von theend
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    Ich hatte ähnliche Gedanken in Deinem Alter. Und bin eines Tages von heute auf morgen von zu Hause weggezogen in eine 400km entfernte Stadt., um meinen Lebensdrang so richtig ausleben zu können.

    Manchmal hilft einem eben nur die Veränderung. Was singt der Herbert immer:

    "Stillstand ist der Tod."

    Gut geschrieben, der Text.

    29.01.2007, 13:51 von the_actress
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    Fantastischer Schlußsatz .. und sonst: Potential für mehr.

    29.01.2007, 11:57 von ssanni
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