Couchsurfing
Partnerbörse für notgeile Singles oder kultureller Austausch?
Das Konzept ist ebenso simpel wie auch genial- Reisende ohne großes Budget melden sich auf der Website an und können dort nach Hosts suchen, die ihre freie Couch für einige Nächte umsonst zur Verfügung stellen. Gleichzeitig lernt man so automatisch neue Leute in der fremden Stadt kennen. Im Gegenzug hilft der Surfer beim Hausputz oder geht Einkaufen, erzählt von sich und seinem Land, seiner Kultur, seinen Erfahrungen. Im Prinzip eine Win-Win-Situation. Trotzem bleiben Zweifel. Was, wenn der Host mehr erwartet als das? Wenn man bei jemandem landet, der absolut suspekt ist?
Ich habe bisher noch nicht viel über das Thema Coucsurfing gehört, aber es soll wohl "total super" sein. Ich beschließe, einen Selbstversuch zu wagen und melde mich auf couchsurfing.org an. Natürlich erstellt man zuerst einmal sein Profil, man beantwortet Fragen wie: "Philosophie?" oder "Teach, Learn, Share". Und dann geht auch schon das Surfen los...
Mein Prifil ist nun seit einigen Monaten aktiviert und gecouchsurft habe ich noch immer nicht. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass da immer ein bisschen mehr hinter steckt als sich nur kulturell auszutauschen. Meine Freundin erzählt mir von ihren Erfahrungen - und meine Erwartungen werden bestätigt. "Aber der Typ war auch super heiß! Ich hatte da echt nichts gegen!", versichert sie mir. Wie jetzt? Also ist Couchsurfing doch nur der unschuldige Name für den Austausch ganz anderer Sachen? Ich frage meine Freundin nochmal.
"Also, wie gesagt, bei dem Typen vor kurzem hatte ich wirklich keine Einwände, als er mir näher gekommen ist. Wir haben eben miteinander geschlafen, aber ich wollte es ja auch." - "Ist das schonmal vorgekommen? Du hast das ja jetzt schon häufiger gemacht, Couchsurfing." - "Naja, die meisten Hosts waren eben super lieb und nichts ist passiert. Es sei denn, beide wollen es, das ist nicht auszuschließen. Das heißt aber nicht, dass man sich jedes Mal auf einen sexuellen Überfall gefasst machen muss." - "Ist die das denn schonmal passiert? Dass dich jemand angegraben hat, obwohl du es nicht wolltest?" - "Leider ja. Aber du bist immernoch Herr über dich selbst. Wenn du 'Nein' sagst, dann ist es auch ein 'Nein'. Ich wurde einmal von diesem Kerl nachts angefasst und als er nicht aufgehört hat, habe ich eben auf dem Boden geschlafen und bin am Morgen schnell angehauen.".
Also gut, es ist Zeit, die eigenen Erfahrungen zu machen. Ein großer Vorteil ist es, dass man sich die Leute, mit denen man gerne surfen möchte, natürlich selber aussuchen kann. Im jeweiligen Profil bekommt man neben einigen persönlichen Daten auch Informationen über die "Schlafgelegenheit"- Ob seperat oder geteilt, Couch oder Bett. Zunächst suche ich in Melbourne nach passenden Hosts. Weil ich nicht auf Nummer Sicher gehen will, sondern gleich den Härtefall ausprobieren möchte, suche ich nach männlichen Hosts. Ich verschicke einige Anfragen und bekomme schon bald Antworten.
Zwei Tage später stehe ich also in der Wohnung von Leigh, 27, AFL Spieler. Zu meiner Enttäuschung ist er sehr sehenwert, nett und lustig. Wir haben beschlossen, uns ersteinmal auf neutraler Ebene zu treffen um zu sehen, wie wir miteinander klar kommen, weil ich vor habe, drei Nächte mit ihm zu surfen. Wir verstehen uns gut, die Zeit vergeht schnell. Mittlerwile ist es kurz vor Mitternacht und ich kündige meinen Aufbruch in das abgelegene Hostel an. Leigh bietet mir für diese Nacht seine Couch an. Dankend nehme ich an, wir haben schon ein wenig Goon intus.
