fraeulein.Wunderlich 25.05.2015, 17:56 Uhr 0 2

Bleib' stehen!

...es ist die große Unbekannte: die Zeit!

Der Wecker ist es, der sie aus ihrem Traum herausreißt. Es ist jeden Morgen das selbe Spiel. Sie träumt von Momenten, träumt vom Loslassen und Realisieren und dann klingelt es.

5:30, eigentlich schon etwas zu spät. Gehetzt rennt sie unter die Dusche, fährt ihre Rituale ab und läuft im nächsten Moment zur S-Bahn.
Dann flackern die neusten E-Mails vor ihr auf, einige sind banal, andere bereiten ihr um 7:00 schon Kopfschmerzen und sie geht im Kopf ihren Tagesablauf durch. Arbeiten, Meetings, Sport, Kochen, essen, Handywecker stellen, schlafen.
Und dann, dann beginnt alles wieder von vorne.
Alltag nennt man diese Situation. Blasse, wiederkehrende Rituale um sich eine Struktur zurecht zu schieben.
Manchmal sitzt sie in ihrer Pause an der Alster, lässt Gedanken zu und fragt sich, wo es in ihrem Alltag Zeit zum Glücklichsein gibt.
Die große Unbekannte, die Zeit.
Sie ist am rennen, am laufen, am springen und hetzen und eigentlich immer nur auf der Suche nach der Stoptaste.
Ist es denn überhaupt möglich während eines Marathons anzuhalten und stehen zu bleiben? Hat man nicht immer den Drang weiterzulaufen?
Wie wäre es, wenn wir die Möglichkeit hätten, in Momenten des vollkommenen Glücks, stehen zu blieben. Den Moment einzufrieren und bis zum Anschlag auskosten zu können?
Man rennt davon, man rennt der Zeit davon, immer schneller ohne Achtung vor dem Moment der Stille, dem Moment des Glücks und der Liebe.
Sie hat schon viele solcher Momente erlebt, sich lebendig gefühlt, war glücklich und hat es genossen. Doch sind diese Momente immer nur kurzweilig. Verweilen kann man nicht. Stehen bleiben ist nicht drin. Die nächsten E-Mails warten schon.
Doch ab und zu schafft sie es, nur bei sich zu sein. Da schafft sie es, glücklich zu sein und das Gefühl zu haben, die Zeit würde stehen bleiben. Lebendig, mit Freude im Bauch, mit vielen verrückten Gedanken im Kopf und Unmengen von Liebe im Bauch genießt sie ihr Leben und das, obwohl sie weiß, dass ihr nächster Tag schon jetzt wegrennt und nicht stehen bleiben wird.

Wir können diese schnelllebige Zeit wohl nicht mehr verändern, aber wir können uns bewusst darüber werden, wie wichtig ruhige, langsame und lebendige, tiefe Momente sind.
Diese Momente, bei denen man sich wünscht schreien zu können:"Bleib stehen! Bleib bitte stehen Zeit!"

Diese Momente behält sie sich in ihren Erinnerungen und immer, wenn sie der schnelle Alltag wieder einholt, kaum Zeit zum Denken und Durchatmen ist, dann denkt sie am diese Momente.
Diese geben ihr Kraft, wenn die Zeit mal wieder ein Wettrennen gegen sie läuft.



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