stereoG 17.08.2010, 18:34 Uhr 15 18

Besuch vom großen Abrechner

Only God Can Judge Me.

>Es klopfte an sein Fenster. Verdammt, diese verhurten Bauarbeiter sollen mich in Ruhe lassen, dachte er. Er blinzelte Richtung des Klopfens und nahm an den Rändern des Vorhanges ein Schimmern war, so dass er glaubte, schon wieder bis in die Mittagsstunden geschlafen zu haben.

Nachdem er sich eine Kippe angezündet hatte, stolperte er über ein paar herumliegende Klamotten zum Fenster um dem Bauarbeiter die Leviten zu lesen. Als er den Vorhang beiseite riss, musste er erstmal die Augen schließen, denn er wurde zu stark geblendet und eine Stimme ertönte:

"Geh beiseite, du Made!"

"Wat, wer bist du denn?"

"Ich bin Gott, der große Abrechner, und heute bist du fällig."

"Verpiss dich, du scheiß Hippie! Nur weil du hier auf einer Überdosis Acid stehst und dich mit einer irren Lichtshow schmückst, soll ich wohl gleich auf die Knie fallen? Komm, zieh Leine und störe meine Kreise nicht."

Der Typ, der sich als Gott ausgab, hob seinen Zeigefinger und auf einmal zuckte ein blitzartiger Strahl in seinen Körper, beförderte ihn zu Boden und ließ ihn wie einen Fisch im Trockenen zappeln.

"Argh! Fuck! Du Fotze bist nicht Gott, du bist ein Scheißbulle mit einem Taser?"

"Du glaubst mir also immer noch nicht?"

Wieder hob der Typ den Zeigefinger und verwandelte ihn in einen Waran und setzte sich in einen Sessel.

"Warum bist du denn so?"

"Häh, was?"

"Warum bist du so ein Trottel und lässt alle Chancen im Leben ungenutzt? Warum enttäuschst du alle Menschen um dich herum? Warum glaubst du, dass es keinen Gott gibt? Warum glaubst du an nichts?"

"Moment, könntest du mich kurz zurück verwandeln? Ich finde mich in diesem Körper nicht zurecht."

Der Gotttyp schmunzelte kurz und schnippte lässig mit den Fingern.

"So. Ist Monsieur jetzt zufrieden und in der Stimmung, mir zu folgen?"

"Nein. Verschwinde!"

Er musterte seinen Körper, ob alles an der richtigen Position war. Das ist nicht real, überlegte er und rekapitulierte kurz, ob er gestern bei den diversen Suchtmitteln übertrieben hatte und einfach nur in einem abartig realen Albtraum gelandet war.

"Du hast gestern nichts genommen, das ist alles echt. Ich bin echt und du im Arsch."

"Langsam, Kumpel. Kannst du etwa auch noch Gedanken lesen?"

"Wie soll ich dir meine Macht noch mehr verdeutlichen? Aus Wasser Wein machen?"

"Das wäre schon mal ein Anfang, aber mir würde schon der Weltfrieden reichen."

"Hahaha, der war gut. Meinst du, es rettet dich auf einmal dein Mitgefühl für die Menschheit?"

"Nein, aber dann hättest du genug zu tun und würdest mich in Ruhe lassen."

"Mir gefällt dein mangelnder Respekt nicht, obwohl du bereits Zeuge meiner Göttlichkeit geworden bist."

"Du kannst mich nur einmal töten. Oder warte, du musst mich ja nicht langsam töten, ich weiß."

"So sieht es aus. Ich warte aber immer noch auf eine Beantwortung meiner Fragen."

"Lass mich doch in Ruhe. Ich hab keinen Bock mehr auf die ganze Heuchelei da draußen. Alles ist so durchschaubar und vorhersehbar, dass ich kotzen muss, wenn mir auch nur einer erzählen will, dass jeder im Leben seinen Platz findet."

"Richtig! Es gibt keine verkannten Genies."

"Ach so, du willst mir also weis machen, dass es jeder schaffen kann, ein Leben ohne Abhängigkeiten zu erreichen? Komm, geh sterben. An etwas, was man vollständig analysiert hat, braucht man nicht teilzuhaben."

