solasweet 14.02.2011, 15:12 Uhr 3 4

Sex für Anfänger

Was so alles schief gehen kann bei der schönsten Nebensache der Welt. Sex ist schön? Nein, schlimmer geht immer. Ein Erlebnisbericht.

Sex habe ich nie mit besonders viel Romantik betrachtet. Ich brauche keine Rosen im Bett, kein Kerzenlicht und Kuschelrock im CD-Player. Ein Mann genügt mir eigentlich. Doch trotzdem will es mit dem Sex nicht so recht klappen: 22 Jahre und noch immer ahnungslos, was den ganzen Sex-Hype angeht. An praktischer Erfahrung mangelt es nicht- leider, wie ich heute sagen muss.

Szene 1: Ich bin 14 Jahre alt, total verliebt in meinen ersten festen Freund. Im Bett läuft aber gar nichts. Entweder platzt seine oder meine Mutter alle fünf Minuten ins Zimmer. Wir seien zu jung für sowas. Nach zehn Monaten Rumgeknutsche im Kino oder im Wald geben wir auf. Unsere Mütter haben gewonnen. Und ich habe ihn nicht mal nackt gesehen. (Das haben wir einige Jahre später nachgeholt. War nicht viel zu sehen.)

Szene 2: Affären mit diversen Typen. Einer will Sex mit mir. In der Badewanne. Er gibt sich Mühe, mich vorher zu erregen und versagt dabei völlig. Anatomiekurs könnte hier nicht schaden. Zwischendurch steht er auf, um Musik anzumachen, rutscht aus und verletzt sich an der Hand. Das war´s dann erst mal mit Sex, dachte ich. Er wollte aber, dass ich ihm einen runterhole mit der Hand. Ich habe mich richtig blöd angestellt, bis er sich gequält weggerollt hat.

Szene 3: Jahre später. Ich bin wieder verliebt! Dieses Mal ist es ein vernünftiger Mann; wir verhalten uns erwachsen. Eines Nachts treffen wir uns bei ihm, nachdem wir getrennt feiern waren. Wir sind beide betrunken, schlafen erst mal ein. Er wird wach, hat Bock, wir fummeln mit Schlaf- und Pinkel-Unterbrechungen. Dann passiert, was passieren muss: Er kriegt keinen hoch, dann passt er nicht in meine immer noch trockene Scheide. Er drückt mit aller Gewalt, bis das Kondom reißt- das einzige, das vorhanden war. Peinlich berührt schickt er mich mit schmerzendem Unterleib und dickem Kopf nach Hause- mit dem Fahrrad. Zwei Wochen Funkstille. Dann macht er Schluss. So viel zum Thema vernünftiger Mann.

Szene 4: Der Badewannen-Mann ist zurück. Inzwischen hat er die Vorlieben des Betts entdeckt, die weibliche Anatomie ist ihm dafür inzwischen komplett egal. Das ganze Vorspiel dauert drei Minuten, sein Penis ist auch nicht viel überzeugender. Ich nehme kurzerhand Reiß aus. Und brech ihm dabei das Herz. Armer Kerl.

Szene 5: Mein erstes Mal. Der Typ ist häßlich und ein wenig dumm, aber er ist total verknallt in mich und wird schon beim Anblick meines Arsch hart in der Hose. Sollte also dieses Mal alles funktionieren mit der Hardware. Besoffen war auch niemand von uns. Wir waren alleine, in einem Bett, ohne Zeitdruck. Ja, ich habe eben dazu gelernt. Der Sex war nicht perfekt, aber das erwartet ja auch keiner vom ersten Mal. Ich war ein wenig ernüchtert, aber auch erleichtert. Die ganze Sex-Sache scheint doch nicht so schwer zu sein.

Drei Wochen später: Panik. Die Periode lässt auf sich warten. Das macht sie schon mal des öfteren, aber der Zeitpunkt ist mir zu verdächtig. Gibt es eigentlich eine größere Bestrafung, als vom ersten Mal schwanger zu werden, obwohl man verhütet hat? Völlige Anti-Klimax. Nach einer Woche mulmigem Gefühl im Magen zwing ich mich zum Drogerie-Markt, schnapp mir möglichst unauffällig den billigsten Schwangerschaftstest (Schwangerschaftstest ist doch Schwangerschaftstest, oder? Warum also unnötig Geld ausgeben?) und lasse die mitleidig-entsetzten Blicke der Kassiererin über mich ergehen.
Das Testergebnis: nicht schwanger. Richtig beruhigt bin ich nicht. Der Beipackzettel rät mir nämlich, auf jeden Fall zum Frauenarzt zu gehen. Ja, wofür habe ich denn dann den anonymen Test gemacht, wenn der nichts taugt? Da warte ich jetzt lieber ab, was passiert, und hoffe auf ein wenig Gnade von oben.

Ich kann Menschen, die sich der Enthaltsamkeit verschreiben, inzwischen sehr gut verstehen. Da kann wenigstens nichts schief gehen. Und es schont die Nerven.

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3 Antworten

Kommentare

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    sex wird überbewertet, jawohl. aber es tut mir leid, dass es so mies war, ich hoffe, mittlerweile ist da was tolles passiert. wenn es sich am ende auch nie so richtig lohnt ;)

    29.05.2011, 20:37 von Wohlstandsasoziale
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    Gefällt mir. Am Ende fragt man sich, wofür das ganze Theater...

    14.02.2011, 15:38 von EliasRafael
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    Hahaha! Lustig.
    Auch wenn es teilweise ziemlich herablassend klingt.

    14.02.2011, 15:25 von Jingeling89
    • 0

      @Jingeling89 Ja, mit einer gewissen Ernüchterung, was das Thema angeht, geht die Ehrerbietung etwas verloren. ;-)
      Aber ich geb ja auch nicht den Männern die alleinige Schuld. Dazu gehören ja immer auch zwei.

      14.02.2011, 19:23 von solasweet
    • 0

      @solasweet Richtig.
      Ich will das jetzt auch nicht zusehr zerreissen, aber wenn du schreibst: "Was viel wichtiger ist, dass ich es geschafft habe. Ich hatte Sex!"
      dann denke ich automatisch an ToDo-Liste oder "endlich ein asap-MustHave-Erlebnis".

      15.02.2011, 08:15 von Jingeling89
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