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robert_suydam_reloaded 21.10.2017, 20:10 Uhr 16 4

auf der stufe vor dem abstieg / die banalität der gewalt

...

„vielleicht ist es für männer schlecht nachvollziehbar,
wie sich das anfühlt, derart unterlegen zu sein.

(…)

es ist die alte frage, was zuerst da war: die henne, oder das ei.
die furcht, oder die bedrohung.

was es braucht, um nein zu sagen, und wie groß dabei auch immer 
die gefahr ist, dass dieses nein nicht ausreicht.

ich weiß es nicht. und das fühlt sich verdammt scheiße an.“
 
fantatierchen,


 „das böse ist ein oberflächenphänomen. wir widerstehen dem bösen nur dann, wenn wir nachdenklich bleiben. das heißt, indem wir eine andere dimension erreichen, als die des täglichen lebens. je oberflächlicher jemand ist, desto eher wird er sich dem bösen ergeben. das ist die banalität des bösen.“

hannah arendt 


die folgenden episoden sind eine kleine resonanzbewegung in folge des textes von fantatierchen. 
ich habe sie mit der „banalität der gewalt“ überschrieben, weil es mir in diesem text vor allem um die betrachtung jener keimzellen der gewalt an der oberfläche des menschlichen zusammenlebens geht, um die momente vor der entgrenzung und eskalation, an denen gedankenlosigkeit und klischeegebrauch den boden ebnen für weiterreichende gewaltausübung.

damit soll keine verharmlosung oder verflachung betrieben werden – mir ist das alltägliche drama der vielen menschen bewußt, die über die stufe des abstieges gestoßen wurden; verprügelt, mißhandelt, erniedrigt. aber man kann nicht immer alles gleichzeitig betrachten. 

als parteiergreifung für eine themenbezogene, spezifische debatte vor dem einsetzen von allgemeineren betrachtungen & ursachenforschungen (und durchaus auch in gelegentlicher bewußter abgrenzung davon) würde ich hier gern noch das statement von ice-t im intro dieses songs von body count nennen (auch wenn er sich natürlich auf rassistische gewalt bezieht, ein thema also, das viel weiter und tiefer geht. aber er bringt die frage der perspektive gut auf den punkt, denke ich. die gefahr ist nämlich immer groß, relevante themen (z. bsp. männliche übergriffigkeit und gewalt gegenüber frauen im öffentlichen raum wie fantatierchen sie schildert) zu schnell zu verallgemeinern und damit zu verwässern.)         


