Junger_Faust 29.07.2010, 11:22 Uhr 4 4

Helga ist auf Reisen

3. Es ist schön zu reisen, denkt Helga. Der seltame Mann findet das auch.

Als er beim nächsten Mal auftauchte, war sie weniger überrascht als beim letzten mal. Ihr stockte zwar für einen Moment der Atem, aber es überkam sie nicht wie ein eiskalter Schauer als er wie Selbstverständlich neben ihr im Hotel Foyer auftauchte und dann vorausging um sich an die Bar zu setzen.

Natürlich folgte Helga ihm. Normalerweise wäre es ihr eigentümlich vorgekommen, einem Mann zu verfolgen und sich dann auf den Barhocker neben ihn zu setzen. Vor allem im eigenem Urlaub mit dem Verlobtem. Aber wenn sie bisher eine Sache begriffen hatte, dann dass sie vor diesem alten, seltsam gekleidetem Herren keine Geheimnisse oder Vorbehalte zu haben brauchte. Er guckt doch eh durch mich durch, dachte sie und damit hatte Helga recht.

Er bestellte sich einen guten Whisky, zog seine grüne Filzjacke aus und hängte sie auf. Bedächtig zog er sich seine Kappe vom Kopf, legte sie auf die Bar und öffnete dann den obersten Knopf seines Hemdes. Als er seinen Whisky bekam, lächelte er kurz und nickte dem Barkeeper zu, nahm einen Schluck und gab einen Laut des Wohlgefallens von sich.

„Guten Abend“, sagte Helga und lächelte ihn an. „Findest du es nicht ein bisschen unverschämt etwas zu bestellen und einer Dame nichts anzubieten?“. Sie wischte seinen Einwand mit der Hand beiseite und bestellte sich selber ein Glas Rotwein. Bis das Glas kam sprach keiner der beiden. Es war aber keine unangenehme Stille, es war eher ein gelöstes Beisammensein bei dem es nicht viele Worte braucht. Als Helga ihren Wein bekam, prostete sie ihm zwinkernd zu und nahm einen tiefen Zug. Der spanische Wein schmecke hervorragend und sei aus der Umgebung hatte der Barkeeper behauptet und zumindest das Erste konnte sie bestätigen.

„Meine liebe junge Dame, wie schön dass ihr euch so ein feines Stück Erde zum Wohlsein ausgesucht habt, die Luft so frisch und klar, gewürzt durch das Salz des Meeres und die Sonne stark und warm, so dass man sich einer Katze gleich, ganz lahm in der Wärme räkeln möchte. Ein schöner Ort, wo die Bäume grün und dicht behangen, die Musik so unbefangen und die Menschen frei und fröhlich sind. Helga manchmal bist du auch ein kluges Kind.“, sagte er und nickte dazu anerkennend.

„Danke, ich finde es auch schön hier. Ich habe übrigens nachgedacht...“, antwortete Helga, aber er unterbrach sie.

„Denken, denken, denken. Du sollst deinem Hirn die Freiheit schenken! Wozu rede ich mir die Zunge rau, wenn du doch nur so viel verstehst wie der frische Morgentau? Muss die Peitsche Einsatz finden, wo der Zucker schon versagt, die Strafe ihre Wege finden wenn der alte Mann dir klagt? Ich verstehe nicht, so sagst du mir, ich habe nachgedacht, so fängst du an, willst du mich umbringen, einen alten armen Mann? Schalte sie endlich aus, die Maschine in deinem Kopf, denn sie bringt dir nichts bei deiner Frage und jetzt höre endlich darauf was ich sage!“.

Er war laut geworden. Nicht boshaft brüllend oder im wilden Geschrei, aber laut. Helga war perplex. Wie sollte sie auf eine Antwort kommen, ohne nachzudenken. Und was fällt diesem Mann ein, etwas von mir zu verlangen und sogar mit Strafen zu drohen! Sie hatte nicht wenig Lust einfach aufzustehen und zu gehen. Aber etwas hielt sie hier. Vielleicht war es die Neugier oder auch die Angst, so genau wusste sie es nicht.

„Entschuldige liebes Kind, ich war außer mir. Ich denke es ist dieses Scheusal hier.“

Mit diesen Worten packte er sein Whiskyglas und schleuderte es mit voller Wucht an die Wand, so dass es in viele Hundert Scherben zerbarst und die braune Flüssigkeit in einem Rinnsal die Wand hinunterlief. „Komm wir gehen spazieren.“, sagte er im sanftem Ton und legte einen Schein auf den Tresen. In aller Ruhe zog er seine Jacke an, rückte die Kappe auf seinem Kopf zurecht und verließ, Helga untergehakt, das Hotel. Der Barkeeper stand mit offenem Mund auf seinem Platz hinter dem Tresen und schüttelt dann langsam den Kopf. „No me gusta Aleman.“, brummte er und wischte die Scherben auf.

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Kommentare

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    Gefällt. ich mag deine Helga-Txte.

    16.08.2010, 16:55 von Katiiia
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    Die Flasche Whisky hast Du wohl selbst geleert, als Du das geschrieben hast. Ist ja gruselig. Zudem bin ich stets abgelenkt von dem Namen Helga. War von euch die letzten Jahre keiner auf einem Festival? Mir hallt es jedes mal in den Ohren: "Heeeeeelgaaaaaa"!

    29.07.2010, 17:32 von nyx_nyx
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      @nyx_nyx ich trinke kein whisky.

      29.07.2010, 18:06 von Junger_Faust
    • 0

      @Junger_Faust wie schade! wieso denn nicht?

      02.08.2010, 15:48 von SpotlessMind1988
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      @SpotlessMind1988 Bin kein Schotte.

      03.08.2010, 10:17 von Junger_Faust
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    Gefällt mir auch wieder besser, vor allem dass deine Figuren sich entwickeln.
    Allerdings könntest du den 5. Absatz eventuell nochmal überarbeiten, obwohl ich natürlich nicht weiß, in wie fern du da mit Absicht gehandelt hast.

    gewürzt durch den Salz des Meeres und die Sonne stark und warm, so dass man sich einer Katze gleich, ganz lahm in der Wärme rekeln möchte. Einer schöner Ort, wo die Bäume grün und dicht behangen

    Ich würde doch DAS Salz nehmen, rEkeln mit Ä schreiben und EINER Ort in Ein verändern.

    Aber diese Freiheit lasse ich dem Poeten gern ;)

    29.07.2010, 13:50 von SpotlessMind1988
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      @SpotlessMind1988 wird umgehend erledigt.

      29.07.2010, 18:08 von Junger_Faust
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      @Junger_Faust wie schön, wie schön, jetzt will ich mehr!

      02.08.2010, 15:48 von SpotlessMind1988
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