Sand im Getriebe,
mit der Sandkastenliebe.
Toll, hier sitze ich jetzt.
Du kniest vor deinem Schreibtisch und suchst alte Fotos in einer Schublade. Kein sonderlich schöner Anblick. Ich frage mich wieso ich mich schon wieder in eine solch blöde Situation manövriert habe. Muss ne selbstzerstörerische Ader sein. Aber der Grundgedanke war ja eigentlich ganz nett. Seit der Grundschule nich mehr gesehn und dann hast du mich im Netz gefunden. Du warst meine Sandkastenliebe, erster Kuss und sowas, damals im Kindergarten, nach der Grundschule dann aus den Augen verloren. Wie das eben so is. Hast irgendwas gefaselt von Kindheitserinnerungen und Schullandheimen und man könne sich ja mal wieder treffen. Und da ich ja sowieso nichts Besseres vorhatte sagte ich zu, zwei Tage später, also Heute, stand ich dann vor deiner Tür. Und jetzt sitze ich hier. Und sehe dir beim Wühlen zu. Ich muss ja zugeben ich war ziemlich enttäuscht, ich hätte doch gedacht du seist größer. Also nichts gegen kleine Männer jetzt, ich bin ja selbst klein, aber 1,65m trifft nicht ganz so meinen Geschmack Mann. Aber da kannste ja nix für! Dein Kopf wirkt aber als sei er um das zehnfache gewachsen seit der Grundschule. Und worüber ich mit dir reden soll weiß ich auch nich, hab beim Reinkommen mal schnell das CD und DVD-Regal gecheckt und gemerkt: Ok, keine Übereinstimmung. Also über Musik und Filme schon mal nicht.
„Ich find nix!“ sagst du und setzt dich neben mich aufs Bett. Ich vermute mal stark du meinst die Fotos damit. Ich brabbele irgendwas von wäre ja nich so schlimm und das ich ja auch so oft Sachen verlege. Dann beginnst du von deinem letzten Wochenende zu erzählen, irgendwas mit Disco, irgendwas mit Tanzen. Ich möchte nicht unhöflich wirken aber trotzdem entgegne ich, wieso auch immer, das ich Discos ziemlich scheiße finde. Is mir zu laut und so. Und seit man da nich mehr rauchen darf stinkt‘s dort nach Kotze, Alkohol und Schweiß. Du siehst mich irritiert an. Ich wünsche mir jemanden der mich K.O. schlägt bevor ich wieder so was von mir gebe. Damit wird die Situation ja nicht gerade besser. Dein Zimmer ist irgendwie auch nicht sonderlich schön, sage ich diesmal Gott sei Dank aber nicht sondern denke es nur. Von der Wand links neben mir starrt mich eine nackte Frau mit riesigen Brüsten an. Ich schätze du bist ebenfalls enttäuscht von mir.
Wir schweigen. „Und sonst so?“ frage ich und finde mich selber irgendwie ziemlich kacke. Wieder brabbelst du irgendwas drauf los, ich versuche dir wirklich noch zu folgen, aber irgendwie schweife ich ab, habe plötzlich irgendeine Melodie im Kopf und überlege krampfhaft welches Lied das is. Es will mir nicht einfallen, gibt’s doch nicht! Dann siehst du mich fragend an. Upps. Hab ich wohl wieder nich aufgepasst. Ich versuche herauszufinden was du gesagt haben könntest, du hast irgendwas von Arbeit erzählt und dann… ich antworte einfach mal „Ja“.
War wohl die falsche Antwort, du grinst. Ich muss zugeben, dass dich das nicht unbedingt attraktiver macht aber nun ja, gut. „Du hast mir nich zugehört, schon klar, ich kann auch verstehen dass du nervös bist!“ Naja, nervös würde ich das jetz nicht nennen, eher abgeschreckt, sagen kann ich das natürlich nicht, ich überlege was ich sagen könnte, irgendwas mit Wetter vielleicht, Wetter kommt ja immer ganz gut…du küsst mich. Das kam jetzt so plötzlich das ich noch verwirrter bin. Aber das klappt irgendwie besser als reden und da mir sowieso kein Thema einfällt mit dem man die Zeit totschlagen könnte mache ich einfach mal mit. Das kannste garnich ma so schlecht. Das steigert deine Attraktivität dann wieder. Kann man ja auch beide Augen bei zudrücken.
Offensichtlich bist du der gleichen Ansicht, meine Kussqualitäten scheinen dich sogar meine nicht vorhandene Oberweite vergessen zu lassen und du beginnst mich auszuziehen. Und ich dachte immer kleine Männer hätten Probleme mit dem Selbstbewusstsein. Zumindest sagt meine Oma das. Haste wohl unrecht liebe Oma, die Zeiten ändern sich! Um nich die einzig nackte Person im Raum zu sein mache ich mal mit, bin auch irgendwie grade bisschen euphorisch von dem ganzen Geknutsche. Vielleicht kannste deine Attraktivität ja nochma steigern. Warten wirs mal ab.
Kannst du nicht. Du liegst auf mir und stöhnst als hättest du schlimme Schmerzen. Ich verstehe nicht warum, super finde ich die Nummer jetzt nicht unbedingt, aber Schmerzen hab ich auch keine. Dich erregt das Ganze offenbar total. Du versuchst mich zu küssen, ich schiebe deinen Kopf zur Seite und erhasche einen Blick auf die Uhr. Man, sieben Minuten schon. Was man da alles hätte machen können. Ein Buch lesen, oder bügeln, aufräumen, was basteln…ich wollte schon immer mal wissen ob ich Talent zum Nähen hab. Morgen gehe ich mal los und kaufe die Burda, oder was vergleichbares. Je nachdem was es da so gibt…du hältst inne und fragst ob ich keinen Spaß hätte, ich entgegne doch doch natürlich und das du das nicht denken sollst. Als Bestätigung meiner Worte stöhne ich danach ein bisschen mit. Nach weiteren vier Minuten ist dann alles vorbei. Du rollst dich von mir runter und siehst mich an.