ringbahn, berlin. 
ich war nach der arbeit in einer sauna und fahre gerade mit zusammengerollten riesenhandtüchern unterm arm nach hause. es ist spät geworden. ich fühle mich wie ein hefekloß auf dem weg zu den blaubeeren; alles ist gut, immer wieder fallen mir die augen zu. 
das zugabteil ist weitgehend leer. außer mir sitzt noch eine junge frau mit ihrem fahrrad herum. am bahnhof „landsberger allee“ steigen drei klischeenazis in begleitung einer reeniebraut ein: rote und schwarze bomberjacken, stonewashed jeans, springerstiefel mit roten und weißen schnürsenkeln, glatze  und maschinenkurzschnitt. 
reenienchen bleibt an der tür stehen, die typen checken die lage. einer setzt sich mir gegenüber auf die freie bank, einer in das freie abteil neben uns. der dritte bleibt im gang stehen, kann so den wagen überblicken und die junge frau einschüchtern. die hält sich am rahmen ihres fahrrades fest und starrt sichtlich verängstigt zum fenster.
auch ich beobachte die situation in der scheibenreflexion und vermeide zunächst direkten augenkontakt. ich habe dieses verhalten aus dem umgang mit aggressiven hunden gelernt. witzige parallele, denke ich. zugleich rechne ich mir meine chancen für den ernstfall aus, komme dabei auf null bis drei auf einer skala von null bis zehn. zwei der typen wiegen deutlich über hundert kilo, einer hat verheilte schlagspuren über den knöcheln der rechten hand. ihr geradezu taktisches verhalten im zugabteil beweist, dass sie die nummer nicht zum erstenmal durchziehen. selbstverständlich habe ich angst. genauso selbstverständlich kann ich im moment nichts tun, als die situation auf mich zukommen zu lassen. der typ neben mir fängt an zu stänkern:
„ey!“, sagt er in den raum,“guckt euch den mal an!“
sein kumpel grinst blöde.
„der sieht ja komisch aus, mit seinem bart, der hat bestimmt läuse.“
das ist wahrhaftig der dümmste provokationsversuch, den ich bisher erlebt habe. ich würde lachen, wäre die situation nicht so ernst. 
der zug fährt in den bahnhof „storkower straße“ ein. der typ vor mir legt seine beine auf meine sitzbank, sein kollege neben uns steht auf und stellt sich in den durchgang. deutlicher könnten sie mich nur als beute markieren, wenn sie mich direkt anpissen würden. der zug fährt weiter. ich werde angestarrt, schweigend. der dritte typ kommt näher heran. 
ich weiß mittlerweile, dass diese situation sich nur in wenige richtungen zu entwickeln vermag. reden kommt nicht in frage. reden wollen die nicht.  meine angst ballt sich im bauch zusammen. das adrenalin sorgt für leicht zitternde hände. darüber hinaus bin ich plötzlich sehr ruhig. wenn die typen durchstarten, werde ich mich auf den konzentrieren, der mir am nächsten sitzt. seine beine liegen noch immer ausgestreckt zwischen den sitzbänken. das ist ein fehler und ein mächtiger schwachpunkt. immerhin.
der zug fährt in den bahnhof „frankfurter allee“ ein. der typ im gang blickt sich um, sagt laut:
„sicherheitsdienst!“
alle drei setzen sich unvermittelt hin wie die touristen. 
ich stehe auf, gehe ungehindert zur tür. die junge frau mit dem fahrrad steigt auch aus, springt beinahe nach draußen, und ruft den sicherheitsleuten irgendetwas zu. die typen bleiben in der bahn. 
ich bin für mindestens eine halbe stunde nicht zu klarem denken fähig. langsam verläuft sich das  adrenalin.  
danach glaube ich zu verstehen, wie jemand sich fühlt, der einen sechser mit zusatzzahl im lotto hatte.          

nachts, eine straßenkreuzung, berlin.
ich komme von einer party; mehr als nur ein bisschen betrunken. 
auf der kreuzung vor mir spielt sich eine bizarre szene ab: beleuchtet vom gelben blinken der ampeln steht ein typ mitten auf der straße über einen am boden liegenden anderen gebeugt und boxt ihm fortgesetzt ins gesicht. am straßenrand stehen zwei weitere gestalten und schauen zu. keiner scheint einen laut von sich zu geben. es gibt nur die bewegung des schlagenden armes.
ich fühle mich vollkommen unfähig, es in irgendeiner sinnvollen weise mit drei typen aufzunehmen. mit dem ungeschick des besoffenen krame ich nach meinem handy. es ist nicht da.   ich habe es während des ganzen abends nicht gebraucht. jetzt kommt mir neblig in erinnerung, dass es noch zuhause am ladegerät hängt.
ich zögere kurz. der kerl auf dem asphalt tut mir leid. dann wird mir bewußt, dass ich beim nachdenken im stehen wanke. ich werde in diesem zustand in keinen fremden streit eingreifen. auf keinen fall. also nehme ich einen umweg über einen offenen seitenhof an der kreuzung vorbei und gehe nach hause. dort schlafe ich ein ohne noch einmal zum telefon zu greifen. als ich am nächsten nachmittag wieder bei klarem verstand bin, bereue ich das sehr.             

