Sebush 23.04.2007, 20:13 Uhr 95 10

Bio - nicht logisch

Bio schmeckt besser, ist aber moralisch mitunter problematisch. Ähnliches gilt für Fairtradeprodukte.

Bioprodukte haben meist eine deutlich bessere Qualität. Das Gemüse ist schmackhafter, das Fleisch zarter und die Tiefkühlpizza konservierungsstofffreier. Angenehm ist auch das Gefühl, dass die Eier nicht aus der Legebatterie kommen und Rinder für meine Salami nicht übermäßig gequält werden. Wenn es aber um die großen Probleme der Menschheit geht, nämlich Klimawandel und Armut in Entwicklungsländern, sind Bio und Fairtrade oft die schlechtere Wahl.

Keine Entwicklung hat unseren Planeten im Laufe der Jahre stärker verändert als die Landwirtschaft. Riesige Waldflächen wurden und werden zum Anbau von Lebensmitteln gerodet. Jeder hat die Bilder von abgebrannten Dschungelflächen in Brasilien und Afrika vor Augen. Nachhaltiges Handeln sieht anders aus.

Die sogenannte Grüne Revolution, das heißt der Einsatz von künstlichen Düngemitteln, hat die Produktion pro Hektar fast verdreifacht. Biologische Landwirtschaft dagegen verzichtet auf Kunstdünger. Dadurch wird für dieselbe Menge produzierter Biolebensmittel deutlich mehr Raum gebraucht. Anders gesagt: Würde die weltweite Landwirtschaft komplett auf Bio umgestellt, müssten riesige Flächen gerodet und in Felder umgewandelt werden. Kein Platz mehr für den Regenwald.

Ähnlich ist es bei Fleisch. Rinder sind ziemlich Klimakiller. Sie emittieren große Mengen Methan, das als 21-mal schädlicher gilt als CO². Klimamäßig sind daher natürlich Vegetarier auf der richtigen Seite. Die schlechteste Klimabilanz haben allerdings Biokühe: Sie leben schlicht länger und werden weniger fett. Pro Kilo Biorindfleisch wird daher deutlich mehr Methan emittiert als bei „traditionell“ hergestelltem. Wer das Klima schützen will, isst – so verrückt das klingt - wenn überhaupt nur Fleisch von Aldi.

Kommen wir zu Fairtradeprodukten. Die Grundidee dabei ist, den Bauern zum normalen Preis zusätzlich eine Subvention zu zahlen, die es ihnen ermöglichst, besser zu leben. Denn der Weltmarktpreis für Lebensmittel ist deutlich zu gering. Dies liegt an einer völlig wahnsinnigen Überproduktion. Was passiert aber, wenn ein Produkt subventioniert wird? Es wird noch mehr produziert und dadurch sinkt der Marktpreis weiter. Das heißt, dass Fairetrade gut für die Farmer ist, die Fairtradeprodukte produzieren, es aber schlecht für diejenigen sein kann, die außerhalb des Systems sind.

Was also tun? Leider hat man als Konsument nicht genug Macht, tatsächlich etwas gegen Armut und Klimawandel zu tun. Politische Lösungen müssen her.

Denn Schuld an den geringen Preisen für Nahrungsmittel haben die Amerikaner und wir Europäer. Wir sind es, die mit riesigen Subventionen für Überproduktion sorgen. Wir sind es, die die zu viel produzierten Lebensmittel zu Spottpreisen in Entwicklungsländer exportieren. Wenn wir wirklich etwas gegen die Armut vieler Bauern machen wollen, müssen wir unsere Subventionen radikal kürzen und unsere Zölle senken. Freier Handel für Lebensmittel würde Arbeitsplätze in Entwicklungsländern schaffen und uns die Möglichkeit geben, die gesparten Subventionsgelder für andere Dinge einzusetzen. Bildung zum Beispiel. Oder Klimaschutz.

Für den Klimawandel gilt ähnliches: Bio ist aufgrund des höheren Landverbrauches und der längeren Lebensspanne von Rindern kein Mittel, etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Idealerweise müsste man Vegetarier werden und ansonsten Supermarktware kaufen.

Was bleibt? Wenn man vom Tierschutz absieht, der natürlich auch einen wichtigen Stellenwert hat, ist Bioware ethisch keineswegs besser als traditionell hergestellte Lebensmittel. Ich werde wohl trotzdem weiter Bioprodukte kaufen. Sie schmecken einfach leckerer.

