greatbritain 15.02.2005, 00:44 Uhr 13 2

Mehr als London entdecken

Zugegeben London ist die atemberaubendste Stadt der Welt, aber England hat mehr zu bieten.

Wer jemals in London war und von dort zurückkehrt, ist hellauf begeistert und erklärt diese Stadt zur hippsten, coolsten, trendigsten ever.
Aber London hat immer weniger mit England gemein.

Ich liebe England, weil ich die hinteren Winkel dieses Landes bereist habe, mich wie die Engländer bei peitschendem Wind und Regen an die Strandpromenade mit einem Plastikbecher Tee in der Hand auf eine Bank neben Mrs. Hugh gesetzt und mich mit ihr über das "fantastische" Sommerwetter gefreut habe. Das ist englisch, man hat Urlaub und man genießt ihn jetzt auch.

Ich liebe es, weil, die bezauberndste und wohl typischste Stadt Englands das kleine Örtchen Mere im Hinterland von Salisbury ist. Hier kann man sich vorstellen wie der Gärtner der Möder des Pfarrers ist und Miss Marple auf Jagd geht. Wenn man auf den Hügel steigt - ja, Assoziationen zu "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam" sind gewünscht - blickt man über das kleine Dorf mit der gedrungenen Steinkirche und dem windschiefen Pub hinweg auf eine atemberaubende englische Landschaft mit Grenzhecken, Kühen und grünen Wiesen.

Weil, wenn man am Lake District, der Alpenlandschaft Englands, über wackelige Brücken steigt und auf Engländer trifft, die voller Stolz die große Nepal-Montur angelegt haben für die Erklimmung eines 500ers, spürt man im Vorbeigehen das Erbe des Empires. Und überall Softeis, der Engländer scheint sich im Urlaub hauptsächlich von dieser eher geschmacksneutralen, weißen Masse zu ernähren - mit Schokostange in der Plastikwaffel - und nur in dieser Variante.

Weil Engländer ihr Land mit Stolz behandeln, nirgendwo auf den Straßen ist ein Lärmen auszumachen. So schleichen sie behutsam durch das historische und absolut sehenswerte Stratford-upon-Avon, der Stadt Shakespeares, und erstarren in Ehrfurcht vor den Ausstellungsgegenständen in den original erhaltenen Häusern dieser Zeit. Sie blättern mit nie versiegendem Interesse die Gartenbücher in den Museen durch und manchmal hört man sie dann ein leise "ah!" raunen.

Sie erfreuen sich in der Jugendherberge in Ilfracombe an dem englischen Frühstück, dass Carl der Hippie mit einem Haarnetz, das nicht einmal im Ansatz seine Rastamähne bändigen kann, in seiner abenteuerlich anmutenden Küche zubereitet.

Als Reisender lernt man England aber am besten kennen, wenn man Bed & Breakfast in Anspruch nimmt. Man schläft in Laura-Ashley-Prospekt-Zimmern. Natürlich steht irgendwo dezent ein Bild der Königsfamilie und ein Stoß an englischen Illustrierten, wahlweise auch Fox & Hound, liegt fein säuberlichst neben dem Nachtkästchen. Ach, und natürlich steht immer ein Wasserkocher samt Teebeuteln auf einem Tablett. Überhaupt, das Zimmer kann noch so schmuddelig sein, die Absteige noch so furchteinflößend, einen Wasserkocher findet man garantiert auf dem Zimmer.

Ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht, war die Sonnenfinsternis in Stonehenge zu boebachten: der Engländer schaut im Gegensatz zum gut ausgerüsteten Deutschen auch gerne mal so in die Sonne. Nichts mit Schutzbrille und so. Überhaupt sind die Engländer bei nationalen Großereignissen sehr eigen - habe selten erlebt, dass Menschen mit so viel Würde und Stolz an Paraden teilnehmen, egal ob sie die Wachablösung in Windsor oder einen Festumzug in York besuchen - es wird mit "very british understatement" beigewohnt und nur an ganz bestimmten Stellen geklatscht, eindrucksvoll auch, wenn sie die Nationalhymne singen. Die kann wirklich jeder astrein mitsingen uund wenn man dann inmitten der Menge steht, wünscht man sich auch sofort eine Queen, auf die man ähnlich stolz sein kann, wie die reizenden Engländer.

