mondscheingeschrei 21.05.2012, 19:11 Uhr 0 1

Arschloch

Sie nennen dich ein Arschloch. Sie alle sehen mich an und fragen sich: Warum lässt du dich so fertig machen?

Sie nennen dich ein Arschloch. Sie alle sehen mich an und fragen sich: Warum lässt du dich so fertig machen? Warum lässt du nicht endlich los? “Dein Freund ist  ein Arschloch!", sagen sie, solange, bis selbst ich es denke und beginne Witze darüber zu reißen. Ich kann dich nicht kleines Arschloch nennen, bei deiner Körpergröße wäre das schlichtweg gelogen, sage ich und lache. Lache, während ich mich eigentlich zerreißen will. Zerfetzen in der Luft, nur um dann auf die Fetzen zu spucken, so sehr schäme ich mich so zu denken, so zu sprechen und jetzt hier zu stehen. Und zu lachen, obwohl ich weinen sollte. Sie schauen mich an und denken sich ich sei nicht normal. Ich senke erschöpft meinen Blick. Zu viel wurde zerdacht zu viel einfach hingenommen. Die Wut sprudelt in mir. Sie lachen immer noch. Es gäbe doch so viele Wege sich zu melden. Brief, SMS, Flaschenpost, meinen sie und können kaum mehr atmen so sehr lachen sie. Ich fühle mich gekränkt. Verletzt in dem, was ich bin. In dem, was ich mit dir bin. Oder jetzt momentan eben ohne dich bin. Ich höre immer nur Arschloch, Arschloch, Arschloch. Ich hebe meinen Blick, funkelnd vor Tränen der Wut und sage heiser: “Vielleicht ist er ein Arschloch. Aber ich liebe ihn. Und ich hoffe er liebt auch mich.”

Aber bist du dir da ganz sicher? Sagen sie. Bist du dir sicher, dass er dich wirklich liebt und nicht alles vorspielt? Du kannst dir nie sicher sein, meinen sie, solange bis ich beginne alles zu hinterfragen. Mir Fragen zu stellen auf die es keine Antworten gibt. Doch ich will die Antworten finden und suche verzweifelt in jeder kleinen Ecke. Doch alles, was ich finde sind noch mehr Fragen, die sich alle langsam auf mir häufen und mich in Dunkelheit unter sich begraben, bis ich das strahlende Licht, das von dir ausgeht nicht mehr sehen kann. Mit letzten Kräften wühle ich mich aus den unbeantworteten Fragen, kann endlich wieder frische Luft schnappen. “Ihr habt doch keine Ahnung. Ihr kennt ihn doch nicht einmal”, schreie ich verzweifelt in den Wind, der mir das Haar zerzaust.

Aber kennst du ihn denn richtig? Menschen können sich verstellen. Können sich eine Maske aufsetzen und ihr ganzes Leben eine Rolle spielen, sagen sie  und ich möchte kotzen, angesichts der Tatsache, dass sie Recht haben könnten und ich nichts davon mitbekommen könnte. Ich würde weiter in meiner Welt herumhüpfen, während du mit mir spielst, als sei ich eine Puppe.  Sie könnten Recht haben und ich würde hier wichtige Tage meines Lebens verschwenden. In mir beginnt es zu brodeln. Noch nie habe ich mich so verletzlich und doch so stark gefühlt. Habe meine Freunde so sehr gehasst für das, was sie sagen. Noch nie prasselte der Konjunktiv härter auf mich ein und noch nie hinterließ er so tiefe Wunden.

Doch ich drehe mich einfach um, spüre das Fragezeichen vergangener Tage in meinem Rücken. Ich weiß sie alle meinen es nur gut mit mir und ihre Zweifel sind nur Fürsorge. Aber ich will sie alle nicht. Die Zweifel, die Fragen und diesen verdammte Konjunktiv. Ich renne der Sonne entgegen und ich bin mir sicher: Es wird alles gut werden. Auch ohne den Konjunktiv. Dieses Arschloch.

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Kommentare

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  • Haben wir sie noch alle?

    Burn-Out, Internetsucht, Depression - immer mehr Deutsche lassen sich therapieren. Braucht es all diese Therapien wirklich?

  • Apokalypse Wow!

    Die Mode ist die Message: Die pro-russischen Kämpfer in der Ukraine sehen mit Macheten, Masken usw. aus wie Figuren aus den »Mad Max«-Filmen.

  • Der Witz geht nicht mehr weg!

    Jeder kennt den Moment, in dem der Send-Balken hochgeht und man noch denkt: Stop! Was würdet Ihr gern aus dem Netz löschen?

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