MiLaineFarmer 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 0

Was ist, wenn die Mama schwanger wird?

Über 10 Jahre ist es jetzt alles her, das bedeutet jedoch nicht, dass ich es vergessen könnte. Schließlich hat es mehrere Leben einschlägig verändert.

Eigentlich hat es eine ganze kleine Familie zerstört. Obwohl ich rückblickend nicht mehr weiß, wie genau es vorher war.
Zum Zeitpunkt der Affäre meiner Mutter war ich gerade einmal 8 Jahre alt. Ich war schon immer etwas empfänglicher für Manipulationen, man kann mich noch immer sehr leicht ausnutzen. Das tat sie, genau wie auch mein Vater zur selben Zeit. Auf die Frage, ob sie es noch jetzt tun, kann ich absolut keine Antwort geben. Auf jeden Fall wissen beide ganz genau, wie sie mich verunsichern können. Das hat weitreichende Folgen, so weit, dass ich davon sprechen kann, mein Leben absolut nicht kontrollieren zu können. „Jeder ist seines Glückes Schmied“ ist für mich ein hohler Spruch, weil ich nicht den Amboss oder den Hammer besitze.

Die Affäre meiner Mutter habe ich aus nächster Nähe mitbekommen: Ich war ihr Alibi. Immer wenn sie mit ihrem Liebhaber weg war, war ich dabei. Sie ermahnte mich immer, dass ich meinem Vater nichts sagen sollte. Mein Vater seinerseits wollte, dass ich ihm die Karten offen auf den Tisch lege. Weil man als Kind in einer Abhängigkeitsliebe zu seinen Eltern steckt, liebte ich beide abgöttisch und wollte jedem gerecht werden. Das hatte zur Folge, dass ich mich selbst als eine miese Petze ansah.
Als alles ans Tageslicht kam war die Affäre allerdings noch lange nicht vorbei. Unsere Familie schon. Meine Eltern hassten sich ganz offen. Meine Geschwister und ich bekamen jeden Streit mit. Wir bekamen mit, dass unser Vater nicht mehr zu Hause schlief, dass unsere Mutter immer öfter weg war (diesmal abwechselnd mit mir oder meiner kleinen Schwester). Eines Nachts bekam ich mit, dass mein Vater auf meine Mutter gewartet hatte und als diese zu Hause ankam, schlug er sie und schrie ihr Dinge ins Gesicht, die ich bis dahin noch von niemandem gehört hatte.
Diese ganze Zeit war schrecklich. Während ich eingeschult wurde an der Realschule stand mein Vater draußen vor dem Fenster der Aula und meine Mutter saß neben mir. Jahrelang würdigten sie sich keines Blickes oder sprachen ein Wort miteinander. Nie wieder sah ich sie Samstagmorgens in der Küche sitzen mit frischen Brötchen. Nach einigen Jahren kommunizierten sie erst über Zettel, dann wieder mündlich. Es ging allerdings immer nur um Geld. Das hat sich bis heute nicht verändert. Jetzt werfen sie sich jedoch noch gegenseitig vor, unfähig zu sein in punkto Kindererziehung. Sie sind es ohne Zweifel. Beide versuchen noch immer jeweils ein Kind an sich zu reißen und das andere Kind nieder zu machen. Sie benutzen vor allem noch mich um ihren Konflikt weiter auszutragen. Meine Schwester bleibt davon weitgehend verschont, weil sie nicht so leicht zu kriegen ist. Sie macht es genau wie meine Eltern: Sie nutzt die Menschen aus wo es geht. Auch mich. Mein Bruder dagegen hatte schon früh keinen Bezug mehr zu unseren Eltern.

Uns alle kotzt es einfach nur an hier zu wohnen. Wir wollen raus hier, stecken aber fest. Aus den Fängen der Eltern haben wir uns emotional nur in einer bestimmten Art und Weise getrennt. Das ging aber nur mit grenzenlosem Hass. Wer keinen echten Hass bis jetzt gespürt hat, weiß nicht was ich damit meinen könnte. Schlimm daran ist, dass ich trotz des Hasses, oder auch gerade deswegen, die Vergangenheit nicht loslassen kann und sie die Gegenwart überdauert. Mein Leben wird dadurch bestimmt und ich bin unfähig zu leben. Das ist die weitere Verbindung zu meinen Eltern.

Ich kann meine Mutter zwar verstehen warum sie einen anderen Mann haben wollte, aber ich kann sie und meinen Vater nicht verstehen, wie sie meinen Geschwistern und vor allem mir so etwas antun konnten. Ich bin zerbrechlicher als meine Geschwister und emotional empfindlicher. In diesem Falle ist es klar ein Nachteil, auch wenn es seine Vorzüge hat emotional intelligent zu sein.
Für mich haben meine Eltern mich benutzt und mir übel mitgespielt. Sie haben ihren Konflikt mit mir ausgetragen. Ich fühle mich noch immer manchmal schuldig, dass wir keine Familie mehr sind. Es war aber nie meine Schuld. Diese beiden Menschen waren mit sich selbst viel zu sehr beschäftigt und skrupellos. Würde ich die Affäre und ihre Auswirkungen genau aufzeichnen, sollte ich lieber ein Buch darüber verfassen.

