Alceste 05.04.2012, 11:58 Uhr 24 2

Projekt "Gläsernes Auge"

Google optimiert deine ganz persönliche Alltagserfahrung. Nicht für Geld. Für dich.

Dauerwerbeprojekt Gläserner Mensch:

Sie hatten schon immer ein Faible für Sherlock Holmes und haben sich gefragt, wie ein Mensch so viele Indizien sammeln konnte?
Sie konnten sich noch nie auch nur zwei Termine gleichzeitig merken und wollten keinen nuschelnden Butler einstellen? Schreibarbeit ermüdet Sie?
Sie wollten schon immer ihren tollpatschigen Partner beim Koitus filmen, ohne ihn umständlich fragen zu müssen? Sie wollten schon immer wissen, wie das Wetter ist, ohne durch das nächste Fenster blicken zu müssen? Sie halten die Gestapo für unbefangene, besorgte und gewissenhafte Datenanalysten ihres Vertrauens? Sie sind Philanthrop und brennend an ihren Mitmenschen interessiert? Dann haben wir da was für Sie. Wir haben Dank ihrer schweigenden Zustimmung etwas vorbereit, das maßgeschneidert zu Ihnen passt. Es wird Ihr Leben auf ganz besondere Weise bereichern: Wir dürfen Ihnen heute voller Stolz unser neues Projekt "Gläserner Mensch" zur Alltagsoptimierung vorstellen: Googles "Gläsernes Auge", eine "Brille mit Micro-Display und Kamera, das dem Träger zur Unterstützung durch Augmented Reality verhilft." Kann es noch besser werden?

Sie sitzen im Café und wollen wissen, wer der atttraktive Mensch am Nebentisch ist, trauen sich aber nicht zu fragen? Nichts leichter als das; wir lösen alle ihre Probleme: Fixieren Sie ihn mit dem Gläsernen Auge, sprechen Sie leise "Identifizierung" und et voilà: Es handelt sich laut eigener Angabe bei Facebook um Viola Vitrum, 25, Studentin der Psychologie, am 4. Juli 1986 in Hannover geboren, Eltern geschieden, Vater Professor für utopische Geschichte, Mutter Tyrannen-Erzieherin; sie liebt Urlaub in Spanien, hört Musik "Querbeet" und hat als Hobbys Party, Shoppen, Singen und Briefmarken-anlecken angegeben. Sie schätzt französischen Wein, Taschen von Louis Vuitton und hält Castingshows für eine mitunter doch ertrebenswerte Form von Basisdemokratie. Sie hat sich Engelsflügel tätowieren lassen und ein Piercing in der linken Brustwarze: "Leben heißt Schmerz erdulden" hat sie unter das Foto geschrieben. Ihre Freundin Constance ist gerade schwanger von ihrem Ex Gunnar und will sie in diesem Café in einer halben Stunde zu einem vertraulichen Gespräch unter Frauen treffen. Viola wird vermutlich einen Latte Macchiato trinken, Constance wird basierend auf ihren hochgestellten Fotos mindestens zwei Tassen Cappuccino schlürfen. Du hast also genug Zeit, die beiden noch näher kennenzulernen. Und damit wir dir auch in Zukunft noch besser helfen können, speichern wir alle deine gesammelten Daten und halten dich für immer auf dem Laufenden. Du hilfst uns, die Menschen zu verstehen, wir helfen dir, bewusst zu sehen.  

Doch, Moment. Der junge Mann mit dem Espresso dort hinten in der Raumecke lässt sich nicht identifizieren. Hat er etwas zu verbergen? Hey, junger Mann, Sie haben doch nichts zu verstecken, oder?! Wollen Sie sich etwa aus der Menschengemeinde stehlen? Nachdem wir so viel für Sie getan haben? Obwohl wir noch so viel für Sie geplant haben? ...Na, sehen Sie, nun sehen auch Sie.

Googles Gläsernes Auge. Weil Neugierde, Fortschritt und Verantwortungsbewusstsein sich nicht ausschließen müssen.


(http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-Project-Glass-Augmented-Reality-per-Brille-1512689.html)

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24 Antworten

Kommentare

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  • 3

    Ich bete schon längst nicht mehr zu Gott, ich bete zu Google. Google beantwortet mir wenigstens meine Fragen.

