Schnakenschiss 17.12.2010, 21:46 Uhr 2 1

Aus der Heimat des Christstollen

Eine Anleitung von Dipl.Kfm., Genosse Schnakenschiss, VEB Stollenkombinad, Backbrigade "Rotes Backblech" Eppendorf

Wir fangen ungefähr im April an, der Verwandtschaft im Westen zu schreiben, was wir in diesem Jahr für unseren Stollen brauchen. Zum Beispiel: Mandeln, Nüsse, Zitronat und Rosinen. Diese Erzeugnisse können zur Zeit von unserer Volkswirtschaft nicht aufgebracht werden. Diese führen wir aber gelegentlich von unseren Bruderstaaten ein, genau wie z.Bsp. Bananen. Es ist uns nun gelungen, das hochkonzentrierte Backaroma "Che Guevara", sowie die direkt aus Kuba kommende Trockenhefe "Fidel Castro", sozusagen als Weihnachtsüberraschung und Geschenk der Partei an das fleissige Volk des 1.Arbeiters und Bauernstaates und der sozialistischen Gemeinschaft über den grossen Teich her zu schaffen.Dafür ist extra eine Delegation der Werkführer der Backkombinate sowei die Brigadeführer der einzelnen Backbrigaden rübergemacht, um dort sozusagen vor Ort die Qualitätsnormen unserer sozialistischen Brüder und Schwestern kennen zu lernen. Ebenfals ist es uns aufgrund der Freundschaft zu diesen Staaten gelungen, eine vollkommen neuartige Fünffrucht-Marmelade für das Volk der deutschen Demokratischen Republik her zu schaffen. Dieses Genusmittel besteht aus frischen Pflaumen, eingekochten Pflaumen, Trockenpflaumen, Pflaumengranulat und frischem Pflaumenpulvermuß.

Wir machen nun an dieser Stelle weiter mit den Vorbereitungen für unseren Christstollen. Die anderen Zutaten trudeln nun im Laufe des Jahres aus dem kapitalistischen Ausland bei ihnen daheim ein. In der Zwischenzeit haben die Genossen Schnakenschiss und die fleissigen Produktionshelfer aus Vietnam in ihrer aufopferungsvollen Tätigikeit in den Mühlen der Republik dafür gesorgt, das genügend Mehl in den Einkaufsmärkten der HO und des Konsum vorhanden ist. Dieses Jahr sind leider die Hühnereier knapp, deshalb machen wir die Farben für unseren Stollen selbst. Selbst ist der Genosse! Dazu kochen wir Möhren ab, oder Karotten, so wie Sie es mögen. Schön lange kochen lassen und anschliessend durch ein Handtuch drücken. ACHTUNG: Nehmen Sie nicht das Handtuch, mit dem sich schon mal ein Volksgenosse die Füsse abgetrocknet hat, denn da sind gefährliche Bakterien drin, die noch aus der Saurierzeit stammen, worauf hin die Gesundheit der gesamten Republik auf dem Spiel steht. Diese antisozialistische Krankheitserreger werden aber höchstens so gross wie Kaulquappen und sind aufgrund dieser Tatsache weithin sichtbar.
Es ist jedoch unmöglich , die wieder loszuwerden, weil die Zähne wie widdia Bohrer haben, sich damit am Schüsselrand festbeissen und womöglich aus ihrer Schüssel ein Gemüsesieb machen. Falls Sie jetzt trotzdem zufälligerweise ein Ei im Tag haben, ist die Katastrophe perfekt. In den Eiern sind kleine Salamander-ähnliche Lebewesen die nach den Erkenntnissen der Parteiführung und des Büros für Statssicherheit genau wie die Maul-, und Klauenseuche von den Kapitalisten und Imperialisten auf das Territorium des 1. Arbeiter-, und Bauernstaates und trotz unserer ungeheueren Anstrengungen über den antifaschistischen Schutzwall geschmuggelt worden sind, um im Angesicht des friedvollen Weihnachtsfestes den Sozialismus aus den Angeln heben zu wollen. Diese sich jetzt in ihrem Stollenteig befindlichen Lebewesen müssen Sie alle einzeln mit dem Hammer erschlagen und um der Einigkeit des Sozialismus willen alle aus dem Teig herausrollen, wegen des Leichengiftes, das diese Tiere nach ihrem Tode absondern. Sollten Sie möglicherweise auch nur ein Junges vergessen haben oder gar aus falsch verstandener Tierliebe eins am Leben lassen, dürfen Sie zur Verhinderung einer Epedemie auf unserem Territorium, die geeignet wäre, unsere Verteidigungsbereitschaft dem Imperialismus gegenüber in Frage zu stellen, auf gar keinen Fall etwas von dem Christstollen zu sich nehmen. Sie können den an einer Sammelstelle des Ministeriums für Außenwirtschaft abgeben, und das Komitee zur Verhinderung von Krankheiten durch Unterernährung in unseren Bruderstaaten sendet diese Spenden an die dort notleidende Bevölkerung. Die Kapitalisten haben aufgrund von glaubwürdigen Aussagen des Büros für Staatssicherheit und der bereits vom Genossen Minister öffentlich bekannt gegebenen Tatsachen darüber den Bakterien und Viren Dschibs eingepflanzt, die unserer Einschätzung nach zufolge den Bürgern und Volksgenossen unseres Staates nicht bekommen. Dies Dschibs sind jedoch nicht mit jenen zu verwechseln, die es im kapitalistischem Ausland in Tüten gibt. Beim Genuss tritt eine eigenwillige Darmtätigkeit in Kraft, die geeignet ist, den einzelenen Volksgenossen in die Lage zu versetzen, aus einigen Metern Entfernung in eine Flasche zu scheissen, ohne dass der Kronkorkenwulst beschmutzt wird.Wir haben natürlich für diesen Ernstfall vorgesorgt. Die Betriebskampfgruppen und die Genossen Sanitäter halten für den Ernstfall ein Gegengift bereit.

