Allymaniac 30.12.2004, 22:11 Uhr 4 0

Eine Kölnerin in New York

Es war Sommer, es war heiß, und ich das erste Mal in NYC. Der Erlebnisbericht einer staunenden Besucherin.

Das erste, was ich über New York gelernt habe, war, dass in Manhattan tatsächlich viel mehr los ist als in meiner geliebten Heimatstadt, quasi wie Karneval, Christopher-Street-Day, Köln-Marathon und Ringfest parallel. Ein Beispiel: Am Tag unserer Ankunft lief das Olympische Feuer durch die Stadt, in Starhänden, zum Beispiel in Puff Daddys. Wir haben das Ganze abends von unseren Hotelbetten aus im Fernsehen bei Fox 5 erfahren, einem New Yorker Lokal-Nachrichtensender, so gegen 20 Uhr Ortszeit (also bereits 2 Uhr deutscher Zeit, und das, nachdem wir um 3.30 Uhr aufgestanden sind). In der Live-Sendung wiesen die natürlich wie immer gut gelaunten Moderatoren darauf hin, dass gegen 21 Uhr das Feuer am Times Square ankäme, also nur zwei Blocks von unserem Hotel entfernt. Klang verlockend, aber wir waren einfach zu müde.

Am nächsten Tag haben wir bei unserem Ausflug in den Central Park bemerkt, dass am frühen Nachmittag der NYC Triathlon stattgefunden hatte, der natürlich auch an uns unbemerkt vorbeigegangen bzw. -gelaufen ist. Ja, und abends stellten wir dann fest, dass Madonna gegenüber des Hotels im Madison Square Garden auftreten sollte - das Konzert natürlich „sold out“, wie auch an den nächsten vier Abenden. Ist echt extrem, was in dieser Stadt so alles passiert! Es ist wirklich nur selten ruhig, wie am frühen Sonntagmorgen, als wir gejetlaggten deutschen Besucher noch fast alleine unterwegs waren. Nur ein paar vereinzelte Leute waren auf der Straße, die offenbar arbeiten mussten, und die Müllabfuhr, die jeden Morgen die Berge von Müllsäcken wegräumen muss, die sich im Laufe des Tages neben den Mülltonnen von NYC ansammeln und zu stinken beginnen.

Überhaupt dieser Geruch: Überall musst du auf irgendwelche olfaktorischen Überraschungen gefasst sein, wenn du in eine Bäckerei gehst, in einen Donut-Laden oder einfach nur die Straße entlang läufst oder aus der U-Bahn-Station hochsteigst. Oft kommt einem dann plötzlich ein Windstoß entgegen, bei dessen Berührung ich nach kurzer Zeit nur noch reflexartig die Atmung einstgestellt habe, um dann, ganz vorsichtig, die Nasenhärchen und Geruchsnerven wieder zu reaktivieren und zu testen, was einem denn da wieder entgegendonnert: der ekelhafte Gestank von Müll, das süßliche Aroma irgendwelcher klebriger, frittierter Gebäckstücke oder der herb-rauchige Geruch von einem der tausenden Straßenhändler, die mit ihren fahrbaren Wägelchen durch die Stadt ziehen, auf denen sie diverse Lebensmittel rösten oder braten, zum Beispiel Fleischspieße, Würstchen oder verschiedene Nusssorten. Dazu die Gullydeckel in den Straßen, aus denen oft riesige, weiße Nebelschwaden von heißem, feuchten Dunst aufsteigen - besonders bei flirrender Sommerhitze ausgesprochen angenehm.

Kurzum: Es ist alles sehr anders, ständig wünschte ich mir, ich könnte das Erlebte und Gesehene festhalten, um es mit nach Hause zu nehmen und allen Freunden zu zeigen. Es sind noch nicht einmal die Unmenge an wirklich riesigen, alten, toll aussehenden, verzierten neben neuen, glasfassadig-glänzenden Hochhäusern, die geradezu unheimliche, tiefe Schluchten erzeugen, durch die man ja ständig laufen muss, sondern vor allem die Leute und das drumherum, was mich so sehr fasziniert hat.

Den größten Eindruck hat eine schwarze Frau bei mir hinterlassen, die eines Morgens gegen halb zehn beim Warten auf die U-Bahn auf dem gegenüberliegenden Gleis, zwischen mehreren Menschen stehend, plötzlich mit kräftiger Stimme ein Gospellied intonierte. Dieses Verhalten fanden aber offenbar weder sie selbst noch die umstehenden Leute merkwürdig. Sie hörte gar nicht mehr auf zu singen, quasi eine „extended version“ des Liedes. Dabei bewegte sie sich ein bisschen und ging hin und her, bis sie schließlich langsam den Bahnsteig verließ und die Treppen nach oben stieg, ohne ihren Gesang zu unterbrechen oder die Stimme auch nur zu senken. Irgendwann war sie dann wohl ganz aus dem U-Bahn-Bereich verschwunden, der Widerhall ihrer Stimme wurde jedenfalls immer leiser.