ein drei-tage-festival, berlin. 
ich habe mein ticket gegen ein bändchen getauscht. zwei bands haben gespielt. jetzt gibt es eine pause von beinahe zwei stunden, da die nun folgenden bands mich nicht interessieren. danach folgt mein persönlicher musikalischer höhepunkt des abends. 
fröhlich schwimme ich auf einer säuselnden tequilawelle richtung ausgang. ich habe hunger. ganz in der nähe der konzerthalle kenne ich einige super leckere futterstellen. am ausgang klärt mich ein security-mann darüber auf, dass man die halle nicht verlassen darf, weil sonst die bändchen für diesen abend ihre gültigkeit verlieren. ich finde das ziemlich scheiße. aber was soll man machen. also stelle ich mich in die schlange am imbißstand und warte auf eine überteuerte bratwurst. dabei bemerke ich, wie der security-mann von eben kurz mit einem anderen besucher verhandelt und ihn dann raus läßt. vom tequila mit mexikanischer redseligkeit begnadet, gehe ich zu dem mann hin und erkundige mich, was denn wohl der unterschied zwischen diesem besucher und mir sei. da läuft plötzlich ein anderer typ von der security auf mich zu und beginnt, mich mit stößen vor die brust zu traktieren. ich weiche vor ihm zurück in den ausgangsbereich und versuche zu erklären, dass ich nix verbrochen habe, sondern nur was fragen wollte. immer wieder stößt er mich vor die brust, fabuliert dabei etwas von meiner aggressivität (obwohl ich bewußt die arme neben dem körper baumeln lasse und nichts unternehme, als mit ihm ruhig reden zu wollen.)
er wird immer lauter und seine stöße immer kraftvoller. ich bin unterdessen, brav rückwärts laufend, draußen vor der halle. tief in mir kocht langsam ein vergessener topf über. die andauernden bruststöße lassen einen unsichtbaren ladebalken von grün über gelb in rot farbwechseln. ich werde sehr zornig und habe nicht übel lust, mich wider besseren wissens auf seine körperliche provokation einzulassen. aus den augenwinkeln kann ich mindestens drei weitere security-leute ausmachen. wir werden aber durch mehrere absperrgitter voneinander getrennt. ich blicke in das graue schreigesicht vor mir. er ist jenseits aller professionalität angekommen, reagiert sich nur noch ab. ich bin nicht gern blitzableiter und emotionaler abfalleimer für fremde menschen. schon gar nicht in zusammenhang mit einem rauswurf vor einer lieblingsband. der teufel flüstert mir von möglichkeiten, von denen der verstand weiß, dass ich sie nicht habe.  
ein weiterer security-mann kommt dazu und bittet mich sehr höflich und ruhig, die sache auf sich beruhen zu lassen und morgen wiederzukommen. sein kollege läßt endlich von mir ab. ich gehe mit knirschenden zähnen meines weges und atme dabei überbewußt die kühle nachtluft; ein und aus, ein und aus ...
fünf minuten später führe ich ein gespräch mit einer gruppe polizisten, da ich, noch immer sanft tequilasiert, professionelle auskunft über den angeblichen status meiner aggressivität haben möchte. sie lachen über meine geschichte, bestätigen mir angetrunkene friedfertigkeit und empfehlen aus ihrem privaten erfahrungsschatz, ich solle doch bis zu meiner lieblingsband zuhause die klamotten wechseln. dann würde der türsteher mich nicht wiedererkennen. ich denke darüber nach.
eine weitere halbe stunde später platzt mir auf dem klo meiner lieblingskneipe die fortvernünftelte wutblase. tür und trennwand der toilette müssen aushalten, was der teufel mir für den türsteher einflüstern wollte.  


