xany 04.08.2006, 01:35 Uhr 64 19

Spiel, Satz, Sieg...?

Da drüben steht er. Er sieht zu mir rüber, das kann ich aus meinem Augenwinkel erkennen. Er kommt auf mich zu.

Im Club ist es heiß. Schweiß läuft meinen ganzen Körper herunter. Jede Bewegung zu viel. Ich fächere mir Luft mit einem Stück Papier zu und beobachte die tanzende Menge.
Da drüben steht er. Er sieht zu mir herüber, das kann ich aus meinem Augenwinkel erkennen, doch ich gebe mir Mühe, ihm nicht in die Augen zu blicken. Das darf er nicht sehen. Er hat so etwas unnahbares, er würde nie eine Frau ansprechen.
Er kommt auf mich zu. Ich bin mir nicht sicher. Kommt er zu mir, geht er er an mir vorbei? Doch er spricht mich an. Ich kann mein Glück kaum fassen. Ein Mann wie er findet Gefallen an mir.
Wir reden, und irgendwann küssen wir uns. Sehr lang, sehr leidenschaftlich, sehr zärtlich.
"Bist du müde?", fragt er mich irgendwann.
Ich nicke.
"Also, ich könnte dir da einen Schlafplatz anbieten"
Ich hatte es erwartet, und seine Art es vorzuschlagen war sogar leicht plump, aber ich sage trotzdem ja. Irgendetwas an ihm ist besonders. Ich muss ihn einfach gehabt haben.
Er bezahlt das Taxi zu sich nach Hause und auf dem Weg dorthin hält er die ganze Zeit meine Hand.
Es ist bereits früh am Morgen, als wir seine Wohnung betreten. Erst stehen wir auf der Dachterasse, dann liegen wir auf der Couch, dann in seinem Bett.
Es ist heiß in seinem Bett. Schweiß läuft seinen ganzen Körper herunter.
Er berührt mich so zärtlich, als hätte er Gefühle für mich, dabei ist das hier doch nur eine einmalige Sache, oder nicht?
Er berührt mich zärtlicher, als mein Exfreund es je getan hätte.
Ich fühle mich so geborgen. Er ist der erste Mann, in dessen Armen ich es vermag einzuschlafen.
Ihm gegenüber gebe ich mich abgeklärt. Als würde mir all das nichts bedeuten. Tut es aber, ich kann es mir, und vor allem ihm, nur nicht eingestehen. Es darf mir einfach nichts bedeuten.
Ich dusche mich, ziehe mich an, föhne mir die Haare.
Er fragt nach meiner Nummer. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich befürchte, er könne das Mysterium des einmaligen Beischlafes damit zerstören. Er tut es.
Als ich mich verabschiede sagt er sogar, dass er es schön fand und es fällt mir schwer, etwas darauf zu erwidern.
Warum denn so viel Gefühl? Verstehst du nicht, worum es hier geht?
Ich kann es nicht. Er darf nicht sehen, dass ich ihn mag, dass ich es schön fand, dass ich mich geborgen fühlte, dass ich es am liebsten wiederholen würde.
Ich muss mich an die Regeln halten. Ich darf mich nicht emotional von ihm abhängig machen. Sonst gewinnt er dieses Spiel.

19

Diesen Text mochten auch

64 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    vielleicht gewinnst du ja auch, sozusagen gleichzeitig. Ein Doppel?

    04.03.2008, 17:21 von BlondBlauBloed
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Hmm kenn ich nur zu gut....Schöner Text, gut geschrieben, auf den punkt gebracht...ich hab einen da geht es um was ähnliches...

    03.10.2007, 20:16 von Nanni86
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ich habe mich immer gefragt, was in den Köpfen von Frauen die sich verhalten wie du es geschildert hast vorgeht. Oh mein Gott!!! Ich kann mich nur jenen anschließen die bereits ähnliches schrieben: wer nicht wagt der nicht gewinnt! Wer so mit angezogener Handbremse lebt, lebt kastriert!

    07.04.2007, 00:15 von neugieriger
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Das ganze Leben ist ein Spiel in dem es einzig um verlieren oder gewinnen geht. So denken zumindest die Menschen die nicht Ansgt vor der Welt sondern nur Angst vor der viel zu großen Welt in sich selbst haben. Warum muss es so sein wie es doch offensichtlich ist. Ist das nur naiv oder ist es der Superlativ der Befreiung, sich nicht an die Gesetze der anderen zu halten, einzig und allein desshalb um eine Illusion zu erschaffen die sich dann wie von selbst, als wäre es das selbstverständlichste, Freiheit und auch Wahrheit nennt. Denn wir Menschen brauchen diese Wahrheit die sich selbst belügt.
    Gute geschrieben! Dein Text liest sich einwandfrei.

    15.01.2007, 21:35 von JulianSilence
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    sorry, aber selten so nen quatsch gelesen...

    13.11.2006, 23:03 von Orson
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    woher rührt denn diese schein-disziplin, wenn man fragen darf?
    ich denke schon, dass man sowas eigentlich nur dann schreiben kann, wenn man es auch so denkt. nein, so fühlt.
    ich möchte dich nicht kritisieren, aber falls das deine tatsächliche eintellung sein sollte, tut es mir leid.

    06.10.2006, 20:01 von itsuki-masuka
    • Kommentar schreiben
  • 0

    es hat sich doch gelohnt! Vll wird es ja mehr. Man sollte auf die Stimems eines Herzens hören

    28.09.2006, 14:13 von uCantHide
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4 5 ... 7

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare

  • li b OHNE e

    „Geht auch ohne, sacht der Woody Allen:"Don't kn...“

    20.04.2018 von mirror87
  • li b OHNE e

    „Wo der eine vor lauter Wort den Gehalt verliert,der ...“

    20.04.2018 von Feodor
  • li b OHNE e

    „Tatsachen, die du vielleicht in schönere Worte hätte...“

    20.04.2018 von FyT
  • Rockstar auf der Arbeit

    „kommt aus kaffeevollautomaten auch kaffeevollauketchup?“

    20.04.2018 von ga
  • li b OHNE e

    „haha genau und putzige Überschrift ;)“

    20.04.2018 von Tora