mado 30.11.-0001, 00:00 Uhr 10 0

Sex ohne Berührung

Was macht das Leben lebenswert? Wie offenbart sich unsere Seele?

Beim Sex? Ist es wirklich die Vereinigung derer, die sich verloren haben und die sich suchten?

Sex ist Lust. Was ist Lust? Man könnte es als körperliche Reaktion beschreiben. Der Körper sehnt sich nach Zärtlichkeit und empfindet ein Verlangen, das sich in Gefühlen ausdrückt. Gefühle, die wiederum körperliche Reaktionen auslösen, die den Körper auf die Vereinigung vorbereiten. Doch es geht nicht wirklich um ein körperliches Verlangen. Der Körper ist nur das Medium, durch welches sich die Seele ausdrückt. Die Seele braucht Nähe. Eine ganz bestimmte Nähe, sie ist ihre Nahrung. Sie sucht die Nähe des fehlenden Teils. Manche Menschen suchen bewusst, andere unbewusst; manche suchen mit Hast und manche sucht mit Gelassenheit. Oder mit Wissen? Aber was wissen sie? Dass die Liebe, die fehlenden Teile irgendwann unaufhaltsam aufeinanderstoßen? Aber woher wissen sie, dass sie es erkennen? Gibt es nicht genügend Menschen, die vergebens warten? Die sterben, ohne gefunden zu haben?

Sex alleine ist die oberflächliche Befriedigung des vermeintlich körperlichen Verlangens. Sex und Liebe ist der Versuch, den fehlenden Teil zu erkennen. Woher weiß man, ob man seine zweite Hälfte gefunden hat? Kommunikation ohne Worte. Stilles Verständnis. Augen, die einander anblicken und wissen. Hände, die erforschen und Genuss verschaffen. Es sind weniger die körperlichen Reaktionen. Die stille Kommunikation bedeutet die Kommunikation der Seelen. Sex ohne Berührung.

Ist es ein Spiel, das man lernen kann?
Ein Mensch, der einen anderen Menschen beglückt, ohne ihn zu lieben, was ist das? Sucht seine Seele nicht? Offenbar nicht, denn sonst würde er mit ihm schlafen, weil er verliebt ist und herausfinden möchte, ob der andere die zweite Hälfte ist. Oder ist es Verzweiflung?

Die Seele, was ist das überhaupt? Gedanken, sind das die Worte der Seele? Oder sind es die Gefühle? Sind Gefühle in Worte zu fassen? Man glaubt es. Jedoch der Verstand ist der, der versucht, die Gefühle zu beschreiben. Ist das überhaupt nötig? Reicht es nicht, durch die stille Kommunikation zu sprechen?

Männer verstehen Frauen nicht. Frauen verstehen Männer nicht. Oder vielleicht versteht nur der/die eine, nämlich die passende Hälfte, die andere? Sex ist nicht nur die Berührung. Es ist vielmehr das dazwischen. Die Spannung, der Geist, der genährt werden möchte. Pure Lust. Nicht jeder spürt die Lust ohne Berührung. Die Menschen verlieren das Gespür dafür. Sie brauchen die Berührung, um zu leben. Sie brauchen sie, um Gefühle zu fühlen, die sie allein nicht mehr zu fühlen vermögen. Doch stimmt das? Was ist rein körperliche Liebe, wenn der Körper und die Seele untrennbar miteinander verbunden sind? Oder ist körperliche Liebe nur dann möglich, wenn der Verstand die Worte der Seele unterdrückt. Geht das? Oder ist es nicht so, dass beim Sex immer ein Stück Liebe dabei ist? Das Ziel ist ein Gefühl. Und Gefühle sind die Sprache der Seele. Nur das Gefühl führt zur körperlichen Erleichterung. Wo ist also die Seele derer, die Sex ohne Liebe haben? Eigentlich ist es unmöglich. Wenn die Nähe, die das Verlangen auflodern lässt, eigentlich die Nahrung der Seele ist. Oder ist die Sache, dass die Liebe nicht untrennbar mit der Seele vereint ist? Was ist dann die Liebe? Wenn sie nicht die Erfüllung der Seele ist?

