RONH 15.02.2013, 18:28 Uhr 2 0

Königsberger (Klo)..pse

Meine Erfahrung beim Wochendeinkauf in einem Supermarkt, bei den aktuellen unruhigen Lebensmittelzeiten.

Freitag 15.02.2013 – 9:35Uhr

Ich nutze den freien Tag um früh den Supermarkt um die Ecke zu erobern. Den Einkaufszettel halte ich in der Hand mit den Zutaten für die Mahlzeiten am Wochenende. Gemüse, Brot, Obst und Fleisch. Die Gemüseabteilung kommt zuerst und ich schlendere zu den gerade einsortierten Möhren und Kartoffeln. Ich suche mir die optisch besten Artikel aus und lege sie in meinen Einkaufswagen. Weiter geht’s zur Obstauslage. Ein prächtiges Bild mit vielen tollen farbenfrohen Früchten. Mir kommt der Hintergedanke, dass die Präsentation der Früchte aufgrund der Marktbeleuchtung deutlich verbessert wird. Hier nehme ich ein paar Zitronen und Äpfel mit. Direkt hinter der Obstauslage befinden sich die Backwarenauslage und auch die Frischbackabteilung, welche mittlerweile der neue Supermarktstandard ist. Ich wähle hier eins der frisch gebackenen Vollkornbrote. Nach und nach füllt sich mein Wagen mit den Zutaten aus weiteren Regalen die ich benötige.

Bevor es zur Fleischtheke geht komme ich an den 3 großen vertikal zur Fleischtheke stehenden Gefriertruhen vorbei. Ein älterer Mann steht dort an der geöffneten Gefriertruhe. Er schaut etwas verärgert nach unten. Sein Gesicht wird durch den entweichenden Kältedampf etwas eingehüllt. Ich versuche meinen Wagen vorbeizuschieben und da schaut er wieder nach oben. In seiner Hand hält er eine Packung mit Königsberger Klopse. Mit einem fragenden Blick hinter seiner Brille schaut er mich an - „Der junge Herr, könnten Sie mir vielleicht kurz helfen?“ – ich bejahte und fragte wobei ich denn behilflich sein könnte. „Ich kann die kleine Schrift bei den Zutaten auf der Verpackung so schlecht lesen und möchte wissen was enthalten ist“, antworte er. Ich streifte mit meinem Finger langsam den Tau von der Verpackung. Dann fing ich an die Reihenfolge der Zutaten vorzulesen mit dem Hinweis, dass ich die Zusatzstoffe aber leider nicht erklären kann.

23% Schweinefleisch,  12% Rinderfleisch, jodiertes Speisesalz, Trockenglukosesirup, Stabilisator, Weizenmehl, 10% Bechamelsoße, Kapern usw. Der alte Mann bestätigte nach jeder Zutat aufmerksam kurz mit „ah ja“. Nach meiner Aufzählung fügte er im niederrheinischen Plattdeutsch hinzu: „Die werden ja wohl nicht die Pferde auch noch hier reingemischt haben…was meinen Sie?“ – Ein leichtes  grinsen rutschte mir über die Lippen und meine Schultern wollten gerade mit dem Zucken anfangen, da bemerkte er meine Unsicherheit. „Damals in Ostpreußen hat es so was nicht gegeben…“ – hebte er verärgert die Stimme. Er war so laut geworden, dass die Damen hinter der Fleischtheke seine Verärgerung mitbekamen. Ich gab ihm den Tipp an die Frischfleischtheke zu gehen und das Hackfleisch frisch zu kaufen. Kurz danach schmiss er die Packung wieder zurück in die Truhe und erwiderte „Da weiß ich doch auch nicht was genau drinnen ist. Vielleicht mischen die auch was dazu. Einen eigenen Metzger hat der Supermarkt doch nicht und das Fleisch wird ebenfalls von anderen Unternehmen geliefert“. Wiedersprechen konnte ich ihm leider nicht und begebe mich unter vorgetäuschtem Zeitdruck mit meinem Einkaufswagen zur Fleischtheke. 2 Hähnchenschenkel stehen noch auf meinem Einkaufszettel, welche ich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch bestelle.  




Tags: Nahrung, Lebensmittel, Wirtschaft
2 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Boah. Ich muss auch mal in so nem Erlebnis-Supermarkt einkaufen!

    15.02.2013, 20:17 von Die.sass.da
    • 0

      ^^hehe...Erlebnisse gibts derzeit pur bei den ganzen leeren TK-Regalen

      16.02.2013, 15:16 von RONH
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