mayely 20.06.2012, 12:40 Uhr 5 1

Hol's dir!

Wie beeinfluust die Werbung uns? Ist es die Werbung, die uns wirklich Lust auf bestimmte Produkte macht? Und warum kaufen wir eigentlich?


Was bewegt mich wirklich dazu ein Produkt zu kaufen? Ein häufig durchlebtes Verfahren:

Schritt1– Vor dem Kauf

Beeinflusst werden

Ich checke mein Facebook und sehe neben den Neuigkeiten jede Menge Anzeigen für Schuhe. H&M, Zalando und Co. Hier werde ich wohl beeinflusst. Dabei hätte ich wirklich Lust, meinen überfüllten Schuhschrank noch ein kleines bisschen zu erweitern. Ich klicke auf die Ballerina-Anzeige von Zalando. Blauweiß gestreifte von Buffalo, nur 60 Euro. Ein Lustkauf, keine Notwendigkeit. Brauch ich nicht, aber sie sind soooo schön– bestelle ich?

Erst mal nachdenken

Schon Oktober. Die Winterjacke ist schon vier Jahre alt und ist nebenbei nicht mehr beige sondern graubraun. Ich BRAUCHE eine neue. Was brauche ich? Das kaufe ich. Ein ganz normaler Sachverhalt, aber es wird immer schwieriger den notwendigen Kauf vom Lustkauf zu unterscheiden. Besonders bei Kleidung liegt die Lust mit dem eigentlichen Bedarf nah beieinander. Wir müssen die Überflutung an Produkten filtern und wirklich nur das heraussuchen, was wir haben wollen oder brauchen. Keine Frage, dass es hier für manche schwierig wird mit Geld verantwortungsvoll umzugehen.

 

Schritt 2– Während dem Kauf

Hol’s dir!

Zum Kauf werde ich durch mehrere Faktoren bewegt: Meine eigenen Interessen– klar hat man als Fan von Taschen sein eigenes kleines Imperium, andere sammeln vielleicht leidenschaftlich Bücher und träumen von einer Bibliothek. In so einem Fall kauft man natürlich, weil mein Lust hat und weil man dadurch eine enorme Erfüllung verspürt. Gedanken der Notwendigkeit werden hier über Bord geworfen. Trotzdem hält wahrscheinlich die betreffende Person die dreißigste Clutch für eine enorm wichtige Investition. Unsere Emotionen, die wir bei Erwägung eines Kaufs verspüren, setzen sich gegen unseren Verstand durch. Ich selbst muss mich dabei wohl fühlen, das Produkt selbst, die Aufmachung und Umgebung dessen muss mir also ein gutes Gefühl bereiten. Erst durch dieses gute Gefühl werde ich zum Kauf aktiviert. Solche Vorgänge werden im Bereich des Neuromarketings immer weiter erforscht, denn neben den genannten Faktoren, spielen andere wie unser Unterbewusstsein eine entscheidende Rolle. Erinnert das Produkt mich vielleicht an eine mir schon bekannte Reaktion? Positiv oder negativ? Unsere Sinne beeinflussen zusätzlich unser Verhalten. Wie fühlen sich Materialien an? Wie riecht oder schmeckt dieses Produkt? Wie sieht es aus, hört es sich an? Natürlich werden nicht immer alle Sinne für ein Produkt gebraucht, aber Gebrauch selbst machen wir von allen Sinnen andauernd und das meistens unbewusst. Es gilt also: Habe ich ein super Gefühl bei dem Produkt, ist die Aktivierung zum Kauf gewährleistet.

Schritt 3– Nach dem Kauf

Na, glücklicher?

Glücklicher, erfüllter, zufriedener– sollte man sein nach einem Wunschkauf seines Traumproduktes. Doch es besteht immer die Gefahr, dass dieses Traumprodukt nur so traumhaft aussah, weil es im Laden auf rosaroten Wolken präsentiert wurde. So ist es bei längerem Betrachten vielleicht total ernüchternd und unser angestrebtes Gefühl, nämlich die gewisse Befriedigung und Erfüllung, die wir uns immer wieder erhoffen, verwandelt sich in Unzufriedenheit und Frust. Frust, sein Geld verschwendet zu haben, vielleicht auch Frust, auf einen Trick hereingefallen zu sein. Obwohl immer gesagt wird, Glück wäre nicht käuflich und es käme nur auf innere und fundamentale Werte an, die ein Leben in Erfüllung ausmachen, kaufen wir oftmals Produkte, die uns mit Glücksgefühlen aufputschen, oft auch um diese inneren Werte wenigstens ein wenig zu ersetzen. So sagt ein Großteil der Menschen zwar, dass käufliche Dinge nicht zu einem glücklichen Leben dazu gehören, aber insgeheim sollten sie auch nicht fehlen. Ein Maß an Wohlstand soll vorhanden sein, das gestehen sich viele ein.


