EliasRafael 26.11.2010, 08:34 Uhr 57 23

Habe mir beim Shopping mal wieder einen Fehlgriff geleistet. Wie sonst auch im Leben.

Albtraum beim Einkaufen. Irgendwie gibts nix passendes für mich und die Mädels werden auch immer zickiger. Aber Online-Shopping ist KEINE Alternative.

Die beliebte Kette mit dem beschissenen Namen hat jetzt auch bei uns in der Stadt einen Megastore. Natürlich gibt's nur Ramsch da, aber der Novelty-Charakter bei der Eröffnung übt einen gewissen Reiz aus. Dabeisein ist heutzutage alles, hab ich mir gesagt, und bin dann mal hin. Meine aktuelle Pflichtlebensabschnittsbegleiterin hab ich übrigens lieber zuhause gelassen. Die stört nur und am Ende will sie sich immer selbst was kaufen. Egoistin. Denn Geld ist knapp, zumindest wenn die eigenen Ansprüche hoch sind. "Warum geht sie nich putzen?", frage ich mich noch, als ich den Laden betrete.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie jung und knackig Frauen doch mit 18 aussehen. Oder reif, je nach Perspektive, die hier mal wieder von ganz unten kommt. Aber egal. Erstmal auf den Arsch glotzen, dann auf die Titten. Als mich die blonde Verkäuferin in der Damenunterwäscheabteilung anspricht, ob sie mir helfen könne, gucke ich verlegen. Na, du bestimmt nicht, bist ja wohl schon Mitte 20 oder so. Da lässt Prinzessin Cellu meist schön grüßen, die Titten werden schlaffer, die Erwartungen an uns Männer steigen ins Unermessliche, und der Zickenfaktor ist genauso hoch wie mit 18. Nur dass die Frauen mit Mitte 20 leider cleverer geworden sind. Und eben schon ein wenig überreif. "Nein danke, ich schau mich nur ein bisschen um", sage ich und schiele zur Umkleidekabine, wo gerade eine gefühlt 16-jährige Gymnasiastin in Hot Pants und Stiefeln, sowie mit einer Plastitüte von Thalia und einem ganzen Packen heißer La-Perla-Unterwäsche beladen, verschwindet. Schnuckelig, die Kleine liest bestimmt Gedichte nach dem Sex, den ich leider wohl heute nicht mit ihr haben werde. Schnappatmung lass nach - unauffällig wische ich den Sabberfaden von meiner Unterlippe und klappe den Mund zu. Die blonde Verkäuferin guckt mich schon streng an und verzieht die Augenbrauen böse nach unten, sieht aber schließlich ein, dass ihre Chancen auf meine Aufmerksamkeit derzeit gering sind. Daher wendet sie sich ab und den anderen Spannern zu. Komisch, fast nur Männer hier.

In der Männerabteilung dann ein Trauerspiel. Gerade noch zuhause in diversen Magazinen und Modeblogs die Trends für den modernen angeblich neuen Mann abgecheckt, zeigt sich hier das wahre Bild, äh Elend - Dschermanie 2010. War nicht kürzlich erst Weltmännertag? Geschenkt. Neben einem Bataillon an Karohemden hängen unifarbene T-Shirts in den Farben der Saison - weiß, schwarz, grau und für die Mutigen auch in allen Primärfarben. Einfallslose Mäntel mit Fischgrätenmuster machen mir erbarmungslos klar, dass der Winter vor der Tür steht. Dreckswetter. Ich gucke mitleidig auf den Ständer mit Cargohosen, ein weiteres ganz feines Kleidungsstück, das meinen zu klein geratenen Arsch unglücklich betont. "Geh ma Sport machen", raunzt mir da von hinten so ein Wichser mit Migrationshintergrund zu. Mir reichts. Ich gehe erstmal vor die Tür, eine rauchen. Soll der Assi doch selber Sport machen!

Vor der Tür treffe ich die zickige Verkäuferin von eben, die gerade ihre Zigarettenpause macht. "Na, fertig gespannt?", macht sie mich von der Seite an und grinst dabei ziemlich süffisant. "Nunja, ist wohl irgendwie ein Naturgesetz", nuschel ich. Die Situation ist mir ein wenig peinlich. So schlecht sieht sie gar nicht aus, auch ihre Titten scheinen doch ok. Cellulite macht ja beim Anfassen Spaß. "Ich schreib neuerdings Texte über Spanner in Dessous-Abteilungen, willste mal lesen?" sagt sie. Ich fühle mich beklommen, ertappt. Weiß die Zicke etwa von meinen geheimen literarischen Ambitionen? "Du kommst auch darin vor!"

