Coole Ferien!
Wer sich für seine Dosis WINTERROMANTIK nicht mehr auf den deutschen Treibhauswinter verlassen will, flieht besser in kältesichere Gefilde.
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Frieren am Fjord – Norwegen
Ganze sieben Tage schippern die Hurtigrutenschiffe an der norwegischen Fjordküste entlang. Von der Hansestadt Bergen bis nach Kirkenes an der russischen Grenze transportieren sie seit 114 Jahren Passagiere, Post und Lebensmittel. Wer sich im rauen Winter auf die Schiffsreise über den nördlichen Polarkreis hinaus begibt, bricht nicht nur in eine vernebelte Fabelwelt auf. Er stellt sich dem hartem Seewetter und an haltender Dunkelheit. Ein kurzer Lichtschimmer um die Mittagszeit, ansonsten gleiten die Schiffe durch bleiernes Graublau. Drei Tage, sagen die Norweger, brauche man, um sich daran zu gewöhnen. Die vorbeiziehende Fjordküste – zerklüftet, massiv und doch nur zu erahnen – gleicht geisterhaften Schemen. Trolle und Hexen, erzählt man den Kindern, sollen dort in Höhlen wohnen. Dass ein Reisender so ein Fabelwesen zu Gesicht bekommt, ist im lichtverwöhnten norwegischen Sommer übrigens so unwahrscheinlich wie im Winter.
Der Kältefaktor: An Deck ist es so ungemütlich, dass du deine Kajüte morgens am liebsten nicht verlassen möchtest. Ein eisiger Wind pfeift dir ins Gesicht. Schneeregen und Schnee wechseln sich ab. Die Feuchtigkeit, die sich in deiner Kleidung festsetzt, verstärkt die Schauer, die dir sowieso schon über den Rücken jagen. Dass die Klamotten auf der Fahrt noch mal ganz trocken werden, ist unwahrscheinlich. Die anhaltende Dunkelheit und das stete Schwanken machen das Hirn träge.
Die Minustemperatur: liegt in Kirkenes im Winter zwischen –10 und–30 Grad.
Du bist: ein Rucksackreisender, der von schwülen Sommernächten auf thailändischen Inseln die Nase voll hat.
Du bist nicht: anfällig für Seekrankheit und hungrig nach Licht.
Gefühlte Einsamkeit: mittel. Die Norweger nutzen die Schiffe wie einen schwimmenden Bus. Im Winter reisen aber weniger Touristen auf der Strecke als im Sommer.
Wenn die Kälte unerträglich wird: mit einem Becher dampfendem Kaffee vor eines der Panoramafenster im Schiffsinneren setzen. In Norwegen liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 8,8 Kilo im Jahr. Im europäischen Vergleich belegen die Norweger damit Platz 3 der Länder, in denen am meisten Kaffee getrunken wird.
Besser nicht: als blinder Passagier im Gepäckraum verschanzen – das klappt nur in Piratenfilmen und wird außerdem nach wenigen Minuten öde und ungemütlich.
Unbedingt: in Honnigsvåg aussteigen und an das eisige Nordkap-Plateau fahren.
Anreise: Die Tickets für die Schiffe können individuell und günstig direkt am Hafen in Bergen oder vorher bei dem Reiseanbieter Hurtigruten (hurtigruten.de) gebucht werden.
Kostet: Die siebentägige Reise von Bergen nach Kirkenes kostet um 555 Euro, inkl. Kabine und Halbpension. Wer ohne Kabine einfach nur von Kirkenes nach Tromsö fährt, zahlt 196 Euro.