eine frau, berlin. 
ich bin sehr in sie verliebt. vielleicht auch sie in mich. aber wir umkreisen einander wie kriegsschiffe in alarmbereitschaft; unter uns die tiefe, über uns die weite, dazwischen der wahn der unberührbarkeit. eines tages werden wir gewaltlos aber gründlich aneinander scheitern. 
in diesem augenblick wirft sie mir, nicht zum ersten mal, vor, sie nicht zu verstehen. ich kann nur ehrlich und reichlich hilflos zugeben, dass ich nicht verstehe, wie sie darauf kommt. wir haben schier endlose gespräche geführt deshalb und kommen doch immer nur am gleichen vergeblichkeitspunkt an – sie versteht nicht, warum ich es nicht verstehe. wenn der teufel jemals einen kreis gemacht hat, dann diesen. 
plötzlich explodiert sie und schlägt weinend auf mich ein. natürlich kommt eine körperliche gegenwehr für mich nicht in frage. ich lasse es geschehen, wehre die schläge zum kopf halbherzig mit den unterarmen ab. am ende habe ich einen ohrring verloren und einen kratzer im gesicht. 
kein drama, aber ein symptom.

(man kann diese episode für belanglos halten. aber es gibt auch eine andere perspektive: hätten wir die rollen getauscht in diesem moment, hätte sie ein blaues auge, eine aufgeplatzte lippe, einen lockeren zahn. niemand würde den tatbestand typisch männlicher gewalt gegen eine frau bestreiten. in ihrem fall bleibt es der mehr oder weniger verständliche ausbruch ihrer hilflosigkeit in eine körperliche aktion. bewerten wir also die relevanz von körperlicher gewalt zwischen menschen nur (oder vor allem) anhand des offensichtlichen körperlichen schadens, den sie anrichtet?)
     

u 5, berlin (feierabendverkehr).
die übliche ansammlung von menschen auf dem nachhauseweg. 
auf einem der plätze ein sehr offenkundig an seiner arbeitskleidung als maler erkennbarer mann. er ist, was in der öffentlichen klischeesprache gern „der südländische typ“ genannt wird. immer wieder fallen ihm vor müdigkeit die augen zu.
dann steigt ein etwa zwanzigjähriger typ in begleitung zweier teenagermädchen ein. sein bedürfnis nach machogehabe verläuft sich ohne erkennbaren grund im anpöbeln des malers. 
die üblichen dummdreisten ausländersprüche ergießen sich in die bahn. gerade möchte ich ihn bitten, doch vielleicht besser die klappe zu halten, als er auf die tolle idee kommt, den maler anzuspucken. der fladen trifft die brust, dem maler brennt ansatzlos die sicherung durch: er springt wie eine katze durch den gang und bringt den bekloppten pöbler mit einem tritt und wenigen gezielten schlägen zu boden. das großmaul ist plötzlich sehr still und krümmt sich schweigend zusammen.  die mädels glotzen fassungslos mit weit offenen mündern. auch sie sind still dabei.
im u-bahn-wagen hat derweil eine fluchtbewegung fort vom zentrum des geschehens eingesetzt. sonst gibt es keine reaktion. der maler holt gerade zum nächsten schlag aus. in seinen augen glitzert die sprichwörtliche wut. mir erscheint der gedanke regelrecht ekelhaft, dass in diesem moment jemand die polizei rufen könnte und dann der maler zwangsläufig als gewalttäter dastehen würde. ich gehe zu ihm und sage:
„lass gut sein. du hast gewonnen.“ 
sein wutblick funkelt mich an, dann geht er schweigend beiseite und steigt an der nächsten haltestelle aus. 
auch ich steige aus. die mädchen, jetzt flatterhaft und quietschig aufgeregt, kümmern sich um ihren verwundeten helden auf dem boden der u-bahn.    