Lasst ihr euch bewusst beeinflussen? Oder gesteht ihr euch ein, das ihr unbewusst entscheidend beeinflusst werdet?

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5 Antworten

Kommentare

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    Was ich besonders interessant finde: Ich kann mir nicht erklären, wie bei Werbung die Kausalkette funktioniert. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich (Kindheit mal ausgenommen) einen Werbespot gesehen und mir dann gedacht habe "Das muss ich haben!"

    Bin ich ein unnormaler Mensch, wenn ich mir nur Sachen kaufe, die ich brauche?

    20.06.2012, 21:56 von wordmage
    • 0

      Ich denke, es sind ja nicht nur Werbespots, die uns beeinflussen. Wenn wir bestimmte Produkte kaufen, dann werden wir ja auch von unserer Umgebung, anderen äußeren Einflüssen und so weiter beeinflusst. Aber was brauchen wir denn WIRKLICH? Diese Frage ist abhängig davon, wo und wie wir leben. Außerdem sind die Dimensionen der Vorstellung bei allen Menschen unterschiedlich – Eine junge Frau hat mit Sicherheit eine andere Vorstellung davon, was sie wirklich braucht, als ein älterer Mann. 

      21.06.2012, 09:36 von mayely
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    Man gut, dass ich kein Geld hab und mir um so einen Nonsens keinen Kopf machen muss

    20.06.2012, 15:23 von Die.sass.da
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      Gerade, wenn du kein Geld hast, ist dein größtes Kapital, keine Ignoranz zu haben. :)

      20.06.2012, 21:54 von wordmage
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    Lasst ihr euch bewusst beeinflussen? Oder gesteht ihr euch ein, das ihr unbewusst entscheidend beeinflusst werdet?

    Tja, zum guten alten Thema Werbung ... nun, manchmal haben körperliche Einschränkungen sogar etwas positives. Da ich nur die wirklich großen Produktbezeichnungen lesen kann und mich im allgemeinen an der Verpackung der mir bekannte Produkte orientiere sowie deren Standort,  bilde ich mir ein, mich nicht gar zu sehr spontan beeinflussen zu lassen.
    Aber dennoch nervt die Umräumerei der Produkte in den Supermärkten extrem .. och habe ein Muster im Kopf, die das gesuchte Produkt aussieht, und stehe manchmal wie der Ochs vorm Berg wenn das Produkt nicht am gewohnten Platz, manchmal nicht einmal in der gewohnten Regalreihe zu finden ist.
    Andererseits gibt es unter Umständen durchaus bewusste Beeinflussung beim Kauf, manchmal ist ein Produkt, das ich eigentlich mag, aber länger nicht kaufte, so platziert, dass auch ein halbblinder wie ich quasi darüber stolpert.
    Unbewusste Beeinflussung ? Ja, passiert auch manchmal. Egal wie oft ich Werbung abschalte, gar den Fernseher ausschalte und den Film nicht zu ende schaue: wenn sich beispielsweise das Bild einer Pizza eingeprägt hat und seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf zu bekommen ist, dann ist auch irgendwann eine Pizza fällig. Nicht unbedingt die vom Marktführer in dem Bereich, aber von der Firma die guten Pizzen macht, oder aber eine fertige, die ich mir bestelle und nach Hause liefern lasse.
    Einerseits bin ich froh nicht unbedingt auf alle Werbetricks reinzufallen, versucht Werbung zu meiden wo immer es geht, ich gehe fast immer satt, nie hungrig zum einkaufen und kaufe zu 90% nur das, was ich mir vorgenommen habe zu kaufen. Doch die letzten 10% sind variabel, ein oder 2 Teile landen hin und wieder doch beim Wocheneinkauf zusätzlich im Einkaufswagen.
    Ansonsten bin ich Teil werbegeschädigt, z.B. weiss ich dass BiFi immer mit muss, habe es aber noch nie gekauft, alles was ich als Taschentuch benutze heisst Tempo und jeden Mann, der Otto heisst, find ich aus Prinzip immer gut. Wenn ich Cowboys sehe muss ich an Marlboro denken, obwohl ich Nichtraucher bin und Qualm mich zu Atemnot, Husten und Kotzen animiert.
    Offenbar hat das mit dem Wegzappen wohl doch nicht so gut geklappt in den letzten Jahrzehnten. Der nächste Werbeträger in dieser Liste ist aus der Gegenwart und wird wohl Actimel heissen. Nie gekauft, nie probiert, aber soll Abwehrkräfte aktivieren.
    Manche Webemechanismen funktionieren bei mir nicht, prägen sich aber trotzdem so ein, dass man sie nie vergisst. Darum mag ich  da schon fast von einer Schädigung reden.

     

    20.06.2012, 13:44 von Cyro
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