lilko 21.04.2012, 01:56 Uhr 29 7

Budapest von A bis Z

Falls man sich verirrt.

A wie Ausländer. Touristen sind in Budapest grundsätzlich beliebt und solang du kein Faible für Trainingsanzüge, Goldkettchen oder Schläfenlocken und Kipas hast, kann es sogar passieren, dass sie dir den richtigen Weg zeigen oder dich nicht von der Rolltreppe schubsen.


B wie Bäcker. Es gibt in Budapest kein Brot. Das hellgelbe, außen krustige und innen staubig-pampige Zeug, das in den Auslagen liegt, nimmt man dann, um Käse oder Salami drauf zu legen. Alternativen: Hörnchen. Die schmecken super.


C wie Clown Nein, ich meine nicht die Zirkusclowns, die mit roten Nasen und übergroßen Schuhen Kinder zum lachen bringen. Ich meine den Typen, der im Parlament sitzt und sich auf einer Riesendosis Psychopharmaka und Unikum blödsinnige Gesetze ausdenkt.


D wie Donau. Das ist ein Fluss, der durch Budapest fließt und dafür sorgt, dass es hier schöner ist als in Paris. Nachts leuchten die Brücken auf wunderschöne Art und Weise (gelegentlich kam man Selbstmördern dort beim Selbstmorden zusehen) und tagsüber trifft man am Ufer gutaussehende Typen, die Weißweinschorle trinken und dir Dylan- Gedichte vorlesen. 


E wie Eingesperrt werden kann man hier für ziemlich viele Dinge, also solltest du echt aufpassen. Setz dich ja nicht auf irgendwelche Parkbänke oder sonstiges öffentliches Eigentum, das könnte zu bösen Missverständnissen führen. Rauche niemals an Bushaltestellen oder in der Nähe von Bildungsstätten /sozialen Einrichtungen. Hör auf Drogen zu nehmen, nackt durch die Gegend zu rennen oder hübsche Bilder auf U-bahn Waggons zu malen. Am besten hörst du einfach auf, Spaß zu haben.


F wie Fahrrad. Rad fahren ist in Budapest lebensgefährlich.Radfahrer werden von allen gehasst und es gibt ca. einen halben Fahrradweg in der ganzen Stadt. 


G wie Gebäude. Sind hier sehr alt und sehr schön. Am besten du ziehst dir was protziges an und guckst dir die Oper von innen an, schießt dort ein paar Fotos vor der vergoldeten Seidentapete und erzählst dann überall rum, du hättest einen Mafiaboss geheiratet.


H wie heiße Frauen. Zugegeben, die meisten sehen aus wie minderjährige Prostituierte oder lebendige Mangafiguren, aber wenn man an den richtigen Stellen sucht, findet man hier Exemplare des weiblichen Geschlechts, die man nie wieder vergisst. 


I wie Interessante Dinge kann man hier haufenweise erleben. Es reicht eigentlich schon, sich nur für 5 Minuten irgendwo an eine Straßenecke zu stellen, und zack schon hat man haufenweise witzige Geschichten auf Lager, die man seinen Freunden erzählen kann. Nur ob sie dir dann glauben, dass die zwei Tauben wirklich mit dem toten Hund weg geflogen sind, während ein nackter Obdachloser Trompetespielend auf dem Dach der gotischen Kirche saß, ist fraglich. Diese dämlichen Spießer.


wie Jugend. Hängt überwiegend in irgendwelchen Stadtparks oder heruntergekommenen Ruinenkneipen rum. Ein großer Teil versucht irgendeiner Hippie- Szene zugehörig zu sein, die meisten trinken wässriges, ungarisches Bier und rauchen Joints oder wahlweise Pall Mall Menthol. Wenn du nett zu ihnen bist, laden sie dich auf merkwürdige Homeparties ein, bei denen es Schmalzbrote mit Gurken gibt und die Mädchen ihre T-Shirts ausziehen.


K wie Kalorien. Versuch gar nicht erst, hier irgendeine merkwürdige Diät zu machen, auf deine Figur zu achten oder gesund zu leben. Die Ungarn lieben fettiges Essen. Nein, ich meine wirklich fettiges Essen. Und was anderes gibt es nicht. Sogar der Salat wird frittiert. Also gibs auf. 