u 5, berlin (nachtverkehr).
ich sitze mit zwei anderen männern herum. 
zwei junge kerle steigen ein, ein ebenso junges mädchen ist bei ihnen; achtzehn, neunzehn jahre vielleicht. die kerle bleiben an der tür stehen. alle drei sind ziemlich betrunken. 
das mädchen wankt auf den ihr zunächst sitzenden mann zu und gibt ihm eine ohrfeige. völlig perplex schaut der sie an. offenbar will er etwas sagen, verharrt aber in völliger sprachlosigkeit. 
der zweite mann ruft dem mädchen zu, sie solle das lassen. als erwiderung darauf geht sie schweigend zu ihm hinüber und versucht, auch ihm eine ohrfeige zu geben. er wehrt sie mit dem arm ab. die kerle an der tür amüsieren sich köstlich. das mädchen versucht mehrmals, den mann erneut zu ohrfeigen. jedesmal wehrt er den versuch ab und redet auf sie ein, ihn in ruhe zu lassen.
dann schaut er mich an und fragt mit einer mischung aus hilflosigkeit und entsetzen:
„was soll ich denn machen? ich kann die doch nicht schlagen. das ist doch eine frau.“
seine worte scheinen das mädchen daran zu erinnern, dass ich auch noch da bin. sie kommt heran und baut sich vor mir auf. ich stelle mich hin und schaue ihr in die augen. einen blick zum erwidern gibt es darin nicht. trüber alkoholnebel verhängt die welt. ich lächle sie an und zucke mit den schultern. sie tut mir leid. ihr arm zuckt kurz, aber einen wirklichen ohrfeigenversuch unternimmt sie nicht.
dann kehrt sie zu ihren begleitern zurück und alle drei steigen aus.       


ich denke, diese episoden verdeutlichen hinreichend, was ich mit der banalität der gewalt meine. trauriger weise könnte ich diese erzählung noch eine ganze weile fortsetzen. 

glücklicher weise gibt es auch eine hinreichende ansammlung kluger, friedfertiger und toller menschen in meinem leben. denn manchmal, nur manchmal, gerate ich bei beobachtung der welt in versuchung, meinen optimismus in den urlaub zu schicken. nach sibirien.    



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16 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich finde Gewalt so schrecklich einfallslos...
    Aber das ist wahrscheinlich die Banalität, die du meinst.

    25.10.2017, 14:27 von sailor
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  • 0

    Danke. Da hast Du Alltagsgewaltätigkeit ausführlich auf den Punkt gebracht. So kenne ich es auch, weswegen ich angefangen habe öffentliche Räume und Verkehrsmittel zu meiden, wenn dies möglich ist. 

    23.10.2017, 12:17 von chiral
    • 1

      (ich habe nämlich öfters das Problem, meine Fresse nicht halten zu können, wenn so ein Scheiß passiert und ich das mitbekomme).

      23.10.2017, 12:23 von chiral
    • 0

      " (...) weswegen ich angefangen habe öffentliche Räume und Verkehrsmittel zu meiden, wenn dies möglich ist."


      soweit würde ich für mich nicht gehen wollen. zum einen macht mir die stadt oft genug auch spaß & zum anderen würde das ja in letzter konsequenz bedeuten, dass man den öffentlichen raum mehr und mehr den verstörten strahlenopfern überläßt ... das ist ja nun auch keine lösung.

        

      23.10.2017, 16:20 von robert_suydam_reloaded
    • 0

      Mir macht die Stadt auch Spaß, ich habe aber leider in den letzten zwei jahren sehr viele negative Erfahrungen machen müssen, darum bin ich da extrem vorsichtig. Diese Vorsicht stresst mich wenn ich alleine unterwegs bin sehr - Darum ist das nicht mehr meins.

      Du hast davon ab, natürlich absolut recht!

      24.10.2017, 09:35 von chiral
    • 0

      Eine Freundin von mir war vier Übergriffigen Typen ausgesetzt. Die geht im dunkeln nicht mehr alleine vor die Tür. Das ist letztendlich die Tragik bei der Sache.
      Und das in der sichersten Großstadt Deutschlands...

      25.10.2017, 14:30 von sailor
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  • 1

    Ich denke auch, dass man es nicht auf das 'Geschlecht' reduzieren sollte. Gewalt isi generell scheiße.
    Mir sind ähnliche Situationen auch geschehen, ich muss in einer gewissen Form lebensmüde sein, denn nicht selten versuche ich Dinge mit Worten zu regeln. Doch da schwindet auch mein Optimismus...