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95 Antworten

Kommentare

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    "Was passiert aber, wenn ein Produkt subventioniert wird? Es wird noch mehr produziert und dadurch sinkt der Marktpreis weiter. Das heißt, dass Fairetrade gut für die Farmer ist, die Fairtradeprodukte produzieren, es aber schlecht für diejenigen sein kann, die außerhalb des Systems sind."
    So ein Quark! Schlecht für diejenigen, die unter Kackbedingungen arbeiten und mies bezahlt werden? Na super, dann müssen die ja auch zu Fairtrade wechseln, wenn das alle kaufen. Die armen.

    14.07.2009, 12:03 von Darfield
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    Bezüglich Bio-Fleisch sollte man aber auch unbedingt beachten, daß wenn das Fleisch teurer ist (siehe Bio), man ganz einfach weniger davon konsumiert! Und dadurch ganz simpel das Klima weniger belastet! Warum essen denn die Leute so viel Fleisch? Sie könnten ja auch Trüffel essen, der ist auch lecker! Aber den gibt´s halt nicht günstig bei Aldi...
    Außerdem ist es nicht wirklich korrekt, zu argumentieren, daß Bio-Anbau zu viel Fläche verbraucht, wenn man auf der anderen Seite gegen die Überproduktion in Europa ist. Würden die europäischen Bauern Bio produzieren, gäbe es auch keine Überproduktion. Und würden die Bauern in Brasilien dazu angeregt, die Flächen, die schon gerodet sind, nachhaltig zu bewirtschaften (z.B. Bio), müßten sie auch keine neuen Flächen roden. Doch dazu gehört natürlich wieder Bildung und bestimmt auch das Konsumverhalten der reichen Länder: kein "billiges" Rindfleisch aus Südamerika essen, wo der Hauptgewinn sowieso nur an die Transportindustrie und Zwischenhändler geht!
    Und zu Fairtrade habe ich auch noch etwas hinzuzufügen: Fairtrade heißt nicht nur, den Erzeugern einen gerechten Preis für ihr Produkt zu zahlen, so dass sie z.B nicht darauf angewiesen sind, ihre Kinder zum arbeiten zu schicken, sondern es investiert auch direkt in den Aufbau von Schulen und Infrastruktur. Außerem sind Fairtrade-Produkte meistens Bio und somit nachhaltig, d.h. die Bodenfruchtbarkeit wird auf lange Zeit erhalten und garantiert der Bevölkerung ein gesichertes Einkommen!
    Also Leute, Bio ist sehr wohl ethisch korrekter!!!

    29.10.2008, 23:34 von katrincan
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    "Es wird noch mehr produziert und dadurch sinkt der Marktpreis weiter. "
    ist nicht ganz richtig, da nur der preis sinkt, wenn die nachfrage gleich bleibt. in deutschland steigt aber stetig die nachfrage an bioprodukten also müsste theoretisch gesehen die preise gleichbleiben oder steigen, da mehr nachfrage da ist als angebot. daher werden die waren ja auch aus vielen anderen ländern nach deutschland gebracht. das ein bio produkt durch die halbe welt fliegt um bei uns billig verkauft werden zu können ist meiner meinung nach auch nicht bio. wobei das bei allen anderen produkten nicht anders ist, die tragen wenigstens nicht so ein siegelchen..

    29.10.2008, 12:31 von Larinuxa
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    [provokation]

    Wenn man Tiere nicht essen sollte, warum sind sie dann aus Fleisch ?!

    [/provokation]

    08.09.2007, 13:02 von DrehRummBumm
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    das mit den kühen hab ich jetzt nicht so ganz verstanden. dh du glaubst vegetarier zu sein wär falsch, da es dann zu viele kühe gibt die methan ablassen, oder wie hab ich das zu verstehen ... bin nämlich vegetarier und das würde mich jetzt intressieren ^^

    zur biosache ... bio heisst nicht bio. ich meine, geht mal in den supermarkt und schaut euch die verpackungen der biosachen an !!! haufenweise unnützes papier, kartonschachtel, plastik und und und ... was ist denn daran bitteschön bio?