Inspiration: Paolo Coelhos "Elf Minuten"

10 Antworten

Kommentare

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    Guter Sex ist keineswegs nur eine oberflächliche Befriedigung, wie die Autorin schreibt. Guter Sex findet zwischen zwei Liebenen statt, die sich einander völlig hingeben können. Das stärkt die Liebe und man fühlt sich besser. Zudem sieht man den Partner oder die Partnerin mit ganz anderen Augen, weil man sie/ihn erlebt, wie sie/ihn niemand erlebt.

    26.04.2004, 22:51 von Greebo
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    hey mado, ist echt ein sehr schöner text mit ganz viel grübel-potential. hat mir wirklich gefallen! schön, dass es menschen gibt, die noch so denken! die an mehr glauben, als an den körper! aber nicht nur sex ist die suche nach der anderen hälfte...da gibts noch so einiges mehr! und außerdem denk ich, dass es wohl nicht nur eine passende hälfte gibt! so ein paar werdens schon sein. viel glück all den suchenden da draußen!

    26.04.2004, 22:45 von waterchocolate
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    Wenn ich es nicht selbst geschrieben hätte, hätte ich schon auf den Verfasser verwiesen, das ist eine Frage der literarischen Ehre.

    Als ich gestern deinen Artikel laß habe ich es direkt verfasst.Seine Aussage steckt fast komplett in der Überschrift, im restlichen Teil habe ich nur noch versucht das in dieser genannte Paradox zu metaphorisieren - was man endlos wieterführen könnte - und in den letzten zwei Versen als Synthese zusammenfließen zu lassen. Ich hab es einfach schnell aufgeschrieben, als ich merkte, dass dein Text mich inspiriert hat.

    Wenn ich es jetzt im Nachhinein lese, fallen auch mir natürlich eine unendliche Zahl von Verbesserungen und Erweiterungen dazu ein, aber dann wäre es ja kein gefühlsgesteuerter Ausdruck meiner Selbst zu besagtem Zeitpunkt mehr.

    (Fontane hat mal gesagt :
    "Dreiviertel meiner literarischen Zeit ist überhaupt Korrigeren und Feilen gewesen")

    Ich will damit nur darauf hinweisen, dass es in diesem Moment nicht ein Perfektionist war, der ein Gedicht schrieb, sondern ein Herz, dass Worte fühlte.....

    25.04.2004, 16:26 von TobbiOnE
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    Vielen Dank für die lieben Kommentare zum Text! :-)

    @ Annemie: Ich wollte mit diesem Text keine allgemeingültige Aussage abgeben - das ist gar nicht möglich, da die Vorstelung der Menschen von Liebe und Sex oft auseinandergehen. Es ist einfach nur der Versuch, den Zusammenhang zwischen Gefühlen, Sex, Liebe und der Seele herzustellen. Er soll zum Nachdenken anregen (wobei mir ja die meisten zugestimmt haben :-)). Ich bin auch nicht der Meinung, dass Sex ohne Liebe nicht möglich ist, aber dieser Punkt stellt einen Widerspruch zum Rest der Aussage dar: Gefühle sind objektiv gesehen eine biologische Reaktion in unserem Körper - subjektiv aber ist es mehr als das, es beeinflusst unsere Gedanken und die Sprache unserer seelischen Bedürfnisse (meiner Ansicht nach). Was in uns steckt, die Seele, ist ein Rätsel für die Menschheit. Und ihr Zusammenhang mit der Gefühlswelt ebenso.
    Also: es ist einfach ein Widerspruch irgendwie. Dementsprechend kann es auch keine allgemeingültige Aussage sein :-)
    Dennoch: danke für deinen Kommentar!

    @ TobbiOnE: Vielen Dank für dieses schöne Gedicht. Hast du es selbst geschrieben?

