Ceci.de.la.Provence 09.04.2013, 08:08 Uhr 0 1

Four Seasons in One Day

Aufbruchsgedanken

Man könnte meinen ich wüsste es nicht besser. Der bittere Geschmack von Nasenspray das schleimig am Gaumen klebt, das schwere Atmen halb durch ein Nasenloch und halb durch den Mund und die von Ohrenquitschen begleiteten Versuche zu Schnäuzen, machen mir mal wieder klar, dass ich mich überfordert habe. Seufz - dröhnender Kopfschmerz. Tee? zu faul zum Aufstehen.

Gezwungen mich auszuruhen, liege ich in meinem Bett und durchstöber die Weiten des Internets, werfe Blicke in die dunklen, mit Spinnenweben durchzogenen Ecken meines alten Laptops und sortiere aus, was nicht mehr nötig ist. Er hat mir lange genug gedient und muss nun Down Under zurück bleiben. Eine niegel nagel neue, kleine, schwarz-elegante, ein Terrabite vermögende, externe Festplatte ersetzt die Speicherplatzfunktion des alten DELLs. Jetzt wo alle Fotos, Musik- und Dokumentdateien auf dem neuen Gerät sind, ist er auch schon wieder viel schneller. Irgendwie tuts mir leid ihn hier zurück zu lassen.

Ruhig, hechelnd lasse ich so meine Gedanken durch die letzten paar Monate schweifen. Wie ich hier ankam, mein Cousin mich vom kleinen Flughafen, etwas außerhalb der Hauptstadt, Hobart, des grünen Inselstaats Tasmanien abholte und wir über die große Brücke im Nieselregen "nach Hause" fuhren. Meine Tante zeigte mir mein Zimmer im kalten Haus, sagte ich solle mir erst mal Zeit nehmen und mich ein wenig ausruhen. Inzwischen prasselte der Regen von außen an die Fensterscheibe. Graue Wolken bedeckten den Himmel draußen. Ich fror mir gejetlegt meinen Allerwärtesten ab.... und das sollte Australien sein?!

Das Handy vibriert. SMS von Louis: "Hey, just found out I'm not working tomorrow, are you busy?" Ein Griff zum Taschentuch. Ich schneuze und schüttle den Kopf (wir haben doch schon heute was gemacht). Warum macht er es mir so einfach ihn zu enttäuschen? und gerade deshalb kann ich es nicht tun. In einer Woche bin ich sowieso wieder auf und davon, bis dahin bleib ich halt nett.
"Nah, but I got the feeling that I'm getting sick. I think I caught a cold :/" antworte ich, dabei fällt mir auf, dass meine Füße unter der Decke kalt sind. Grmpf. Sieht nicht gut aus für mich. Dazu kommen die Nachtschichten, heute und morgen.

Die Sonne scheint in mein Zimmer, vielleicht die letzten Sonnenstrahlen bevor ich zurück ins kalte Deutschland fliege. Hier wird es so langsam Herbst und man weiß nie was das Wetter Tasmaniens bringt. Meistens vier Jahreszeiten am Tag. So wie der Song "Four seasons in one day". Der handelt aber von Melbourne - wo Jack jetzt ist. Jack, Surfer und Surf-Live-Saver, alternativer Business Student, meine Australien-Affäre, die sich zu meinem besten Freund hier entwickelt hat. Lover, Philosoph, Quelle für allerlei Inspirationen, Zeichen- und Abenteuer Partner alles zugleich. Räusper.
Entschuldigt Leser, wollte an dieser Stelle nicht zu weit abdriften, ist aber doch merkwürdig wie uns das Leben zu Menschen führt und dann, GERADE wenns am schönsten ist, wieder trennt.
Jedenfalls wars gut, dass er umgezogen ist. So fällts mir leichter von meinem neuen Zuhause hier auch wieder Abschied zu nehmen.

Tasmanien ist wundervoll. Jede Person, die sich ein Wenig zur Natur hingezogen fühlt, wäre hier hingerissen. Am meisten gefiel es mir, von Wasserfall zu Wasserfall unter den großen, grünen sonnenschirmartigen Baumfarnen auf Entdeckungstour zu gehen. Mit einer Fläche von 68.400 km² und einer luftigen Bevölkerungsdichte von ca. 7 Personen pro km² (Einwohnezahl insg. 500.000) gibt es hier keine Probleme Wildcampen zu gehen und ein paar Tage der Zivilisation komplett zu entweichen (nun gut. So weit man eben möchte).

Lange werde ich mich jedenfalls nicht fern halten. Es gibt noch so viel mehr zu entdecken und klar, ich hab Familie hier, die muss besucht werden. Jetzt freu ich mich hingegen auch wieder auf Zuhause. Schwarzbrot, Mama, meinen Bruder, Oma, Opa und den ganzen Rest des Rudels; meine alten, treuen Freunde, meinen jungen, treuen Hund, den Blick über den Rhein, Frühlingsbeginn und Baden im See. Meine Nase läuft zwar im Augenblick, aber die Taschentücher liegen bereit und das Reise-Entdecker-Feuer in mir lodert lüstern.

Keine Antwort von Louis.


Tags: Tasmanien
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