"Das ist nicht von dir. Schmücke dich nicht mit Ansichten, die nicht deine eigenen sind."

"Es gibt nichts, was noch nicht gesagt worden ist. Im Werden wird man das, was man ist. Und dazu gehören auch Erfahrungen und Aussagen anderer, auf die man sich stützen kann."

"Klar, aber warum hältst du dich dann nicht an meine Gebote oder die Gesetze?"

"Wer hält sich denn sonst daran? Und warum gehst du mir auf den Senkel? Ich habe dir nie Treue geschworen oder jemand anderem."

"Weil du nicht glaubst. An gar nichts und das ist das Schlimme. Nicht mal an die Liebe."

"Hahaha, die Liebe. Vollkommen überbewertet. Biochemisch gesehen eine Tonne Schokolade. Da begebe ich mich doch schon wieder in eine Abhängigkeit und verschwende meine Zeit und Energie in Machtspiele, die einem bis auf Triebbefriedigung gar nichts geben.
Ich glaube an den Klassenkampf. Ich glaube an den Krieg der Geschlechter. Ich glaube an meine Gattung. Ich glaube an den rechtschaffenen, intelligenten, ausgebufften Teil der Arbeiterklasse, die zur hirntoten, debilen Masse in ebensolchem Gegensatz steht wie zur mediokren, seelenlosen Bourgeoisie. Ich glaube an Punkrock. An Northern Soul. An Acid House. An Mod. An Rock'n'Roll. Ich glaube auch an den vorkommerziellen echten Rap und Hiphop. Das ist mein Manifest!
Was bist du überhaupt für ein Gott, dass du mir Vorhaltungen machst, dass ich nicht konform mit dem Rest der Menschheit gehe? Dass ich mein Handeln nicht dem Credo Glaube, Gier und Größenwahn unterziehe? Dass ich mir selbst treu bleibe? Was ist daran verwerflich? Sag es mir! Und dann sag mir, warum du hier bei mir auftauchst und nicht der Teufel?"

"Der hat kein Interesse an dir und erholt sich immer noch vom Faust. Dein Manifest ist auch nicht von dir. Und zu den restlichen Fragen, gibt es nur eine Antwort: Die Wege des Herrn sind unergründlich."

Der Gotttyp schien kein Interesse zu haben, seine Fragen zu beantworten.

"Und nun? Was ist dein Ziel? Du willst wissen, warum ich so bin wie ich bin und ich will wissen, warum die Welt schlecht ist und du nichts dagegen unternimmst. Da uns die Antworten des Gegenübers nicht gefallen, drehen wir uns im Kreis. Was hast du vor?"

"Ich hatte gehofft, dass du dich vor mir auf den Boden wirfst und Reue zeigst. Dann hätte ich dich vielleicht gehen lassen. Aber nun landest du in der tiefsten Scheiße, die die Hölle für dich bereit hält."

"Ich bin doch gar nicht religiös, wieso soll ich also in der Hölle schmoren? Schwachsinn. Verwandele mich lieber in ein Tier, dann kann ich der Frage nachgehen, ob die auch denken können."

"Du lernst nicht dazu. Ich gab dir die Chance zu einem Neuanfang, anstatt dem Heldentod, das Leben zu wählen. Ich gebe dir einen zweiten Versuch dein Leben neu zu gestalten und du weigerst dich immer noch. Dir ist nicht zu helfen, du ignoranter Wicht."

"Es tut mir leid, ehrwürdiger Vater, aber ich habe so oft gesündigt, dass auf meiner Bibel steht: Vorsicht, lächeln tödlich. Ich bin weißer Müll, keiner will, keiner braucht mich. Ob ich lebe oder nicht, verändert überhaupt nichts. Du lässt mich kalt, Bitch!"

Ein Fingerschnippen von dem Gotttyp und die beiden standen nun vor der Himmelspforte. Gott griff nach dem goldenen Telefon am Eingang.

"Kannst du mal bitte hochkommen?! Ich habe hier einen Sonderfall für dich? Mir egal, ob du keine Kraft hast, dann schicke einen deiner Diener. Ich gebe mich mit diesem Penner nicht weiter ab."

