Neubert83 01.08.2012, 11:39 Uhr 4 0

2,5Zi KDB verkehrsgünstig und ruhig - Wohnungssuche in der Großstadt

Als Paar eine bezahlbare Wohnung zu finden die nicht aussieht wie ein Loch. Gar nicht so einfach!

Kurz vorm Studium beschäftigt uns zuhause zur Zeit die Wohnungssuche. Warum soll man nicht in der gleichen Stadt leben, in der man auch studiert. Weil Köln als am wahrscheinlichsten gilt suchen wir aktuell in Köln. Und das ist auch gar nicht so einfach.

Fast rund um die Uhr surft einer von uns auf Immobilienscout24.de. Eine Internetseite die genauso beziehungsgefährend ist wie ElitePartner oder Parship.de. Ich kann inzwischen keine Exposés oder Grundrisse mehr sehen. Mein räumliches Vorstellungsvermögen wird beinahe täglich auf eine harte Probe gestellt.

Es ist Montag, als mein Telefon klingelt. Es ist eine "freudige" Nachricht die vom anderen Ende der Leitung kommt. "Schatz ich hab uns einen Besichtigungstermin für eine Wohnung in Köln vereinbart. Ich freu mich so. Freust Du dich auch?" Kurze stille. Ich weiß nicht ob ich mich freuen soll. Egal. Hin da, Wohnung gucken, nichts unterschreiben, zwei Kölsch trinken und wieder nach Hause fahren.

Mit der Regionalbahn geht es innerhalb von 20 Minuten durchs Bergische land ind Rheinland. Vorbei an Leichlingen, Opladen und Leverkusen-Schlebusch. In Mühlheim steigen wir in die UBahn und fahren bis ins Kölner Zentrum. Am Ebertplatz stehen wir schließlich vor einer Immobilie die unser "Wohntraum" sein könnte. Zumindest steht es so auf einem roten Plakat im Eingangsbereich. Das Haus stammt aus den 70er Jahren, hat 24 Stockwerke und wird aktuell grundsaniert. Ichlege den Kopf in den Nacken, starre nach oben und rechne damit das gleich eine laute Sirene Alarm schlägt und das Hochhaus gesprengt wird. Die Immobilie erinnert mich an SpiegelTV-Reportagen aus den 90ern in denen arme Menschen gezeigt werden die mit viel TamTam aus ihrer Wohnung geklagt werden und anschließend von einem grünen Hügel in der ferne die Sprengung verfolgen und laut los heulen.

15 Minuten später als vereinbart kommt der Makler. Ein typischer Makler im blauen Oberhemd und schicker Jeans. Wie sich das für einen Großstadtmenschen gehört kommt er mit dem Fahrrad. Sein gesichtsausdruck ist jetzt schon gelangweilt als er sein Fahrrad am Treppengeländer der U-Bahnhaltestelle befestigt, die vis-a-vis vom Hauseingang liegt. "Sie wollen sich die Wohnung ansehen?" sagt der Makler der aus der Nähe noch mehr wie ein Immobilienhai aussieht und begrüßt uns mit einem schwachen, lauwarmen Händedruck.

Makler mag ja eh keiner. Sie sind schnöselig, haben oft keine Ahnung und bekommen für einen Adressaustausch und das schalten einer Anzeige über 2 Monatsmieten. Einen Schlüssel für die Haustür hat er nicht. Er klingelt in einer Psychotherapeutischen Arztpraxis die im 9. Stock des Hauses liegt und lässt sich die Tür aufmachen. Drinnen steigen wir in einen Bauaufzug der nach Mörtel riecht und nach Absturz aussieht. Im 8. Stock findet sich unsere Wohnung die ebenfalls noch eine Baustelle ist.

Bei Wohnungsbesichtigungen sind die Rollen klar aufgeteilt. Der eine ist hin und weg von der Aussicht, den Panoramafenstern, dem neuen Badezimmer und dem Parkett. So schallt es durch die 50 Quadratmeter: "ohh, was für ein schöner Boden....Ach schau mal. Die Aussicht ist ja impulsant....oh. Und ein schickes Badezimmer. Toll. Ach...ist das der Dom den man dort sieht. Großartig!"  Wie gewohnt bin ich für den eher unromantischen Teil verantwortlich. Ich frage nach der Heizung, den Nebenkosten, der Vorgeschichte der Immobilie und wieviele Wohnungen er denn noch so hier vermietet. Die Aussicht kann ich genießen wenn ich mal drin wohnen sollte. Beim Rundgang durch die Citywohnung in Bestlage finden wir die Wohnung schöner als der Makler selbst. Auf die Aussicht angesprochen sagt der Makler lediglich: "naja. Dafür ist es auch laut. Aber die Fenster sind alles Schallschutz isoliert." Die Wände haben selbstverständlich keine Tapete...das wäre vermessen. es sieht zwar so aus. aber es timmt nicht. Das ist Malervlies und sei, verspricht der Makler "die Raufaser des 21. Jahrhunderts". Ich könnte mich auf selbiger übergeben.

