unicorna 04.10.2007, 17:32 Uhr 5 1

Auf geht´s zur Oktoberpest!

Im Dirndl?? Ne Leute, sorry, könnt Ihr echt knicken!

Jahrelang hatte ich mich trotz hartnäckigem Druck
aus dem Freundes- und Kollegenkreis gegen das
Tragen einer Tracht gewehrt.
Letztes Jahr war es dann soweit. Ich gab klein bei.
Und weil Frauen sich ja bekanntlich schwer entscheiden
können (ich zumindest), kaufte ich gleich zwei davon.
Dabei bin ich schon lange kein Wiesn Fan mehr.
Seit Jahren hatte ich im großen und ganzen nur noch
den Pflichttermin mit der Firma wahrgenommen.
Klar, als Teenager ist man quasi noch täglich
mit seinen Freunden aufs Oktoberfest gezogen.
Damals kostete so eine Fahrt allerdings auch noch
zwischen 3,- und 5,- DM und keine 4,- bis 6,50,- Euro.
Das macht doch keinen Spaß mehr. Ne, stimmt so nicht.
Scheiße, klar macht die Fahrerei trotzdem Spaß.
Aber nur noch halb so oft für´s gleiche Geld.
Vor kurzem bekam ich in einem Kaufhaus das
Gespräch zwischen einem Verkäufer und seiner
Kollegin mit. Er hätte ja jetzt dann für die Wiesn
vierzehn Tage frei . Endlich. Hurra Hurra.
HÄÄ????
Okay, ich weiß von Leuten, die sich während dieser
Wochen Urlaub nehmen, um dann fluchtartig die
Stadt zu verlassen. Aber den Urlaub verplempern,
um sich dann in der eigenen Stadt als Touri das
Geld aus der Tasche ziehen zu lassen? Also ne.
Jedenfalls war es jetzt wieder soweit. Also rein
ins Dirndl, hin zur Firma, ab ins Zelt.
Natürlich regnete es an diesem Vormittag.
Im Zelt war es so kalt, dass man keine Zigarette
anzünden musste, um beim Ausatmen hübsche
Rauchwölkchen zu erzeugen.
Ich zitterte mit den Kolleginnen um die Wette, jede
hin- und her gerissen zwischen wärmender Jacke
und einem trotzigen „wofür-hab-ich-das-blöde-Dirndl-
denn-schließlich-angezogen“ Gedanken.
Nach der dritten Zigarette war die Mannschaft soweit
komplett und wir bestellten die erste Runde.
Ich begnügte mich mit einer Radlermass, da ich Bier
zwar nicht ausstehen kann, das Anstoßen mit einer
Flasche Spezi auf Dauer aber zugegebenermaßen
auch nicht besonders spannend finde.
Das Essen kam. Ich stocherte in meinen Kartoffeln
und meinem Fisch herum und bekam kaum etwas
davon herunter. Dem neuen Dirndl sei Dank!
„Knackig muss es sitzen“ war mir von mehreren
Seiten (inklusive einem Verkäufer versteht sich)
nahe gelegt worden und da ich seit letztem Jahr ein
paar Kilo weniger auf den Rippen habe, kaufte ich mir
vor unserem Wiesn Besuch ein neues Dirndl. Nicht
eine Nummer kleiner, neee, knackig hieß es, also
gleich zwei Nummern kleiner. Jetzt konnte ich zwar
noch sitzen und atmen, aber nichts mehr essen.
Naja, so ein Essen auf der Wiesn kostet zum Glück
ja praktisch nichts. Umso ärgerlicher, wenn man
das Essen dann nicht runterkriegt. Da tröstete
der 20,- Euro Gutschein auch nur begrenzt.
Meine Kollegin und ich bestellten dafür eine weitere
Radlermaß und dazu kauften wir noch einen Likör in
diesen wahnsinnig witzigen Plastikfläschen, die wie
ein riesiges Spermium geformt sind. Haha.
Schmeckt aber nicht schlecht, muss ich leider zugeben.
Mit der Gruppe von Schweizer Jungs am Nebentisch
entstand ein harter Wettstreit, wer seine Finger wohl am
besten Verbiegen könne (keine Chance gegen mich).
Außerdem steckte ich den ganzen Tisch mit meiner
„kuck mal, so kann man einen Maßkrug auch umfassen
und daraus trinken“ Variante an. Leider ist mir in
Schriftform keine Demonstration möglich. Schade,
die teilweise vergeblichen Bemühungen dafür aber
umso schöneren Verrenkungen waren wirklich sehenswert.
Nach der dritten Radlermass sowie weiteren vier Likören
holte mein Mann mich ab, da wir uns noch mit ein paar
anderen Leuten treffen wollten. Wo ich jetzt schon da war..
Inzwischen waren auch die übrigen Bewohner Münchens
sowie der Rest der Welt auf der Wiesn eingetroffen.
In hunderter Reihen wurde da fröhlich geschlichen, gelaufen,
gegangen, gehopst, geschubst, geschunkelt und getorkelt.
Die Kollegen meines Mannes waren nicht da, mein bester
Freund samt Freundin und Kollegen schon.
Trickreich schmuggelten wir uns in ein wegen Überfüllung
geschlossenes Zelt. Kaum drin wurde mir sofort wieder
bewusst, warum ich Bierzelte nicht ausstehen kann.
Es stank nach Schweiß, schalem Bier, diversem Essen
und sonstigem. Der Lärmpegel war Düsenjet übertönend,
die Menge der Menschen beeindrucken. Die Menge, die
manche von Ihnen trinken und erbrechen konnten, auch.
Mein hübsches neues Dirndl (knackig muss es sitzen!)
drückte mir mittlerweile unangenehm die Eingeweide
zusammen und weit und breit war natürlich niemand
so freundlich, seinen Tisch für uns frei zu machen.
Irgendwann machte ich mich deshalb mit meinem Mann
auf den Weg nach Hause, schließlich war ich den
anderen ohnehin schon ein paar Stunden voraus.
Zwei Tage später musste ich wieder anrücken.
Diesmal mit den Kollegen meines Mannes und meinem
Dirndl vom letzten Jahr. Das war zwar tatsächlich zu
groß aber wenigstens würde ich diesmal etwas essen
können (was ich dann aber nicht tat. HALLO?! Mal die
Preise angekuckt?? Nicht mit mir Leute! Die Klamotte
war schon teuer genug.)
Eigentlich wollten wir am Wochenende weitere
Umzugskartons packen. Deshalb war der Plan auch
ganz klar. Länger als ca. zwei Stunden wollten wir
nicht bleiben. Und natürlich verhielt es sich damit
wie mit den meisten Vorsätzen, die man in im Laufe
eines Lebens so fasst: nix war´s. Für´n Arsch quasi.
Zehn Stunden später waren wir wieder zuhause.
Das lag unter anderem daran, dass es nicht in jedem
Zelt eine Radlermaß gibt und ich nicht bedachte,
dass zwei Maß + zwei Flaschen Limo nicht die
gleiche Menge Bier ergeben wie zwei fertig gemischte
Radler. Außerdem hatten wir nette Gesellschaft
und ich bekam auch nach stundenlangem Sitzen
noch Luft, obgleich mir von der harten Bank irgendwann
der Hintern weh tat.
Eigentlich ist die Wiesn ja vor allem was für Singles
(solche, die während dieser Zeit behaupten, sie wären
es, nicht eingerechnet).
Bestenfalls hat man dann für einen Abend nette
Gesellschaft, jemanden der gut küssen kann und,
auch Sicht der Frau, einen Getränkesponsor.
Schlimmstenfalls tritt das Prinzip des Schöntrinkens
in Kraft, was man ab einem gewissen Pegel aber
blöderweise nicht mehr merkt und deshalb erst
am nächsten Tag anhand der Beweisfotos von
Freunden realisiert. Sehr amüsierten Freunden
möchte ich wetten. Im allerschlimmsten Fall hat
man dieser Gesichtsbaracke auch noch die
richtige Telefonnummer gegeben.
Pärchen lernen bestenfalls eine Gruppe oder ein
Pärchen aus England, Italien, Amerika, Neuseeland
oder oder kennen (super übrigens, um sein Englisch
aufzufrischen. Außer es sind Italiener, die verständigen
sich lieber mit den Händen) die einen dann eindringlich
und Maßkrug schwingend darum bitten, man möge sie
doch UN-BE-DINGT besuchen, wenn man irgendwann
zufällig vor Ort sei. (Hat eigentlich wirklich schon mal
jemand so eine ausgetauschte Telefonnummer oder
email-Adresse benutzt?). Schlimmstenfalls gibt es
bei Pärchen Eifersuchtsszenen oder „Trink-nicht-soviel“
Vorwürfe. Im allerschlimmsten Fall sind beide so
dicht, dass sie getrennt voneinander zu Hause
eintrudeln. Ohne Erinnerung an das wann oder wie.