Es zischte und blubberte, als sich der Boden öffnete und eine angekokelte Amazone erschien.
Kurz musterte sie den Neuankömmling und blickte zu Gott.

"Wohin?"

"Ganz tief in die Scheiße!"

Sie nickte, griff sich ihr Opfer und zog es in den Abgrund. Sie erläuterte.

"Ich erkläre dir den Ablauf nicht, da du die "göttliche Komödie" eh nicht kennst und wie das hier alles aufgebaut ist. Wir kürzen den Weg ab, zu deinem Ende."

"Was erwartet mich? Eine Marterei á la Prometheus oder Sisyphos? Da kann ich nur müde lächeln, ich habe in einer Großküche als Spüler gearbeitet, mich kann nichts mehr ficken."

Er erntete nur Schweigen und schaute den langen und dunklen Gang entlang bis auf einmal links und rechts Türen aus Glas auftauchten und er hindurch schaute. Was er da sah, gefiel ihm nicht im Geringsten. Er erblickte mögliche Leben von ihm: Ein Reihenhaus und Familie in der Pfalz, ein Leben als Streifenpolizist in Frankfurt, als Schwuler in Köln, als Frau im Islam, als Neger in Texas usw.

Was soll da noch kommen, dachte er. Die Amazone machte keine Anstalten anzuhalten und so folgte er ihr, bis sie am Ende eine Tür öffnete und ihn hineinschubste.

Er fiel und fiel und fiel. Er versuchte zu schreien, doch es kam kein Ton heraus. Dann schlug er auf und verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, saß er hinter einem Schreibtisch. Die Uhr zeigte kurz nach acht Uhr morgens und die Tür zu seinem zehn Quadratmeter großen Büro öffnete sich. Er erhaschte einen Blick nach draußen und erkannte, dass er in einem Arbeitsamt saß und die Leute, die draußen warteten, alle zu ihm wollten. Er schaute sich den Hereingetretenen an und wollte augenblicklich sterben.

"Du, hömma, ich brauch Knete."

Als Arbeitsvermittler in Gelsenkirchen war er in seiner größten Hölle gelandet. Er schaute wehmütig durch die Tür und sah den Gotttyp mit verschränkten Beinen auf einem Stuhl sitzen und in der WAZ lesen. Dieser legte die Zeitung beiseite, blickte ihn an und deutete mit dem Finger auf ihn. Er drehte die Hand und zeigte ihm den Mittelfinger.

"Hochmut kommt vor dem Fall!"

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15 Antworten

Kommentare

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      @mies-chen ich wusste doch, dass gott ein selbstgerechtes stück scheiße ist.

      21.08.2010, 19:12 von lavish
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    Hm. Ich mag den Text nicht. Ist mir zuwider. Warum denken so viele, immer irgendwelche Vulgärsprache einzubauen, damit sie lustig sind? Zudem ergibt der Artikel für mich keinen Sinn.. er ist nicht stimmig. Und viel zu vorurteilsbehaftet.
    Und was hat der Text mit "Theater" und "Integration" zu tun?

    18.08.2010, 18:17 von nyx_nyx
    • 0

      @nyx_nyx Einmal Fotze und einmal verhurt. Wow, ist ja die übelste Vulgärsprache. Korinthenkacken ist dein Lieblingsbusiness? Beschwer dich doch noch über den Titel oder irgendwas anderes, findest bestimmt noch was.
      Außerdem hat knoffhoffullis 89. Zweitaccount schon das Wesentliche erkannt.

      also ich meine, es hakt schon bei der vorstellung, dass gott sich den gottlosen erst widmet. das ist halt das problem, wenn der eigene gottesbegriff irgendwie das niveau von ikea hat. es fehlt gottes genie und billig gekauft ist halt schlecht geglaubt. da kommt dann nur der übliche bürgerliche mief, hippie, faust und arbeitsamt. das finden ein paar gymnasiasten ohne freunde lustig, weil halt, hihi, gottlästertext, hihi. und weiter gehts im trott.

      18.08.2010, 18:29 von stereoG
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      @stereoG Nimms doch einfach hin, dass mir dieser Text von den deinigen nicht gefällt. Dafür ja aber vielen anderen anscheinend schon. Oder darf man neuerdings nur noch Positiv-Kritik äußern?