Sie haben nun die Zutaten für den Stollenteig in einer grossen Schüssel. Leider ist ihnen der Teig zu fest geworden. Jetzt müssen Sie überlegen: Mehl rausholen, geht nicht, also Wasser rein. Ist er jetzt zu weich, wieder Mehl dazu. Das können Sie solange wiederholen, bis demjenigen, der Teig knetet, die Pfoten abfallen.
Nach einer gewissen Menge wieder " Che Guevara" und " Fidel Castro" dazugeben. Sollten Sie aus einem Grund die vom Ministerium für Gesundheit vorgeschriebene Menge Stollenteig für einen Bürger unserer Republik von derzeut 1,98954 Kg überschritten haben, ist unbedingt darauf zu achten, das Sie ab 1,98955 Kg Teig 0,7456112 gr. Natron hinzugeben. Dies verhindert bei gleichzeitigem Genuss von Ostdeutschem Christstollen und Rotkäppchen Sekt das Wochenlange Sodbrennen. Schmeckt der Teig irgendwann zu streng, wieder Mehl und Wassser dazu. Zwischendurch muss wieder einer in der HO wieder Mehl kaufen ( die Rabattmarken nicht vergessen). Irgendwann stellt sich ihnen nun die Frage, was machen wir mit einer Badewanne voll Teig??? Christstollen natürlich wie geplant...
Den geformten Teig nun in den vorgeheizten Ofen " JURI GAGARIN" geben und warten. Unsere Öfen vom VEB Küchengerätekombinat " Backröhre Tschopau" sind genau wie die Abreisszündungen vom Trabant, der T34, oder die Kalaschnikow, für Generationen entwickelt und für Backtemperaturen jenseits von 100 Grad bestens ausgelegt. Anders jedenfalls als ähnliche Fehlkonstruktionen oder Nachbauten aus dem kapitalistischen Ausland, die lediglich aus Plaste und Elaste bestehn.

Eventuell während der Teigvorbereitung gemachte Fehler zeigen sich nun. Beim Blick in die Backröhre erkennen Sie einen Stollenblock, der den Garraum vollends Ausfüllt. Diesen hacken Sie nun mit geeignetem Wergzeug aus der Röhre heraus und zersägen ihn in handliche Stücke. Diese Wickeln Sie schön in Pergamentpapier ein und schaffen sie sozusagen zum Nachreifen auf den Dachboden. Sollten Sie nun versehentlich eins von den Saurierbakterien am Leben gelassen haben, erleben Sie am "Heiligen Abend" die Osterüberraschung ihres Lebens. Die Luder haben ihnen den gesamten Stollen zusammen gefressen...

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2 Antworten

Kommentare

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    Köstlich!!!

    10.01.2012, 21:41 von TilmannKleye
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    schnaki, du hast ne vollmeise. ich muss es wissen, ich komme aus der heimat des einzig wirklichen stollens.

    18.12.2010, 13:58 von Ozelotte
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