Wittchen_Schnee 30.11.-0001, 00:00 Uhr 367 83

Beziehung ist ein Arschloch

Wer heutzutage eine Beziehung führt, findet es normal, dass er genervt von seinem Partner ist und nichts mit ihm gemeinsam hat. Eine Kritik.

In letzter Zeit frage ich mich häufig, wie sich das eigentlich anfühlt, wenn zwischen zwei Menschen die Chemie stimmt. Denn wirklich jedes Mal in letzten fünf Jahren, wenn ich das Gefühl hatte, dass zwischen mir und einem Mann „die Chemie stimmt“, empfand das mein Gegenüber nicht so! Habe ich etwa so "verquere Gefühlsvorstellungen"?! Ist gemeinsam lachen können, auf der selben Wellenlänge sein und die gleichen Dinge mögen also nicht das, was ausschlaggebend ist, damit sich zwei Menschen zu einander hingezogen fühlen und es dann miteinander versuchen, eine Beziehung eingehen? 

Natürlich spielt Attraktivität auch eine wichtige Rolle, das will ich garnicht bestreiten. Und allen, die sagen, sie würden nicht auf das Äußere achten, würde ich am liebsten eine runterhauen, weil sie das sehr wohl tun, wir evolutionsbedingt auch garnicht anders können und die das nur behaupten, weil sie denken, das wäre nobel! Das es ist es nicht. Es ist totaler Schwachsinn! Ich beispielsweise bin äußerlich zwar nicht der klassische Typ Frau, auf den die meisten Männer stehen, aber ich bin auf jeden Fall ansehnlich und im gewissen Maße attraktiv. Und im Gegensatz zu vielen anderen Frauen, frage ich nicht ständig, ob ich zu dick bin, meine Nase zu groß ist oder ich vielleicht eine Brust-Op brauche. Soviel dazu. Trotzdem scheint auch das alles nicht entscheidend zu sein. 

Da fällt mir noch ein: Meine Einkäufe kann ich übrigens auch selbst tragen und ich werde verdammt noch mal nie nie nie meinen armen Freund dazu zwingen, am Samstagnachmmittag mit mir „shoppen“ zu gehen! Mädls, seht ihr das nicht oder wollt ihr es nicht sehen?! Eure Männer zwingen euch doch auch nicht, mit zum Fussballspiel zu kommen, oder?! Überhaupt scheint dieses „zwingen“ in Partnerschaften weit verbreitet zu sein. Natürlich verbirgt es sich meist hinter der Aussage: „Na, in so ner Beziehung muss man ja auch Kompromisse eingehen, ne?!“ Kompromisse? Welche Kompromisse muss ich denn in einer Beziehung so „eingehen“? Muss ich akzeptieren, dass mein Partner einen grottenschlechten Musikgeschmack hat? Oder das er immer das Geschirr in der Küche stehen lässt, ohne abzuwaschen, egal wie oft ich ihm sage, dass mich das aufregt und er es bitte wegräumen soll? Aber das sind ja nur die kleinen Kompromisse, mit den großen will ich garnicht erst anfangen...

Kompromisse eingehen ist schwer. Ja, ist es. Es dauert lange und selbst wenn wir uns dazu entschlossen haben, einen einzugehen, brauchen wir noch eine ganze Weile, um ihn wirklich zu akzeptieren. Eine Partnerschaft sollte aber nicht schwer sein. Warum nicht? Weil die Liebe nicht schwer ist, die Liebe ist leicht. Liebe funktioniert einfach, wenn es echte Liebe ist. Dieser ganze Kram von wegen, wir müssten für die Liebe kämpfen und Liebe sei kompliziert, ist Blödsinn. Liebe ist da oder sie ist eben nicht da. Und wenn sie nicht da ist oder nicht mehr, dann nützt es auch nichts zu kämpfen, um daran noch etwas zu ändern!

Was macht ihr da draußen also alle? Ihr führt Beziehungen mit Menschen, die ganz anderes sind, als ihr selbst, mit denen ihr nichts gemeinsam habt und die euch teilweise nerven. Ihr führt Beziehungen, damit ihr nicht allein seid, damit ihr euer tägliches Maß an Sex bekommt, damit eure Eltern endlich aufhören zu fragen. Ihr führt Beziehungen, die anstrengend, nervenaufreibend und kompliziert sind und seid der Meinung, dass das nun mal so sein muss. Ihr geht haufenweise Kompromisse ein, damit ihr den anderen nicht verliert und seid damit innerlich unglücklich, weil ihr oft das Gefühl habt, nicht mehr ihr selbst zu sein. Ihr führt Beziehungen, die eigentlich keine sind, weil die echte Liebe und das Vertrauen und die Freiheit fehlen. Und ihr führt diese Beziehungen aus Angst. Aus Angst allein zu sein, aus Angst komisch angeguckt zu werden, wenn ihr mit Mitte/Ende zwanzig noch Single seid, aus Angst vor euch selbst. 