    06.04.2012, 14:44 von JackBlack
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  • 3

    ich finde dieses thema unglaublich interessant. in mir schütteln sich skepsis und neugierde die hand.

    06.04.2012, 13:14 von mo_chroi
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  • 0

    Wenns dich stört, kannst du ja schon mal anfangen, nicht mehr deine gesammelten Gedanken bei neon öffentlich auszulagern. Wer weiß, was die bösen Mächte sonst noch damit anstellen werden.

    06.04.2012, 12:39 von MisterGambit
    • 0

      Geschätzter MisterGambit, ich weiß nicht, wie ich auf deinen Kommentar reagieren soll. Basierend auf nur diesem würde ich dich für einen Forentroll halten und mir dementsprechend keine Mühe geben, dir die Ignoranz deines Kommentars begreifbar zu machen. Aber wenn es dir wirklich um eine - wenn möglich sachliche - Diskussion des Textes gehen sollte, dann bist du herzlich eingeladen, mir eine private Nachricht zu schicken. Die bösen Mächte werden zumindest auf diesem Forum, so ich da naiverweise nicht falsch liege, nicht mitlesen.

      06.04.2012, 13:14 von Alceste
    • 1

      Es ist ja nun nicht so, als würdest du dich sachlich mit der neuen Technik auseinander setzen, du schreibst eine simple, skeptische, ängstliche Polemik. Auch durch die extrem stereotype Café-Szene. Ist dir ja ungenommen.


      Aber es gab schon bei Sokrates und Platon die Befürchtung, die Schriftlichkeit würde dem Menschen zum Nachteil reichen. Die Technik kann man auch einfach als weiteren Schritt sehen, neue Möglichkeiten für Bildung, Alltagshilfe etc zu erkennen.

      Ich gehe durch ein Museum und kann über die Brille live Informationen zu Bildern, zur Machart, zu Details abrufen. Ich kann mit meinen Kindern durch eine Stadt laufen und sie lernen was über die Bauwerke. Ich kann in einem fremden Land, dessen Sprache ich nicht beherrsche, Straßenschilder und Ladeninformationen übersetzen lassen...

      Die Angst davor, dass die Technik missbraucht wird, uns einzwängt, unfrei macht, die Persönlichkeitsrechte verletzt... dafür braucht es keine Brille, das passiert sowieso ständig, oft wird es nur nicht erkannt. Da empfehle ich dir als Einstieg z.B. mal  die Arbeiten von Foucault über Macht und Ordnung.




      06.04.2012, 13:58 von MisterGambit
    • 0

      Zu dem, was ich über das veröffentlichen dieses Artikels meine: Wenn wir eine technokratische Diktatur hätten, würde es leicht sein, deine Privatperson als Autor dieses Artikels zu identifzieren, man könnte die Art deiner Sprache und dein Ausdrucksvermögen analyiseren um Rückschlüsse auf deine Bildung zu ziehen, man könnte, wenn man es wollte, Rückschlüsse auf deine politische Meinung schließen und dich dafür, wenn man es wollte, haftbar machen.


      Ist ein abstrustes Szenario? Das was du beschreibst aber auch.

      06.04.2012, 14:01 von MisterGambit
    • 1

      Übrigens empfehle ich dir die Browser-App Ghosterly, die blockt alle Skripte, die ablaufen, wenn man auf Neon surft. Die tracken dein User-Verhalten und senden es an Google und so weiter. So wissen die jederzeit, was du gerade aufrufst, anklickst, und können ein User/Interessensprofil erstellen, wenn sie wollen.


      Beim Aufruf deines Artikels blockt Ghosterly 10 Skripte. U.A. Infoonline, google analytics, pinterest oder ominture. 

      06.04.2012, 14:04 von MisterGambit
    • 1

      Ghostery

      06.04.2012, 14:07 von MisterGambit
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    • 1

      Es geht ja doch: Konstruktive Kritik ohne ein Übermaß infantiler Unterstellungen und persönlicher Angriffe. Wenn wir so weitermachen, wird das vielleicht eine spannende Diskussion.

      Zu deinen Punkten:
      1. "Es ist ja nun nicht so, als würdest du dich sachlich mit der neuen Technik auseinander setzen"
      --> Das ist in der Tat nicht so und daher fein von dir beobachtet. Es ging mir auch nicht darum, mich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen, sondern vielmehr um die moralischen und psychologischen Implikationen dieser Phänomene.