    Eine Freundin von mir, wurde fies von einem Nazi angegangen, verbal.. Der Kerl war ziemlich groß und so der 'Stiernacken-Typ', ich war so naiv zu glauben, dass er mich, wo ja meine kleinen Kinder dabei waren, in Ruhe lässt, also versuchte ich es friedlich zu klären, von wegen, was er denn gegen Ausländer hätte, mein Mann wäre ... und zack, hatte er mich am Zopf, seine Wut schoß über, ich kann und will es auch gerade gar nicht in Worte fassen, was da in seiner Fratze vorging... er schlug meinen Körper und Kopf gegen mein Auto, meine Kinder, eins davon drinnen, das andere in der Nähe neben dem Auto, schrien und weinten, sein ganzer Körper drückte sich gegen mich... Passanten von der Gegenüberliegenden Seite schrien, er soll aufhören und ich konnte mich mit aller Kraft wehren, nicht 'durch' die Scheibe gedrückt zu werden... Meine Freundin versuchte auch einzugreifen und er ließ ab und lief weg... Es gelang mir eine Anzeige zu erstatten... Es gab einige Verfahrensfehler, der Prozess zog sich, beim dritten Richter, (die wechseln ja ständig) brachte er plötzlich, (das war zwei Jahre später) Zeugen an, seine Frau und seinen erwachsenen Sohn, 19 Jahre jung, selbes Kaliber wie sein Vater. Ich hätte ihn angegriffen und er hatte sich nur verteidigen müssen...
    4. Richter, mittlerweile 3 Jahre später, er möchte alle Zeugen noch mal sehen, meine Freundin hat keine Nerven mehr dafür, das Rentnerpärchen, welches für mich aussagten, da konnte der Herr sich nicht mehr so erinnern und die Frau konnte aufgrund 'ner Chemo nicht erscheinen. (meine Kinder wollte ich nicht ins Spiel bringen)
    Suppi, der Typ war bekannt, doch mit seinem Nazianwalt-Verteidiger kam er anscheinend immer wieder davon. Ich war entkräftet, wollte nicht mehr, hoffte dass es ihm vielleicht dennoch eine Lehre war... Ich würde wahrscheinlich wieder so handeln.

    Zwei Monate nach Prozessende, erfahre ich durch Zufall von einem Freund bei der Polizei, dass er seine Frau erneut krankenhausreif geschlagen hatte, sie erstattete KEINE Anzeige... :-/

    Bin gerade etwas emotional, hoffe man wird schlau draus.

    Zu Hause war es bei mir meine Oma oder meine Stiefmutter, die gerne mal handgreiflich wurden, sowas wird auch gerne stillgeschriegen. Ich hatte schon 'ne Latte Ausreden parat, die ich immer sagen musste, falls die blauen Flecken am Hintern etc. jemand sehen sollte...

    Was dabei verrückt ist, ich habe mich nie wirklich als Opfer gesehen, egal was da so kam, ich dachte dann, was für kranke Idioten oder eben, sie können nicht aus ihrer Haut, weil sie es selbst nicht anders kennengelernt haben. :-/

    21.10.2017, 22:38 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      Ach, was noch richtig scheiße war, waren die Vorwürfe der 'Familie'. Wie ich denn so verantwortungslos sein konnte, auch generell sollte man sich aus 'so was' raushalten. Es wurde kein einziges mal, etwas positives gesagt... die Schmerzen und die Verletzungen die ich davon getragen hatten, waren sozusagen eigene Blödheit.