    25.04.2004, 15:00 von mado
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      @mado Ergänzung (hab ein Wort vergessen):
      "subjektiv aber ist es mehr als das, es beeinflusst unsere Gedanken und IST die Sprache unserer seelischen Bedürfnisse (meiner Ansicht nach)"

      25.04.2004, 15:02 von mado
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    Worte für wortloses

    Ich denke, ich denke
    es ist die Liebe selbst,
    die in einem, einemjeden
    von uns steckt

    sie ist der Inbegriff ihrer selbst,
    denn sie ist allumfassend
    Quelle und Mündung, ein Anker der Vereinigung
    im Meer der Glückseligkeit

    In ihrer körperlichen Form
    ist sie Ausdruck einer Metaphysik,
    derer wir zu erfassen nicht fähig,
    - sie in all ihrer Macht aber spürend
    wir jedoch auf Ewig bestimmt sind

    24.04.2004, 23:17 von TobbiOnE
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    Wer meine Forumsdiskussion gelesen hat, der weiß, dass ich das etwas anders sehe - der Text gibt eine romantische Sicht von Sex wieder, aber in meinen Augen kann es kalten, gefühllosen Sex zur reinen Triebbefriedigung gegeb, einfach nur aus purer Geilheit heraus - ganz animalisch, ohne Seele, nur gegenseitige Stimulation. Scheinbar sind da aber nicht alle Menschen gleich gestrickt. Jedenfalls gibt es auch solche, die mit Sex keine Nähe, keine Vervollständing suchen, die einfach nur ihre Phantasie ausleben wollen und deren Lust sich nur auf körperliche Erregtheit begründet. Aber ich glaube auch, dass viele Menschen Angst davor haben oder sich schämen, sich völlig ihren Trieben hinzugeben, vielleicht weil sie befürchten die Kontrole über sich zu verlieren oder dadurch von ihren romantischen Vorstellungen abrücken.

    23.04.2004, 11:38 von Niemand
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    Nun, mir geht es ähnlich wie susa. Ziemlich verwirrend das Ganze...
    Ich denke, dass Sex ohne Berührung kein Sex sein kann. Sex ist eine körperliche Begegnung - und das kann die Seele nun mal nicht leisten. Und wenn sich zwei Seelen noch so nahe sind, sie haben keinen Sex. Und die Suche nach dem fehlenden Teil, die erinnert mich wage an die Kugelwesen (aus der griechischen Mythologie, glaube ich). Aber ist das wirklich so? Man trifft Menschen und man versteht sich gut mit ihnen. Vielleicht hat man Sex, vielleicht kommt man zusammen oder beides. Es soll auch Menschen geben, die alleine glücklich sind. Und die stille Kommunikation mit dem Gegenüber: Ja, das gibt es. Das kann passieren. Beim Sex zum Beispiel redet man ja eh nicht so viel. Aber auch sonst ist nonverbale Kommunikation möglich und schön. Aber als sprechender Mensch habe ich den natürlichen Drang gerade mir vertrauten Menschen viel zu erzählen. Es gibt solche und solche Menschen. Ich finde deine Gedanken schön. Irgenwie mußte ich an Werther denken. Wenn Goethe ihn über Sex nachdenken lassen hätte, dann hätte er bestimmt ähnlich gedacht. Die körperliche und seelische Verbindung als transzendetales, metaphysisches Erleben ihrer selbst als Einheit. Erfüllt von der tiefen und innigen Liebe. So oder ähnlich (würde ich mir denken). Nur: was du schreibst hat keine allgemeine Gültigkeit. Es ist eine subjektive Empfindung. Und Menschen, die vielleicht einfach mal so Sex haben, müssen nicht zwangsweise auf der Suche nach etwas sein.