      2. "du schreibst eine simple, skeptische, ängstliche Polemik."
      --> Du findest sie simpel, ich nicht. Wenn du damit sagen willst, dass es keine 400-seitige, wissenschaftliche Abhandlung auf der Höhe der Forschung ist, dann gebe ich dir Recht. Du hältst sie für skeptisch, GENAU DAS soll sie sein. Soweit du mir nicht beweisen kannst, inwieweit Skepsis hier nicht angebracht ist, kann ich das kaum als Kritikpunkt begreifen. Eine ängstliche Polemik sieht meines Erachtens anders auf, sparen wir uns also diese reißerischen Begriffe. Und vielleicht können wir uns darauf einigen, dass in diesem kurzen Text gewisse Missstände mit einem leichten Anflug von Sorge bedachtund betrachtet werden; es hat nichts mit irrationaler Angst oder Panik zu tun.

      3. "Auch durch die extrem stereotype Café-Szene."
      --> Ernsthaft? Ist das ein Argument? A) Zwei Leute sind keine Szene. B) Ich bezweifle, dass du entscheiden kannst, welche sog. "Café-Szene" stereotyp ist und welche nicht. Es gibt zig Cafés, zig Leute und zig Szenen. Es geht hier nicht um eine Szene.

      4. "Aber es gab schon bei Sokrates und Platon die Befürchtung, die
      Schriftlichkeit würde dem Menschen zum Nachteil reichen. Die Technik
      kann man auch einfach als weiteren Schritt sehen, neue Möglichkeiten für
      Bildung, Alltagshilfe etc zu erkennen."
      --> Bei Platon im Phaidros, ja, habe ich auch gelesen. Einigen wir uns darauf, dass wir beide Namen nennen können. Punkt ist: Platons bzw. Sokrates Argumente im platonischen Dialog berühren einen nicht unwesentlichen Punkt, der auf die mentalen bzw. philosophischen Fähigkeiten des Menschen zielt. Insbesondere geht es u.a. um das Üben des Gedächtnisses und den Unterschied zwischen der (angeblich) starren Textform und der mit Menscheneinschätzung verbundenen, lebendigen Rede, etc.pp.  Das als reaktionäre Technikphobie abkanzeln zu wollen, geht m.E. an der Sache vorbei und hat zudem hier in diesem Kontext nichts zu suchen. Und wer sagt, dass ich oder andere "Skeptiker", um deine Wortwahl aufzugreifen, der Technik nicht bejahend, ausgenommen bejahend gegenüberstehen? Nur weil ich in einem Text gewisse Problempunkte einer Technik berühre, bin ich technophob oder wie soll das Argument sein?

      5. "Ich gehe durch ein Museum und kann über die Brille live Informationen zu Bildern, zur Machart, zu Details abrufen."
      --> Nicht, dass man das mit Audioguides machen könnte. Aber davon ab: Solange die Brille nur dies könnte, würde ich sich wohl auch kaum einer beschweren. Allein, darum geht es eben nicht.

      6. "Ich kann mit meinen Kindern durch eine Stadt laufen und sie lernen was über die Bauwerke."
      --> Gut, da wären wir zum Teil wieder bei Platon: Du könntest es auch einfach wissen, anstatt zu wissen, woher du die Informationen bekommst. Auslagerungsprozess. Nicht, dass ich, der ich einen Stadtführer dabei habe, besser wäre. Aber auch darum geht es schlichtweg nicht, hier werden keine Rechte des Individiduums verletzt.

      7. "Die Angst davor, dass die Technik missbraucht wird, uns einzwängt,
      unfrei macht, die Persönlichkeitsrechte verletzt... dafür braucht es
      keine Brille, das passiert sowieso ständig, oft wird es nur nicht
      erkannt."
      --> Eben weil es ständig passiert, muss es immer wieder bemerkt werden. Eben weil es nicht erkannt wird, muss der Mensch sensibilisiert werden. Es sei denn, du hast etwas dagegen, weil...

      8. "Da empfehle ich dir als Einstieg z.B. mal  die Arbeiten von Foucault über Macht und Ordnung."
      --> Hast du Le Bons Psychologie der Massen und Nicolas Carrs "Wer bin ich, wenn ich online bin" gelesen? Empfehle ich dir auch. Wenn wir dann beide alles gelesen haben, was der Gegenüber gelesen und verstanden hat, dann treffen wir uns wieder hier.

