OliviaTwist 24.03.2015, 07:57 Uhr 9 3

An unsere zukünftigen Arbeitgeber!

Hören Sie auf zu träumen, wir müssen es ja auch!

Es ist doch immer wieder eine Freude Stellenausschreibungen zu lesen. Ich frage mich immer, ob Sie dies wirklich ernst meinen. Sie suchen die Besten der Besten. Das kann ich verstehen, aber hören Sie endlich auf zu träumen!

Wen Sie suchen? Eindeutig eine Person, die nicht älter als 30 Jahre ist, einen sehr guten Abschluss hat und dabei müssen wir noch 5 Sprachen fließend sprechen. Wir sollen neben dem Studium noch Ehrenamtlich tätig sein, am besten in so vielen Organisationen, wie nur möglich. Zudem haben wir natürlich noch die verschiedensten Praktika im Ausland absolviert, die uns natürlich schon Joberfahrungen gebracht haben. Und nicht zu vergessen, wir müssen hoch motiviert sein! Wir sind hoch motiviert! Aber das sehen Sie nicht!

Wir wissen, dass ein Unternehmen schwarze Zahlen schreiben muss. Während unseres Studiums haben wir zu oft rote gesehen und wollen das nie wieder. Keinen interessiert es, dass wir während unseres Studiums arbeiten mussten, weil das Bafög nicht gereicht hat und unsere Eltern uns nicht unterstützen konnten. Keinen interessiert es, dass wir definitiv selbstständig sind, da wir seit mehr als 3 Jahren unser Leben, unser Studium und unsere Finanzen im Griff haben. Ihre Vorstellung und unsere Realität driften immer weiter auseinander. Aber wissen Sie was? Wir bewerben uns trotzdem, denn wir sind motiviert. Bekommen wir dann einmal keinen Brief oder eine E-Mail mit den Worten „ Es tut uns Leid, dass wir Sie dieses Mal nicht berücksichtigen konnten…. Weiterhin viel Erfolg“, laden Sie uns meist zu einem Telefoninterview ein. Wir bereiten uns vor, wissen ganz genau was wir wollen. Sie bekunden Interesse und dann kommt es am Ende des Interviews zu der Gehaltsvorstellung. Ja wir sind gewillt zu arbeiten, aber Sie können uns doch nicht sagen, dass wir mit einem oder zwei Akademischen Abschlüssen ein Gehalt erhalten sollen, was ich hinter einer Kasse in einem Supermarkt verdiene.

Wir merken schnell, dass wir Ihnen nicht viel Wert sein können. Vielleicht finden Sie ihr Angebot durchaus lukrativ, aber wir müssen 10000 Euro dem Bafög –Amt zahlen. Nicht weil wir Handy, Verträge, große Fernseher oder teure Reisen bezahlt haben. NEIN! Wir müssen unser Darlehen zurückzahlen. Ich bin dankbar dafür und ich möchte das geliehene Geld zurückzahlen, aber ich frage Sie einmal, wie das funktionieren soll? Wie sollen wir das, wenn nicht einmal 1500 Euro netto raus springt?
Trotz dem niedrigen Gehalt und den Druck schwarze Zahlen zu schreiben sind wir weiterhin motiviert, weil wir im Gegensatz zu unseren Freunden einen Job haben.

Sie und die Medien schimpfen auf uns die Generation Y. Aber wissen Sie wirklich wie wir ticken? Ich glaube nicht. Angeblich sind wir egozentrisch, wollen ein ausgedehntes Work-Life-Balance-Programm und wir hinterfragen natürlich alles. Ja wir empfinden Feedbacks als wichtig und wir hinterfragen auch einiges, aber warum? Weil es uns beigebracht wurde. In der Schule, im Studium, selbst auf Ihren Internetseiten werden wir kurz angehalten, damit wir Ihnen und Ihrer Internetseite ein Feedback geben. Und jetzt, da wir dies für uns einfordern ist das ein Problem?

Sie wollen vollste Loyalität, Teamgeist und korrekte Arbeitsweise. Wir wollen Ihnen auch all das geben, aber erklären Sie uns doch bitte, wie dies gehen soll? Ständig diese Ellenbogenmentalität, ständige Überstunden, unbezahlt versteht sich und gespielte Teamevents, die dazu da sind dem Chef Honig ums Maul zu schmieren. Ich war motiviert! Ich habe Teamgeist, ich wollte loyal sein, aber ich komme für Ihr Unternehmen nicht in Frage, denn ich spreche nur drei Sprachen, habe einen guten Abschluss und mein soziales Engagement galt meiner Familie, die krankheitsbedingt meine Unterstützung gebraucht hat. Während Kommilitonen die Welt bereisten und in verschiedenen Ländern Praktika absolviert haben, stand ich hinter einer Kasse im Einzelhandel, denn meine Eltern konnten mich während meines Studiums nicht finanziell unterstützen.