„Kann ich hier drin rauchen?“ frage ich ohne dich anzusehen.
„Nein, aber du sollst jetzt auch nicht rauchen… bleib doch bisschen mit mir liegen...“ sagst du und rückst ein Stück näher. Och nö nee? Ich versuche dir begreiflich zu machen, dass ich jetzt ganz ganz dringend rauchen muss und sonst total unentspannt bin, du reichst mir deinen Bademantel und ich flüchte auf den Balkon. Mist. Offenbar fandst du das grade besser als ich, vielleicht war das ja auch alles um was es dir hier ging. Aber das will ich dir nun auch nicht unterstellen. Ich beschließe nach der Zigarette abzuhauen um weitere Peinlichkeiten zu vermeiden. Sandkastenliebe hin oder her, im Hier und Heute wird das garantiert Nichts. Ich mag deine Hobbys nicht, nicht die nackte Frau an der Wand und auf keinen Fall mag ich deine Ed Hardy Schuhe. Von dem großen Kopf will ich mal nicht reden, da kannste ja nix für.
Ich schleiche mich wieder rein. Du bist eingeschlafen! Is ja en Ding! Hastig und möglichst leise schlüpfe ich in meine Klamotten und mache mich aus dem Staub. Uff. Geschafft. Jetzt nur mal hoffen, dass man sich nich wieder sieht. Das dürfte ja auch in deinem Interesse sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dir wirklich vorstellen kannst, dass ich wieder einen Teil deines Lebens ausmache. Nein, nein, dafür sind wir viel zu verschieden und das is ja auch gut so. Wäre ja schlimm wenn jeder gleich wäre!
Zuhause angekommen beschließe ich erstmal eine zu rauchen. Ich rauche zu viel, das weiß ich aber ich sehe garnich ein aufzuhören. In solchen Momenten muss man einfach rauchen. Mein Handy klingelt. SMS. Mir schreibt normal nie wer SMS, meine Freunde wissen, dass ich meist zu faul bin gleich zu antworten und auf die Antwort drei Stunden zu warten is ihnen zu blöd. Kann man ihnen auch nich verübeln.
„War ein schöner Tag Süße, wann sieht man sich denn mal wieder? xoxo“
Ach man.. wer schlägt mich jetzt K.O.?
Tags: Sandkastenliebe






Kommentare
xoxo is aber auch ein Scheißname.
13.07.2012, 18:19 von quatzatWird man auch K.O beim lesen.
27.06.2012, 23:40 von Ben34Einserseits Hirnfick mit etwas mehr Raum nach oben.
Deine Schreibweise hat es mir angetan, ich liebe es.
27.06.2012, 12:36 von CyroAutomatisch nehme ich beim Lesen die Rolle des männlichen Parts in Gedanken ein, auch wenn ich knapp 40cm länger bin und sicherlich auch eine etwas andere Zimmerausstattung habe. Aber unterschiedliche Situationen kann ich mir schon vorstellen. Das darauf los plappern ohne auf den anderen einzugehen, die Missverständnisse, das aneinander vorbeireden, das Nicht-Verstehen des anderen, selbst beim Sex ... Er versucht lange durchzuhalten damit sie auch was davon hat und sie denkt o O (Man, sieben Minuten schon. Was man da alles hätte machen können. Ein Buch lesen, oder bügeln, ...) Oder auch nach dem Sex ... er finde sie rein körperlich toll und will sie gerne noch so neben sich liegen haben und bewundern, sie aber träumt von Luftverpestung und will sich sowieso seinem Blick entziehen (sorry, wenn ich das so sage als Nichtraucher).
Obwohl die beschriebenen Situationen teils eher traurig sein mögen stecken für mich da mehr (unabsichtliche) Situationskomik drin als in unzähligen sog. Comedysendungen, wo ein eingespieltes fast sekündliches Lachen zeigen soll, dass die gespielten Situationen komisch sein sollen.
brauchste dich ja nich für entschuldigen. leben und leben lassen. also in dem fall eher rauchen und nicht-rauchen lassen, oder so.
27.06.2012, 12:42 von ThereSheGoesund danke :)
hihi cyi-häsken, das mit den v i e r z i c h cm nimmt dir aber keiner ab, keiner!
03.02.2013, 10:43 von MaasJanAuthentisches Depressionsgeficke. Kann man nebenbei lesen, vergisst man auch schnell wieder, zurück bleibt dennoch so ein Bedürfnis zu duschen. Der Morgen macht den Tag.
27.06.2012, 09:47 von EliasRafaelhaha :) ich find den Text sehr lustig. Vor allem da kannste ja nix für und xoxo. wenn du jetzt noch den einen oder anderen Flüchtigkeitsfehler beseitigst, gibts nicht mehr viel zu meckern.
27.06.2012, 09:10 von halbkindmfEs geht zwar, wie so oft, nur um schlechten Sex, aber doch wenigstens amüsant; lapidar nebenbei erählt.
Das hab ich auch noch nich erlebt.
"Hey, Ewigkeit her. Kommste vorbei?" - voll abturn - ficken - tschüss
Ich kenn die falschen Mädels....
Aber ich bin auch nicht klein. hmm
27.06.2012, 08:54 von Jingeling89