Tour de Bonn II: Vorglühen und Abstürzen (22 Uhr bis Ende offen)
Mit der richtigen Basis im Bauch kann man sich weniger Gesundem widmen. Schon Grönemeyer wusste "Alkohol is der Lebensretter in der Not"...
Nachdem der Grundstein gelegt ist und man sich vollen Magens aus dem Stuhl/ von der Bank erhoben hat, geht es auf zu neuen Ufern. A propos andere Ufer:
Vorglühen: 22 - 0 Uhr
Café Göttlich (Fürstenstraße 4)
Das Gerücht, im Göttlich seien alle Kellner schwul ist und bleibt ein Gerücht. Niemand weiß, woher es stammt, aber ich muss hier leider damit aufräumen.
Das Göttlich ist vor allem am Wochenende spätestens um halb zehn zu betreten, ansonsten könnte es mit dem Platz schwierig werden, es sei denn, man setzt sich im Hochsommer in die Sauna nach drinnen oder im Winter auf die Terrasse. Ansonsten zahlt sich frühes Kommen (zumindest in diesem Fall) aus. Immer voll und stets verraucht, behält das Göttlich seinen Charme: der Milchkaffee ist legendär, die Musik wechselt mit dem arbeitenden Kellner und die Gäste untereinander lernen sich verflixt schnell kennen: man muss halt näher zusammenrücken, wenn man sitzen möchte. Das Göttlich besticht vor allem durch seine günstigen Preise und hat in den letzten Jahren sein Angebot ausgebaut: es gibt nun ein paar Cocktails mehr und darüberhinaus auch Kleinigkeiten zu essen. Und falls man so furchtbar gerne etwas haben möchte, das sich nicht auf der Karte befindet, tun die Kellner ihr Bestes, dem nachzukommen.
- Alter Zoll (Rheinufer, bei der Uni)
Der alte Zoll ist im Sommer DER Ort für ein Bonner Alt-und-Jung-Gemisch. Ob auf den Bierbänken oder auf dem Hügel vor dem Zoll, man sitzt, hängt, trinkt und lässt es sich gut gehen. Hauptbeschäftigung ist hier sicher Leute gucken, denn voll ist es eigentlich immer. Der Hügel bietet sich besonders an, um mit Freunden und Bekannten eigene Getränke zu verzehren. Falls man die nicht dabei hat, holt man sie sich eben unten.
- Che Guevara (Münsterstraße 9)
Das Che bietet mit die besten Cocktails in Bonn. Hier kann man wirklich locker anderthalb Stunden damit verbringen, die Karte zu studieren. Die kleinen Wonneproppen sind sensationell gut gemixt und preislich vertretbar. Es gibt wohl keinen Cocktail, den es im Che nicht gibt und dennoch gelingt es den Barkeepern immer wieder, ein neues Wochen-Special aus dem Hut zu zaubern (auch wenn die Kombinationen manchmal etwas selstam anmuten, aber gut, alles andere steht ja bereits auf der Karte).
Abstürzen: von 0 Uhr bis nichts mehr geht
Man kann bereits in den oben genannten Bars herrlich abstürzen, da sie am Wochenende relativ lange auf haben - das Göttlich bis vier, das Che bis drei - doch wenn man dieses hehre Ziel an Musik und neue Bekanntschaften koppeln möchte ist es Zeit zu gehen. Es gibt verschieden Clubs, die man aufsuchen kann:
- Die Hausbar (an der Oper) mit ihrem Publikum, das irgenwo zwischen Stiernacken und möchtegern Schickis liegt und in der man sich wochenends zu House oder R&B-Klängen bewegen kann. Sehr schön ist allerdings der Bar bereich, an dem es durchaus lecker Cocktails gibt.
- Die Dreiraum-Wohnung (gegenüber von der Oper), in der die absolut empfehlenswerten Blow-Partys statt finden
- Das Nachtflug (Bertha-von-Suttner-Platz) mit dem Publikum das früher die Großraumdiscos flutete
Wenn man es weniger schick mag, bietet Bonn:
- Das Carpe Noctem (Wesselstraße 5): kann sehr lustig werden, wenn man nicht ausgerechnet in der Schulferienzeit hingeht. Das Carpe hat absolut vertretbare Preise und man kann sich auch mit Mitte Zwanzig noch mal dem Glücksgefühl hingeben, nach dem Ausweis gefragt zu werden. Das Musikprogramm ist wochentagsabhängig (nähere Infos auf der Homepage)
- Die Nachtschicht (Bornheimerstr. 20-22), von der man im Sommer besser die Finger lässt, da es auf Grund von zu vielen Menschen auf zu wenig Platz gern auch mal von der Decke tropft. Für den Rest gilt das gleiche, wie für das Carpe - selbst die Mitarbeiter sind die gleichen...
Das Bonner Highlight:
- Blow Up (Rathausgasse 10)
Dieser ehemals als Lady Hamilton bekannte Puff ist inzwischen (meiner Meinung nach) das Beste, was Bonn zu bieten hat: okay, es ist klein, voll, verraucht (na ja, das kennt man ja schon aus dem Göttlich), aber es ist verdammt GUT. Die Musik ist abwechslungsreich bis skuril, das Publikum schick bis alternativ und die Preise günstig bis billig. Also nichts wie hin, wenn der Abend gut ausklingen soll. Wenn man früh genug kommt, kann man sich auf einem der Sofas breitmachen und hat die Pole-Postion, um Bonn beim Feiern, Baggern und Wanken zu beobachten. Ansonsten quetscht man sich eben zwischen die anderen Menschen und ist schneller als man schauen kann in ein Gespräch verwickelt. Ins Blow Up gehen und niemanden kennen lernen ist quasi unmöglich. Alles weitere entzieht sich meiner Beschreibungsfähigkeit, das muss man selbst erleben.
Nach fünf in Bonn - einer geht noch
Okay, du hast jetzt Bonn erlebt, seit dem Blow Up kennst du neue Menschen und ihr wollt noch nicht gehen. Na gut, es gibt sie noch, die eine Möglichkeit um nach fünf weiterzumachen. Aber Vorsicht, jetzt wird es grenzwertig-skuril:
- Kastell (Oxfordstraße nähe Stadthaus)
Das Kastell ist eigentlich zu schrecklich, um es auf die Liste zu setzen, aber du wolltest ja noch weiter. Also los. Dieser Laden ist ein Sammelbecken für Taxifahrer, Partyleichen und dubiose Gestalten. Nach fünf eine der letzten Möglichkeiten, überhaupt noch irgendwo hin zu gehen. Und trotzdem hat es Charme: man bekommt auch zu dieser nachtschlafenen Zeit noch Mettbrötchen mit Zwiebeln (wenn man so was denn mag) und wird von älteren Damen in weißen Kitteln oder von Mitfünfzigern, die in früheren Zeiten Schlächter oder Türsteher waren über die Theke hinweg versorgt. Na denn Prost, und nicht wie ab ins Bett!






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