NEON 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 2

Meine Stadt

Zagreb hat sich als Einkaufs- und Spaßmetropole etabliert. Unsere Expertin Petra Miskov rät dazu, öfter mal auf dem Balkan zu bummeln.

Zagreb ist nicht weiter von Deutschland entfernt als Florenz – aber auf der inneren Landkarte für Wochenendtrips ist die Stadt deswegen noch lange nicht eingezeichnet. Vielleicht wird bei Zagreb noch zu sehr an Balkan und Armut gedacht. Dabei hat die Stadt so viel zu bieten! Es geht überall sehr entspannt zu, bei jedem Sonnenstrahl werden die Straßencafés eröffnet, die dann im Nu voll sind. Es ist, als wollten die Menschen hier um jeden Preis vergessen, was für schwierige Zeiten hinter dem ganzen Land liegen. Und es sieht aus, als gelänge ihnen das ganz gut. Dabei helfen auch die zahllosen Boutiquen, die in den vergangenen Jahren neu eröffnet und den europäischen Metro polenschick nach Zagreb gebracht haben – man kann hier fantastisch einkaufen! Jeder, der mich besucht, fährt mit mindestens drei Paar neuen Schuhen wieder nach Hause. Meine Lieblingsboutique ist die Artidana in einem Innenhof am Tomislavplatz (1). Hier haben sich drei junge Designer innen selbstständig gemacht, die einen immer so herzlich begrüßen, als sei man der beste Stammkunde. Die Mode reicht von normalen Sachen über Hippiestyle bis völlig ausgeflippt. Wenn man vom Shoppen Hunger bekommen hat, gibt’s im Pingvin-Kiosk (2) auf der Teslinastraße die besten Sandwiches. Ich nehme meistens das Toplo hladni mit gegrilltem Hühnchen, Paprika und Tatarsauce. Um die Sonne zu genießen, setze ich mich mit dem Sandwich oft in eins der Straßencafés in der Fußgängerzone – zu der Entspanntheit der Stadt gehört nämlich auch, dass es nie man den stört, wenn man im Café ein mitgebrachtes Sandwich isst. Wer richtig essen gehen will, sollte mittags aber ins Kerempuh (3) – da gibt es tollen Fisch. Das Lokal ist am Dolacplatz, auf dem man südländisches Marktgewusel erleben kann. Hier merkt man auch, dass die Zagreber ziemlich viel reden. Aber sie sind dabei sehr selbstironisch, der trockene kroatische Humor wird international noch unterschätzt.

Wenn man auf dem Preradovicevplatz (4), dem berühmten Blumenplatz, Blumen kauft, halten die Verkäufer immer gleich ein kleines Pläuschchen mit einem. Von dort muss man durch das Oktogon gehen, eine Passage, die ein bisschen an Mai land erinnert, mit der berühmten Croata-Boutique: Hier kann man, na was wohl, Krawatten kaufen: eine Erfindung, die den Kroaten zugeschrieben wird! Vom Oktogon (5) kommt man auf die Ilicastraße, eine der lebendigsten Haupteinkaufsstraßen, die außerdem ein spezielles Erlebnis bietet: eine Fahrt mit der kürzesten Standseilbahn Europas (6) – der Trip dauert ungefähr zwei Minuten. Dann steht man in Gornji Grad, dem höher gelegenen und älteren Teil Zagrebs, der mehr an ein Dorf als an eine Hauptstadt erinnert.

Wie katholisch die Menschen hier sind, merkt man in der Kamenita Vrata (7): In dem einzigen erhaltenen Stadttor der Altstadt kann man für seine Lieben ein Kerzchen anzünden, denn dort hängt ein Marienbild, das als wundertätig gilt und schon von etlichen »Hvala«-Schildchen – das Wort heißt danke – umrahmt ist. Den ganzen Tag über beten dort Gläubige. Auf der anderen Seite des Tors liegt die Radicevastraße. Dort ist ein winziger Laden, in dem es etwas Ur kroatisches gibt (8): kleine Steinhäuschen. Jedes bedeutende Zagreber Haus gibt es als Miniatur – bei mir zu Hause steht schon die halbe Stadt im Regal, das sind auch ganz hübsche Mitbringsel. Unbedingt einmal auf und ab gehen muss man die Tkalciceva: An dieser Straße stehen kleine, bunte Dorfhäuschen, in denen sich Schuhläden und Straßencafés mit Bars abwechseln – eine einzige Spaßstraße also. Dort ist auch meine Lieblingskneipe, das winzige Cica (9). Wer mehr posen will, sollte später am Abend in die Hemingway’s Bar (10) gehen – da trifft sich tout Zagreb, mit schönem Blick aufs beleuchtete Nationaltheater.«

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