    03.06.2007, 12:15 von sunstain
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      @sunstain Hi Sunstain,

      Vegetarier zu sein, ist klimamäßig das Beste, was du tun kannst. Denn für dich wird kein Fleisch produziert, ergo auch kein Methan. Wenn Fleisch, ist es fürs Klima aber besser, hochgezüchtetes Industriefleisch zu kaufen. Ethisch ist das dann wieder etwas anderes.

      Und zu Bio: Klar, da gibt es Unterschiede. Gebe ich dir Recht. Aber das war gar nicht Thema des Artikels.

      12.09.2007, 18:28 von Sebush
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    Nein, deinen Artikel kann ich nicht so stehenlassen, auch wenn ich es gerne möchte.
    Was war das mit dem "schädlichen" Fairtrade? Wäre meiner Meinung nach eine ziemliche Dummheit von dir einem Großteil der Menschheit angemessene Löhne abzusprechen, nur weil sich unser suboptimales Wirtschafts- und Agrarsystem dann
    ändern müsste! Oder wolltest du nur auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, aber Fairtrade nicht in Frage stellen?
    Das gleiche gilt für die bewährte naturnahe Erzeugung von Lebensmitteln (BIO), die du eigentlich befürwortest? Oder willst du biologischen Anbau grundsätzlich verdammen, nur weil Bioprodukte LEIDER noch um die halbe Welt gekarrt werden, nur weil sie mehr Flächen und Arbeitskraft verbrauchen und nur weil sie unsere verantwortungslose Bevölkerungsexplosion nicht ernähren kann? Das mit dem Transport kann man einstellen, Arbeitskraft und Anbaufläche hat es mehr als genug, wenn wir Maß halten. Und die Bevölkerungsexplosion spricht unter Umständen sogar für den Bioanbau, weil der uns wieder Respekt vor Natur und Menschen lehren kann. Wie stehst du zur Natur und deinen Mitmenschen auf der ganzen Welt? Würde sicherlich einiges erklären...

    Hochachtungsvoll, Stephan

    P.S. Übrigens arbeite ich z.Z. in einem Bioladen und könnte mir dort meine Zukunft vorstellen ;)

    05.05.2007, 14:06 von stephanxy
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    Ich ärgere mich auch über dies Freizeit-Ökos, die eine lange Strecke mit dem Auto(du meinst 10km, in der Realität kann es durchaus mehr sein) zum Biobauern fahren und meinen, damit tun sie der Umwelt was gutes. Zumal immer aufgepasst werden muss, ob der Biobauer tatsächlich nur seine angebauten Produkte verkauft - gibt tatsächlich solche, die noch Produkte (z.T. aus dem Ausland) weiterverkaufen. Deshalb hatle ich es für sinnvoll, wenn Bioprodukte auch in jedem gewöhnlichen Laden verkauft werden, wie die mittlerweile bei Aldi und Lidl der Fall ist - leider ist die Qualität und das Angebot unberechenbar, teils gibt es im Lidl eine richtige Bio-Schwemme, teils schimmeln dort nur ein paar alte Bio-Zitronen vor sich hin. Einzig was die Milchprodukte angeht, ist das Angebot konstant.

    Was aber heutzutage mit den Lebensmitteln geschieht, ist pervers, unabhängig ob Bio oder nicht. Ich war vor etwas mehr als einem Jahr in Italien, im März, die Bäume waren vollbehangen mit Zitronen, was gab es aber in den Supermärkten zu kaufen: Zitronen aus Argentinien (gewachst und behandelt; ohne Geschmack, nur eine unerbittliche Säure). Und das nicht nur im Supermarkt, sondern auch in den kleinen Gemüseläden. Konnte in den ganzen zwei Wochen nicht rausfinden, was mit den Zitronen auf den Bäumen geschieht, wahrscheinlich zahlte die EU Subventionen wenn man sie vergammeln lässt.

    In aller erster Linie müsste beurteilt werden, welche unsinnigen Lebensmitteltransporte sich vermeiden lassen. Dann kann man immer noch darüber diskutieren, ob das Angebot mit Bio-Produkten abzudecken wäre.