      18.08.2010, 21:35 von nyx_nyx
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    achja, kauft doch einfach das original.


    Er war irgendwann am Nachmittag erwacht, der Schädel brummte und irgendwie war gestern wohl ein weiterer Tag ohne Dusche verstrichen. Die erste Erinnerung an die vergangene Nacht kratzte den letzten Stolz weg. Welch eine Blamage!

    Nach einem verbratenen Steak bei miesem Fernsehprogramm entschied er sich, sein Gewissen zu beruhigen und was einigermassen Nützliches zu vollbringen. Also dachte er, 'Heute bau ich mir den offset'. Und dann legte er los. Dummerweise war Ende des Monats, und Gott dementsprechend blank. Nun musste er sehen, wie er mit den umherliegenden Resten irgendwas Brauchbares zustande bringen könnte. Gott hielt sich in dieser Zeit für furchtbar kreativ und 'avantgardistisch', also sah er seine Armut eher als Bereicherung und Qualitätsfilter. Er schuftete sich in einen Wahn, verhedderte sich aber immer wieder und vor allem brummte sein Schädel nicht nur weiter vor sich hin, sondern spulte mitunter wütende Bilderfetzen durcheinander. Gott hatte einige Mühe, sich selbst zu folgen. Aber das Chaos ist ja nur eine besonders komplexe Ordnung.

    In später Nacht war es dann fertig, Gott hatte sich seinen offset geschaffen. Er wusste nicht mehr wie, die Drogen, die im Schaffensprozeß noch wirkten, waren nun abgeklungen und mit ihnen jegliche Kenntnis über die geschöpfte Kreatur. Doch er wär ja nicht Gott, wenn sein Selbstvertrauen keines der unendlichen Sorte gewesen wäre. "Also, nicht lange fackeln!" Auf den roten Knopf drücken und zack, nahm das Unheil seinen Lauf.


    Gott ahnte zwar sehr früh, dass die Sache durchaus heikel verlaufen könnte. Aber hey, ein bißchen Kick für den Augenblick. Doch schon nach ein paar Wochen war er sich da nicht mehr so sicher. Offset schien ausser Kontrolle zu geraten, ein seltsames Eigenleben zu entwickeln, das sich als fatal entpuppen könnte. Gott kam allmählich völlig von der Rolle. Immer wieder bestätigten sich schlimmste Befürchtungen. Er wusste sich bald keinen anderen Rat mehr und tat das, was er nur in äussersten Notfällen zu tun gedachte: er ging rüber zu seinem abtrünnigen Schüler Satanuss, genannt 'die Nuss'. Die Nuss war ein komisches Kerlchen. Immer gut drauf, immer am Köcheln und Dampfen. Ihm schien die Sonne gewissermassen aus dem Arsch und er lachte sich natürlich halb tot, als Gott in aller Panik vor der Tür stand.

    "Was willste denn?"
    "Ich brauche deine Hilfe."
    "Meine Hilfe? Der Meister braucht meine Hilfe?"
    "Hör auf mit dem Müll, es ist dringend."
    "Wie komm ich zu der Ehre?"
    "Ich war besoffen, da hab ich irgendwie Mist gebaut."
    "Ohhh. Besoffen?"
    "Jaja."
    "Na gut. Ich will ehrlich sein. Ich hab von deinem Malheur unlängst erfahren. Wirklich nicht schlecht."
    "Nicht schlecht? Es ist ein Fiasko!"
    "Sag ich doch, Respekt. Kann ich dir das Patent abkaufen?"
    "Hör zu, wir brauchen ein Gegenmittel."
    "Für dies wahrlich prächtige Unheil?"
    "Ja!"
    "Hm. Wenn du meinst. Ein Komplentär wär nicht schlecht. Etwas anderes wird nicht funktionieren."
    "Du bist dir sicher?"
    "Dieses Unheil ist sehr resistent gegenüber so genannten Verbesserungen. Wir müssen es also verführen."
    "Brilliant!"
    "Ich hab eine Idee."
    "Nun sag!"


