Reisen verändert...
Wann und vor allem wo bist du das geworden, was du heute bist?
Du bist ein anderer Mensch geworden. Irgendwo, zwischen Bangkok, Amsterdam und Kairo. Zwischen dem OP in Tansania und Bungee springen in Neuseeland bist du du geworden. Zwischen den Kontinenten und den verschiedensten Kulturen, zwischen den größten Widersprüchen und den größten Glücksgefühlen, bist du das geworden, was du heute bist.
Die Träume deiner Freunde kannst du nicht verstehen. Du versuchst, sie zu respektieren, zu akzeptieren. Versuchst, sie zu wert schätzen. Aber sie sind dir einfach unverständlich. Ein Reihenhaus mit Garten? Lieber nicht. Ein sicherer Job? Nein, danke.
Du wirst du durch Abgrenzung. Durch Pläne schmieden und Träume leben. Nie fühlt man sich lebendiger, nie erfährt man mehr über seine eigenen Grenzen, seinen eigenen Geschmack, seine eigenen Stärken und Schwächen als beim Reisen.
Beim Reisen, nicht beim Verreisen. Reisen ist gesund. Reisen bildet. Reisen macht glücklich. Und abhängig. Reisen ist eine Droge. Bist du ihr erst einmal verfallen, willst du immer mehr. Die Leidenschaft in deinem Herzen brennt. Und wird jeden Tag ein kleines bisschen unerträglicher.
Du findest dich selbst. Du merkst, dass alles irgendwie immer geht. Dass du dir selbst vertrauen kannst. Du wirst gelassener. Du kannst inzwischen überall schlafen. Am Flughafen in Dubai und im Flugzeug nach China. Im Nachtzug quer durch Indien, mal im Schlafwagen, mal die ganze Nacht sitzend. In Nachtbussen, die dich morgens um halb drei an irgendeinem thailändischen Hafen raus lassen und du merkst, dass die Fähre auf die nächste Insel erst um sieben fährt. In der Ecke eines leeren Raumes der Hafenkneipe. Eingewickelt in Kangas unter einem Tisch auf der Nachtfähre von Sansibar nach Daressalam.
Alles, was du brauchst, passt in deinen Rucksack. Und auch das ist dir eigentlich noch zu viel. Alles, was für ein ganzes Leben wichtig ist, kannst du auf deinem Rücken durch die ganze Welt tragen. Das fasziniert dich. Du lernst, dein Herz nicht an Dinge zu hängen. Und auch nicht an Menschen. Du hängst dein Herz an Momente. Momente vollkommenen Glücks.
Du lernst neue Menschen kennen. Menschen, die dich faszinieren. Mit denen du nächtelang reden kannst, obwohl du sie erst vor zwei Stunden an irgendeinem Busbahnhof getroffen hast. Die von der gleichen Energie aus Leidenschaft, Freiheit, Sinnsuche und Abenteuer getrieben werden. Menschen, denen du dich unglaublich verbunden fühlst- wenn es auch nur für ein paar Stunden ist.
Dein Reisepass ist dein größter Schatz. Dein Ticket in die Freiheit. Der Zeuge deines Weges.
In zwei Monaten in Indien hast du mehr erlebt, mehr gesehen, als Andere in ihrem ganzen Leben. Und nie zuvor warst du in so einem dauerhaften Euphorie-Zustand.
Beim Reisen bist du glücklich. Beim Reisen bist du du selbst. Manche sagen, du seist verrückt. Das, was du da tust, sei gefährlich. Blond, weiblich, alleine in den entlegensten Winkeln der Erde. Vielleicht. Wahrscheinlich. Aber ich würde mein Leben nicht anders haben wollen. Denn auch, wenn mir eines Tages etwas passiert? Oh, god, how I have lived!!!
Tags: Verreisen






Kommentare
Solange nicht die Gleichung "Vielreisender = Interessant" und "nicht Reisender = langweilig" hier gemeint ist, ist es ja ok...Ich kenne superspannendende Menschen, die in kleinen Käffern aufgewachen sind (oder auch noch in solchen leben), und Langweiler die dauernd den 'Kick von außen' brauchen... u. den halt u.a.durch's Reisen bekommen...
