Aufklärung oder Volksverhetzung?
Michel Friedmans Interview mit Horst Mahler schlägt hohe Wellen. Ob nun Kalkül oder Aufklärung, die Frage bleibt: Wie sollen Medien mit Nazis umgehen?
Im Editorial der "Vanity Fair" vom 1. November war zu lesen, dass es "eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben" habe. Gemeint war das in dieser Ausgabe veröffentlichte Gespräch zwischen Michel Friedman und Horst Mahler, dem RAF-Gründungsmitglied und heutigem "Chef-Nazi Deutschlands". Über zehn Seiten waren die antisemitischen Hetzen Mahlers zu lesen. So leugnete er den Holocaust, nannte Hitler "den Erlöser des deutschen Volkes" und erklärte, dass die Juden die gegen sie gerichtet Gewalt bräuchten, um sich "wieder als Opfer darzustellen". Nach dem Interview hatte Friedman selber Strafanzeige gegen Mahler gestellt und sein Gespräch gegenüber der Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung als seine "journalistische Pflicht, das Unappetitliche zu vermitteln", verteidigt.
Das sah man quer durch die Parteien etwas anders: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse beispielsweise empfand die Veröffentlichung des Interviews als absolut unnötig, Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach wunderte sich, warum sich Friedman zum "Stichwortgeber für rechtsextremistische Thesen" mache. Eher unaufgeregt fragte haGalil, eine deutsch-israelische Website, warum "sich ein Jude für eine solche Aufgabe hergeben" müsse, ob es denn keinen anderen Journalisten in Deutschland gebe, der sich dieser Aufgabe hätte stellen können?
Nun, vielleicht hätte es ja andere gegeben - aber wäre das Interview dann überhaupt veröffentlicht worden? Henryk M. Broder schrieb auf Spiegel Online: "Ein potenzieller Täter und ein potenzielles Opfer treffen sich, eine makabre Situation, deren Reiz in einer perversen Fantasie liegt: Was wäre, wenn der Nazi könnte, wie er möchte?".
Für den Historiker und Holocaust-Überlebenden Arno Lustiger wurde der Bogen mit der Veröffentlichung des Mahler-Interviews eindeutig überspannt: Lustiger hat Strafanzeige gestellt. Im gestrigen Editorial der "Vanity Fair" wurde das Interview allerings erneut verteidigt: "In einer Zeit, in der rechtes Gedankengut auch bürgerliche Schichten erreicht, muss die Auseinandersetzung mit den Feinden der Demokratie mit Mitteln der Aufklärung stattfinden“.
Das Thema als ein Problem einer einzelnen Zeitschrift abzutun ist allerdings viel zu kurz gedacht: Für alle Medien stellt sich die Frage, wie man mit den Äußerungen von Nazis umgehen kann, soll oder darf.
Was meint Ihr: Wie weit darf man Nazis in den Medien ein Forum geben? Hatte das Gespräch mit Horst Mahler seine Rechtfertigung oder darf es in den Medien keinen Platz für die Äußerungen eines Neonazis geben? Oder ist es vielleicht schon falsch, das Thema hier zu diskutieren?






Kommentare
huh, das Diskussionsniveau hier ist teilweise gruselig schlecht.
15.11.2007, 14:48 von Ghandiam heftigsten finde ich natürlich die alljärliche diskussion um ein verbot der NPD, in meinen augen absoluter quatsch!!! dann gibt es wieder viel mehr unkontrollierbare gewalt, anschläge ect.... lasst den spassels doch ihr kleines podium, auf dem sie sich um kopf und kragen reden können.... verbote schüren den hass und die unvernunft..
13.11.2007, 22:49 von ferhatFriedman und Mahler - wo ist der Unterschied? Beide unterstützt von einer großen Lobby, beide der Meinung nur ihre Wahrheit ist die einzig richtige. Beide Egomanen. Somit: kein Unterschied.
12.11.2007, 10:35 von Wolkenschaf@Wolkenschaf RICHTIG! KURZ UND KNAPP; SEHR TREFFEND!
13.11.2007, 22:43 von ferhat@ferhat HABE MICH AUF "WOLKENSCHAF" BEZOGEN....
13.11.2007, 22:45 von ferhat@ferhat IST KLAR!
16.11.2007, 13:42 von sailor@sailor bist du etwa ein freund des friedmann, gar selber jude? wie ich schon geschrieben habe, zwei intelligente und studierte arbeitskolleginnen sind selber jüdisch, die eine sogar direkt aus tel aviv.... stützen seine art und weise aber nicht, schon gar nicht seine thesen.,..
16.11.2007, 22:13 von ferhat@ferhat Ich auch nicht.
19.11.2007, 10:10 von sailorIch kriege nur immer einen langen Zahn, daß in solchen Diskussionen gerne mal leise von der mächtigen Lobby geraunt wird, die hinter diesem oder jenem Juden steht.
