Geniesser 08.11.2010, 14:32 Uhr 1 0

Ein Tag im Leben.

Eine Woche London und man vergisst den Rest der Welt. Aber andersherum genauso.

Ich sitze hier in meinem Hotel und suche verzweifelt nach Worten, waege sie mit einander ab, kreiere neue, schmeisse alte weg und finde einfach nicht die passendsten um diese Stadt, die von den allermeisten London genannt werden will zu beschreiben.

Eine Freundin, die schon einmal hier war, sagte zu mir bevor ich abreiste, dass ich von dieser Stadt begeistert sein werde, weil sie irgendwie zu mir passen solle. Und sie hat auch recht behalten, auch wenn ich genauso wenig wie sie sagen kann warum. Es wird immer gesprochen von einem Gefuehl, dass man mit dem Gefuehl vom Ankommen ganz gut vergleichen kann, dass man einmal im Leben hat, wenn man in eine bestimmte Stadt kommt. Dieses Gefuehl hatte ich in diesem London zwar nicht, weil es in meinem Fall wohl fuer immer Berlin vorbehalten sein wird, aber als ich hier durch die Strassen ging, hatte ich ein Hochgefuehl in mir, weil diese Stadt einfach genau das sein will, was sie ist. Weil diese ganze Stadt einfach so perfekt bis ins Detail getroffen ist.

Dieses London ist genau so, wie man sich eine europaeische Grossstadt vorstellt oder nachbauen wuerde, was natuerlich auch damit zusammenhaengt, dass sie mal fast komplett neu gebaut wurde. Diese Stadt gibt dir das Gefuehl, dass du willkommen bist, wahrt aber doch eine erhaben anmutende Distanz, deshalb bezweifel ich auch, dass ein Mensch auf der Welt von Herzen sagen koennte, dass er Londoner ist; aber doch viel mehr werden sagen koennen, dass sie in London willkommen waren.

Diese Stadt hat keinen Stil. Man sollte es wirklich viel passender als Style bezeichen; die Menschen laufen hier ganz anders rum als an anderen Orten, an denen ich bisher war, die vermeintlichen "Styler" taeuschen ihre Hasser in dem sie eben nicht grossen Emblemen ihre begrenzte Welt zeigen, sondern in dem sie ungleich teurere Klamotten tragen, die in keiner Weise und zu keinem Zeitpunkt zusammenpassen, aber das auch ueberhaupt nicht als ihr erklaertes Ziel ausweisen und deshalb einfach schlicht und prunkvoll zugleich verdammt nochmal richtig gut aussehen.

Warum London so eine typische europaeische Grossstadt sein soll? Natuerlich zum einen, weil sie erwartbarerweise Parks, Moumentalbauten, Altbauten wunderschoensten viktorianischen Stils und Hochhaueser ihr Eigen nennen darf - ganz unter uns, alles Aufgezaehlte ist allerfeinster Mach-, Bau- und Denkart und wirklich unfassbar sehenswert - aber zum anderen auch, weil hier mindestens so viel Stress produziert, wie Kaffee gekocht und Fast Food produziert wird. Hochprofessionell. Waeren die Menschen, die in London leben Tiere, so wuerde Greenpeace alle Atomkraftwerke vergessen und nur damit beschaeftigt sein die U-Bahnen, die Stahlwerke des Stresses, solange zu bekaempfen bis auch die letzte dieser Spezies unfaehig ist je wieder ihr fuerchterliches Werk weiterzufuehren. Die U-Bahn schafft es die Menschen auf Smartphone bedienende Gestalten zu erniedrigen. Abgruende.

Und trotzdem bin ich fest davon ueberzeugt, dass jeder Mensch einmal neben Berlin, Rom, New York und Paris auch in London gelebt haben solle, wenn er versuchen will die Welt zu verstehen. Ich werdes versuchen.

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Kommentare

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    stimmt. Als ich nach London gezogen bin war alles so neu und "wow". Und nach drei Wochen hast du dich assimiliert, gewöhnt an den Takt, an das Pardon in der Tube, an Pret, EAT, und Pauls. Angel, City, Westend. Schöne Zeit.

    17.11.2010, 14:17 von DeanLebimski
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