Am nächsten Morgen wache ich neben ihm in seinem Bett auf und weiß nicht, was ich denken soll. Was hat mir diese Erfahrung nun gebracht? Voll ins Schwarze? Aber ich wollte es ja auch, wie meine Freundin schon sagte.
Kein bisschen klüger als zuvor geht meine Reise einige Tage später nach Adelaide. Neues Spiel, neues Glück. Diesmal habe ich, statt gezielte Anfragen zu verschicken, dem Schicksal freien Lauf gelassen und habe eine allgemeine, öffentliche Anfrage verschickt. Das heißt, jeder Host kann mich sozusagen in sein Zuhause einladen. Ich nehme die erste Einladung an: Michael, 22, Student.
Wieder stehe ich einem verlüffend gutaussehendem jungen Herrn gegenüber. Doch diesmal keine Annäherungsversuche. Wir verstehen uns blendent, ich wohne eine ganze Woche bei ihm. Wir lachen viel und unterhalten uns lange und nach kurzer Zeit fühlen wir uns schon wie gute Freunde. Na, geht doch!
Leider endet meine Erfahrung hier auch schon - es ist aber eine gute. Man verflichtet sich natürlich für nichts. Die ganze Idee beruht auf (Gast-)Freundschaft. Zu jeder gesendeten Anfrage bekam ich etwa 5 Einladungen. Es ist ein super Weg, neue Leute kennen zu lernen und gleichzeitig Geld beim Reisen zu sparen. Darüber hinaus kann man sich für einen kleinen Betrag auf der Website 'Vertifizieren' lassen, sodass man ausschießlich nach vertrauenswürdigen Hosts/Surfern suchen kann. Ich habe mir fest vorgenommen, so viele Surfer in Not wie möglich aufzuhenmen, wenn ich wieder in der Heimat bin, da man viele interessante, nette, schräge und lustige Menschen aus der ganzen Welt kennenlernt.
P.S. Momentan wohne ich in Adelaide, South Australia. Miete bezahle ich keine - ich wohne bei meinem Freund. Wie wir uns kennengelernt haben? Drei mal dürft ihr raten ;-)






Kommentare
Drüber nachgedacht hatte ich heute morgen auch, als ich die Meinungen im Radio gehört habe.
Aber wenn die rammeln wollen, brauch ich mich ja gar nicht als Host anmelden. Dafür bin ich viel zu hässlich und fett.
Schade. Da will man Gastfreundlich sein und dann sowas...
21.06.2012, 10:42 von Jingeling89Es geht ja eben nicht nur um sex SONDERN um gastfreundschaft.
22.06.2012, 06:35 von InaLinnBlendenter Text über eine spaßige Fickbörse. Es ist ein super Weg, neue Leute kennen zu lernen und gleichzeitig Geld beim Ficken zu sparen. Mal gucken, ob meine Frau was dagegen hat, Platz hätten wir.
21.06.2012, 10:04 von EliasRafaelZu wahr. Wie gesagt, es geht aber nicht nur darum, sondern tatsächlich eher ums reine Couchsurfen im ersten Sinne :)
21.06.2012, 10:09 von InaLinnIst halt superpraktisch, ich betatsch sie einfach, wenn sie Bock hat, dann macht sie mit, wenn nicht, trollt sie sich auf den Boden und ist schnell wieder weg morgens. Und wenn sie mir nicht gefällt, macht sie Hausarbeit.
21.06.2012, 10:13 von EliasRafaelAch Gott, so war das gar nicht gemeint :D
Icht wollte eigentlich die positiven Seiten darstellen aber eben mein eigentliches anfaengliches misstrauen darstellen...
21.06.2012, 10:22 von InaLinnIst doch auch positiv, Win-Win eben und kostet nichts, es sei denn, sie klaut
21.06.2012, 10:32 von EliasRafael