    Gegen einen historischen Freibierdeal auf Ewigkeit erzählte die Nuss dem Gott von seiner Idee, und Gott machte sich daran, jene umzusetzen. Wenn ich mich heute frage, warum mir so viele andere Menschen langweilig erscheinen, dann fällt mir die Antwort schnell ein: Gott hatte sich damals einfach zu sehr verausgabt. Erst an mir, dann am Gegenmittel. Denn nun musste er etwas schaffen, das dem entfesselten Chaos, dem ewig weichenden Manöver entgegenstehen würde. Ohne es aufzustauen und somit nur weiter in jene fatalistische Zersplitterung zu treiben, die ich meine Persönlichkeit nenne. Er musste also etwas schaffen, dass alle diffusen Energien auf einfache Weise bündelt. Sie ablenkt in ein System und dort verwandelt, auf eine konstruktivere Art funktionieren läßt. Vor allem aber musste es unwiderstehlich sein. Eine Falle, in die ich intuitiv tappen würde. Eine Herausforderung, die mit einer leichten Sünde beginnt. Etwas, das offset völlig fremd schien, und doch nicht war. Etwas, das er ewig begehren wird.


    Soweit die Idee der Nuss. Nur Gott tat sich schwer in der Konkretisierung. Er war zwar durchaus praktisch veranlagt, stand aber unter zu großem Druck. Schließlich musste er das maximale Unheil verhindern. Er hatte einen Fehler begangen, den es unter allen Umständen auszubügeln galt. Eine schier unmögliche Aufgabe, seine Haare wurden ganz grau von aller Grübelei. Und doch, er kam nicht weiter. Drei Jahre nach meiner Geburt waren nun verstrichen, Gott kam seinen sonstigen Pflichten mehr schlecht als recht bei und die Welt schien dem Abgrund geweiht, Gott selbst war der Kapitulation schon mehr als nur nahe. Er suchte in seiner Verzweiflung gar noch einmal den Teufel auf, aber der war verreist. Segelte auf einem Fass Bier und mit ein paar sündigen Engelinnen um die Welt. Gottes Depression war somit am Endpunkt angelangt und verkehrte sich flugs in wütende Revolte. "Wenn alles im Übel begann, so soll auch alles im Übel enden." Er besoff sich also. Hemmungslos. Er gab Himmel und Hölle einen freien Tag, ludt alle Engel und Dämonen ein in den ewigen Palast. Eine Feierei ohnegleichen ließ das gesamte Universum erbeben und tatsächlich, schon nach ein paar Tänzen verschwand im Rausche der Kummer. Gottes Augen sahen das Leben wieder in seiner ganzen Pracht leuchten. Gott wurde von den Engeln mit buntem Konfetti beworfen, die Dämonen soffen ihn dabei unter den Tisch. Es war ein absolut atmliches Fest und so schlief er dann auch friedlich ein.


    Die Vögel zwitscherten im Erwachen, Gott sprang sofort auf. "Welch ein Tag, welch eine Freude. Offset? Mir doch egal! Ich hab Konfetti!", wirbelte er die bunten Flocken in seiner Bude umher. Alles funkelte. Da ging Gott voller Frische und Tatkraft in die Werkstatt. Er baute einfach munter drauf los und stellte alsbald fest, 'wie lustig er ja heute drauf sei'. Es ergötzte ihn vollkommen, seine Freude nahm kein Ende. All die Anspannung der letzten drei Jahre schien sich gewandelt zu haben. In nur einer Nacht im Konfettiregen. Die Ideen flossen nur so aus seinem geöffneten Geiste, webten sich in die neue Schöpfung. Als er schon am späten Mittag in den Garten trat, hielt er sein Glück voller Zufriedenheit in die Höhe: "Boggi! " Ein Zauberwerk. Da hatte Gott aber mal so richtig derbe auf die Kacke gehauen.


    Es war seltsam. Wie ein Blitzschlag durchfuhr es seinen Körper. "Das ist es..." Boggi war, was er gesucht hatte für sein offset-Dilemma. Denn wenn Boggi lachte, gingen alle drei Sonnen auf. Wenn sie weinte, sangen die Flüsse das schönste Lied. Und wenn Boggi bockig wurde, wollte offset von sich lassen und sie milde stimmen. Doch eines fehlte noch. Die Nuss war gerade heimgekehrt, Gott bat darum, seinen neuen Stolz zu begutachten.

