Phia. 30.11.-0001, 00:00 Uhr 52 31

Nummern

Wenn Nummer 12, 6 oder 4 anruft, nehme ich nicht ab, bei Nummer 13 werde ich auch keine Ausnahme machen. Sie sind mir egal.

Ich lasse mich keuchend neben den Typen fallen, dessen Namen ich nicht einmal buchstabieren kann, geschweige denn, dass ich seinen Nachnamen weiß. Er weiß meinen, denn diesen hat er in der letzten halben Stunde mehrfach gestöhnt. Ich schaue auf die Uhr und weiß, dass ich vor dem Frühstück gehen werde, so mache ich es immer.

Dieser Typ, nennen wir ihn Nummer 13, liegt nun also mit einem befriedigten Lächeln neben mir.
Doch ich suche nicht nach sexueller Befriedigung, ich suche viel mehr etwas, das mir die Einsamkeit nimmt; und für ein paar wenige Momente gelingt mir dieses auch. Doch dann ist er vorbei, der Höhepunkt, der Moment, den ich so sehr hoffe zu finden.

Wenn Nummer 12, 6 oder 4 anruft, nehme ich nicht ab, bei Nummer 13 werde ich auch keine Ausnahme machen. Sie sind mir egal. Ich frage mich selbst oft genug, wieso ich mir dann einen One-Night-Stand nach dem anderen antue. Aus Naivität, ist dann meine Antwort, ich hoffe, dass jedes sexuelle Erlebnis mir meine Einsamkeit nimmt, den Schmerz, den ich schon lange nicht mehr spüren kann.

Vor einigen Monaten fing ich damit an. Als mir ein Mensch, nennen wir ihn Nummer 1, jegliches Gefühl von Vollkommenheit, Liebe, Glück und Wärme genommen hat. Zu behaupten, er sei meine große Liebe, wäre absurd, denn eine große Liebe hält für die Ewigkeit. Jedoch habe ich mich nie zuvor so gefühlt, nie zuvor so aus tiefstem Herzen gelacht und mich in der Nähe eines Menschen noch nie so wohl gefühlt. Er war meine Nummer 1. Bei ihm blieb ich bis zum Frühstück und länger. Seitdem bin ich ein eiskalter Mensch, der auf der Suche nach etwas ist, das er in all dem Sex mit Menschen sucht, die er nie wieder sehen wird, die eigentlich total egal sind.

Nach jedem Aufwachen und Zurückfallen in die Realität stelle ich immer das Gleiche fest.
Doch immer wieder erneut hoffe ich, zu finden, was mir Halt gibt, was mir zeigt, wer ich bin, was ich will und wo die Zeit geblieben ist, in der das Wichtigste war, einen perfekten Sandkuchen zu backen.

Jeder Tag ist gleich. Ich erledige Verpflichtungen wie eine Maschine, esse, trinke und sitze nichtstuend auf meinem Bett, starre die Decke an und streiche über das Laken, auf dem immer jemand anderes schläft.

Nummer 13 ist eingeschlafen, ich nehme mir leise meine Sachen, ziehe mich beim Rausgehen an und ziehe die Haustür leise zu. Dann stolziere ich barfuß, die Schuhe in der rechten Hand, zu meiner Wohnung. Dort werde ich duschen, mich ein wenig schlafen legen und mir eine Nummer 14 suchen.

Jeden Tag das Gleiche, so lange, bis ich mich keuchend neben einen Menschen fallen lasse und nicht warte, bis er eingeschlafen ist und mich dann aus der Wohnung schleiche, sondern bleibe, bis zum Frühstück - und länger.

31

Diesen Text mochten auch

52 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Man. Du bringst das schon ganz schön auf den Punkt. Ich habe letzte Woche meine Ex abgesägt. Die macht jetzt das gleiche. Also das mit den Nummern. Woher ich das weiß? Sie hat sich zur Wahrheit durchgevögelt, bis wir uns getroffen haben. Da hatte sie schon nicht mehr gezählt.
    Ich blieb trotzdem zum Frühstück, zum Mittagessen und am nächsten Tag bin ich wieder zu ihr. Das war letztes Jahr. Sie kam mich besuchen. 13000km, 2 Monate lang.
    Sie ist 15 Jahre älter als ich, lebt in einem Land in dem die Möglichkeiten einen Partner zu finden, mit dem man Interessen teilt eher gering sind.
    Das tut auch mir weh.