Solche Aktionen beeindrucken die New Yorker allerdings nicht im geringsten, mehrere ähnliche Dinge sind passiert, während wir dabei waren, und keiner hat davon überhaupt Notiz genommen. Wahrscheinlich haben die meisten selbst auch eine Selbstdarstellungsneurose und finden das ganz normal. Dieses Erlebnis lässt auch das neurotische Verhalten der Figuren von „Sex... and the City“ immer realistischer werden, so unglaublich das auch klingt. Da konnte ich als Durchschnittseuropäerin, selbst aus einer offenen Stadt wie Köln, nur mit großen Augen und offenem Mund staunen und mich wundern.
Aber schön fand ich sie, diese neurotische Stadt, die man einfach einmal selbst erlebt haben muss.

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    klingt aufregend un dim juli komm ich in den genuß 2 Tage NYC erleben zu dürfen

    22.04.2005, 16:39 von frena
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    In der letzten NEON (Welche Stadt passt zu Dir)
    gabs eine schöne Beschreibung von Berlin.
    Und zwar, Was ist schön an Berlin:
    Das wirklich Alles und Jeder tolleriert wird.
    Und danach, Was nervt an Berlin:
    Das wirklich Alles und Jeder tolleriert wird.
    Fand ich sehr richtig... *hihi* Naja... egal

    03.01.2005, 11:50 von Trainee
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      @Trainee stimmt, das fand ich auch gut getroffen...

      03.01.2005, 11:54 von giulianna
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      @giulianna Jetzt hoffe ich nur, dass da auch wirklich von Berlin die Rede war und ich das nicht verwechselt habe. Und überhaupt, wie hab ich überhaupt "tolerieren" geschrieben?! Naja... auch das können wir tollerieren, gell? ;-)

      03.01.2005, 11:58 von Trainee
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      @Trainee doch, doch, das war berlin...ich erinnere mich auch daran. aber als fast berlinerin tollerier ick jeglische schreibweise ;)
      ps: wat trainierste denn so als trainee? war auch mal trainee...aber bestimmt auf einem anderen gebiet

      03.01.2005, 12:01 von giulianna
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    ich war vor 10 jahren einmal in new york seitdem hat sich ganz sicher viel verändert.
    aber daß leute irgendwelche sachen von sich geben oder merkwürdig rumlaufen und es interessiert keinen, das kenne ich auch in berlin. in anderen deutschen großstädten, münchen zum beispiel, ist das anders. in berlin kannst du rumlaufen wie du willst, machen was du willst...das fällt gar nicht auf.

    02.01.2005, 13:05 von giulianna
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      @giulianna dass das in berlin bestimmt ähnlich ist, habe ich mir auch schon gedacht, obwohl ich's da zumindest noch nicht selbst erlebt habe. was mich an besagter singender frau so gewundert hat, war aber vor allem die selbstverständlichkeit und lautstärke, mit der sie das lied geeschmettert hat. ich fand's irgendwie schön, sie konnte auch wirklich gut singen. aber verwundert war ich halt trotzdem. so was kenne ich in köln nur beim karneval... ;)

      02.01.2005, 13:19 von Allymaniac
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      @Allymaniac wahrscheinlich hat man in einer derart großen stadt früher oder später das gefühl irgendwie auf sich aufmerksam machen zu müssen...oder sie wollte das gar nicht, sondern war extrem mit sich selbst beschäftigt.
      ich hab mich in berlin in der sbahn mal derbe mit tee bekleckert und hab's nicht bemerkt. die bahn war rappelvoll, mir saßen auch leute direkt gegenüber. denkst du, da hat mich auch nur einer mal komisch angeguckt? nö. laß die sich doch den tee überkippen *lach*

      02.01.2005, 13:58 von giulianna
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      @giulianna *lol* da hast du bestimmt recht! :) das ist bestimmt noch steigerungsfähig. so wie in dieser mtv-show, in der leute blöde sachen machen und getestet wird, wann der andere reagiert. müsste man mal ausprobieren. ;)

      02.01.2005, 14:04 von Allymaniac
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      @Allymaniac ist das die show, wo du geduldig sein mußt und am ende event. geld kassierst? da war mal so'n typ mit ner leiter, der niemanden vorbei lassen wollte. ich würde da nicht 5 min hin- und herlaufen. ich würde einfach gehen...

      02.01.2005, 14:07 von giulianna
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      @giulianna genau diese show. einmal hat sich jemand direkt an die große scheibe eines restaurants gestellt und den leuten ins gesicht und aufs essen gestarrt und faxen gemacht. so etwas würde mich total nervös machen! auch das mit der leiter, was du beschrieben hast. meist sind es ja relativ lange zeiten (15 oder 20 minuten), die man diese schikanen aushalten soll. dafür wäre ich viel zu ungeduldig und direkt! es gab noch keine gezeigte szene, bei der ich dachte: 'na das hättest du ja auch so lange mitgemacht.' tja, bin halt ein ungeduldiger hitzkopf. ;)

      02.01.2005, 14:12 von Allymaniac
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