theend 30.01.2007, 21:11 Uhr 4 3

1 Stunde = ~684931 Jahre

Nicht nur man selbst erlebt eine Stunde. Es erleben paralell auch sechs Milliarden andere Menschen diese Stunde. Und gehen ihren Weg ein wenig weiter.

Ich war heute in der Stadt. Als ich so an Geschäften (mit lauter Menschen drin) und Cafés (mit lauter Menschen drin) und Häusern (mit lauter Menschen drin) und Autos (mit lauter Menschen drin) vorbeiging, sah ich auf die Uhr. Das war dann der Kiesel, der unter dem Fels wegrutschte, der daraufhin der Berg herunter rollte und eine Lawine auslöste.
Ich hatte noch eine Stunde Zeit bis zu meinem Arzttermin. Ich würde diese Stunde durch die Gegend geistern, irgendendwo meine Präsenz hinschmieren und sie vergessen. Da fiel mir ein, dass die Menschen um mich herum in der Fußgängerzone EBENFALLS eine Stunde erleben würden. Und nicht nur die. Das ganze Land und ganz Europa und die ganze Welt würden diese Stunde erleben. Wow, wir sind zu sechstmillardenst, macht also sechs Milliarden Stunden. Das sind fast 7 Hunderttausend Jahre. Verdammt viel Zeit.
Okay, sagen wir, dass ca. knapp ein Drittel schläft (sollte es; aber im Schlaf lebt man auch, man träumt ja), aber dann sind es immer noch fast 500.000 Jahre
Vielleicht werden viele der 6 Millarden anderen diese Stunde ebenfalls als belanglos, als "Stein in der Mauer" (danke Pink Floyd, für diesen Begriff) erleben. Aber für einige wird diese Stunde sicherlich wichtig sein.
Die Stunde der Geburt, des Todes, der Liebe, der Trauer, einer Entscheidung, einer Freundschaft, eines Gedankens (der alles was danach kommt verändert).

Ich war überwältigt davon, wieviel jeder einzelne jetzt fühlen kann. Fühlte mich klein. War so überrascht, wie sehr man auf sich selbst fixiert ist, dass man nicht einmal daran denkt, dass jeder andere jetzt auch wichtige Gedanken haben könnte.

Ich sehe den Mann, der bei McDonadls hinter dem Schalter steht. Für mich eigentlich eine Variable, gibt mir den Burger und Ende. Darauf reduziere ich ihn. Aber der Gedanke, dass er ja auch währenddessen überlegen könnte, ob er mit seiner Freundin Schluss machen soll oder daran denkt, dass seine Krebskranke Mutter vielleicht ind en nächsten 2 Wochen stirbt, ist faszinierend und erschreckend zu gleich. Natürlich kann man nicht bei jedem einzelnen Menschen in der Fußgängerzone versuchen sich vorzustellen, dass auch er irgendwann traurig oder himmelhochjauchzend nach Hause kommt, aber wenn man zwischendurch mal dran denkt, dass JEDER lebt, auch die, die man nicht kennt, kann man's ich vielleicht sogar besser einordnen.

Ein anderer (sehr toller) Aspekt dieser Denkweise: Es gibt auch wahrscheinlich irgendwo einen Menschen, irgendwo "da draußen", den man mal treffen wird und der sehr wichtig sein wird. Wenn's mir schlecht geht, dann denk ich daran, dass meine Traumfrau auch irgendwo da draußen rumrennt (und fühlt); danke An Götz Widmann (ex-Joint Venture) für diesen Trost.

Wie man's sieht, man ist nicht allein als fühlendes und denkendes Wesen.

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4 Antworten

Kommentare

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    Ja, ich sitze auch oft genug im Bus (ja, ich fahre oft und laaange bus) und versuche mir das Leben anderer Menschen vorzustellen.. leider werden wir(bzw. in dem fall ich) nie erfahren, ob meine Theorien richtig waren.. geht mich ja auch nichts an - eigentlich

    04.02.2007, 14:49 von _Nuria_
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    applaus für so schöne gedanken..!!!

    31.01.2007, 20:13 von mmhh
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    Joint Venture!
    Irgendwie kam mir die Denke die ganze Zeit schon vertraut vor. ;-)

    Sehr schön.

    30.01.2007, 22:14 von LudwigMartin
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    Ja, diesen Gedanken habe ich auch oft. Faszinierend.

    30.01.2007, 22:05 von odradek
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