Rebecca_Sandbichler 14.01.2010, 12:23 Uhr 0 1

Meine Stadt: Innsbruck

Die Stadt hat sich gemacht - zur modernen MINIMETROPOLE. Nicht nur für reiche Russinnen und Snowboarder ein gutes Wochenendziel.

»Innsbrucks Altstadt schmückt sich für die Touristen zwar immer noch mit Klischees: In den Souvenirläden der Hofgasse (1) hängen Kuhglocken, Kinderlederhosen und Kuckucksuhren. Doch die Studentenstadt ist längst kein bäuerliches Provinznest mehr.

Ein Symbol für den Wandel ist die Bergiselschanze (2), die nachts in wechselnden Farben leuchtet. Ihre futuristische Form hat sich die britisch-irakische Stararchitektin Zaha Hadid ausgedacht. Von ihr stammt auch das Design der neuen Hungerburgbahn, die Bergfreaks vom Congresshaus (3) in wenigen Minuten teilweise unterirdisch auf die Nordkette bringt. Oben angekommen zwängen sich reiche Russinnen in Stöckelschuhen, Snowboarder, Freestyle- und Oldschool-Skifahrer gemeinsam in die Panoramagondelbahn zur Seegrube (»die Gruabn«, wie Einheimische sie nennen). Der Nordpark (4) bietet steile Tiefschneehänge, anspruchsvolle Kicker und eine fantastische Aussicht aufs Inntal. Wer sich ungern Bretter an die Füße schnallt, kann seinen Todesmut woanders beweisen: Im olympischen Eiskanal von Igls (5) hat schon Stefan Raab bei der Wok-WM alles riskiert.

Ich befasse mich lieber ästhetisch mit Wintersport: beim Shoppen. Frauen finden im Sweet Dream (6) alltagstaugliche Snowboard- und Skatermode, Männer decken sich im X-Double (7) oder der Börse (8) ein. Unserer Heimatliebe frönen wir im Tirol-Shop (9). Die hübschen T-Shirts mit dezentem »Tirol«-Schriftzug kann man auch als Nichttiroler tragen.

Für eine Pause setze ich mich am liebsten ins Café Central (10). Dort herrscht echt österreichische Kaffeehauskultur: Zigarrenqualm steigt zu Kronleuchtern an der Decke auf, die Kellner im weißen Hemd sind mürrisch, und der Pianist am Sonntag wird mit Bier bei Laune gehalten. Bestellt die Gulaschsuppe! Nach einer Fortsetzung der Einkaufstour in den Rathausgalerien (11) sollte man den Lift nach oben nehmen: für einen Happen im Restaurant Lichtblick oder auf einen Gin Tonic im voll verglasten 360°. Die Aussicht ist so gut wie vom alten Stadtturm (12), und man muss sich nicht hinter italienischen Teen agern die unzähligen Treppen hochkämpfen. Superkitschige Sehenswürdigkeiten sind das Goldene Dachl (13), das Kaiser Maximilian I. mit 2657 vergoldeten Schindeln decken ließ, und die Prunkräume der Hofburg (14) - Sisi lässt grüßen. Danach bietet sich ein Abstecher ins Hudelist (15) an; ein winziges Jazzlokal, das nebenbei den besten Fisch serviert.

Das Fotoforum West (16) stellt regionale und internationale Kunst aus - die erste Fotogalerie Tirols! Das Westbahntheater (17) ist berühmt für seine experimentellen Aufführungen auf der wohnzimmergroßen Bühne - nicht immer nach dem Geschmack der Kritiker. Aber nur hier sind die Schauspieler so greifbar und das Publikum so bunt gemischt.

Die Nacht braucht keine Planung: Das meiste liegt in Laufweite; die Partyherden ziehen zu Fuß von Club zu Club. Im Kulturzentrum Treibhaus (18) startet man mit einem der häufigen Gratiskonzerte oder Kabaretts. Danach ist der Weekender Club (19) Pflicht für alle Freunde der Gitarrenmusik: Während im Keller Indiebands gastieren, legt im Café darüber meistens ein Stamm-DJ auf - inmitten einer kuriosen Deko aus alten Vespas und Pop-Art-Musikerporträts. Am Ende der Nacht stranden fast alle in den Bögen (20), Innsbrucks berüchtigter Ausgeh- und Absturzmeile unter den Bahngleisen. Da fährt der Zug drüber!«

Tipps

Hinkommen
Mit dem Redticket von Austrian Airlines kann man ab Frankfurt günstig fliegen - und erlebt einen atemberaubenden Landeanflug, knapp über beschneite Berggipfel hinweg. Über das winzige Rollfeld geht man dann zu Fuß. Klimafreundlicher ist Bahnfahren. Innsbruck ist gut angebunden.

Unterkommen
Innsbruck hat nur wenige preiswerte Hotels, dafür viel Eleganz: Das Hotel Central (10, central.co.at) beeindruckt durch seine monarchische Aura (DZ ab 125 Euro). Das modern designte The Penz (21, the-penz. com) hat eine exklusive Cocktailbar und zwei windgeschützte Terrassen mit Blick über die Stadt (Zimmer ab 180 Euro). Für Sparfreudige: Auf couchsurfing.com bieten etwa 300 Innsbrucker einen Schlafplatz an.

Rumkommen
Vor dem Hofgarten (22) stehen Pferdekutschen für Rundfahrten bereit. Die Fiaker tragen Tiroler Hut und haben zu jeder Straßenecke eine Geschichte. Wegen ihres starken Dialekts sind sie aber nicht immer leicht zu verstehen.

Mitbringen
Hausgemachte Marmeladen und echter Tiroler Bergkäse aus der Markthalle (23) oder dem Wiltener Bauernmarkt (24, immer samstags).

Unbedingt
Mit der Hungerburgbahn (25) zur Mittelstation fahren und auf der Terrasse des Wolke 7 Kaffee trinken. Freitags fährt die Gondel auch spät noch weiter hinauf zur Seegrube. Dort kann man in der Alpenlounge auf 1905 Metern Höhe mit Blick auf die Lichter der Stadt zu Abend essen.

Bloß nicht
Speck und Schnaps in den Souvenirläden der Altstadt kaufen. Das gibt es im Supermarkt auch ohne Touristenaufschlag. Barbara Wohlsein, 27, ist Redakteurin des Innsbrucker Stadtmagazins 6020.

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Kommentare

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  • Auffällig unauffällig

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  • Wie siehst du das, Heinrich Holtgreve?

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