Phpz 28.02.2014, 15:25 Uhr 3 1

Casual Friday

Kleider machen Leute, und in Bangladesch machen Leute Kleider.

Der Casual Friday, für viele Menschen der Lieblingsfeiertag, noch vor Donnerstag, Dienstag, Montag und Mittwoch. Weil man am Casual Friday einfach in den Klamotten ins Büro kommen darf, in denen man sich am wohlsten fühlt. Für mich bedeutet der Tag leider nur Stress. Nicht für die ganze Woche zwar, aber mindestens doch für den Vorabend. Das Schöne an Berufen, welche mit einer gewissen Kleiderordnung einhergehen, ist die Einfachheit, zu der man neigen kann, wenn es kompliziert zu werden droht. Dank Uniformen lässt sich im Kriegszustand viel bequemer zwischen Freund und Feind unterscheiden, Stewardessen sehen in ihnen meist umwerfend aus und wer im Anzug seiner alltäglichen Arbeit nachgehen darf, braucht sich an Vorabenden manch nächster Tage keine allzu großen Gedanken zu machen.

Anders ist es mit dem Casual Friday! Jeden Donnerstagabend spielt sich das gleiche Drama ab: Was, um Himmels Willen, ziehe ich morgen an? Damit es bloß nicht so aussieht, als würde ich diese großzügige Freiheit nicht zu schätzen wissen. Ja, Stewardessen und Soldaten sind hier natürlich fein raus, da sie aus Gründen der Fairness gegenüber Freund und Feind die Uniformpflicht einfach bis Feierabend durchziehen. Aber dem Angestellten im Büro hilft das gegenüber verordneter Ungezwungenheit nur wenig. Befehl ist Befehl. Ok, es ist kein echter Befehl. Aber im Büroalltag ist es nun mal so wie auf jeder anderen Party auch. Und wir wissen alle, wie unangenehm es mitunter sein kann, wenn man sich, verglichen mit den anderen Besuchern, unangemessen gekleidet fühlt. Ich fühle mich sehr unwohl, wenn ich der einzige bin, der in einem schlecht sitzenden Anzug über die Flure schleicht, während der Rest der Kollegen in schlecht sitzender Wohlfühlkluft dem Spaß nachtrauern darf.

Wohlfühlklamotten. Nicht zu bequem. Gerade noch so bequem, dass kein Beobachter Schaden nimmt. Doch was heißt schon „bequem“? „Bequem isses, wenne so pennen kannst.“, sagte einst mein Fahrlehrer zu mir, als er mich über die Geheimnisse des Fahrersitzes aufklärte. Natürlich kann man auch in stark angetrunkenem Zustand wunderbar schlafen, auch das weiß ich vom Fahrlehrer. Doch unter Alkoholeinfluss ist die Geschichte eine ganz andere, und hat weniger mit Bequemlichkeit zu tun als mit reflexmäßigem Schlaf – zum Beispiel beim Gehen, Döneressen, Dönerbestellen, im Gespräch zwischen Haupt- und Nebensatz, beim Fahrradfahren, Tanzen oder Saufen. Mit Spaß also, und nicht mit Arbeit.

„Bequem isses, wenne so schlafen kannst.“ Klingt einfach, hilft aber nicht wirklich weiter. Auch wenn manche Kollegen tatsächlich im Schlafanzug aufzukreuzen scheinen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch im Anzug am Schreibtisch schlafen kann. Das hat ja weniger mit der Kleidung als mit meiner langweiligen Tätigkeit zu tun. Ich bin übrigens so eine Art ein Fluglotse, überwiegend mit Tieffliegern beschäftigt. Was mir der Casual Friday also antut ist, dass ich neben einer Kollektion an „Arbeitskleidung“ (graue Anzüge, Hemden der bügelfreiesten Sorte, vorgebundene Krawatten) und einer angemessenen Auswahl an „Freizeitkleidung“ (graue Anzughosen, Hemden der bügelfreiesten Sorte, keine Krawatten) auch ein Kabinett an „bequemer Wohlfühlarbeitskleidung“ unterhalten darf: Stonewash-Jeans, Flanellhemden, bügelfreie Palästinensertücher.

Ich habe es mal durchgerechnet. Wenn ich all meinen Urlaub zusammenkratze, könnte ich mir jeden Freitag auch einfach frei nehmen. Oder ich arbeite freitags von zu Hause aus, im Schlafanzug.


Tags: stonewash, Fluglotsen, für was man studiert hat
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3 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 2

    Alter hast du viel Urlaub.

    Geh einfach nackt.

    28.02.2014, 17:11 von quatzat
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  • 0

    Wie immer, sehr amüsant!


    Aber: Im Auto kann man nie bequem pennen - ganz gleich, wie du den Sitz einstellst. Das ist das Geheimnis des Fahrersitzes!

    28.02.2014, 16:36 von Tora
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