Dennoch haben sich meine Eltern nie wirklich getrennt, öffentlich sind sie miteinander verheiratet und mein Vater behauptet heroisch, er hätte diese Ehe gerettet. Theoretisch gesehen, könnte man sich köstlich amüsieren, aber nicht mehr, wenn man die 5 verkorksten Leben sieht. Drei Leben davon stehen noch am Anfang und trotzdem irgendwie am Ende. Und wir kriegen alle nur Schelte von unseren Eltern. Wir sind zu nichts nutze und faule Drecksäcke. Was wir uns täglich anhören müssen ist grauenvoll, aber wiederum nichts gegen das Klima, das hier herrscht.
Wir sind keine Familie und waren wahrscheinlich auch nie eine.

Als Christ hält man bekanntlich seine andere Wange hin, wenn man geschlagen wird, aber meine Wangen sind im übertragenen Sinne feuerrot. Und um es wie die Muslime zu machen, doppelt zurückschlagen, fühle ich mich zu leer und schwach. Ich wüsste auch nicht genau wie ich alles meinen Eltern zurückzahlen sollte. Aber vielleicht sind sie schon gestraft genug damit, dass ihre Kinder sie abgrundtief hassen.
Zumindest eine Emotion.

Die Überschrift „Was ist, wenn die Mama schwanger wird?“ ist aus einer der vielen „Verhöre“, die mein Vater mit mir ständig geführt hat.

11 Antworten

Kommentare

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    Ich finde es schlimm, was deine ELtern gemacht haben. Sehr, sehr schlimm. Und unnachvollziehbar. Zieh schnell aus, so geht das nicht weiter, du machst dich noch mehr kaputt.

    Manche Leute können anscheinend nicht verstehen, dass solche Dinge nicht an einem vorbeigehen. Wenig Vorstellungsvermögen. Als unschuldiges Kind so behandelt zu werden muss grauenhaft sein.

    12.01.2006, 12:58 von troispointsetMelinda
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    finde das grauenvoll.
    deinen erlebnisbericht. wenn du da wegbist, cutte dich erst einmal ab, von denen.
    du bist nicht unfähig wie deine eltern.
    geh da raus und lerne dich selbst kennen.
    deine seele wird nicht verkümmern. du bist nicht wie sie.

    05.12.2005, 11:56 von nimsaj
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    Absolute Nichtbeachtung ist die größte Strafe für Eltern. Wenn sie sich dann nicht melden(lass es ein paar Jahre sein),waren sie es sowieso nicht wert.Klingt hart,ist aber so.

    23.11.2005, 18:19 von Andti666
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    ich glaube nicht, dass du deine eltern hasst, ich denke es einfach nur das einzige gefühl, das dich noch an sie bindet und an dass du dich klammerst.
    wenn du sie wirklich aus deinem leben streichen wolltest, dann hättest du es schon getan

    17.06.2005, 00:39 von Kelly
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    aua.

    aber stubenrein hat auch recht: versuch DEIN leben zu leben.

    11.04.2005, 16:43 von octopussy
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    Ohoh!

    Tut mir Leid, trotzdem fand ich den Text langweilig, wenn dein Leben (bzw. das deiner Eltern) es viellleicht auch nicht ist, der Text war es.
    Zum Einen.

    Zum Anderen bist Du alt genug, um aufzuhören mit diesem pubertären: Alles was ich bin, haben meine Eltern aus mir gemacht!

    Versink nicht in Selbstmitleid, Du bist die Feder, die DEIN Leben schreibt!!!

    10.04.2005, 15:08 von stubenrein
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    "Sieh es nicht so eng" willst du wahrscheinlich nicht hören, MiLaine. Aber die gröbsten Jahre hast du doch "überstanden", du bist mitten drin, selbst bestimmen zu können. Wenn du deine Familie so "hasst", dann kannst du gehen, du bist schließlich alt genug dazu. Gebrochen würde ich dich übrigens nicht bezeichenen, denn sonst würdest du darüber nicht reden. Und verkorkst, meinst du nicht, du bist selbst dafür verantwortlich, was du aus deinem leben machst?
    Aber ich glaub, ich hör jetzt auf zu schwafeln, ist ja schließlich deine entscheidung...

    07.04.2005, 17:01 von ephigenie
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    kommt mir bekannt vor

    05.04.2005, 12:01 von nasenhoch
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