Zwei Dinge sind aber so gut wie immer sicher:
1. nach einem Wiesn Besuch ist man pleite
2. es is ollawei a mords Gaudi!

Prost Beinand!

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5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Hehehehehehehehehehehe, sehr wahr sehr wahr! xD
    Also sich extra 2 Wochen freinehmen für die Wies'n....unglaublich...da geht dann ja ein ganzes Jahreseinkommen drauf. Wenn der Großteil dessen nicht schon beim Trachtenkauf (Silikon-Wadl-Vergrößerer nicht vegessen ;) ) verschwunden ist....
    Als Trachten- und Bierzelt-Innenraum-Verweigerer hab ich mir da doch ne Menge gespart...sowohl Geld als auch Nerven...und das ist auch gut so...
    Toller Text!

    16.10.2007, 00:18 von Lotus_Drache
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  • 0

    lol =) endlich mal nen wiesn-text der nich alles bis in den himmel lobt und bier vergöttert!!!
    allerdings möchten wir vom anti-dirndl verein eV trotzdem anmerken : nächstes Mal nich kleinkriegen lassen und ein dirndl kaufen!!! ;)
    herzlichst der anti-dirndl verein eV

    14.10.2007, 18:20 von dreamergirl
    • 0

      @dreamergirl ich hab mich nicht kleinkriegen lassen. die neugier hat gesiegt. und, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, ich möchte es nicht mehr missen. ich hab jetzt sogar mehrere ;-))

      14.10.2007, 21:20 von unicorna
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Knackig:-)

    05.10.2007, 09:01 von Trommler
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  • 0

    ach wie schön geschrieben....

    04.10.2007, 17:57 von eskimomuc
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