    03.05.2007, 21:03 von GIC
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    durch fairtrade wir doch nicht mehr produziert. wenn es 100 bauern gibt, die normal je 10 tomaten produzieren und keine bauern die im fairtrade system eingebunden sind, dann hat man insgesamt 100 bauern die insgesamt 1000 tomaten produzieren.
    wenn man 50 bauern hat, die je 10 tomaten produzieren und von den urpsrünglichen 100 bauern werden 50 bauern in das fairtrade system eingebunden (weil auf einmal viele leute bereit sind mehr für ihre lebensmittel zu bezahlen, damit den bauern mehr über bleibt) und produzieren auch noch je 10 tomaten hat man insgesamt wieder 1000 tomaten. ich verstehe schon was du meinst, aber das ist doch eine milchmädchenrechnung.
    und nur weil der fairtrade bauer 10 cent mehr bekommt für seine tomate, wird er nicht schlagartig 10 tomaten mehr produzieren können, nur um mehr geld zu bekommen. schließlich versucht jeder bauer, egal wie viel er für seine tomate nun bekommt, so viele tomaten wie möglich zu produzieren und so viel geld wie möglich zu bekommen.

    ich gebe gerne zu, dass es übertrieben war zu sagen, dass man nach einer umstellung auf bioproduktion noch zu viel produzieren würde. mal ganz davon angesehn, dass es in einem biologisch und ökölogisch sinnvollem anbau gar nicht erst vorkommen würde, dass eine überproduktion stattfindet. aber wenn man fleisch mit einem gewissen maß genießen würde (schließlich gab es früher auch nur zwei bis dreimal die woche fleisch und nicht so wie heute dreimal am tag) und die überproduktion bedenkt, würde es sich aufheben und die notwendige fläche wäre keine ausschlaggebendes problem mehr für eine umstellung.

    ich habe den kokaanbau als beispiel gewählt, nicht als konkrete gefährdung für europa angeführt. oder bauen wir hier kaffee an? koka und kaffee haben in etwa die selben anforderungen an klima und natürräumliche gegebenheiten, die uns in europa numal leider fehlen. also stellt sich auch die frage zur teeverarbeitung wohl eher weniger, abgesehn davon dass ich persönlich grüntee bevorzuge...

    das der lastwagentransport ökologisch sinnvoller ist, setzt vorraus, dass die personen, die sich bio ernähren möchten mit dem auto zum bauern oder zum bioladen fahren (was sich ja dann tatsächlich mit einer bio- ernährung etwas beissen würde..). viele bioprodukte werden allerdings inzwischen in konventionellen supermärkten angeboten und die örtliche metzgerei hat filialen. zumindest da wo ich herkommen. wohnst du in einer größeren stadt? dann erzähl mir bitte nicht ihr hättet weder (bauern-)markt noch bioläden in der innenstadt. das haben wir sogar hier und wir haben nur knapp 30.000 einwohner. wenn ich einkaufe, dann kann ich sowohl beim biobauern als auch beim konventionellen supermarkt zu fuss einkaufen gehen. und bei größeren einkäufen nimmt sowieso fast jeder das auto, egal ob supermarkt oder bioladen. die bewohner von dörfern haben zudem dann entweder den bauernhof um die ecke oder müssen so und so zum einkaufen in die nächste stadt fahren.

    wer sich biologisch ernährt, sollte normalerweise auch dazu in der lage sein, nicht jede 500m distanz mit dem auto zurücklegen zu müssen. wenn man das mit einbezieht, ist der lastwagentransport also sehr wohl mit mehr CO2 ausstoss verbunden.

    falls mein tonfall falsch rübergekommen ist, tut es mir leid. allerdings sollte das für dich wenn du so über mir stehst wohl kein grund sein dich auf mein niveau herabzubegeben und beleidigend zu werden, oder?
    trotzdem: entschuldigung falls meine reaktion zu heftig war. ich war gestern seit zehn uhr vormittags mit statistiken und unterlagen zum thema landwirtschaft und entwicklungsländer beschäftigt. ich war also abzüglich pausen fast 11 stunden damit beschäftigt mir eher unschöne statistiken zu diesem thema anzusehen und dahinterzukommen wie sich abiaufgaben der letzten 10 jahre zu diesem thema beantworten lassen. danach habe ich beschlossen etwas im internet zu surfen um wieder runterzukommen von diesem thema udn bin über deinen artikel gestolpert. vielleicht ist meine heftige reaktion für dich so zumindest ansatzweise nachvollziehbar.

    02.05.2007, 12:22 von wicked-thing
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