frl.mathilda 26.05.2009, 23:15 Uhr 6 2

Swing it, baby! II

Herbert weiß, was Frauen wünschen.

Schließlich saßen wir wieder bei uns im Wohnzimmer und tranken den Wein, der auf mein verzweifeltes Drängen hin noch gekauft worden war. Mir war inzwischen längst klar geworden, dass ich Abend nur mit großen Mengen Alkohol überstehen würde. Entweder das oder Rasierklingen essen, was mir tatsächlich als verlockender Gedanke erschien, denn kaum berührte Herberts onkeliger Hintern mein schönes Sofa, war er auch schon wieder beim Thema.
Schockiert stellte ich fest, dass er tatsächlich im Netz Seiten seiner favorisierten Clubs aufrief und mir begeistert zeigte. Das konnte doch einfach nicht wahr sein, er lief auf Sexautopilot und blendete meine entnervte Reaktion völlig aus. Von Jonas war auch keine Hilfe zu erwarten, er war mit Ilka in ein Gespräch vertieft. Ich hätte Herbert schon zu diesem Zeitpunkt gern achtkantig rausgeschmissen ( am liebsten aus dem Fenster!), aber da ich wusste, wie sehr sich Jonas auf das Treffen mit seiner besten Freundin gefreut hatte, war ich fest entschlossen, Herbert diesen einen Abend auszuhalten. Zähneknirschend wandte ich mich wieder dem Laptop zu, auf dem Herbert mittlerweile sein Profil aufgerufen hatte.
„Oh toll, du bist rasiert.“, presste ich heraus, mit meinem Mageninhalt kämpfend und dem Entschluss, meine Augen gründlich mit Sagrotan zu spülen. Oder Salzsäure.
Mittlerweile war es für mich zu einer traurigen Gewissheit geworden, dass dieser Besuch einen Partnertausch zum Ziel hatte.

Original-Herbert und Porfilfoto-Herbert glotzten mich stolz an. Original-Herbert schien zu erwarten, dass ich beim Anblick der kläglichen Erektion von Profilfoto-Herbert schlagartig rattenscharf werden und mich auf ihn stürzen würde. Ungläubig blickte ich zwischen den beiden Herberts hin und her.
„Ne Mädchen, das gefällt dir!“
Lüsternd legte er die Hand auf mein Knie.
„Diesen Luxusschwanz darfst du gerne ausprobieren….“
Gerade als ich dieses großzügige Angebot durch einen gezielten Ellenbogenstoß in Original-Herberts faltige Eier (und sie waren unglaublich faltig, Profilfoto-Herbert ließ da keine Zweifel aufkommen) freundlich zurückweisen wollte, unterbrach Ilka diesen intimen Moment.
Laut schluchzend erzählte sie meinem Freund, dass sie einen anderen liebe (verständlich), einen, der viel besser aussehe (nicht schwierig) und insgesamt viel toller sei als ihr Mann. Leider wolle dieser Traumtyp nur Sex (Swinger-Schicksal).
Statt der erwarteten wütenden Reaktion, belehrte Herbert Ilka in seiner Klein-Jungen-Stimme, die er seiner Frau gegenüber immer benutzte, dass sie ja schließlich mit ihm zusammen sei und ihn daher ja lieben müsse und ihre Beziehung eindeutig in Ordnung sei. Klarer Fall von Realitätsverlust.
Dieses Drama wollte ich mir jedenfalls nicht weiter zumuten und floh in die Küche. Meines Erachtens nach hatte ich an diesem Tag schon genug ertragen. Weit gefehlt. Statt seine weinende Frau zu trösten, mit der er ja eine ach so großartige Beziehung führt, folgte mir Herbert in die Küche.
„Soll die Ilka sich mal von Jonas trösten lassen. Weißt du, die beiden sind schon immer gern miteinander in die Kiste gesprungen. Das würd ihr jetzt mal ganz gut tun, son anderen Kerl zwischen die Beine zu kriegen.“

Herbert weiß, was Frauen wünschen.

„Im Ernst Matilda, dein Freund hat schon immer gern mit meiner Frau geschlafen.“, versuchte er mich zu provozieren
Als würde ich mich deswegen verpflichtet fühlen, im Gegenzug ne schnelle Nummer mit ihm auf dem Küchentisch zu schieben. Für Herbert war genau das jedoch die logische Schlussfolgerung. Er lächelte mich schmierig an und tätschelte in seiner ekligen pseudo-onkeligen Art meine Wange.
„Ich finde dich echt erotisch Matilda. Naja, und was Jonas kann…“
OH MEIN GOTT! Entsetzt wich ich zurück.
„Jetzt tu doch nicht so schüchtern, das passt überhaupt nicht zu dir. Ich würde dich gern küssen, Matilda.“
Panisch suchte ich nach einer Erwiderung, leider schien mein Gehirn den Not-Aus-Schalter betätigt zu haben und auch mein Sprachzentrum hatte sich ängstlich sabbernd in irgendeiner Ecke verkrochen. Einzig ein dickes, fettes IIIHHHH flackerte durch meine Gedanken.
„Nee du, echt nicht.“, brachte ich an den Kühlschrank gepresst hervor, quetschte mich an ihm vorbei und flüchtete in die entfernteste Ecke der Küche.
„Na, dann erzähl doch mal Onkel Herbert, worauf du so stehst. Vielleicht kann ich dir ja noch was beibringen…“
„In erster Linie stehe ich auf sexuell attraktive Männer!“, zischte ich und flitzte an ihm vorbei in Wohnzimmer. Dort vertrieb ich die heulende Ilka von meinem Freund und machte ihm klar, dass er den Abend besser schnell für beendet erklären sollte, da ich sonst unweigerlich die Axt holen würde.

Sicherheitshalber schloss ich die Schlafzimmertür ab, denn ich war mir nicht ganz sicher, ob „Onkel“ Herbert begriffen hatte, dass ich eher Sex mit einem Mixer haben würde als mit ihm.
Wie zur Bestätigung hörte ich ihn im benachbarten Badezimmer zu seiner Frau sagen:
„Also Mathilda find ich schon echt geil. Anfangs dachte ich ja, sie würd das vielleicht ein bisschen eklig finden, schließlich könnte ich ja ihr Vater sein. Aber ich glaube, sie steht auf mich.“

Wie sollte ich bloß den Sonntag überstehen?

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6 Antworten

Kommentare

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    Wie ekelhaft! Dem hätte ich erstmal eine gescheuert!

    05.10.2009, 23:33 von miss_tini
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    ja dann...

    28.05.2009, 16:40 von Sternchen266
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    Was hat dein Mann für Freunde??

    27.05.2009, 11:23 von sun-chan87
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