Das ewige Lied des Fachkräftemangels! Ich bin eine Fachkraft, aber soll bezahlt werden, wie ein Hilfsarbeiter. Sie verheizen uns in den ersten 5 Jahren. Kein Wunder, dass der Begriff Burn-Out mittlerweile überall zu hören ist. Das ist keine Volkskrankheit, sondern ein Unternehmensziel. Jeder ist ersetzbar, dass wissen wir und so agieren Sie. Wo ist denn Ihre Loyalität? Wo ist denn Ihre Motivation? Ich sehe davon nicht viel. Und so fragen sich viele Absolventen, warum habe ich überhaupt studiert? Kettenverträge in der Wissenschaft, unterirdische Anfangsgehälter in einigen Unternehmen oder die Wunschvorstellungen des perfekten Kandidaten einiger Managementetagen.

Danke für nichts.

 



Tags: Job, Generation Y
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9 Antworten

Kommentare

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    Das war Mitte 90er auch schon so...

    Da gabs aber noch Alternativen.

    27.03.2015, 16:28 von sailor
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    Ich finde der Text ist nicht nur "Geweine", was soll daran Geweine sein wenn jemand das versucht auszudrücken was man als ungerecht empfindet?

    Allerdings vermisse ich etwas kämpferisches, allgemein in der jüngeren deutschen Generation. Gekämpft wird in Fussballstadien als ginge es um das eigene Überleben, aber wenn es etwas sinnvolles zu verändern gilt, wird sich geduckt und mit den Schultern gezuckt.

    Es gibt so viele unblutige Beispiele der Geschichte, in denen Arbeiter die Chefetagen gestürzt und das Unternehmen in Eigenregie weitergeführt haben.
    Besonders in Deutschland ist man bei solchen Dingen viel zu zögerlich.

     

    27.03.2015, 15:57 von SirMCPedta
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  • 0

    Du glaubst (d)eine Zukunft besteht aus Arbeitgebern?

    Warum wirst Du nicht selber einer? Dann kannst Du das gleich besser machen.

    Die Stellenbeschreibungen in größeren Unternehmen werden nie von Arbeitgebern verfasst, sondern sind meist von "Experten" gefertigte Worthülsen (die meist keinen Funken zünden).

    Mach kaputt was dich kaputtmacht.


    27.03.2015, 15:39 von SirMCPedta
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  • 1

    Sag´s Deinem Arbeitgeber ins Gesicht.
    Aber die Meisten kuschen ja doch vor ihren Bossen.

    Bist Du in einer Gewerkschaft? In irgendeiner Form der Arbeitnehmervertretung? NIcht? Dann wir´s Zeit.
    Nicht dass ausgerechnet die Gewerkschaften ´ne dolle Lösung wären...aber es ist mehr als Nichts.

    Wo machst Du Dein Kreuz ? Bei CDU, SPD, FDP oder den Grünen ? Dem Einheitsparteiblock vermeintlich demokratischer Vielfalt unter der Knute neoliberaler Alternativlosigkeiten, die letztlich dann doch nur opportunistische Pisspagen der Macht der angeblichen Sachzwänge sind ?

    Du hast ja Recht...aber es ist nur Geweine.

    Bildet endlich Banden, solidarisiert euch und scheisst "den Verhältnissen" vor´n Koffer.
    Bis dahin is Alles nur larmoyantes Gewinsel.

    27.03.2015, 10:22 von PixelAspect
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    Der x-te Generation Y- Jammertext.

    27.03.2015, 09:35 von mirror87
    • 2

      Der Text ist vielleicht an einigen Stellen zu negativ, aber im Kern ist es leider oft so wie beschrieben.

      Keine Ahnung was für eine Arbeit du hast, jedoch ist es oft schwer nach dem Studium in die Arbeitswelt zu starten und sich nicht unter Wert verkaufen zu müssen.
      Und dabei wurde das Problem "Vitamin B" hier von der Autorin noch nicht einmal angeschnitten.

      27.03.2015, 10:48 von Kurzer.
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      Bin selbst (noch) Student und dass die  Übergansphase von Studium und Beruf prekär ist war a) immer schon so und b) leider heutzutage auch abhängig von dem gewählten Studienfach.

      27.03.2015, 11:19 von mirror87
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      Wenn etwas "schon immer so war" dann ist das kein Zeichen dafür dass das auch "schon immer so richtig" ist und sollte verändert werden. 





      27.03.2015, 15:42 von SirMCPedta
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      Ich finde auch, dass dieser Text vom sonstigen Gejammer sehr absetzt.
      Da ist Bitterkeit und Realität drin. Die Autorin weiß, von was sie spricht, was hier bei neon nicht immer der Fall ist.
      Und....das kommt noch dazu.... sie hat recht mit ihrer Kritik. Alle wollen superausgebildete flexible junge Leute im Unternehmen, aber anständig bezahlen ? Ach komm.

      27.03.2015, 17:23 von cosmokatze
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