Bibbern am Bahnhof – Russland
Mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau über das Uralgebirge bis nach Wladiwostok – das ist wie Winterkino. Während der Zug mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 58 Stundenkilometern dahintrödelt, ziehen am Abteilfenster die zugeschneite sibirische Taiga, schneebedeckte Birken- und Nadelwälder, frostige Städte und von Schneemassen unkenntlich gemachte Dörfer vorbei. Wer länger an Bord der Züge ist, so sagt man, vergisst die Zeit. Das liegt nicht nur da ran, dass die Transsib auf der Strecke insgesamt sieben Zeitzonen durchfährt und sich die Uhr unbemerkt mehrere Stunden vorschiebt. Sondern auch daran, dass sich durch das stete Rattern des Zuges, die unveränderten Winterbilder und die anheimelnde, rustikale Umgebung der Zugabteile ein fast meditativer Zustand einstellt. Der wird nur unterbrochen, wenn man sich auf den Bahnsteigen bei einem Zwischenstopp kurz die Beine vertritt und bei einem der Bahnsteighändler einen Teller mit heißem Borschtsch kauft, damit die Finger nicht abfrieren.
Der Kältefaktor: Du kommst nicht drum herum, den Zug zu verlassen, weil du dich auch mal bewegen musst. Auf den Bahnsteigen erwartet dich für eine halbe Stunde der sibirische Winter, und der tut weh. Eiskalte Luft schmerzt in den Atemwegen. Du ahnst diese Kälte schon, bevor du nach draußen trittst, denn dein Abteilfenster ist von einer Eisschicht überzogen, die du mühsam mit deinem kleinen Eiskratzer entfernst, um freie Sicht zu haben. Der Temperaturunterschied von etwa 50 Grad zwischen Abteil und Außenwelt kommt trotz dieser Vorahnung so plötzlich, dass du nicht mehr aufhören kannst zu zittern. Nach wenigen Minuten trollst du dich freiwillig zurück unter die Wolldecke und schlürfst deinen Borschtsch lieber drinnen als draußen.
Die Minustemperatur: liegt in einigen Regionen, die der Transsibirische Express durchfährt, bei stolzen –60 Grad.
Du bist: Nostalgiker. Fahle, von der Kälte gepeinigte Städte findest du schön, weil sie dein melancholisches Gemüt spiegeln.
Du bist nicht: klaustrophobisch veranlagt und ein Freund von Abwechslung.
Gefühlte Einsamkeit: mittel. Die Abteile sind klein, und Mitreisende kommen sich schnell näher.
Wenn die Kälte unerträglich wird: schnell russische Freunde suchen und Wodka trinken.
Besser nicht: bei einem Zwischenstopp rumtrödeln und den Zug verpassen. Das Ticket ist nur für den Zug gültig, für den es gebucht wurde. Und auf der Strecke ohne Russischkenntnisse ein neues Ticket zu kaufen, ist so gut wie unmöglich.
Unbedingt: schon beim Ticketkauf einen längeren Zwischenstopp in Irkutsk einplanen und einen Ausflug an den zugefrorenen Baikalsee machen.
Anreise: Die komplette Reise kann im Voraus über Reiseveranstalter gebucht werden. Die günstigere Variante ist allerdings, sich die Tickets in einer Jugendherberge in Moskau zu besorgen, zum Beispiel im Hostel Asia (hostels.ru). Das ist dafür aber auch komplizierter. Kostet: Das Ticket für eine Reise in der zweiten Klasse ist ab 547 Euro zu haben.
Frösteln im Freien – Schweden
Die beste Möglichkeit, sich im Winter in Schwedisch-Lappland fortzubewegen, ist auf einem Hundeschlitten. Von der nördlichsten Stadt Kiruna aus geht es direkt in die arktische Wildnis. Zu hören gibt es nichts außer dem gleichmäßigen Traben der Hunde im Schnee, das Knirschen der Schlittenkufen und den eigenen Atem. Wintermenschen erfahren eine Art Entzug, wenn ihnen die Ruhe der kalten Jahreszeit fehlt. Kälte und Ruhe erwarten die Reisenden in Lappland zur Genüge. Übernachtet wird in einer traditionellen Samihütte mitten im Nirgendwo. Keine Zentralheizung, dafür gibt es aber meistens eine kleine Sauna. Gegessen wird natürlich: gebratenes Rentier. Die Wahrscheinlichkeit, die Nutztiere der Samen – so heißt die skandinavische Urbevölkerung – auch lebendig und ungewürzt anzutreffen, ist sehr hoch.
