rote_zora 16.08.2010, 18:49 Uhr 0 0

Arbeit inklusive

Bäumeausreißen im Urlaub- gegen die Folgen des Klimawandels.

Ich habe es wieder getan! Letztes Jahr war ich mir da noch nicht so sicher...und doch, es hat mich wieder gepackt, das „Ich muss in meinem Urlaub im Wald schuften!“- Fieber.
„Und was hat man davon?“ fragten die Kollegen. „Du machst mich fertig!“ und „Na viel Spaß!“ sagten die Freunde. Die Reaktionen reichten von Unverständnis bis Anerkennung. Mitgekommen wäre jedenfalls keiner.
Wohin? In diesem konkreten Fall in den Nationalpark Eifel, mit dem Bergwaldprojekt. Das hieß: eine Woche Urlaub „opfern“, mit ca. 20 wildfremden Menschen zusammenleben und arbeiten, schlafen in karger Unterkunft, jeden Tag um 6 Uhr aufstehen, sieben bis acht Stunden körperlich arbeiten, abends todmüde ins Bett fallen. Die Arbeit war zum Teil ziemlich unangenehm. Wer sich freiwillig stundenlang durch brusthohe Brombeeren wühlt, nur um darunter ein paar Bäumchen zum Ausreißen zu entdecken, muss schon leicht masochistisch veranlagt sein...
Der Sinn der ganzen Plackerei war diesmal, standortfremde Baumarten aus dem Nationalpark zu entfernen, um Raum für die einheimische Buche zu schaffen. Auch wenn es erst einmal recht zerstörerisch wirkt und für Irritationen bei Laien sorgt, so ist diese Maßnahme doch auf lange Sicht sinnvoll. Steigt die Temperatur auch in unseren Breiten weiter kontinuierlich an, so haben Douglasie, Hemlocktanne und auch die einheimische, zur Holzgewinnung in Monokultur so beliebte Fichte schlechte Karten. Buche und Eiche dagegen verkraften die Veränderung zum Wärmeren und haben daher bessere Zukunftsaussichten. Trotzdem hatte so mancher meiner Urlaubskollegen ein Problem mit der aktiven Pflanzen-
vernichtung, sie spiegelte schließlich nicht das Ideal von Umweltschutz wider. Wieder andere hatten etwas am projekteigenen Ernährungsplan auszusetzen, denn man wurde zwar fürstlich, aber dennoch vegetarisch und vollwertorientiert bekocht.
Arbeit hin, Essen her...- Ich persönlich jedenfalls habe es nicht bereut, zur Wiederholungstäterin geworden zu sein. Ich fand es toll, wieder aufs Neue festzustellen, das ich mit bunt zusammen-
gewürfelten Menschen, zum Teil auch schwieriger Art, klarkommen und auch jede Menge Spaß haben kann. Ich freute mich, menschlich und fachlich dazulernen zu können, meine Grenzen zu spüren und zu sehen, was ich körperlich leisten kann. Nicht zuletzt bedeutete diese Woche aber für mich auch, mal wieder komplett raus zu sein aus meinem Leben, ja sogar ein stückweit raus aus der Gesellschaft- kein Internet, keinerlei Medien. Bei der Arbeit im Wald war es einfach wunderbar möglich, den Kopf freizukriegen und an absolut nichts zu denken. Aus diesem Grund werde ich es wieder tun!
Im Herbst kommt das Programm für 2011. Und ich werde gleich mal schauen, wohin es mich das nächste Mal verschlagen könnte!

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