    "Hmm. Das ist gar nicht mal schlecht."
    "Gar nicht mal schlecht?"
    "Ja."
    "Aber... sie ist perfekt!"
    "Das ist sie, beinahe."
    "Beinahe?"

    Gott starrte die Nuss fassungslos an. Es hätte so schön sein können, so einfach. Aber irgendwas ist scheinbar immer.

    "Kommst du nicht selbst drauf?"
    "Worauf?
    "Du weißt doch, worum es geht."
    "Offset."
    "Richtig, offset."
    "Ja, und?"
    "Das heißt, es muß mit einer Sünde beginnen."
    "Du meinst..."
    "Richtig."
    "Ich habs!"
    "Nun sag."
    "Titten! Boggi braucht noch Titten!"


    So gab Gott dem Boggi die prachtvollsten aller Möpse. Nun war er sich der Sache definitiv sicher. Boggi würde das Unheil aufhalten.


    Und nichts anderes sollte sie tun.

    18.08.2010, 14:11 von fugit
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      @fugit Trollig.

      18.08.2010, 14:16 von quatzat
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    das bürokratische ambiente ist ganz und gar ungöttlich und verdirbt jeden witz schon im ansatz. das bleibt alles im versuch stecken.

    nochmal neu anlaufen.

    18.08.2010, 13:30 von fugit
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      @fugit also ich meine, es hakt schon bei der vorstellung, dass gott sich den gottlosen erst widmet. das ist halt das problem, wenn der eigene gottesbegriff irgendwie das niveau von ikea hat. es fehlt gottes genie und billig gekauft ist halt schlecht geglaubt. da kommt dann nur der übliche bürgerliche mief, hippie, faust und arbeitsamt. das finden ein paar gymnasiasten ohne freunde lustig, weil halt, hihi, gottlästertext, hihi. und weiter gehts im trott.

      da ist es spannender jemandem beim schnürsenkelbinden

      18.08.2010, 13:34 von fugit
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      @fugit Wenn einmal so eine abgehobene Überfigur wie "Gott" aufgebaut wurde, ist es logische Folge, dass diese Figur auch zum Ziel von Satiren/Karrikaturen etc wird. Je absurd heiliger die Figur, desto trashiger die Satire.

      Lustig, da hat man ein Licht angeschaltet und wundert sich dann, dass die Schatten schärfer wurden.. (nicht, dass ich die gängige Definition von "Gott" als Licht damit unterstützen würde).

      Finde den Text genial, und mir reicht des Autors Genie in diesem Falle vollkommen ;-)

      19.08.2010, 03:37 von nebomoreoblaka
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  • 0

    Herrlich!

    18.08.2010, 13:22 von thadeuspunkt
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    bin begeistert! einfach nur wunderbar. Vulgärsprache? wo?

    beste stelle:
    Er erblickte mögliche Leben von ihm: Ein Reihenhaus und Familie in der Pfalz, ein Leben als Streifenpolizist in Frankfurt, als Schwuler in Köln, als Frau im Islam, als Neger in Texas usw.

    18.08.2010, 13:14 von vonBelang
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  • 0

    unterhaltsam, aber die Vulgärsprache, die Gott Manchmal benutzt, passt nicht.
    Vor allem, weil der Protagonist manchmal die schlimmste Vulgärsprache spricht und dann wieder nur hochgestochenes rauskommt.
    bei manchen Passagen musste ich sehr lachen, z.B., dass sich der Teufel noch von Faust erholen muss.
    Der Schluss ist sehr gut.

    18.08.2010, 11:54 von MsLeigh
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  • 0

    "Tötet sie alle, Gott wird die seinen schon erkennen."

    (Arnold Almaric)

    Er glaubt an Northern Soul und Acid House? Jessas...

    18.08.2010, 11:44 von holo...
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  • 0

    gut!
    :D

    18.08.2010, 10:13 von RedSonja
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  • 0

    würd ich doppelt empfehlen, wenns ginge.

    18.08.2010, 09:11 von AnnaEcke
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Seite: 1 2

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