Nun. auf 50 Quadratmetern und zwei Zimmern kann man jetzt nicht soo viel besichtigen und so stehen wir schließlich alle drei doch wieder vor der Panoramascheibe. Dann der Klillersatz eines Maklers: "Ja. Lassen Sie sich alles mal durch den Kopf gehen. Und wenn sie interesse haben, dann melden sie sich bis Freitag bei mir. Ich sage Ihnen aber gleich: Ich habe noch zwei Besichtigungen am Donnerstag und ein Pärchen war schon hier. Die haben aber abgesagt." Damit das schon mal klar ist. Wir sind nicht die einzigen hier.

Mit dem Barackenaufzug geht es wieder zurück ins Erdgeschoss wo wir die Abschiedszeremonie nicht unnötig in die Länge ziehen wollen und gehen. In der Kneipe kommt es dann zum Highlight einer Wohnungsbesprechung. Die Bilanz des Paares. man könnte eine TV-show draus machen. Fein säuberlich werden die Vor- und Nachteile skiziiert und gegeneinander ausgespielt. "Also die Aussicht war schön!" ist das erste was auf den Tisch kommt. "Ja. Da hast du recht. Aber die Wohnung ist zu klein!" Sage ich und krame den 3D-Grundriss aus der Jackentasche. "Was bringt mir ein schöner Blick wenn ich keinen Platz zum sitzen habe? Schreibtisch wird eng, Couch und Sessel wird eng, Esstisch passt nicht." Aus dem euphorischen Gesicht wird ein trauriges. "Der schöne Blick...."

Diese wohnung ist es nicht geworden. Sie ist bezahlbar, liegt günstig und ja sie hat auch einen schönen Blick. Aber wenn ich mich entscheiden muss ob ich mein sofa oder meinen fernseher mitnehme, weil beides nicht in einen Raum passt, wird es schwierig. Und so geht die Suche nach einer neuen Wohnung weiter. Mit immobilienscout, schönen Panoramafenstern und Rheinnähe. Am liebsten alles zusammen.        


Tags: Wohnungssuche, Großstadt, Paar
4 Antworten

Kommentare

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    Netter Beitrag, aber außer Frustration habe ich leider nicht viel Mehrwert daraus ziehen können. Die Wohnungssuche ist hart in den Großstädten ja. Das ist sie allein schon, aber wenn man als Paar noch übereins kommen muss, scheint sich das Problem nicht zu verdoppel, sondern zu verdreifachen. Seltsamerweise. 

    Momentan haben mein Freund und ich die gemeinsame Suche wieder etwas verschoben. Wir suchen allerdings auch unter Extrembedingungen: ich will unbedingt Dielenboden, Stuck und er will nichts unter 80 qm. Das ist im Osten zwar möglich, aber wenn es bezahlbar sein soll, muss man etwas Zeit mitbringen. Oder eben den Immobilienmakler Leipzig kontaktieren. Wir sind noch nicht sicher, ob wir Provision zahlen wollen oder nicht, aber langsam bin ich sicher, dass wir nicht drum herum kommen werden. und wenn man auf lange Sicht plant, macht das sogar Sinn. 
    Habt ihr über Provision oder Makler mal nachgedacht? ich wünsche euch sonst noch viel Glück mit der Suche. 

    19.09.2017, 14:56 von GertaMerta
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    Uuups. Erst der Blick in den Duden hat gezeigt: ich spreche und schreibe es seit 28 Jahren falsch. ;-)

    02.08.2012, 15:17 von Neubert83
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    Jaja sowas kenn ich auch...aber "impulsant", das kannte ich noch nicht *gg* Das war n'Schmunzler wert. 

    01.08.2012, 20:34 von LeyluraLegbreaker
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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