sparklenina 07.01.2011, 16:55 Uhr 1 0

Wiedersehen

...im Dunkeln.

Das Klicken des Schlosses deiner Zimmertür ist leise als ich sie schliesse, jedoch unüberhörbar. Es beendet das Warten, das Vermissen, schliesst jegliches Licht aus, hier wird heute nicht mehr gesehen, nur noch gehört, gespührt, gefühlt. Es ist als hätte ich mit dem Schlüssel auch eine Sanduhr umgedreht. Die Minuten rinnen mir nun durch die Hände wie feinster Sand. Ich atme tief ein und versuche diese Zeit so klar wie nur möglich zu erleben. Zu speichern und nicht damit kaputt zu machen dass ich weiss dass sie vergeht, verrinnt, und nicht kontrollierbar ist. Nie.

Ich ziehe mich aus und schlüpfe unter die Bettdecke. Du liegst dort, warm. Wartend. Wir erzählen uns was so passiert ist seit wir das letzte Mal so lagen. Die Flüge, die Abende, die Menschen dazwischen. Alles fühlt sich aufregender an, nun dass ich dir davon erzählen kann. Dämlich. Unsere Körper schmiegen sich aneinander. Ich pass hier hin, hier fühlt es sich gut an. Richtig. Richtiger als jeder andere Ort zur Zeit. Kann ein Mensch mein zu Hause sein? Dieser Gedanke macht mir ein wenig Angst, ich kuschel mich näher an dich. Ironie, denn ich fühle mich nun besser und schlechter zugleich.

Unsere klebrigen Körper mit den suchenden Händen und offenen Mündern verknoten sich immer weiter. Tastend, hungrig, auf Entdeckungsreise nach einem unbekannten Fleck. Der große Knoten auf dem Bett löst langsam den meines Herzens. Ich kann wieder atmen, und höre auf zu denken. Dann lieben wir uns. Nein, dieser Ausdruck passt hier nicht, denn wie so oft betont, wir haben uns nur lieb. Formsache und total bescheuert. Aber es wird darauf bestanden. Und jetzt grade haben sich unsere Körper ganz ganz doll lieb. Wir küssen uns, wir spühren uns, wir vögeln uns. Wir rennen die letzten Meter gemeinsam und hinter der Ziellinie ist uns beiden ein wenig schwindelig. Schweigend liegen wir da. Nach ein paar Minuten kommt die gewöhnliche Frage: „Alles klar?“ „Ja“ Bitte halt mich. „Bei dir?“ Ein Grunzen als Antwort welches „jo“ oder auch „Straßenlaterne“ bedeuten könnte. Weiteres Schweigen. Unsere Geister gleiten langsam ins Limbo zwischen Schlaf und wach-sein. Irgendwann wird die Decke über mich geworfen, denn dir ist kalt geworden. Danke. Ein lauter Gedanke. Unsere Atemzüge werden langsamer, tiefer. Schlaf holt uns ein, nur gestört durch zufällige Berührungen wenn uns die Träume bewegen,uns unsere Hände auf einander legen lässt und deinen Atem für eine Weile auf meinen nackten Körper schickt.

Ich kann nicht glauben, dass ich dich vermisse, obwohl du doch da neben mir liegst. Ich rutsche ein wenig näher an dich ran. Ich beginne zu träumen. Im Traum reden wir. Als ich aufwache weiss ich nicht ob es ein Traum war oder Wirklichkeit. Doch es kann gar nicht wahr sein. Du sagtest dass du mich liebst. Doch wir haben uns nur lieb. Ganz doll. Was ist denn bitte der Unterschied? Vertrauen? Gehören? Gehört werden? Ich liege da und bekämpfe den Schlaf. Im Schlaf geht alles zu schnell vorbei. Wach sein lässt die Zeit zäh werden wir Kaugummi und nur ganz langsam dahin gleiten. Vielleicht bin ich deshalb immer so müde wenn wir nicht zusammen sind.

Morgens gehe ich ganz früh. Es ist noch dunkel im Zimmer. Als ich die Türe schliesse höre ich die letzten Sandkörner fallen. Oder war es nur das Schloss? Auf Wiedersehen. Ich trete hinaus auf die Strasse, es wird am Horizont schon ein wenig hell. Da fällt mir auf, dass ich dich gar nicht gesehen habe. Nur gespührt. Und ich glaub auch ein wenig geliebt.

1 Antworten

Kommentare

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    Ein schmunzeln ist mir entfallen, das ist großartig so schön beschrieben. Ich hab auch nur jemanden lieb, aber das rede ich mir ein. Vielleicht liebe ich ihn auch :) du hast schön den Unterschied beschrieben

    13.01.2011, 14:13 von missbutterfly400
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