Der Kältefaktor: Frost hängt in deinen Wimpern und Augenbrauen. Die Wangen sind vom Fahrtwind gerötet. Deine Finger sind vom Festhalten am Hundeschlitten und Lenken schon ein bisschen steif. In den Zehen hast du kein Gefühl mehr. Das stete Weiß der verschneiten Ebenen beginnt zu blenden. So viel Schnee auf einmal hast du nicht mehr gesehen, seit du ein Kind warst. Die Freude wird nur gedämpft von der trockenen Kälte, die sich unter deine Kleidung schleicht – die Winter im arktischen Lappland sind mit die härtesten in Europa.
Die Minustemperatur: liegt zwischen –10 und –20 Grad.
Du bist: ein Freund von unberührter Natur. Auch wenn sie auf andere monoton wirkt.
Du bist nicht: ungern abgeschnitten von jeglicher Zivilisation, Vegetarier oder allergisch gegen Tierhaare.
Gefühlte Einsamkeit: sehr hoch. Nachts in der Samihütte hört man nichts außer dem Jaulen der Schlittenhunde – oder der Wölfe. Und es kommt auch niemand zu Besuch.
Wenn die Kälte unerträglich wird: Holz im Ofen nachlegen und immer dran denken: Morgen ist es vorbei – und das unheimliche Knacken kommt wirklich nur von der Holzhütte.
Besser nicht: Vor dem Ausflug einen dieser US-amerikanische Teeniehorrorfilme anschauen, in dem ein paar Freunde in einer abgeschiedenen Hütte übernachten und dann …
Unbedingt: zum Langlauf oder Trekking in den Abisko Nationalpark weiterreisen, wenn man die Zeit hat.
Anreise: Von Stockholm fahren Nachtzüge nach Kiruna. Wer schneller da sein will, kann auch einen Inlandsflug buchen.
Kostet: Den »Schnuppertrip« mit dem Hundeschlitten durch Lappland gibt es ab 85 Euro.
Frieren auf dem Futon – Japan
Shiretoko heißt so viel wie: das Ende der Erde. Kein freundlicher Name für ein Wellnessparadies. Nach einem Spaziergang in den verschneiten Wäldern des Shiretoko-Nationalparks, vorbei an Wasserfällen und zugefrorenen Seen können sich Männlein und Weiblein getrennt in den Badewelten der traditionellen Onsen entspannen. Die aufwendig angelegten Becken speisen sich aus heißen Quellen, und wie überall auf der Welt sagt man ihnen eine heilende Wirkung nach. Im Winter kommt nebenbei ein praktischer Aspekt dazu: Die Japaner heizen ihren Körper in den Onsen noch mal auf, bevor sie schlafen gehen. Für alle, die in einer traditionellen Familienpension, einer sogenannten »minshuku«, schlafen möchten, ist das auch ratsam: In den schlichten Gästezimmern gibt es zwar einen Futon und wärmende Decken, aber keine Heizung. Von Januar bis März treiben dicke Eisschollen an der Küste des Ochotskischen Meeres entlang, die Reisende in kleinen Expeditionsgruppen erkunden können.
Der Kältefaktor: Manche Reiseveranstalter raten von einem Wintertrip nach Shiretoko ab. Wegen der heftigen Schneefälle, der eisigen Kälte und der Verständigungsschwierigkeiten, mit denen die wenigen nicht japanischen Touristen konfrontiert sind. Auch wegen der un bekannten, aber binden den Traditionen, in denen du dich zurechtfinden musst. Sprich: wegen allem, was Wintersuchende sofort auf die Halbinsel zieht: Einsamkeit, Kälte, Schnee und eine unbekannte Welt, die es zu entdecken gilt.