Von seiner Weltanschauung mal ganz abgesehen.
Leider wird das immer so dahingestellt und wenn man dann mal nachfragt, kommt nix mehr...
Das ist keine Art, wie ich finde.
Tel Aviv ist eine schöne Stadt.
Der Friedman hatte doch mal was mit illegaler Prostitution aus Osteuropa am Hut. Jeder andere wuerde durch so einen Skandal mundtot gemacht, aber da der Herr Friedman durch den Zentralrat eine maechtige Lobby hat, darf er froehlich weitermachen.
11.11.2007, 16:58 von frikadelleSchon allein deshalb konnte ich das Interview nicht ernstnehmen.
Und Mahler? Der braucht dringend Hilfe, ich glaube, der weiss morgen schon nicht mehr, wo er seine Socken aufbewahrt. Wenn der die geistige Elite der Rechten ist, kann man mit "intelektuellen Waffen", mit denen die Regierung der NPD ja immer gerne entgegentreten will, nichts mehr anfangen.
@frikadelle Herr Friedmann trat im Zuge der Affäre um Ill. Prostitution und Kokain von allen öffentlichen Ämtern (Stellv. Vors. des Zentralrates der Juden in Deutschland, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses) zurück.
12.11.2007, 10:33 von sailorDazu gab's einen Strafbefehl von 17.400 Flocken...
Wo siehst Du jetzt "die mächtige Lobby des Zentralrates".
Das ist doch Gefasel...
@sailor ist doch das mindeste, dass er zurückgetreten ist.... normalbürger xy wäre längst von der bildfläche verschwunden.... 17400 ist nicht viel, gemessen an seinem vermögen... ich als "kanacker" wäre in den bau gekommen, bei der menge an kokain sowie prostitution... aber meine meinung bleibt: warum regen wir uns eigentlich über peanuts auf, um die es hier geht; dement und senil gegen selbstverliebt und persönlichkeitsgestört.... es gibt wichtigeres.... umwelt und überbevölkerung- mein land nicht ausgeschlossen...
13.11.2007, 22:42 von ferhat@ferhat Normalbürger xy ist nicht auf der Bildfläche.
19.11.2007, 13:21 von sailorDer Konsum von Kokain ist nicht verboten.
'Nur' der Handel und der Besitz.
Was ihm (zurecht) zum Vorwurf gereicht, ist die Tatsache einer fehlenden Entschuldigung.
Viel oder wenig? Ich weiß nicht, wie die Summe zustande kommt...
Nutella weiß bestimmt, ob sich sowas (auch) nach der Vermögenssituation des Verurteilten richtet.
Ansonsten meine volle Zustimmung, daß es deutlich Wichtigeres gibt...
:)
noch ein kleiner nachtrag: mir als moslem(sehr tolerant und weltoffen), steht es wahrscheinlich nicht zu, so heftig über friedmann zu urteilen, da man uns moslems ja eigentlich eine sehr antijüdische haltung vorwirft...
11.11.2007, 15:22 von ferhatich habe zwei arbeitskollegen, beide weiblich, eine studierte ärztin( folglich nicht dumm)- beide vertreten die ganz klare meinung, dass friedmann ein hetzerischer scharlatan ist, der sich immer wieder versucht in szene zu setzen... er ist gegen frieden, gegen ein miteinander der kulturen- seine subtile art und unterschwellige aggressivität ist konstant spürbar! sie schämen sich für ihn und hätten diese- ohnehin sinnlose- befragung, lieber einem objektiverem menschen mit weitsicht überlassen...
ich selber mag ihn als menschen nicht(friedmann)... schon schlimm, dass ich hier weniger über diesen verkappten nazi schreibe und mich mehr dem friedmann widme---- aber scheinbar ist er ein spiegel der heutigen zeit( bist du prominent, hast geld und einfluss, dann darfst du dir alles erlauben---- konsum und erwerb von harten drogen, prostitution.... und kaum ist ein moment vergangen, sieht hört und liest man friedmann wieder überall und er kann seine hatz weitertreiben) in diesem sinne
hm. solange es als demaskierung wahrgenommen wird - und da eignet sich ein jüdischer journalist vielleuicht besodners gut - isses doch super. das problem dabei ist aber hauptsächlich dass die, die seiner meinung sind es eh so sehen und der rest sich mit leichtem grusel an die lektüre macht, um sich hinterher als guter mensch zu fühlen. bewirken tut es halt kaum was. schlimm isses aber auch nicht.
10.11.2007, 17:27 von PDKIch kann mich noch gut an die Diskussionen über die Mohemed-Karikaturen erinnern. Wieviele haben da das Recht auf freie Meinungsäusserung verteidigt. Und jetzt, bei einem Thema auf das wir sensibel reagieren, gilt da die freie Meinungsäusserung nicht mehr ?!?
10.11.2007, 16:37 von Composer