      9. "Ist ein abstrustes Szenario? Das was du beschreibst aber auch."
      --> Ja, es mag ein wenig abstrus erscheinen, weil jene "bösen Mächte" nicht so hartnäckig sind, geschweige denn sich für jmd. wie mich wohl kaum die Mühe machten. Ähnliche (wenn auch technisch antiquiertere) Verfahren zur Identifizierung von Störkräften und lästigen Intellektuellen wurde jedoch schon häufig genug angewendet und man wäre ein Narr, dies ignorieren zu wollen, geschweige denn so tun, als wäre diese Annahme grundsätzlich irrational.
      Zudem: Gesetzt den Fall, es wäre abstrus. Der Text fixiert ein Problem. In welcher Form das getan wird, bleibt doch dem Autor überlassen, oder habe ich da irgendwann nicht aufgepasst? Huxleys "Schöne, neue Welt" mag bestimmt auch so mancher befremdend und "abstrus" finden, das ändert jedoch nichts an der gewaltigen Wirkung des Textes, der - so ist es gedacht - für elementare Fragen sensibilisiert.

      10. "Übrigens empfehle ich dir die Browser-App Ghosterly, die blockt alle Skripte, die ablaufen, wenn man auf Neon surft."
      --> Dafür übrigens aufrichtigen Dank.

      @ Sterling4ever: Ich glaube kaum, dass jemand wie Gambit, der sich sehr gut allein zu helfen weiß, einen Speichellecker braucht. Trotzdem danke für den Hinweis. Ich hoffe, es verärgert dich nicht all zu sehr, wenn ich dir sage, dass Gambits erster Kommentar genau dem entspricht, was die Netzdefinition vorsieht: Ein Troll ist u.a. jemand, der "Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer
      Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und
      konstruktiven Beitrag zur Diskussion darstellen
      ."
      Im allerersten Beitrag ist weder konstruktive Kritik noch ein sinnvoller Sachbezug zu entdecken. Stattdessen wird durch die Verwendung von "bösen Mächten" der Eindruck erweckt, der Autor leide unter Paranoia oder allgemein grassierendem Schwachsinn. Ich nehme freilich den Vorwurf gegen Gambit schon deshalb zurück, weil seine späteren Kommentare sehr wohl konstruktiv und hauptsächlich sachlich sind.

      06.04.2012, 20:18 von Alceste
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      Da sagt sie einfach so "Spinner". Puh. Ganz schön badass. Nicht böse sein, Sterling4ever, wir wollen uns wieder lieb haben, oder? Damit wir uns in Zukunft nicht missverstehen, könntest du ja, so es dir die Mühe wert erscheint, einfach schreiben: "Ich stimme Gambits Kritik insoweit zu, möchte allerdings dies und jenes ergänzend hinzufügen. Außerdem hat der hochwohlgeborene Autor eine Klatsche, wenn er die Bezeichnung "Troll" falsch verwendet, also ist hier die richtige Bezeichnung, plumps, so und damit beste Grüße". Und alle haben gewonnen ^^

      06.04.2012, 20:31 von Alceste
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    • 0

      ich werde noch auf deine stichhaltige argumentation eingehen, gerade aber spiele ich pc und das nebenbei zu tun wäre ein beweis, wie schlecht ich in multitaskig bin 

      06.04.2012, 20:39 von MisterGambit
    • 0

      was ich direkt sagen möchte: das buch von carr kenne ich nur aus einer besprechung im radio, ich hatte es nicht weiter verfolgt, wenn du es empfehlen kannst, wäre das aber ein guter hinweis, es mir mal irgendwann in der uni-bib auszuleihen.

      06.04.2012, 20:41 von MisterGambit
    • 0

      Lass dir Zeit, ich kenn das Problem. Freu mich auf die Entgegnung!

      06.04.2012, 20:45 von Alceste
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    • 0

      wenn du das so beschreibst... damnit, dann will ich aber auch einen headshot-counter.

      06.04.2012, 13:06 von Alceste
  • 4

    Und was ist daran schlimm?

    05.04.2012, 14:43 von Surecamp
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