27.06.2010, 23:16 von Fuexa@Fuexa Das kam mir auch grade in den Sinn.
01.07.2010, 23:50 von MintyMaiReisen ist nicht schwer, man braucht nicht unbedingt viel Geld, nicht wirklich gute Ideen (besonders in Australien nicht), man trifft offene Menschen alle naslang und sieht spannende/verrückte/aufregende Dinge. Das kann jeder, der sich nen Schubs gibt. Eine Familie zusammenzuhalten, einen Job zu machen, der einem Spaß macht, das halt ich für wesentlich schwieriger und bewundernswerter.
Reisen macht im besten Fall demütig, im schlimmsten Fall arrogant.
toller Text der mir direkt aus dem Herzen spricht
26.06.2010, 15:29 von tesafilmrollerIch kenne auch jemand der nun seit einer halben Ewig keit unterwegs ist und nie lange an einer stelle ist.
Leider hat mein Mut noch nich dazu gereicht einfach Auto verkaufen und ab zum nächsten Flughaven und los gehts.
Den nach Hause kommen ist war schön aber die weite Welt zu sehen ist noch schöner
nicht reisen, aber neue eindrücke. egal wo
26.06.2010, 11:38 von TNTein text, der mir einfach aus der seele spricht! wunderschön.
25.06.2010, 12:35 von BringMeTheJiniDu lernst, dein Herz nicht an Dinge zu hängen. Und auch nicht an Menschen. Du hängst dein Herz an Momente. Momente vollkommenen Glücks.
25.06.2010, 01:24 von Jackie_Grey„Dr. Enzian, als Existenzialist, beweist den Begriff des Daseins, dass er nie verreist. Wenn er reise, sagt er, würd' er fort sein und sein Dasein wär ein Dortsein.“ ...
:-)))
In meinem bisherigen Leben haben mich hauptsächlich Menschen zu der Person gemacht, die ich heute bin. Keine Reisen.
25.06.2010, 00:20 von Jackie_GreyAlle Menschen, denen ich begegnet bin und die mir wichtig waren, hatten Einfluss auf mich. Ich konnte bisher viel von meinen Mitmenschen lernen. In jeder Hinsicht.
Das Reisen wie es hier beschrieben wird, wirkt auf mich eher wie eine Flucht. "Reisen macht glücklich. Und abhängig. Reisen ist eine Droge. Bist du ihr erst einmal verfallen, willst du immer mehr."
Wer unglücklich ist, wird durch Reisen nicht glücklich; das steht jedenfalls fest. Sonst würden wir alle nur noch reisen und die Pharmaindustrie könnte einpacken.
Auch ein Weltenbummler entkommt der Realität des Lebens nicht. Sorry - stimmt aber.
Wow, Gänsehaut!
24.06.2010, 22:57 von dezibelkarateJetzt würde ich am liebsten meinen Rucksack nehmen, mich an den Autobahnzubringer stellen, Daumen raus - los geht's!
Hah. Perfekt. Bin gerade von einem Jahr reisen zurückgekommen und würde am liebsten gleich wieder los. Ein paar Wochen zu Hause und dann nichts wie weg ins nächste Abenteuer :)
24.06.2010, 22:57 von summersongDie schönste Zeit meines Lebens verbinde ich ebenfalls automatische mit der Phase, als ich die Welt ein wenig besser kennengelernt habe. Gibt aber zwei Haken: je älter Du wirst, desto mehr Kompromisse wirst Du eingehen müssen und davonlaufen ist auf Dauer auch keine Lösung (zumindest keine befriedigende). Aber eben, bist ja noch jung, geniess es
24.06.2010, 22:11 von runner_chReisen ist gesund. Reisen bildet. Reisen macht glücklich. Und abhängig. Reisen ist eine Droge. Bist du ihr erst einmal verfallen, willst du immer mehr. Die Leidenschaft in deinem Herzen brennt. Und wird jeden Tag ein kleines bisschen unerträglicher.
24.06.2010, 16:49 von leigh911oh ja, nie ist mein Fernweh schlimmer, als direkt nach einer Reise. Am liebsten wärs mir dann, nach 3 Tagen zuhause (Wäschewaschen etc) gleich wieder abzudüsen.