Bei diesem Satz schrillen alle meine Alarmglöckchen auf. Jetzt erkenne ich das Mädel. Sie ist die Schwester von der braunhaarigen Kleinen, die ich neulich im Club dumm angemacht und vernascht hatte. Das war vielleicht ein Flop, eine Oberzicke, die sich aufgeführt hatte wie die Dramaqueen Number One. Und jetzt macht mir ihre Schwester hier die Hölle heiß. Ich erkläre irgendwas von "MissVerständnis", und dass ich mir die Geschichte mit der großen Liebe nur ausgedacht hatte. Frauen wollen doch im Grunde ihres Herzens belogen werden, damit sie sich nicht selbst schlecht fühlen müssen, das ist wie beim Einkaufen, wo du den ganzen Tag nur monoton wiederholen musst "klar, steht dir wunderbar" & "natürlich ist deine Figur top" denke ich mir, aber dann ergreift auf einmal ein widernatürlicher Drang zur Ehrlichkeit von mir Besitz, der jedoch von meiner Gesprächspartnerin direkt ausgekontert wird: "Sie war enttäuscht von dir, dass du nach dem Ficken einfach nicht gehen wolltest." Jetzt versteh ich gar nichts mehr. Die Blondine zieht noch ein letztes Mal tief ein und schmeißt ihre Kippe auf den Boden. "Willst du nachher noch auf einen Kaffee mit zu mir?" Ich mustere sie ob dieses eindeutig zweideutigen Angebots von oben bis unten, schiebe die Restzweifel beiseite. Eigentlich sieht sie klasse aus. Da geht was!

Zwischendurch im Taxi rufe ich pflichtbewusst die Lebensabschnittsbegleiterin an, der ich irgendetwas von einem spontanen Trip nach soundso erzähle. Wird spät heute! "Gute Reise", wünscht sie mir noch zynisch, das erkenne ich immer am Tonfall, "komm nich so schnell wieder." Ganz schön böse, aber nun, Frauen. Soll mal zusehen, wo sie bleibt und schön die Bude aufräumen. Habe nämlich ein Chaos hinterlassen heute Morgen. Haha.

Als ich dann später bei der Verkäuferin auf dem Sofa sitze, fällt mir denn auch auf, wie unaufgeräumt ihre Zweiraumwohnung ist. "Hier fehlt ein Mann, der dich anregt, mal sauber zu machen", stelle ich unbekümmert fest, während sie eine Flasche Vodka und zwei Gläser auf den Couchtisch stellt. "Mal sehen, wie viel du verträgst." Ich schlucke. Um meine Trinkfestigkeit war es nämlich schon immer eher schwach bestellt, und da ich den Tag über noch nichts gegessen hatte, ist mir zudem bereits jetzt ganz flau im Magen. Who cares, hoch die Tassen.

Nach der ersten Flasche werde ich locker, nach der zweiten wird es langsam lustig und nach der dritten ist Party. Die Verkäuferin entpuppt sich als charmante Volontärin bei einem großen deutschen Verlag, die sich mit dem Aushilfsjob nur ihren dünnen Gehaltsscheck aufbessern muss. Wir lachen viel zusammen, surfen auf einer Welle und stellen fest, dass wir beide nicht besonders viel vom Leben erwarten, und daher lediglich darauf aus sind, möglichst viel Spaß in kürzester Zeit zu haben und Tiefsinn zu vermeiden. Wir pröstern uns zu und blicken einander tief in die Augen. "Du bissccht meine Trrraumfrrrau", lalle ich ihr entgegen, alle guten Vorsätze vergessend. "Du fickst gut, hat meine Schwester gesagt, das könntest du mir auch mal beweisen. Sie hatte einen Seelenorgasmus." Sie guckt mich ganz wuschig an und mir wird warm ums Herz und anderswo auch. Nach einem flüchtigen Kuss nimmt sie mich bei der Hand und führt mich zu ihrem Schlafzimmer. Hmmm.

Das Zimmer ist stockdunkel, als wir es betreten. Ich atme tief den Duft von Mentholzigaretten und Frauenschweiß ein. Es riecht nach Liebe. Mir wird schummerig, was nicht nur an dem Vodka liegt, und ich bekomme ein bisschen Bedenken wegen meiner Standfestigkeit. Aber dann. Flash. Auf einmal geht das Licht an, und ich kriege einen Riesenschreck. Auf dem Bett sitzt in einem Kleid im Country-Stil die Kleine aus dem Club und guckt böse. In den Händen hält sie eine Schrotflinte. Erneut fasele ich etwas von "MissVerständnis", und dass alles nicht so gemeint war und dass sie eben doch meine große Liebe sei. Die verkäufernde Volontärin schaut jetzt ebenfalls wieder grimmig. "Scheißkerl, typisch Mann", kreischen beide und die Braunhaarige fuchtelt mir wild mit dem Gewehrlauf entgegen. Hilfe!

