ChristineNeder 30.11.-0001, 00:00 Uhr 42 26

Berlin: 90 Nächte, 90 Schlafplätze, 90 Bekanntschaften

Durchgeknallter Freak oder langweiliger Normalo? Drecksbude oder Parketboden? Es bleibt spannend. Jeden Tag aufs Neue.

Man wird älter und älter. Die Zeit läuft schneller als der Geist. Das Studium ist abgeschlossen.Die biologische Uhr fängt an zu ticken. Die ersten Falten prägen das Gesicht. Man sollte erwachsen, reif und sesshaft werden, sich einen Mann und eine Festanstellung suchen, um brav in die Rentenversicherung einzuzahlen, eine Familie gründen, für die Zukunft vorsorgen und Anti-Aging Produkte kaufen.
Alles verständlich. Alles auf meiner to do Liste für die nächsten fünf Jahre. Aber einmal muss ich noch ausbrechen. Nur noch einmal muss ich etwas einzigartig bescheuertes, atemberaubend witziges, unbegreiflich Verrücktes machen, bevor ich mich innerlich zur Ruhe setze und nur noch Tee trinkend auf meiner Terrasse den Sonnenuntergang anschaue.

So kam es zu folgender Experimentidee:
90 Tage (mittlerweile nur noch 80) werde ich mir täglich ein neues Schlafplätzchen suchen, mit meinem Koffer durch Berlin marschieren und mein Auto zum Kleiderschrank umfunktionieren. Ziel ist es über Couchsurfing und Facebook ein Gesellschaftsportrait zu erstellen und der Frage nachzugehen, was sich eigentlich hinter einem Internetprofil alles so verbirgt und wie die Menschen wohnen, die sich nur durch Worte definieren. Ich hatte bis jetzt schon unvergessliche zehn Tage, in denen ich mich quer durch Berlin geschlafen habe. Meine erste, und somit eindruckvollste Nacht war in Friedrichshain, in einer sehr nachtaktiven WG, die mich nach meiner sechsstündigen Autofahrt mit Martini betäubt und die ganze Nacht mit spannenden Lebensgeschichten unterhalten hat. Mit Zimmerfenster in Richtung Frankfurter Allee ist sowieso nicht viel mit schlafen. Nach diesem ersten Tag dachte ich schon daran aufzugeben, weil ich es körperlich nicht schaffe. Weil ich meinen Koffer nicht in den 5.Stock hoch bekomme, nach nur vier Stunden Schlaf und einem mörderischen Kater und meinen Schönheitsschlaf einfach brauche. Sonst werden die Anti-Aging Produkte auch zu teuer. Mein zweiter Gastgeber hat mich aber mit selbst gekochten Spinatnudeln wieder aufgepäppelt und früh ins Bett geschickt. Danke.

Bis jetzt war ich in Kreuzberg in der französischen Baumarktwohnung und in Prenzlauer Berg wo ich Adventskalender im August gebastelt habe. In Mitte hatte ich eine luxuriöse Edelbleibe neben dem Friedhof und in Neukölln habe ich gelernt wie man Kassler schneidet. Dabei hatte ich immer unglaublich gute Gespräche über das Leben, die Liebe und natürlich Berlin. Ich könnte mir keine interessantere und polarisierende Stadt vorstellen als diese. Hier weißt du wirklich nie, was sich hinter der Haustür verbirgt. Nur das Kofferschleppen geht stark auf den Rücken...
Berlin du brauchst mehr Fahrstühle!

Gerne gebe ich euch wöchentlich ein Update über die verrücktesten Geschichten. Wer jedoch jeden Tag live dabei sein möchte, auf Lilies Diary schreibe ich täglich über die letzte Nacht. Freue mich über Likes und Links und unzählige Übernachtungsangebote ;)



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Tags: Internetbekanntschaft
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42 Antworten

Kommentare

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    Yehaaaaa, wo sind diese Menschen wie du nur abgeblieben im unerschütterlichen D-Zug des hastigen deutschen Alltages?! Nette Aktion, ich hoffe, ich treffe mal auf jmd. wie dich, wenn es auch bei mir soweit ist ;) *daumen hoch*

    02.09.2010, 09:31 von Nojoud
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    Die Idee finde ich gut. Ich werde es zukünftig verfolgen und wünsche dir viel Glück...
    Aber erzählst du den Leuten, was du da vorhast? Du darfst denen das doch nicht vorenthalten, wenn du schon deren Wohnung fotografierst.