Die Minustemperatur: steigt im Januar und Februar nie über –3 Grad.
Du bist: ein hartgesottener Weltenbummler mit Wellnessfaible – und einer soliden Reisekasse.
Du bist nicht: kontaktscheu und ängstlich, wenn niemand versteht, was du von ihm möchtest.
Gefühlte Einsamkeit: sehr hoch. Wer kein Japanisch spricht und mit den Umgangsformen des Landes wenig vertraut ist, fühlt sich jenseits von Megacitys wie Tokio schnell verloren.
Wenn die Kälte unerträglich wird: in einem Onsen baden, bis die Hände schrumpelig sind.
Besser nicht: nachts nach einem Glas Sake zu viel auf eigene Faust in Richtung Treibeis wandern. Das kann zu einer ungewollten Verlängerung des Urlaubs führen – oder zum Tod durch Erfrieren.
Unbedingt: Wer im Februar nach Hokkaido
reist, sollte ein oder zwei Tage in der Flughafenstadt Sapporo einplanen, um dort auf dem Snow-Festival Gebäude und Skulpturen aus Eis zu bewundern.
Anreise: Japan Airlines oder Lufthansa fliegen von Frankfurt nach Tokio. Von dort geht es mit dem Zug oder einem Inlandsflug weiter bis nach Sapporo, dann in die Städte Utoro oder Rausu auf Shiretoko. Mit dem günstigen Japan-Railpass können Touristen fast jeden Zug nutzen – den Pass gibt es allerdings nur außerhalb Japans zu kaufen.
Kostet: Ein Flug nach Japan kostet im Winter um die 800 Euro, der Japan-Railpass etwa 230 Euro für sieben Tage.
Auskühlen auf der Alp – Schweiz
Wieso nicht gleich im Eis schlafen? Kurzentschlossene können in der Schweiz für ein bis zwei Tage das Mütchen kühlen – in der Abgeschiedenheit eines selbstgebauten Igludorfes. Mit Anbietern wie iglu.ch fahren Hobby-Eskimos auf einen Biwakplatz in den Alpen und lernen dort, wie sie ihre eigene Schneewohnung bauen. Wie eine Spirale werden die eisigen Blöcke in immer kleineren Kreisen gestapelt. Eine bessere Möglichkeit, den winterlichen Spieltrieb zu befriedigen, gibt es nicht.
Der Kältefaktor: Im Iglu schläfst du bei kuscheligen 0 bis 1 Grad, nachdem du den ganzen Tag mit deinen Händen im Schnee gewühlt hast. Wie erfrischend.
Die Minustemperatur: liegt im Schnitt bei – 4 Grad.
Du bist: jemand, der davon träumt, Eislöcher zu sägen und sich von Fischfett zu ernähren.
Du bist nicht: jemand, der seine Federkernmatratze und den Heizlüfter vermisst – der würde übrigens das Iglu zum Schmelzen bringen und in ein Eisbad verwandeln.
Gefühlte Einsamkeit: gering – bis die Dunkelheit hereinbricht und die schimmernde Igluwand selbst das kleinste Geräusch schluckt.
Wenn die Kälte unerträglich wird: in den wintertauglichen Schlafsack kuscheln – ohne hat man selbst mit literweise kochend heißer Brühe in der Thermoskanne verloren.
Besser nicht: nachts bei akutem Durst am Iglu lecken.
Unbedingt: abends eine Lampe im Iglu anzünden und von draußen stolz die in der Dunkelheit glimmende Halbkugel bestaunen. Das ist dein Werk!
Anreise: Das Iglu-Wochenende kann im Internet bei iglu.ch gebucht werden. Für einzelne Teilnehmer sind die Termine in der Regel festgelegt, individuelle Gruppenreisen sind nach Absprache möglich.
Kostet: Einmal Iglubauen in der Mettmen-Alp für Gruppen bis zu fünf Personen kostet 220 Franken, das sind etwa 135 Euro.







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