L wie Lebensfreude. Das Wort wirst du in einem ungarischen Lexikon nicht finden. Und fang gar nicht erst an, davon zu reden, die Ungarn verstehen das eh nicht. Hier wird selten gelächelt, es gibt auch nichts, worüber man lächeln sollte und das einzige, was die Leute hier wirklich gut können ist sich selbst zu bemitleiden. Im Ernst. 


M wie Mode. Junge Designer gibt es hier wie Geschlechtskrankheiten in Swingerclubs. Haufenweise. Erstaunlicherweise machen die echt ganz coole Sachen, die zwar vollkommen überteuert sind, aber falls du aus einem unerfindlichen Grund echt nicht genug Geld hast, kaufst du dir einfach einen lustig bedruckten Jute-beutel. 


N wie Nazis. Erkennt man leider nicht am äußeren Erscheinungsbild. Nazis tragen hier gelegentlich auch gerne gebatikte Strickpullis und Dreads. Die ganz gefährlichen tragen aber Uniformen und schwere Stiefel und meistens schleppen sie die ungarische Fahne mit sich rum. Außerdem haben sie eine eigene Taxilinie.


O wie Ostblock. Niemals sagen, immer denken. Die Zustände hier können am Anfang recht erschreckend sein, kommt aber natürlich immer auf das Viertel an. Niemals von einfüßigen, aggressiven Tauben, aufdringlichen Pennern, brennenden U-bahnen oder übermäßigem Müllgestank verschrecken lassen. Entdecke die Stadt hinter der Fassade.


P wie Paris. Jawohl, das hier ist das Paris des Ostens. Wir haben keinen merkwürdigen Stahlturm ohne Zweck, Herr Eiffel war so nett, uns einen Bahnhof zu bauen, der so viel schöner und sinnvoller ist. Ansonsten gibts hier auch haufenweise guten Wein, super Liebhaber und Leute, die Sachen anzünden.


Q wie Queer. Schwule gitbs hier offiziell nicht. Die werden fast so sehr gehasst wie Zigeuner und das Wort selbt sorgt selbst bei erwachsenen Männern immer noch zu kindischen vorurteilsbeladenen Witzen, die anscheinend kein Ende nehmen. Was nicht heisst, das es keine Schwulenbars gibt, man muss sie nur lange genug suchen.


R wie Ruhe. Hast du hier nie. Kriegst du nicht. Gibt es nicht. Die Ungarn trinken gerne, sind laut, fahren gerne und viel Auto und schreien andauernd mit ihren Verwandten und Freunden rum. Schlafen kannst du, wenn du tot bist.


S wie Schwimmen. Die türkischen Bäder sind weltberühmt, wirklich wunderschön und super entspannend. Einziger Nachteil: Die Ungarn haben noch nie was von FKK oder auch einfach nur Fortschritt gehört und sind immer noch genauso prüde wie vor hundert Jahren. In der Sauna bleibt das Badehöschen an und Badekappenpflicht gilt sogar im Freibad.


T wie Tanzen. Macht man hier gerne, kann das Jungvolk in Budapest auch ganz gut. Am liebsten auf Lifekonzerten unbekannter ungarischer Bands, die die sechziger Jahre wieder aufleben lassen. 


U wie Unterschicht. Das sind all die, die nicht jeden Abend in bescheuerten weissen Limousinen  feiern gehen. Zumindest für die, die drin sitzen und ihre Möpse in eine Svarowski Schüssel voll mit Koks tunken. 


V wie Vögeln. In den U-bahn Stationen hängen haufenweise gealterte Nutten rum, falls du betrunken auf die Idee kommst, das Tripper etwas tolles ist. Ansonsten solltest du besser in eine Hippe Bar gehen und irgendeine Einheimische mit nach Hause nehmen, von der ihr beide wisst, das sie viel zu gut für dich ist. 


W wie Wälder. Hier gilt das selbe wie in Kambodscha. Ja nicht vom Weg abkommen. Nur das hier keine Minen rumliegen, sondern so viel Hundescheisse, das man seine Schuhe nach einem Spaziergang wegschmeissen kann. 


X steht für die zwei Küsse, mit denen sich Ungarn grundsätzlich begrüßen. Manchmal auch Männer. Ist am Anfang verwirrend, aber auch nicht schlimmer, als die Frauen, die sich andauernd kreischend umarmen oder die Typen, die sich tausendmal mit der Faust irgendwo hinboxen.


