theChaosqueen 10.07.2018, 21:24 Uhr 8 1

Öffentlichkeit und Sex - nicht gemeinsam, sondern nacheinander

Etwas am Laufen haben oder was Ernstes? Wann läuft nix mehr und wann läuft man ins andere - was ist eine Beziehung und wieso muss die ernst sein?

„Eine Beziehung oder sowas will ich aber nicht.“ Dieser eine Satz brachte mein Gedankenkarussell ganz schön in Fahrt und das glatt über einen längeren Zeitraum. Aber alles der Reihe nach.

Es stammt diese Aussage vom Apotheker, der sogar als solches in meinem Telefonbuch abgespeichert wurde. Nur in Form eines englischen Synonyms und abgekürzt. LDD für Legal Drug Dealer. Nicht dass ich seinen Namen nicht gewusst hätte, aber so kannten sich alle aus, inklusive mir.

Kennengelernt habe ich den Apotheker beim Weggehen über Freunde oder besser gesagt über seinen besten Freund. Der wiederum wollte was von mir, aber wie das Leben so spielt, spielte sich bei der Chaosqueen ein anderer Gedanke ab. Kurzum: Der Apotheker und ich landeten im Bett. Nicht am Tatabend selbst, sondern in nüchternem Zustand am darauffolgenden Abend. Ein paar Tage danach wollte ich wissen, ob wir das wiederholen wollen würden, worauf als Antwort eingangs erwähnter Satz zurückkam.

Da saß sie nun, die Chaosqueen; ratlos und für eine ganze Weile ziemlich still. Nicht aber deshalb, weil ich enttäuscht war, dass der Apotheker sich nicht gemeinsame Wohnung, Heirat und Kinder vorstellen wollte. Nein, ich fragte mich tatsächlich: „Geh Sch… was bitte verstehe ich unter einer Beziehung?!?“

Nicht dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine solche hatte. Sogar eine Ehe samt Rosenkrieg brachte ich zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich hinter mich. Allerdings bemerkte ich, dass ich noch nie in meinem ganzen Leben ernsthaft darüber nachgedacht habe, was ich unter einer Beziehung verstand. Von einer „guten“ wollen wir mal gar nicht reden. Wobei ich das lieber zusammenfasse, weil wenn ich schon darüber nachdenke was eine Beziehung für mich bedeutet, will ich nicht noch einmal extra darüber nachdenken, was das Ganze noch gut werden lässt.

Eine Freundin, die ich in dieser Hinsicht als besonders kompetent, weil Psychotherapeutin, erachtete, saß mir genauso ratlos gegenüber als ich die Frage aller Fragen stellte, was denn das nun sei. Schlussendlich stellte sie mir eine Gegenfrage: Was ist dir wichtig?

Ernsthaft in Erwägung gezogen, das je für mich beantworten zu müssen, habe ich nicht.

Was aber ist nun wichtig?

Für mich beginnt eine Beziehung damit, dass man zum Anderen steht. Sonst ist es eine Affäre. Heimlichkeit. Sonstwas. Sorry, aber wer sich innerhalb der Wohnung verabschiedet, weil es außerhalb jemand sehen könnte, ist definitiv keine Beziehung.

Treue ist ein schwieriges Thema (und noch ein viel diskussionswürdigeres, wo Untreue beginnt). Angesichts von Polyamorie und offener Beziehungen beinahe ein Exot. Aber Exklusivität wäre mir wichtig. Vielleicht bin ich da altmodisch, aber ich könnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich in meiner Verliebtheit noch Lust bekäme, mit einem anderen Mann das Bett zu teilen. Und umgekehrt erwarte ich dann schon das gleiche.

Wer zusammen ist, unternimmt gemeinsam was. Nicht ständig, aber immerhin ab und zu.

Ach ja, Sex wäre auch ganz nett.

An dieser Stelle muss ich ehrlicherweise gestehen, dass die Attribute, die eine schlichte Beziehung zu einer qualitativ hochwertigen, sprich guten Beziehung machen, nicht ganz so leicht zu beantworten ist wie eingangs salopp behauptet.

Die Liaison mit dem Apotheker führte übrigens nicht zu einer Beziehung, weil ein Punkt fehlte (und der auch nicht mehr eingetreten wäre, nachdem ich ihn beleidigte).

 

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8 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Und ich will jetzt un-be-dingt- wissen, welcher Punkt fehlte und wie du ihn beleidigt hast ^^. Ich sterbe vor Neurgier! :)

    12.07.2018, 20:27 von Gluecksaktivistin
    • 0

      Ich lebe vor Altgier! :)

      12.07.2018, 22:33 von LordChandos
    • 1

      hihihihi, sehr gut. Altgier


      12.07.2018, 22:50 von Gluecksaktivistin
    • 1

      oder meinst du vielleicht Altbier? ;)

      13.07.2018, 13:59 von Gluecksaktivistin
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  • 2

    Viele nutzen "Beziehungen" doch letztlich dafür, die Leere in ihrem eigenen Leben zu füllen. Der Mensch als zoon politikon, das gemeinschaftliche Wesen. Es sehnt sich nach Ablenkung und Zweisamkeit, um sich höchstselbst vom eigenen Ungemach und den gärenden Fragen zu drücken. Problemverlagerung. Es mag helfen, wenn einem ein Mensch in manchen Lebenslagen beisteht. Durch die größten Situationen muss Mensch aber letztlich alleine durch. Es ist nicht das Schatzi, das die böse Prüfung in der Uni schreibt, vor der man Panik schiebt und es ist auch nicht das Schatzi, welches sich in einer OP stellvertretend den Bauch aufschneiden lässt. Da muss man alleine durch. Nur das Bepuscheln vorher und nachher gibt manchem Menschen Kraft.

    Eine bedingungslose Zuneigung zu einem Menschen, frei von Forderungen und Restriktionen, können wenige vergeben. Weil sie in dem Fall ganz bei sich wären. Den eigenen Kontext kennen, das Leben als sich ein immer veränderlicher Prozess begreifen und den Menschen an der Seite sein freies kurzes Leben lassen würden.

    12.07.2018, 11:08 von LordChandos
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  • 0

    Ich seh den Erkenntiswert noch net ganz ... Was nutzt es, wenn Du jemand das Schild "Beziehung" angeklebt hast?

    12.07.2018, 01:12 von alter_hund
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  • 2

    Es gibt keine festen, nur fließende Beziehungen. 


    Und eine Affäre kann man auch sehr ehrlich und offen haben. 

    Treue ist auch keine Lösung. 
    Und kommt nicht von "sexueller Ausschließlichkeit". 

    Und es ist gut sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. 
    Kann ich nur zu motivieren :) 

     

    11.07.2018, 23:31 von NieOhne
    • 0

      sag doch gleich, dass du einfach nur wild durch die gegend vögeln willst. 

      13.07.2018, 22:55 von green_tea
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