bunteschaos 07.02.2012, 23:09 Uhr 0 2

Sehnsucht ist nicht gleich Sehnsucht

Es brennt nicht mehr.

Ich sehne mich immer noch nach diesem Ort, aber es brennt nicht mehr. Es tut nicht mehr weh. 2010 nach meiner ersten Rückkehr, da hat es sich angefühlt, als würde ich inzwei gerissen werden. Als hätte man eben kurz Körper und Herz getrennt und an zwei verschiedenen Orten niederregnen lassen. Es hat sich angefühlt, als wäre es ein Dämon, der mich ewig begleitet. Die Stadt, die nach mir ruft, mich lockt, mit wunderschönen Sirenengesängen, verführerisch,laut und so unheimlich leise,mit zarten Fingerspitzen, deren Abdrücke sie auf meiner Haut hinterlassen hat, als sie mir meine eigene Geschichte darauf schrieb. Und das alles kam mir vor wie ein Traum, wie ein riesengroßer Traum, und wie das große Wunderland,das so unerreichbar fern war. Wieder dort zu sein war so unvorstellbar wie im nächsten Hasenbau aus Versehen Alice's Wunderland zu finden. Und so oft saß die Grinsekatze auf den Ästen und hat mich ausgelacht. Und mir in Bildern gezeigt, was ich nicht sehen kann. Eigentlich war ich all die Zeit nur ein bisschen hier, ich war so weit fern, fern von allem. Zwischen 2010 und das ganze 2011 war ich in Gedanken immer in dieser Stadt. Immer. Es hat wirklich gebrannt, eine Sehnsucht die Funken schlug. Gefangenes Atmen, Gefängnis um den Brustkorb. Viel zu viele Texte, die entstanden und in jeder dritten Nacht von dieser Stadt geträumt. Und tausendmal lächelnd geschwiegen, als man mich fragte, wie man sich in eine Stadt verlieben kann.
Und jetzt?
Ich vermisse sie immer noch.- Aber nachdem ich an Silvester 2011/12 dort war, fühlt es sich so an, als könnte ich von diesen 5 Tagen zehren. Als könnten sie mich so lange durchs Leben bringen,bis ich wieder dort stehen werde. Denn das werde ich. Verdammt oft. Das ist das einzige, was ich über meine Zukunft sicher weiß. Ein "Urlaub" in Berlin wird mir immer tausendmal mehr wert sein als Paris,Rom,London und Amsterdam zusammen. Aber ich kann leben. Ich kann durchatmen. Ich kann hier, in diesem kleinen Kaff,600km entfernt, wieder völlig ich sein. Ich meine, ich bin wieder da. Und ich sehe nicht mehr in jedem Bild Geister vor mir. Die Grinsekatze ist verschwunden. Nur manchmal, ganz manchmal zaubert sie mir in Träumen etwas von dem Ort vor, den ich liebe. Wie zum Beispiel vergangene Nacht.
Aber jetzt - jetzt zerreißt mich diese Sehnsucht nicht mehr, jetzt kann ich sie lieben.
Jetzt kann ich sie schätzen. Sie ist ein Teil von mir. Wer mich kennt, kommt nicht an meinem Berlinwahn vorbei. Aber ich rede nicht mehr so viel darüber wie zuvor. Es ist immer noch ein Wunderland für mich, aber eins, das ich erreichen kann, jederzeit und einfach so. Und eigentlich sind 7 Stunden gar nicht viel.
Ich habe meine Geschichte dem Wind erzählt in Gedanken als ich durch diese Straßen fuhr. Hab die Luft geatmet und gewusst, ich bin zuhause.
Aber ich habe auch erfahren dass ein Mensch zwei Zuhause haben kann.


Es brennt nicht mehr.

Und ich finde meine Sehnsucht schön. Sie hält mich am Leben und bringt mich durch den Tag.

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