Auf nach Taizé!
Mein persönliches Selbstexperiment : Als Atheistin auf ein christliches Jugendtreffen. Ein Bericht über Gott und die Welt.
Was ich mir dabei gedacht habe? Relativ wenig, um ehrlich zu sein. Und nein, ich habe nicht zu viel Geld, oder etwas Besseres zu tun. Na ja, hatte ich eigentlich wirklich nicht. 6 Wochen Ferien lagen vor mir, mit wenig rosigen Aussichten, alle guten Freunden waren am anderen Ende der Welt und ich sollte hier in der Kleinstadt versauern. Warum also nicht mit ein paar netten Leuten nach Taizé fahren. Ja, warum eigentlich nicht. Ich bin ja ein offener, toleranter Mensch. Ich zelte zwar nicht gerne, aber eine Woche geht das schon, klar komm ich mit. Moment. Maria, dachte ich mir, du bist Atheistin. Du glaubst nicht an Gott. Und schon gar nicht an die Bibel oder an all das andere Zeug. Mhm. „ Du musst nichts machen was du nicht willst! Echt, alles ganz locker da.“ Ah. Gut. Dann, auf nach Taizé! Ok, ja. So leicht fiel mir die Entscheidung dann auch nicht. Nach wirklich längerem überlegen und einem Besuch der offiziellen Taizé Homepage, auf der erst einmal der Tagesablauf eines ganz normalen Taizé Tages stand und dem Hinweis, man solle doch eine Bibel mitbringen ( besitze ich überhaupt eine?!) und sich darüber im Klaren sein, dass es ein christliches Treffen sei und jeder aus freien Stücken kommen solle. Ah ja. Verdammt. Will ich das wirklich?
Ich habe nichts gegen Christen. In Gottes Namen. Ich bin getauft und konfirmiert, somit also eigentlicher Protestant. Ich habe mich in intensiven Präperanten Unterrichtsstunden mit Gott und der Bibel auseinander gesetzt. Ich habe mich knapp 8 Jahre lang in den dürftigen Religionsunterricht gesetzt. Um dann für mich zu entscheiden, dass es vielleicht doch nicht „das Richtige“ ist für mich. Ich habe kein Problem mit dem christlichen Glauben. Jeder soll an das glauben, an das er möchte. Und auch so intensiv er möchte. Doch ich will mit meinem Nicht Glauben in Ruhe gelassen werden. Ich will nicht bekehrt werden. Ich will auch nicht hören, dass ich irgendwann am Ende meines Lebens vor dem Allmächtigen schon einsehe, das meine Meinung falsch sei. Brrrrr.
Ich bin also mitgefahren. So spontan, wie ich bin. Nach 7 Stunden Busfahrt, Ankunft im warmen Westfranzösischen Dorf Taizé. Schön, los geht's! Nein, doch noch nicht. Eins vorweg: Taizé ist unorganisiert. Und das sage ich nicht als penible Deutsche. Doch vielleicht schon aber, wirklich. Als wir endlich unserer Gruppenzelt bezogen durften, zusammen mit 7 Französinnen und nochmal so vielen Schwedinnen, eine davon hatte vielleicht einen Schnupfen, sie schnarchte ganz fürchterlich, fing es an zu stürmen. Wofür Taizé jetzt erstmal nichts kann. Am nächsten Tag, habe ich erstmal den morgen Gottesdienst verschlafen, wie um ehrlich zu sein, jeden Tag. Nun hieß es putzen. Den Dienst an der Gemeinschaft tun. Gut, da mach ich mit. Also, bei strömendem Regen Baracken putzen, also Leuten, die abgereist sind, ihren Dreck wegräumen.
Von solchen Diensten an der Gemeinschaft lebt Taizé. Im eigentlichen Sinne „arbeitet“ dort ja auch niemand. So muss jeder sich für die Zeit, die er da ist, eine Arbeit suchen und sich eintragen lassen und dort auch jeden Tag erscheinen, eigentlich. Es kontrolliert aber auch niemand. Wie gesagt, Taizé ist unorganisiert. Ich habe meinen Durst an sozialem Engagement mit Spülen und Essen austeilen gestillt. Was eigentlich auch eine sehr lustige Sache sein kann.
Es gab aber auch weniger lustige Sachen dort. Jedenfalls für mich. Da ich ja, wie gesagt, so ein toleranter und offener Mensch bin, habe ich mir gedacht, wenn ich hier bin, gebe ich mir die volle Bibel Dröhnung. Bibelstunde morgens um 10. Nach einer Bibeleinführung durch Brother Ulrich wurde man dann in Kleingruppen nach Alter sortiert um dann über seinen Glauben und eine Bibelstelle zu diskutieren. Eigentlich eine echt feine Sache und auch interessant mit Leuten aus verschiedenen europäischen Ländern zu reden, wenn diese dann auch Englisch könnten. Auch interessant die Meinung einer meiner deutschen, katholischen Gruppenmitglieder. Nichts gegen Katholiken, aber vor so etwas fürchte ich mich. Ich kann wirklich froh sein, dass ich nicht als Hexe verbrannt wurde. Oder, dass sie sich überhaupt mit mir unterhalten hat. Sie unterhält sich nämlich eigentlich nicht mit Protestanten. Geschweige denn Atheisten. Ah. Ok.
Dem Gottesdienst habe ich auch beigewohnt. Zwar nicht morgens, doch dafür jeden Mittag und Abend. Und nein, er war nicht schlimm. Sogar relativ schön.
Mein Fazit aus einer Woche Taizé? Es war gut. Gut, dass ich es gemacht habe und es war eine Erfahrung. Niemand wollte mir seinen Glauben aufzwingen und ich bin auch nicht bekehrt. Im Gegenteil. Je mehr ich mich damit auseinander gesetzt habe, je mehr ich den anderen Leuten von ihren Erlebnissen mit Gott und ihrem Glauben zugehört habe, umso mehr halte ich es für feige und naiv, sein Leben lang hinter etwas herzulaufen und auf etwas zu vertrauen, was niemals geschehen wird, beziehungsweise geschehen ist. So jedenfalls meine Meinung. Taizé übt eine gewisse Faszination aus. Wo sonst trifft man so viele nette, junge Menschen aus der ganzen Welt? Wo sonst spült man mit 5 verschiedenen Nationen 4000 Löffel? Es herrscht dort eine ganz bestimmte Atmosphäre, die wirklich einzigartig ist. Und vielleicht fahre ich wieder hin. So wie viele Jugendliche in meinem Alter. Aber vielleicht gebe ich mir dann doch nicht die volle Dröhnung. Gelernt habe ich auch was. Glaube ist Glaube. Und mehr nicht.






Kommentare
mir gings genauso in taizé... war eigentlich sehr schön, die desorganisiertheit ha tmich nicht gestört, aber dann hab ich mich doch immer ein bisschen verloren gefühlt zwischen all den überzeugten christen in meiner gruppe...hätte gut getan wenn jemand dabei gewesen wär der so denkt wie du ;)
30.11.2010, 21:25 von LiaSophiaHab gerade zum ende hin ne gänsehaut bekommen.. ob's am text lag oder daran, dass ich seit dem see heut wohl nen leichten sonnenstich habe, weiß ich nich. :D
20.08.2009, 20:56 von schokocrispZumindest gefällts mir. Und klingt einfach verdammet ehrlich. und DAS, also Ehrlichkeit, sollte es wirklich mehr geben. Egal ob die leute glauben, oder eben nich'. Punkt :)