Ach, ich könnte endlos weitererzählen, vom vorbildlichen Queueing, von Menschen in schlechtsitzenden Shorts und Sonnenbrand, von malerischen Gassen in York, von Teehaus-Erlebnissen wie aus Jane-Austen-Romanen in Bath, von indischen Schnellresaturants in Cheltenham. Von Zügen und Schaffnern, die sich berufen fühlen, das Empire weiterzuleben. Von Sandwichvariationen in Winchester, die jedes Vorstelllungsvermögen übersteigen und von dem Herren mit Schirm, Charme und Melone, der mich im Zug nach Birmingham einwandfrei mit schwarzem, britischen Humor hopps genommen hat ...

Eins bleibt noch, Euch zuzurufen: visit London, discover Britain!

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13 Antworten

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    Hey, das finde ich echt gut mal Leute zu treffen, die England genauso gerne mögen, wie ich! Viele meiner Freunde können mich da nicht verstehen... Aber ich bleibe dabei! So oft war ich jetzt noch nicht da, aber ich plane nächstes Jahr für ein halbes Jahr als AuPair nach England zu gehen.
    Warum seid ihr so sehr mit dem Land verbunden?
    LG, *

    02.08.2006, 22:03 von Schternschen
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    england ist super. London ist wahnsinn,aber das land ist einfach wunderbar. viele stereotypes aber wunderbar.
    ich gehe nächstes jahr für ein jahr nach england und freue mich schon wahnsinnig!

    09.06.2005, 18:12 von Smiley
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    oooh.... da kriegt man direkt Sehnsucht. England wie Irland - zwei tolle Inseln. Toller Text, da hört man die Liebe zu dem Land wirklich raus!

    P.S. wer ist eigentlich bonstintom??

    22.04.2005, 20:19 von Lene077
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    Dein Artikel spricht mir wirklich aus der Seele, lebe gerade in der Naehe von Oxford und reise viel, finde es immer wieder erstaunlich was man alles entdeckt und wie englisch England wirklich ist...aber liebe es !!!

    14.04.2005, 20:44 von natzckerl
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    Inhaltlich ein sehr schoener Text, aber sprachlich eine Katastrophe - selten habe ich irgendwo so viele Grammatikfehler, Rechtschreibfehler oder einfach falschen Satzbau gefunden - schade, dass anscheinend auch die Leute, die gerne schreiben, sich keine Zeit mehr fuer ein zweites Durchlesen nehmen

    14.04.2005, 19:45 von bonstintom
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    oh ja, das erinnert mich an meinen trip durch den süd-westen. am besten in erinnerung blieb mir der ort bickley mit den schilfdächern, dem kleinen castle und die bridge over troubled water...

    14.04.2005, 17:19 von dnmx
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    Als ich in England lebte, fand ich bspw. das "vorbildliche" Anstellen nur noch nervig... Ich kann nur sagen, dass es einen Riesenunterschied macht, ein Land zu bereisen oder wirklich dort zu leben! Da tun sich dann ganz andere Welten auf.

    Nichtsdestotrotz ein super Land zum Reisen. Zum Leben für mich erstmal nicht mehr :O)

    14.04.2005, 16:50 von faraway
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    Nein, Gabgeflüster stimmt schon. Selbe Hauptdarstellerin wie in Grasgeflüster und unglaublich makaber!
    Mal sehen, wann es mich wieder nach England verschlägt. Aber wahrscheinlich bald...
    Manchester kenn ich bisher nur vom Dialekt;)

    27.03.2005, 19:57 von Rozumim
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      @Rozumim dann ging dieser film an mir vorbei, werde ihn mir gleich mal demnächst ausleihen, ja der akzent ist sehr drollig wie ich finde ...

      30.03.2005, 18:11 von greatbritain
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