Y- Chromosom. Wenn man die ganzen geschlechtslosen, auberginefarbenen, V-pullis tragenden Jurastudenten sieht, vergisst man das, aber die Kerle in Budapest sind eigentlich sehr männlich. Sie spielen in Bands, tragen Bärte, die meisten sind tätowiert und alle - wirklich alle- können drei Tage am Stück Schnaps trinken, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Der dummdämliche Humor der meisten sowie die unverschämte Art und Weise, wie sie Frauen hinter her pfeifen oder auf den Arsch hauen, erledigt den Rest.


Z wie Zebrastreifen. Dienen hier nur zur Dekoration. Kein Schwein interessiert sich für Zebrastreifen, Ampeln oder Achtung Schule- Schilder.

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29 Antworten

Kommentare

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  • 0

    das mit dem fettigen essen ist in der slowakei aber sehr viel schlimmer. damit schützen sie sich vor dem alkohol, den sie sich pausenlos einverhelfen. gesehen bei lehrern einer sekundarstufe.

    08.04.2013, 10:58 von mo_chroi
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  • 0

    Das war mal wirklich sehr interessant und unterhaltsam zu lesen. Dein trockener, schwarz-humoriger Stil gefällt mir.

    Aber in ein besonders sympathisches Licht tauchst Du Deine Stadt nicht.
    Wirklich Lust auf einen Besuch bekomm ich da nicht.

    04.04.2013, 09:17 von Pixie_Destructo
    • 1

      Echt nicht? Die Sache ist die, jeder Reiseführer ist doch mit so viel unwichtigem Mist vollgepumpt, den man sich eh nie anschauen wird, wenn man mal da ist. Wenn ich in ein Land oder eine Stadt komme, die ich nicht kenne, dann will ich viel lieber die Menschen dort kennen lernen ... und auch, was sie über ihr Land denken. In Budapest gehts gerade ziemlich beschissen zu, das heisst aber nicht, dass ich diese Stadt nicht liebe. Ich würd auf jeden fall jedem, der vll nochmal hierher kommen möchte, empfehlen, das zu tun, bevor die hier ne mauer bauen oder so. 

      04.04.2013, 12:56 von lilko
    • 0

      Das meiste klingt halt doch für mich eher abschreckend.
      Und klar, keine Stadt/kein Land ist nur schön und toll. Das stimmt wohl.
      Die schwierige poltische Lage ist natürlich auch so'n Ding.

      Ich glaube, als Einheimischer hat man auch immer noch einen anderen Blick auf die Dinge, als jemand, der sich nur die Stadt angucken möchte.
      Man gewöhnt sich an vieles und hat selbst die Macken lieb gewonnen.

      Wie gesagt, ich find den Text super, weil er eben ein ungeschöntes Bild zeichnet. Aber ich hab mich schon ein paar mal gefragt, was es denn eigentlich ist, was einen da hält.
      Das Positive war mir eben zu wenig, als dass ich es hätte nachvollziehen können.

      Oder ist es die Familie, die ungarischen Wurzeln?

      04.04.2013, 13:17 von Pixie_Destructo
    • 0

      Familie, Wurzeln, ja. Waren zumindest mal ein Grund, hierher zu kommen. Im Moment hält mich mein Studium noch hier, ab Juni bin ich dann auch weg. Es ist zwar traurig, aber hier dauerhaft zu leben, würde ich keinem empfehlen. Hier her zu kommen, um sich das ganze mal einzuverleiben, wie ein großes, blutiges Steak: Auf jeden Fall!

      04.04.2013, 15:16 von lilko
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  • 1

    mich hat budapest bis dato nie wirklich interessiert. obwohl es nur knappe 200km entfernt liegt. viele meiner freunde haben mir schon oft über budapest etwas erzählt, wie schön es doch ist, mich überreden wollen mitzukommen, aber niemand hat es bis jetzt geschafft, dass ich auch dort mal hin will. jetzt aber, wo ich deinen sehr menschlichen reiseführer gelesen habe, werde ich aufmachen um budapest und seine budapestianer zu erleben. danke dafür!

