der_Pudel 05.09.2012, 20:17 Uhr 8 1

Bio ist sehr wohl besser!

Diese Woche in den Zeitungen die skandalöse wie banale Nachricht: Bio ist nicht gesünder als „Produkte aus konventioneller Herstellung". Grund dafür:

Eine Studie aus dem amerikanischen Stanford: Forscher untersuchten Bio-Lebensmittel auf Pestizide, Vitamingehalt und Bakterien. Ergebnis: keine nennenswerte Unterschiede. Den Bioprodukten konnten in geringen Mengen Pestizidrückstände nachgewiesen werden, Kinder von sich Bio ernährenden Müttern sind auch nicht gesünder als andere. So, weit, so gut. Einer der Forscher meinte, er hätte sich gewundert. Ich dachte mir immer schon: schmeckt das Gemüse wirklich besser oder muss ich mir das erst einbilden?

Was ich tatsächlich meinte zu schmecken, war die bessere Qualität. Ich meinte das Gras förmlich zu spüren, das die Kühe beim Melken unter den Hufen gekitzelt hatte. Ich glaubte ein zufriedenes Gurren der Hühner zu hören, wenn ich ein Bio-Ei köpfte. Alles Unsinn? Vielleicht. Doch das Gefühl, Bioprodukte zu essen, war trotzdem ein besseres. Immerhin habe ich dafür weitaus mehr bezahlt.

Klar habe ich mich früher gefreut, wenn ich meinen Single-Wocheneinkauf bei einem Discounter für acht bis zwölf Euro erledigen konnte. Ich bin Studentin und habe kein Geld! Hin und wieder flackerten Bilder in meinem Kopf auf, Massentierhaltung - Bauern, die ihre Milch wegkippten aus Protest für die niedrigen Milchpreise - die sich ausbreitenden Wüsten in Südländern, weil sie wasserhaltiges Gemüse wie Tomaten anbauten und dem Land den Saft entzogen. Doch dann sah ich meinen vollen Geldbeutel und der konnte meinen aufgewühlten Magen kurzzeitig beruhigen.

Das ist nun vorbei. Als ich eines Wochenendes aus Langeweile auf „grünen“ Webseiten surfte, las ich Haarsträubendes. Zum Beispiel unter welchen Umständen Ananas und Bananen angebaut werden, die in allen großen Supermarktketten und Discountern angeboten werden. Kinderarbeit ist keine Seltenheit, die Arbeiter bekommen zu wenig Lohn, sie werden krank von den Pestiziden, erhalten keine Schutzkleidung und ihnen wird massiv zugesetzt, sollten sie eine Gewerkschaft gründen.

Klar, auf Obst und Gemüse von weither kann man bestimmt verzichten. Was haben die Deutschen denn vor 50 Jahren gemacht? Genauso mit dem Fleischkonsum. Es ist nicht normal, wie billig das Fleisch hier rausgehauen wird. Da wundert mich kein Umetikettierungsskandal mehr. Aber ist der Preis nicht doch viel höher, als wir an der Kasse bezahlen? Allein wenn man an Wasserverbrauch und CO²-footprint denkt.

Ich weiß das jetzt, ich kann meine Augen davor nicht mehr zuhalten. Glücklicherweise fällt es mir nicht schwer, meinen Lebensstil daraufhin zu ändern. Ich bin zwar kein 100%iger Vegetarier, aber ich kaufe praktisch kein Fleisch und keine Wurst mehr.

Warum fällt es allerdings älteren Generationen so schwer, sich umzustellen? Viele Omas kochen für ihre Gatten beinahe jeden Tag Fleisch. Sonst wird man doch nicht satt. Sie freuen sich über die exotischen Früchte, die ihre Geburtstagsfeiern zu etwas besonderem machen. Und schmecken die Äpfel aus Neuseeland nicht besonders gut?

Doch auch aus jüngeren Generationen regt sich Widerstand. Berlin hat die erste vegetarische Mensa Deutschlands eröffnet. Auch viele andere Unis haben Veggi-Days, bieten mindestens ein vegetarisches, wenn nicht sogar veganes Gericht pro Tag an, legen Wert auf regionale Produkte, am besten Bio. Gut, über vegan lässt sich wirklich streiten, das kann ich persönlich nur schwer akzeptieren. Wie kann man nur Reismilch trinken und auf Joghurt und Käse verzichten? Doch vegetarisch sollte schon drin sein. Andere Kulturen können sich so ein, was nicht nur die Umwelt betrifft, teures Essen nicht leisten.