    26.03.2004, 14:38 von Annemie
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    Verlangt man nicht nach Zärtlichkeit um zu fühlen, dass man geliebt wird, um die Erlaubnis zu bekommen sich selbst zu lieben? Man kann sich nur selbst lieben, wenn man sich vollkommen fühlt. Vollkommen ist man nur, wenn der passende Teil sich anfügt. Wäre so die Liebe aber nicht purer Egoismus? Sich verlieben um sich selber zu lieben? Man kann nicht mit Wissen suchen, aber man spührt, wenn der Augenblick des passenden Teils gekommen ist. Man nimmt sich nun als Ganzes wahr, größer, beschwingter, glücklich. Strebt man nicht nach Liebe um selber glücklich zu sein? Man macht sich selber glücklich, wenn man die andere Hälfte glücklich macht. Und man ist glücklich, wenn man selber glücklich gemacht wird. Ist Geben und Nehmen demnach nur auf puren Egoismus zurückzuführen? Ist die Liebe die einem so entgegenkommt denn wahre Liebe, und nicht nur die Liebe, die gebraucht wird, damit ein anderer glücklich ist?
    Aber eigentlich spielt es keine Rolle, warum man liebt und geliebt wird. Es ist einfach eine Begebenheit, die den Menschen glücklich macht. Das ist der springende Punkt.
    Ich finde, dass Sex und Liebe nicht der Versuch ist das fehlende Teilstück zu finden. Liebe heißt doch, das du es bereits gefunden hast, sonst könntest du nicht lieben.
    Hast du Sex ohne Gefühle, lebst du deinen Trieb aus, und suchst noch. Hoffst das bei alldem Suchen ein Stück Liebe und Glück für dich zu finden ist.
    Dennoch ist nicht jeder der Sex ohne Gefühle hat, auf der Suche. Vielleicht wollen sie Glücks- und Liebesgefühle vermeiden. Denn mit dem Glück beginnt die Angst. Angst vor dem Schmerz der einem zugefügt werden kann, würde man das passende Teilstück wieder verlieren.
    Wäre es nicht einfach, sich diesen Schmerz zu ersparen? Ersparen wollen wir ihn uns alle. Aber werden wir denn gefragt ob wir uns verlieben wollen? Nein, wir Marionetten von dem, was aus unerklärlichen Gründen in unserem Herzen sitzt und Regie führen will und unaufhaltsam nach Glück strebt. Bei purem Sex geht es allein um das körperliche Verlangen. Die Lust staut sich in dir und du leitest sie ab, indem du Körper begehrst, dich dem Moment hingibst. Du suchst gezielt nach der körperlichen Befriedigung. Deine Seele befriedigt sich dadurch nicht. Sie sehnt sich nach Sex ohne Berührung, weil sie selber keine Berührungen erfahren kann. Sie empfängt nur das, was durch Berührungen weitergeleitet wird. Sie erreicht Befriedigung durch das Zwischenmenschliche, durch das Begehren des „einen Menschen“, findet Befriedigung durch das Wissen selbst begehrt zu werden, Befriedigung dadurch, nun ein Ganzes zu sein. Somit ist deine Seele der versteckte Egoismus. Nicht der Körper. Er wird gezwungen so zu handeln, damit deine Seele Erfüllung erfährt. Die Seele ist neidisch auf den Körper, welcher doch Berührungen empfangen kann. Und sie ist wütend vom Körper abhängig zu sein. Die Seele allein kann nicht glücklich werden. Körper und Seele, Sex und Liebe miteinander verbunden, macht das aus, was den Menschen glücklich macht. Man kann weder Gefühle noch die Seele in Worte fassen, und man sollte es auch nicht. Macht es denn glücklich sie auszusprechen? Vielleicht berühren sie die Seele für einen kurzen Moment, aber es ist zu wenig um glücklich zu sein. Man sollte sie ausleben, sie spüren und weitergeben durch Zärtlichkeit, Blicke und Sex.

    26.03.2004, 12:07 von Bumblebee
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    liebe ist die erfuellung der seele und die seele verlaesst einen nicht; man ist eine seele in einer huelle, dem koerper. wenn es beim sex nicht nur um den raschen abbau einer spannung geht, beruehren sich zwei seelen, finden sich zwei seelen in einem energiewirbel der liebe wieder. grundsaetzlich ist das mit vielen seelen moeglich, trotzdem existiert eine seele, bei der ein besonderes erkennen moeglich ist. eine kommunikation ohne viele worte oder ein wahres verstehen von worten!
    so stelle ich es mir vor; schoener text der viel stoff zum nachdenken ueber dinge gibt, ûber die zu selten nachgedacht wird! danke!!

    26.03.2004, 10:30 von rebondissement
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      @[Benutzer gelöscht] Ich hoffe,dass ich immer mit Liebe lieben kann.Sonst hat die Vereingung keinen Sinn.Liebe ist der Motor.
      Danke für den Text!!

      26.03.2004, 09:03 von corcovado

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