Remix.
Vor langer Zeit, ich hockte auf deiner Bettkante, du auf dem Boden, kratzte die Nadel deines Plattenspielers leise und knisternd über schwarzes Vinyl.
"Das ist die Versus von den Kings Of Convenience", sagtest du, den Rücken zu mir gedreht. Mehr nuscheltest du in das Knistern, deine Stimme kaum lauter als die ersten Takte. Ich zog die Stirn kraus und versuchte, mich in die ungewohnten Töne zu finden. Versus. Paula vs. Ungewissheit. Das alte Spiel.
Deine Hand legt sich auf meine Wange, just in diesem Moment. Sie liegt falsch da, das weiß ich, aber ich schiebe sie nicht weg. Unsere Beine strampeln, strampeln sich durch den Wust aus hunderten von Menschen, und auf unseren Nasen glänzt es als du mich küsst. Der Beat gräbt sich in meinen Magen, macht ihn ganz weich, viel zu weich, mir ist das Herz hineingeplumpst. Der Beat stampft ohne Erbarmen weiter, ich fühle nasse Haarsträhnen und deine Zunge in meinem Mund.
Es gibt Leute, die warten an jedem Freitag, jedem Samstag auf den Moment, in dem der Club zu bersten droht. In dem hunderte Füße wie wild über den Boden schleifen, hüpfen, schieben; in dem sich Schweiß mit Bier mischt und man nur noch Menschen atmen kann. Wir drehen uns auf der Tanzfläche, mein Magen spielt nicht mit, es rumpelt und als ich stolpere, fängst du mich auf. Tausend kleine Spiegel auf der Discokugel, tausend kleine Lichter in deinem Gesicht, tausend mal berührt und ein mal wieder passiert.
Laufen, ja, frische Luft, die brauch ich nun. Dreiundvierzig Treppenstufen bis zu deiner Wohnung, die Treppe dreht sich in das Dach des Hauses, mein Magen dreht sich auch. Wie sollte es auch sonst sein, wie soll ein Magen sonst mit einem Herz umgehen, das plötzlich in ihn hineinfällt, schwer und pochend. Du ziehst mich hoch, wir machen Schwitzehändchen und stehen küssend im Treppenhaus. Deine Hand liegt auf meinem Hintern und sie liegt richtig da.
Du schiebst eine CD in die Anlage, das Summen des zufahrenden CD-Fachs höre ich nicht, dafür deinen Atem in meinem Ohr. Schwere Töne in meinen Knochen und die viel zu weiche Matratze in meinem Rücken. Ein dumpfer Beat in meinem Magen und mein Herz pocht viel zu laut. Schweiß auf deiner und auf meiner Stirn und irgendwas fühlt sich falsch an. Zwei geschlossene Augenpaare, zwei Herzen, die in die Hosen gerutscht sind, dabei liegen eben jene Hosen nun irgendwo im Flur. Deine Hand krallt sich in meine und es fühlt sich anders an als sonst. Nicht schlecht, nur anders. Meine Hand kann nicht in deinen Rücken fassen, zu viel Schweiß und ich weiß, der muss da sein.
Du liegst neben mir, dein Atem untermalt die Musik, ein langsamer, sanfter Beat, der im Takt gegen meinen Bauch drückt. Es fühlt sich an, als hätte MSTRKRFT Jacques Brel neu gemixt, denke ich, und fühle mich fehl am Platz. Manche Lieder müssen bleiben wie sie sind um ihren Zauber entfalten zu können. Um fühlbar zu bleiben, um sich in das Herz zu schleichen und für ewig dort zu klingen. Manche Lieder brauchen keinen Beat, um den Magen krampfen zu lassen, manche schaffen es auch so. In meinem Bauch wummert es noch immer und die Staubkörner, die durch die Luft tanzen, sehen aus wie tausende kleine Discokugellichter.
Remix Remix Remix pocht es gegen meine Schläfen und du atmest ruhig weiter. Es ist nicht mehr dein Atem vs. Musik. Das bist nur noch du. Und du fühlst dich eine Spur zu anders an.
Das leise Klacken der Wohnungstür hallt durch das Treppenhaus als ich mein Herz sortiere und mich endlich wieder richtig fühle.






Kommentare
diese übelkeit wenn man aufgeregt ist kenn ich nur zu gut.........
30.12.2006, 17:30 von schnatterlieseda fängt mein herz an zu pochen!
29.11.2006, 12:57 von Kleingeistgenial!
wunderschön.und leider momentan viel zu nachvollziehbar.danke dafür :)
01.10.2006, 19:26 von blitzlichtgewitterdas ist ganz wunderbar geschrieben.
30.09.2006, 22:45 von caspars@caspars wunderschön, finde ich.
01.10.2006, 09:35 von himbeermilchkuhrespekt!
Tut mir leid, ich kann dem nichts abgwinnen. Thema und Intention sind ja ok, obwohl wie ich denke in der falschen Sparte. Der Text liest sich aber doch sehr holprig. Sorry nicht mein Fall, vielleicht beim nächsten mal.
30.09.2006, 16:40 von peitieOhh, das kommt mir sehr bekannt vor... Danke für den Anstoß an die Erinnerung.
30.09.2006, 00:02 von xxMENAxxWunderbarer Text.
gedankenremix durch das lesen.
29.09.2006, 21:33 von PiPawar eine kleine schöne reise durch deine worte, merci!