Sicherlich gibt es auch erfüllte Partnerschaften. Nur hab ich in den letzten Jahre keine Paare kennengelernt, die wahrhaftig zufrieden oder gar glücklich in ihrer Beziehung gewesen wären. Und wer von euch jetzt schreien muss: „Die ist doch nur frustiert, weil se keinen abkriegt“, dem kann ich sagen: Bevor ich solche Beziehungen führe wie ihr, hab ich lieber gar keine!


Tags: Kompromisse, Chemie
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367 Antworten

Kommentare

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  • 0

    tragisch ist vorallem das du so oft ins schwarze getroffen hast und auch ich dir nicht eine glückliche beziehung in meinem ganzen freundeskreis nennen könnte. sobald man hinter eine fassade sieht, bröckelt sie ganz schön, da fragt man sich wirklich für was man eine führen sollte...

    23.06.2012, 02:01 von Milaa11
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  • 0

    Danke danke danke!
    Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung

    14.05.2012, 02:28 von die_m
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  • 0

    Ihr geht haufenweise Kompromisse ein, damit ihr den anderen nicht verliert und seid damit innerlich unglücklich, weil ihr oft das Gefühl habt, nicht mehr ihr selbst zu sein.

    hört sich nach Verzweiflung an, natürlich ist was Wahres dran, aber dem anderen geht es hoffentlich ebenso, denn dann könnte man noch von Liebe statt von Abhängigkeit sprechen. Im Großen und Ganzen stimmen die Aussagen und das macht mich traurig!

    07.05.2012, 11:22 von Rodox
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  • 1

    Du hast so recht!

    Willst du mich heiraten?! ^^

    02.05.2012, 15:04 von chihu
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  • 0

    Stilistisch noch verbesserbar.
    Inhaltlich: Gut erkannt!!! ;)

    Titel passt allerdings irgendwie nicht so?! Oo

    26.04.2012, 11:04 von M00NLIGHT
    • 0

      Woran genau soll ich stilistisch noch arbeiten? Bitte um konstruktive Kritik! :) Welchen Titel hättest du besser gefunden?

      03.05.2012, 22:47 von Wittchen_Schnee
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  • 0

    Der Artikel klingt ein wenig, wie die Paraphrase des Artikels aus dem Heft. Der ist schon mit Schwarz/Weiß Malerei auf Provokation getrimmt. Um Reaktion herauszufordern sicher eine gute Strategie. Aber hier so als Recycling, finde ich das nur mäßig gelungen.

    23.04.2012, 15:29 von blumenbad
    • 0

      Den Artikel hab ich nie gelesen! ;) Und ehrlich gesagt weiss ich deshalb auch gar nicht. welchen du meinst.

      25.04.2012, 11:21 von Wittchen_Schnee
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  • 1

    Für mich bedeutet Liebe unter anderem auch seinen Partner so wie er ist, mit allen Macken, zu akzeptieren. Man verliebt sich schließlich in einen Menschen, weil er so ist wie er ist.
    Das mit den Kompromissen seh ich wie folgt: So lange das Ganze nicht so weit ausartet, dass man sich mit den Kompromissen auf biegen und brechen zu etwas zwingen muss oder sogar darunter leidet, sind Kompromisse in Ordnung und sollten auch getroffen werden! Wenn man jemanden liebt, dann macht man eben auch Dinge, die einem selbst auf den ersten Blick nicht gefallen, um damit aber dem Partner eine Freude zu bereiten. Und ich selbst bereite besonderen Menschen in meinem Leben gerne eine Freude, weil es mich ebenfalls erfreut sie glücklich zu sehen.

    20.04.2012, 20:26 von amorphium
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  • 2

    Selbst mit 18 kenne ich das Gefühl gut, dass Freunde und Bekannte einen mitleidig angucken, nach dem Motto "Ich bin so verliebt und du bist immer noch alleine, wie traurig". Und wenn diese Personen mich auch noch verkuppeln wollen, dann würde ich ihnen am liebsten eine runter hauen. 

    Ich glaube, irgendwann passiert es und dann ist es "richtig", aber ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Ich, mit meinem sehr geringen Erfahrungsschatz denke, Liebe ist nicht gleich Liebe. Liebe ist Verwirrtheit und eigentlich unbeschreiblich und deswegen macht sie Angst. Und Dinge, die Angst machen, sind immer etwas schwierig. 

    20.04.2012, 18:31 von fakein
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      "Eine Kritik." - Wie die Autorin selber schrieb.

      Ich denke nicht, dass ihre leeren Schüsseln von Pessimismus zeugen. Es ist eher eine Verallgemeinerung wie die Gesellschaft vielleicht lebt, vielleicht aber auch nicht. Das muss jeder selber wissen. Aber ihre Auffassung ist im Moment so geprägt und möchte lieber ohne Beziehung da stehen, als sich mit dieser Auffassung rumplagen.

      Eine Kritik eben, wie sie sein soll.

      08.04.2012, 23:50 von Exzentrist
  • 0

    Ich mag deine Meinung, ging mir auch mal so. Warte mal ab, was dir das Leben noch so bringt und "hohe Ansprüche" an die Partnerschaft bedeuten auch nicht, dass du lebenslang überzeugter Single sein musst.

    05.04.2012, 19:12 von schlaflosinschwaben
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