Und daher: Bitte, liebe Medien, titelt nicht: „Bio ist auch nicht gesünder!“ Das bringt die so wichtige Bio-Bewegung nicht weiter ins Bewusstsein rücken! Es müssten viel mehr Leute Bio einkaufen, regional und nachhaltiger. Und den Discountern ihre Millionen Gewinn schmälern, der nicht bei den Herstellern, Lieferanten oder Verkäufern ankommt. Und für unseren Planeten: Er ist Bio wert.


Tags: Nachhaltigkeit, Bewusstsein
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8 Antworten

Kommentare

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  • 1

    " Ich
    glaubte ein zufriedenes Gurren der Hühner zu hören, wenn ich ein Bio-Ei köpfte."
    Naja. Auch bei Bio werden die Küken selektiert, und die männlichen werden gehäckselt oder vergast, weil die Legerassen nicht als Brathähnchen taugen. Also irgendwie auch schlecht.

    06.09.2012, 09:37 von Plueschwolf
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  • 0

    haha, das bestätigt im grunde nur meinen langegehegten "verdacht"
    aber: Produkte aus streng ökologischem Anbau schmecken eindeutig besser. Und:  die "produktion" ist mit großer wahrscheinlichkeit gesünder für mensch , tier und natur. das reicht allemal als gutes argument(e) um den kauf von bioprodukten zu rechtfertigen.

    05.09.2012, 20:57 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Wenn man sich die langen Schlangen an den Kassen der Discounter anschaut, haben das aber wohl noch nicht alle mitbekommen...

      05.09.2012, 22:08 von der_Pudel
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      weil es für viele menschen (auch) eine finanzielle frage ist. und wenn man die entscheidung treffen muss, jahresabo theater oder mehrkosten fürs bio essen, dann eben auch eine frage der prioritäten
      wobei die auch anders aussehen können.
      es ist leichter , wenn man nicht so wahnsinnig aufs geld achten muss, und der kauf einem nicht den verzicht auf anderen gebieten abzwingt.

      05.09.2012, 22:11 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Ja, das stimmt schon, aber wenn man das Geld nicht so locker hat, muss man auch nicht mit 100% Bio anfangen. Man kann sich entscheiden, bei welchen Produkten es wichtiger ist, als vielleicht bei anderen. Weniger Fleisch und auf regionale, saisonale Produkte achten, hilft schon, finde ich. Wenn das jeder machen würde.. Und ganz ehrlich, irgendwann rächt sich die Politik der Discounter auch bei uns.

      05.09.2012, 23:39 von der_Pudel
    • 0

      stimmt, so handhabe ich das auch.
      was den rest angegt bin ich nicht so optimistisch. ich glaube eher, dass es zu noch einer größeren spaltung kommt und dass die lebensmittelpreise steigen werden.
      in den 60er jahren hat eine familie ca.50% des real verfügbaren einkommens nur für lebensmittel ausgegeben, inzwischen sind das um die  10% .das sagt eigentlich schon alles...


      06.09.2012, 08:11 von Gluecksaktivistin
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      Das verstehe ich nicht: warum sagt das alles, wenn man nur 10% seines Einkommens für Lebensmittel ausgibt?
      In anderen Ländern gibt man weitaus mehr Geld dafür aus.. und vielleicht weniger für Autos und Wohnungseinrichtung (war da Deutschland nicht letztens auf Platz 1, bei Ausgaben für Möbel: http://bit.ly/P6Uyat)

      07.09.2012, 10:46 von der_Pudel
    • 0

      das besagt, dass die leute kein geld für gute nahrung ausgeben möchten. am essen wird am ehesten gespart. bioprodukte sind vielen zu teuer, bzw. sind sie nicht bereit dazu, dafür mehr zu zahlen. hauptsache billig.
      traurig.

      07.09.2012, 11:05 von Gluecksaktivistin
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