    31.08.2010, 10:23 von Stefania2703
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      @Stefania2703 Ich erzähle es, meistens ;) und wenn nicht frage ich ob ich Bilder machen darf ect.

      31.08.2010, 12:03 von ChristineNeder
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    klingt wunderbar spannend.
    furchtbar dass ich so weit weg von berlin wohne,wie es nur geht :-( würde auch gern mal dort durch die nächte ziehn

    31.08.2010, 09:54 von bichette
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    Wurden die Schlafplatzanbieter wenigsten mit sexuellen Dienstleistungen entlohnt?

    30.08.2010, 21:34 von WurstModem
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    Coole Idee. Kleiner Tip: Es gibt Rucksäcke. Sind tierisch praktisch die Teile...

    30.08.2010, 16:17 von mixtapeape
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    Hm, eine sympathische, verrückte Idee.
    Nur bei einem Satzteil mag ich widersprechen:

    "(...) bevor ich mich innerlich zur Ruhe setze und nur noch Tee trinkend auf meiner Terrasse den Sonnenuntergang anschaue"

    Innerlich zur Ruhe setzen ? Auch wenn gesellschaftliche Regeln vorgeschrieben sind und man sich äußerlich danach richtet, innerlich kann man trotzdem ein nicht unerhebliches Stück weit frei bleiben.

    30.08.2010, 10:48 von Cyro
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    Ja, ihr seit ganz schön hart und die meisten nicht wirklich gut in ihrer konstruktiven Kritik. Aber ich freue mich, dass es auf so große Interesse stößt.

    30.08.2010, 09:34 von ChristineNeder
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    Mein Gott seid ihr alle anti!!! Das ist ja grausam! Hauptsache dagegen sein- weil ja zu gewöhnlich. Main-Stream Scheiße! Wer glaubt etwas Besonderes zu sein sollte sich jetzt angesprochen fühlen. Euer Geschwafel und eure Ego-Tripps sind ja zum Kotzen! OOOhhhh.. ich bin ja sooo individuell!!! Nää, alternativ! Ich bin ANDERS!!! Jawoll!!!
    Ihr seid doch alle gleich, gleicher als gleich!

    So lasset doch jeden sein wie er ist und hört auf soo verdammt cooool sein zu wollen. Die Realität sieht anders aus. Und das solltet ihr wissen.

    30.08.2010, 08:55 von Goldmarie01
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    vielleicht bietet dir dein naechstes couchsurfingopfer ja nen sprachkurs an.
    schade, wie oberflaechlich das ganze doch ist; das geblogge hats versaut!

    29.08.2010, 21:12 von Abwaertstrend
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    Das mit den Erinnerungen, die einem niemand mehr nehmen kann, habe ich vor zwanzig Jahren schon gehört, als es um kostspielige Urlaubsreisen ging. Und zwar von Frauen, bei denen ich mich heute nicht mehr zu fragen getraue, wie es ihnen geht?
    Selbst hatte ich Brieffreundinnen, die ich in deren Heimat besuchte, führte "Erinnerungsbuch": Konzerttickets, Restaurantrechnungen, Aktfotos, Kinokarten, SMS-Protokolle... Mit einigen Jahren Zeitaufwand wären daraus vielleicht neunzig Frauen in neunzig Städten geworden. Und? Ein beliebiges Aneinanderreihen von Allerweltserfahrungen, das selbst mich nicht mehr so richtig interessiert.
    Wer aus der Modebranche kommt, der weiß, dass eine Frau mit 25 schon ziemlich alt ausschaut. Studium fertig, ab ins Großraumbüro, ins Reihenhaus, in die Krabbelgruppe. Wen soll das inspirieren?
    Thomas Mann vollendete mit 25 seine "Buddenbrooks", Steffi Graf dachte mit 25 über ihr Karriereende nach. Etwas weniger Nachtleben, etwas mehr Aschplatz, wäre meine Empfehlung für die Jugendzeit.

    29.08.2010, 16:33 von chSchlesinger
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