      Gott sei dank, bin ich auf diesen Teil der Familie eh nicht angewiesen und habe nette Menschen um mich, die nicht so ver-urteilen. ;-)

      21.10.2017, 22:45 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      mit dem von dir erlebten bist du ja schon weit jenseits der oberfläche angekommen, die ich oben zu beschreiben versuche :-(  


      sehr typisch sind aber nach dem was ich so weiß zwei sachen:
      zum einen die manchmal geradezu idiotische verschleppung und verzerrung durch polizei und gerichte (weshalb ich mit den jahren sehr vorsichtig geworden bin, mich überhaupt an die polizei zu wenden. was ja an sich schon ein trauriges symptom ist.)
      zum anderen die zuweisung des "selbst schuld, halt dich halt raus"-jokers durch das eigene umfeld. das ist ein so oft wiederkehrendes motiv, man möchte kotzen. 
        

      21.10.2017, 23:00 von robert_suydam_reloaded
    • 1

      Ja. Zur Polizei, es gibt da auch die 'Guten', aber es sind wenige, das geben sie selber zu, die sind auch überfordert und müde... Denn leider bekommen die Gerichte es kaum geregelt und da werden Sachen verlegt, verschleppt, halb gelesen etc... Das motiviert die Polizisten nicht besonders. :(

      Es ist wahrlich zum Verzweifeln. Mir persönlich hat es aber geholfen, in irgendeiner Form etwas gemacht zu haben, ihn im Gericht in die Augen zu schauen und nicht wie ein verängstigtes Häschen wegzurennen... Innerlich hab ich mir auch im Gericht in die Buxe geschissen, meine Nerven lagen je eine Woche vor den Verhandlungen und nach den Verhandlungen blank... Ach, das ärtzliche Gutachten, welches man ja bezahlen muss, haben die 2x verschlammt und musste neu angefordert werden. :D Ich dachte streckenweise, da ist 'ne versteckte Kamera, das kann nicht real sein.

      21.10.2017, 23:08 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      ja, da winkt der optimismus aus sibirien ... but don`t give up ... ich verdrück mich dann mal für heute aus dem neon-licht. schönen abend noch (hey - samstag nacht startet grade erst durch :-) ...)

      21.10.2017, 23:19 von robert_suydam_reloaded
    • 0

      Meine Güte, dass ist ja ein Alptraum was Du beschreibst... !

      Ich hoffe das ich nicht irgendwann Zeuge so eines Vorfalles werde, ich möchte nicht wissen, wo ich lande, wenn ich mal unausgeglichen bin (was schon mal vorkommen kann).

      23.10.2017, 12:21 von chiral
    • 2

      Ich musste hier auch einige davon abhalten, da nicht gleich mit 'nem Basi vorbeizufahren... Da wurde Gedankenkino gefilmt... der befreundete Polizist, wusste das er leicht zu provozieren ist und wäre, wenn ich das okay gegeben hätte, zivil zufällig da mit ein püaar Kollegen vorbei gefahren und der Dinge ihren Lauf gelassen... Das ist aber dann irgendwie zu primitiv und würde mich oder 'meine' Leute kein Stück von diesen unterscheiden, das gibt ja nur noch mehr Futter für so Typen. Denn in der Lage zu reflektieren, ist er leider nicht.

      23.10.2017, 12:30 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      ahhhh.... püaar... :D

      23.10.2017, 12:31 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      "Das ist aber dann irgendwie zu primitiv und würde mich oder 'meine' Leute kein Stück von diesen unterscheiden, das gibt ja nur noch mehr Futter für so Typen." 


      na, respekt. genau so siehts nämlich aus & genau das ist am schwersten zu verstehen, wenn einem grad selbst der kessel pfeift.

      23.10.2017, 16:23 von robert_suydam_reloaded
    • 2

      Das man da nicht immer Herr der Lage ist, dies kann ich nachvollziehen und das man sich in der Not wehren muss, absolut notwendig... Nur sobald da das Adrenalin gesunken ist, man etwas durchatmen kann, dann denke ich, ist es schon wichtig zu schauen, was da nun Sinn macht oder eben ehr noch Öl ins Feuer gibt.

      23.10.2017, 17:02 von Fin_Fang_Foom
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