Die beiden schupsen mich aus dem Schlafzimmer raus und drängen mich an einen Schreibtisch im Ikeastil, auf dem ein MacBook Pro steht. "Da, setzt dich hin und schreib", herrscht mich die Blonde an, während ihre Schwester die Dringlichkeit dieser Worte mit einem weiter auf mich gerichteten Gewehrlauf unterstreicht. "Meld dich da an, mit deinem Account", kreischt die Blonde . Nachdem ich beim dritten Anlauf alkoholbedingt wieder das falsche Passwort eingegeben habe, wird die Braunhaarige sichtlich ungeduldig und spannt den Abzug. Jetzt fällt es mir endlich ein. Ich wechsle mein Kennwort laufend und nehme dafür immer die Vornamen meiner letzten Eroberungen, daher fällt es mir selbst nicht immer leicht, Schritt zu halten.

Kurz gesagt, die beiden "heißen" Schwestern zwangen mich dann, diese Geschichte hier einzutippen, die sicherlich nicht originell oder sonst wie schön geschrieben ist, oder irgendeinen künstlerischen Wert besitzt, aber sie guckten sehr zufrieden, als ich den Freigabe-Button drückte. Dabei war alles erstunken und erlogen. Frauen.

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57 Antworten

Kommentare

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    ...das sollte heißen er hat mir irgendwie gefallen...

    06.12.2010, 14:05 von mixtapeape
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      @mixtapeape so hatte ich das auch verstanden! Irgendwie halt.

      06.12.2010, 23:56 von EliasRafael
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    Seelenorgasmus scheint momentan der running gag hier zu sein... Ansonsten sag ich mal: Dumm und amüsant mit Höhepunkt am Ende, was wiederum zum Text passt. :)

    06.12.2010, 14:04 von mixtapeape
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    Wow! Danke, ich habe mich köstlich amüsiert :-))

    05.12.2010, 08:59 von Songline
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      @Songline das kann ich mir kaum vorstellen *zwinker*

      05.12.2010, 13:37 von EliasRafael
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  • 0

    sehr geil!
    endlich mal was erfrischend anderes!
    merci dafür

    04.12.2010, 10:49 von _katrina
    • 0

      @_katrina ich danke!

      04.12.2010, 16:23 von EliasRafael
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  • 0

    Nice.
    Am Anfang dachte ich: "Was ein Idiot." Das steigerte sich dann noch in das A-Wort. (Und: "Also diese Schwester ist ja ein Miststück")
    Bei der Schrotflinte dachte ich dann "Zu überzogen, das geht ja mal gar nicht."
    Und beim vorletzten Satz musste ich lachen.
    Was mir ein wenig gefehlt hat war die Verknüpfung von Text und zweitem Satz im Titel. Ich erkenn zwar durchaus Fehlverhalten des lyrischen Ichs, aber nicht, dass jener es als solches sieht.

    02.12.2010, 11:11 von Riku_Hana
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      @Riku_Hana Fehlverhalten von allen Beteiligten. Einsicht hat man nicht nötig.

      Der zweite Satz im Titel sollte nur zeigen, dass es nicht wirklich ums Einkaufen geht.

      02.12.2010, 15:19 von EliasRafael
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  • 0

    Gefällt.

    01.12.2010, 17:50 von thadeuspunkt
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    Unerwartet, verrückt, gut!

    29.11.2010, 19:42 von gedankenschwer
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      @gedankenschwer Genial. Ich habe bei diesen Anspielungen herzhaft gelacht.

      30.11.2010, 18:42 von Pretty_Woman
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      @Pretty_Woman Echt jetzt? Darf ich fragen, welche?

      01.12.2010, 11:34 von EliasRafael
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    Kurz vor Ende dachte ich schon: Bitte...lass diesen Flow jetzt nicht in irgendetwas belanglosem kitschigem enden!

    Dann die Lady mit der Schrottflinte...

    und er sah das es trashig war.

    Sehr gut!

    29.11.2010, 19:10 von seelen_striptease
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      @seelen_striptease Endlich mal jemand, der es ausspricht! Schrottflinte passt schon.

      29.11.2010, 19:21 von EliasRafael
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    Mit Mitte 20 werden die Titten schlaffer? Ich glaub es hackt ;)))

    Der Text macht mich ganz wuschig. Habe nicht fertig gelesen. Wo is'n der rote Faden?

    Drum sach ich mal: Ich gucke mitleidig auf den Ständer.... ach ja, mit Cargohosen :DD

    29.11.2010, 18:53 von Jackie_Grey
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      @Jackie_Grey Du 'guckst' mitleidig auf fremde Ständer?

      Du bist hier bei NEON! Hol dir einen.

      29.11.2010, 18:59 von quatzat
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      @quatzat Dieser Ständer mit den Cargohosen sprang mich direkt an.

      29.11.2010, 19:02 von Jackie_Grey
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      @Jackie_Grey Hat er einen bleibenden 'Eindruck' hinterlassen?

      29.11.2010, 19:08 von quatzat
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      @quatzat Ich krieg ihn nich mehr aus'm Kopf...

      29.11.2010, 19:09 von Jackie_Grey
    • 0

      @Jackie_Grey Frag die Bedienung, die holt den Krankenwagen.

      29.11.2010, 19:13 von quatzat
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