    04.04.2013, 08:54 von SADandBEAUTIFUL
    • 0

      hallo? 200km! du bist österreicher!!!! :P

      aber noch viel schlimmer:

      Hallo?!!!! 200km?! und du warst noch nicht dort?! oidaaaaaaaaaaaaaa! :))))

      04.04.2013, 09:10 von pocket
    • 0

      wie, ich bin österreicher? ja sag einmal! kann man nicht mal hier geheim sein?


      nein, aber in bratislava war ich dafür öfters. sind nur knappe 50 km ;)

      04.04.2013, 09:39 von SADandBEAUTIFUL
    • 0

      gut, du könntest auch kein österreicher sein, lebst aber hier:P

      und ich behaupte mal... ich kann soooogar das bundesland bestimmen, höhööööö!

      auch... is mim zug gut zu erreichen:)

       

       

      04.04.2013, 09:47 von pocket
    • 0

      hier? du auch leicht? also hier, da?


      na gut, das ist aber jetzt nicht schwer. gibt eigentlich mit wien nur drei, die zur auswahl stünden ;)


      was is mim zug gut zu erreichen? budapest?

      04.04.2013, 09:54 von SADandBEAUTIFUL
    • 0

      ich glaube wir teiln es uns... das bundesland:)

       

      bratislava.

       

       

      04.04.2013, 10:03 von pocket
    • 0

      neeeeeee....tun wir nicht. gaaaaaaaaaaaar nicht.


      ja, das stimmt. du bist sehr klug ;)

      04.04.2013, 10:26 von SADandBEAUTIFUL
    • 0

      niiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeee!

       

      voll kluk! mit ka stimmts eher:P

      04.04.2013, 13:40 von pocket
    • 0

      ok, du bist sehr kluck!

      04.04.2013, 13:49 von SADandBEAUTIFUL
    • 0

      oooohne c! das is scho wieda zvü!

      04.04.2013, 15:39 von pocket
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  • 0

    P wie Paprika. Nix Paris. Unmengen von paprika gibts da!

    26.03.2013, 17:46 von independentdreamer
    • 0

      Ja, aber das fällt ja jedem ein :)

      03.04.2013, 23:20 von lilko
    • 0

      D wie Donau doch auch :P

      04.04.2013, 09:36 von independentdreamer
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  • 0

    Manches könnt ich zwar unterschreiben...mit Bleistift... ,aber insgesamt wird's der tollen Stadt nicht ganz gerecht.Schade.. oder beabsichtigt? Denn sie scheint dir doch eigentlich zu gefallen ;)

    26.04.2012, 19:05 von schokocrisp
    • 0

      Das ist schon beabsichtigt, sicher hast du Recht, aber mir ging es ja genau darum, eben auch mal ein paar andere Seiten aufzuzeigen...und manches auch ein bisschen sarkastisch zu betrachten. Wenn man lange genug hier lebt, dann geht das auch gar nicht anders, finde ich

      01.05.2012, 17:17 von lilko
    • 0

      Das kann ich mir wiederum gut vorstellen, ja. Sarkasmus ist da teilweise auch fast..überlebensnotwendig, um es mal übertrieben zu formulieren ;).
      Seid wann lebst du in Budapest?
      Ich war zehn Monate in Pécs.. und hab Budapest immerhin einige Male nen Besuch abgestatten können :)

      03.05.2012, 19:01 von schokocrisp
    • 0

      Ja, da hast du recht ;) Seit ca. vier Jahren. 

      03.05.2012, 23:31 von lilko
    • 0

      ich finde für 4 jahre budapest ist das ein schon sehr gelungener text! in vielen sachen leider wahr - manchmal etwas übertrieben.

      13.08.2012, 19:44 von _leelo
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  • 0

    Alter, mach die Fehler raus!

    21.04.2012, 15:47 von Surecamp
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  • 0

    Das Paris. Nicht der. Mist.

    21.04.2012, 01:59 von lilko
    • 0

      Und die restlichen Fehler. Auch Mist.

      21.04.2012, 02:01 von lilko
    • 0

      Nö. ist beunahe wie immer ziemlich gut.

      21.04.2012, 02:13 von Steifschulz
    • 0

      Okay. Nach fünf Bier und ebenso vielen Wodka treffe ich das Komma und das "i" nicht mehr. So what?

      21.04.2012, 02:15 von Steifschulz
    • 0

      Yeah! :)
      Bin letzten Sommer mit zwei Freunden und zwei Tramperinnen in nem alten VW-Bus zum ersten mal in diese wunderbare Stadt gekommen.
      3 Tage (oder anders ausgedrückt: eine Inside-Bar-Erfahrung, eine Stadtführung, eine Parkkralle und eine Einladung in ne fremde Künstler-WG) später gings für uns weiter, aber ich komme wieder! :)

      26.03.2013, 01:54 von Unresting
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