pallor_ 12.02.2017, 15:28 Uhr 1 1

1 x Liebe zum Mitnehmen, bitte!

Gefühlswelt ausmisten.

Als ich den Hass auf dem Wertstoffhof der Gefühle als Sondermüll wegschmiss, fühlte ich mich leichter. Und als ich die Enttäuschung entsorgte, fühlte ich mich glücklicher.
Es gefiel mir, mich von diesen Gefühlen zu trennen, also kramte ich nach anderem unnötigen Zeug, das mein Leben nur schwerer machte.
In den Müll wanderten dann auch noch Verzweiflung, Egoismus und Pessimismus.

Statt einem Frühjahrsputz in meinem Haus, räumte ich in meiner Gefühlswelt auf, um Platz für Neues zu schaffen.

Als ich das alles entsorgte, fiel mir allerdings auf, dass die Container so gut wie leer waren, wohingegen andere fast überquollen.
Ich schaute nach, was die Menschen so zahlreich entsorgt hatten:
der am besten befüllte Container enthielt Empathie und Liebe.
Aber auch Toleranz und Hoffnung schienen die Menschen wohl nicht mehr zu brauchen. Es machte mich stutzig und irgendwie verspürte ich eine Unsicherheit, die sich in mir breitmachte.

Hatte ich die falschen Gefühle weggeworfen? Und sollte ich mich von dem, wovon sich so viele schon getrennt haben, ebenfalls lösen?

Ich entdeckte noch, dass auch Traurigkeit ganz oft im Müll gelandet ist. Ich aber hatte sie behalten – und dies tat ich bewusst. Warum? Weil ich der Meinung war, dass man auch mal traurig sein muss, um Freude empfinden zu können, aber so, dass man es wahrnimmt, dass man sich bewusst glücklich fühlt. Der Regenbogen ist erst zu sehen, wenn es geregnet hat. So ist es auch im Leben.

Jedenfalls dachte ich das - bis ich alleine auf dem Wertstoffhof stand und überlegte meine weggeworfenen Gefühle wieder rauszuholen und sie zu Hause an ihren alten Platz zu stellen.

Ich drehte mich also um, um meine leere Kiste aus dem Auto zu holen und diese wieder mit dem alten Inhalt zu befüllen, als ich eine Person am Straßenrand sah, die etwas zu verkaufen schien. Aus Interesse ging ich hinüber und sah diesen Menschen, mit einem warmen Lächeln und strahlenden Augen.

„Was verkaufen Sie?“, fragte ich.

„Ich verkaufe nichts, ich verschenke nur!“ sagte er und deutete auf ein Schild.

Ich las das Schild und rannte zum Auto, holte meine leere Kiste, befüllte sie und stellte mich umgehend neben die fast schon mystische Person am Straßenrand.

Auf dem Schild stand

„Liebe zum Mitnehmen“.

Ich schrieb „& Empathie“ dazu und stellte, von Glück erfüllt, meine volle Kiste ab.

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Kommentare

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    sehr melancholisch...

    21.02.2017, 15:28 von LifeLoveLust
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