    01.08.2011, 21:50 von Joe_bw
    • Kommentar schreiben
  • 0

    boah, du beschreibst mein leben. alle "nummern" passen haargenau, und man tut es immerwieder, obwohl man weiß, dass es im endeffekt doch nichts bringt. zumindest denk ich so, ich fühle mich nämlich nicht so, als würde ich je wieder zum frühstück bleiben wollen.

    22.06.2011, 18:37 von turtle_express
    • 0

      @turtle_express ich bleibe wieder zum frühstück :)

      24.06.2011, 13:56 von Phia.
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ganz guter text. aaaaber, du bist 19 (oder 17, oder wie alt auch immer). also hör mal auf zu jammern und genieß dein leben. worans mit der nummer 1 gescheitert ist weiß auch keiner, also mitleid ist da wirklich fehl am platz.
    aber scheinst ja verstanden hast, was verkehrt läuft und an ne neue nummer 1 zu glauben...also viel glück.

    23.07.2010, 13:56 von andiadlerauge
    • Kommentar schreiben
  • 0

    es ist mir egal, ob du 17 oder 19 oder 65 bist. der text ist so einfach, ohne schnörkel, aber er bringt das rüber, was du rüberbringen willst denke ich. er berührt mich, weil ich mich genau in dich hineinversetzen kann. man will nicht allein sein, und ist es trotzdem, solange jemand anders als nummer 1 neben dir liegt.

    21.07.2010, 22:53 von -atinA-
    • Kommentar schreiben
  • 0

    schade, dass nummer 1 für dich offenbar auch keinen namen (mehr?), sondern auch nur eine nummer ist...

    18.07.2010, 21:26 von Emiliano
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wahrhaft jeden tag? das muss spaß machen. ich bin wie du, wenn das was du schreibst, dich wiederspiegelt.

    18.07.2010, 00:33 von Wuuhuu
    • Kommentar schreiben
  • 0

    der weg macht nich automatisch noch einsamer...man muss nur bissl aufpassen das man das nicht mit freunden macht sondern echt nur o-n-s mit irgendwelchen typen...dann is das bis zum richtigen n guter ausgleich zum harten alltag, aber zu viel macht betrunken...außerdem ist fraglich ob sich mister x nach solchen geschichten beruhigt auf etwas ernstes einlässt

    16.07.2010, 20:07 von LeS_CactUES
    • Kommentar schreiben
  • 0

    @plapperfuchs

    also ehrlich. folgendes:

    "sag mal wieso echauffiert ihr euch da eigentlich so krass?! Ob realistisch oder fiktiv...was macht das schon für einen Unterschied hier? Man kanns doch trotzdem veröffentlichen.
    Wenn euch ein Artikel wie dieser nicht gefällt, müsst ihr ihn ja nicht (zu Ende) lesen..."

    wird so oft geschrieben und gesagt. Und ich muss ehrlich fragen: Was soll der Quatsch? Wenn ich einen Text im Internet veröffentliche, muss ich mit Kritik umgehen und auch davon ausgehen, dass Menschen meinen Text lesen, die ihn einfach nicht gut finden und das auch kundtun! Mich zwingt ja auch niemand dazu Robinson Crusoe zu lesen. Trotzdem kann ich es machen und danach sagen: "Jo....langweiliger Mist.....aus dem und dem Grund." Wenn die Autorin darauf aus war/ist, hier Streicheleinheiten und Mitleid in Textform zu bekommen kann ich nur sagen: Ein Haustier wäre die bessere Wahl gewesen.

    Und wozu eigentlich Mitgefühl etc? Weil sie durch die Gegend vögelt? Ja, mir kommen gleich wirklich die Tränen. Welch Bürde.

    16.07.2010, 15:20 von iananderson
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      @[Benutzer gelöscht] plapperfuchs

      robinson crueso ist fiktiv, diese geschichte nicht.

      ... glaubst du. ..

      17.07.2010, 10:52 von RedSonja
    • Kommentar schreiben
  • 0

    oje, schon wieder ein gestrandeter mensch, der auf zurückweisung und enttäuschung nur mit selbstzerstörerischet verhalten ragieren kann...

    jaja die welt ist so böse,

    16.07.2010, 14:35 von katschoo
    • Kommentar schreiben
  • 0

    @Starlight: der link geht nich......

    16.07.2010, 14:34 von Aloisia
    • 0

      @Aloisia Leerzeichen rausnehmen.

      16.07.2010, 18:48 von easa
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4 5 ... 6

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare