Solaire 05.02.2012, 10:29 Uhr 0 0

Wahre Geschichte

Es gibt Situationen im Leben, die treiben uns an unsere Grenzen.

Manche versuchen davor wegzulaufen und sich zu verstecken. Andere werden irre, weil sie es nicht ertragen können. Und ich wurde zur eiskalten Killerin.

Kapstadt. Vorstadt. Nacht.
Die Bahn fährt schon lange nicht mehr. Zu gefährlich. Nachts passieren zu viele Überfälle, da traut sich keiner mehr in die Metro. Wenn es hell ist dann wieder. Mit Security und so.
Eine Wohngegend. Auf einer entfernten Straße fährt hin und wieder ein Auto schnell vorbei. Hohe Mauern mit Elektrozäunen. Neben jedem Tor eine Reklame der jeweils zuständigen Sicherheitsfirma. Jedes Haus hat einen ‘Panic Button’. Nur für den Fall. Wenn du in deinem Haus angegriffen wirst, ist dein bewaffneter Schutzservice innerhalb weniger Minuten da.
Aber nicht, wenn du auf der Straße unterwegs bist.
Ich bin alleine, obwohl ich das nicht sein sollte. Ich hätte mit meiner Mitbewohnerin auf dieses Festival fahren sollen. Aber stattdessen blieb ich diese Nacht alleine zurück in diesem Vorort. Es ist egal, woher ich komme und ich weiß noch nicht, wohin ich gehen werde.
Ich habe nichts dabei. Kein Pfefferspray. Kein Teaser. Nur ein bisschen Licht. Ich kann diesesn Sicherheitswahn nicht leiden. Trotzdem weiß ich, dass es gefährlich ist. Nachts, allein.
Der Gedanke an Schlaf zaubert mir ein wohliges Lächeln auf die Lippen. Mein weiches Kopfkissen, oben auf den zwei Matratzen unterm Dach, umgeben von Fotos meiner Freunde...
Und dann höre ich sie.
Ich habe sie zu spät bemerkt. Mann kennt das ja, hört die Geschichten. Normalerweise nicht mehr als drei oder vier. Das ist die Regel. Doch die hier, die sind ein ganzes Bataillon. Vielleicht zehn, vielleicht fünfzehn. Aber bestimmt nicht noch mehr. Sie sind jünger als ich. Das erkenne ich an ihrer Größe.
Ich sehe nicht weiter nach. Ich will es gar nicht wissen. Ich versuche sie zu ignorieren, vielleicht komme ich so ja heil durch. Aber sie haben mich schon längst entdeckt und fangen mich an einzukreisen. Ich höre, wie sie immer, immer näher kommen. Ich versuche zu entkommen, mich zu verstecken. Aber sie sind einfach zu viele. Immer mindestens einer, der genau weiß, wo ich mich versuche zu verstecken.
Um 3.52h ist es soweit. Ich schaue auf die Uhr. Nur für den Fall, dass ich das hier später erklären muss. Ich habe zweimal die Woche Kickboxtraining. Um mich fit zu halten. Ich weiß, dass mir das hier nicht viel nützen wird. Aber besser als gar nichts. Ich mache mein Licht an, damit ich sehen kann, was mich erwartet.
Die ersten zwei kommen näher. Ich schlage zu. Dann geht alles ganz schnell. Mein Schläge erfüllen die Luft. Mein Hände schmerzen. An ihnen klebt Blut. Mein eigenes. Sie gehen zu Boden. Doch sie sind so viele. Ein paar von ihnen kann ich überrumpeln. Damit haben sie nicht gerechnet. Doch die anderen sind vorbereitet, schwärmen aus. Ich versuche so viele außer Gefecht zu sezten wie möglich und bin ehrlichgesagt gelinde erstaunt über meinen Erfolg dabei. Das hätte ich gar nicht von mir gedacht. Dass ich sie so schnell kriege. Vielleicht ihre Unerfahrenheit. Vielleicht war es ihr erstes Mal und sie dachten, mit mir hätten sie leichtes Spiel.
Endlich schaffe ich es, zu entkommen. Für etwa zehn Minuten ist Ruhe, doch dann kommt wieder einer. Ich schlage voll zu. Im Dunkeln. Volltreffer. Ich hatte Glück.
Um 4.50h liege ich endlich in meinem Bett. Irgendwo draußen zwitschert ein Vogel. Dämemrung.
Ich bin total fertig. An meinen Händen klebt noch Blut, aber ich will nichts runter ins Bad und es abwaschen. Ich will einfach nur noch Schlafen. Das hat mir echt meine Nacht versaut, dieser Scheiß.
Ich schließe die Augen, vergrabe meine Arme unter meinem Kissen, atme tief durch. Und da ist es wieder. Das Sirren noch so einer letzten, verdammten Mücke!


Tags: überfall, afrika
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